Erinnerung, Gerechtigkeit und Versöhnung


Von Gerhard Zeihsel

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) als offizielle Vertretung der Opfer des nach den Plänen von Dr. Edvard Beneš in der Tschechoslowakei in den Jahren 1945/46 begangenen Völkermordes an den Deutschen beschloss anlässlich ihrer Bundeshauptversammlung am 5. April im Gedenkjahr 2008 folgendes Manifest:

  • Wir erinnern an die erzwungene Integration von über 3,5 Millionen deutsch-österreichischen Bürgern in die neu gegründete Tschechoslowakische Republik im Jahre 1918.
  • Wir erinnern an die Nichterfüllung der tschechischen Versprechen vor der Friedenskonferenz von St. Germain im Jahre 1919, den neuen Staat nach dem Muster der Schweiz einzurichten.
  • Wir erinnern an die Folgen dieser Staatsgründung, die für die dortige gesamte ehemalige deutsch-österreichische und ungarische Bevölkerung in einem bis heute nicht geahndeten Völkermord endete.
  • Wir erneuern die rechtlich begründeten Forderungen an die Tschechische und Slowakische Republik:
    1. Wir fordern im Rahmen der Konvention über den Völkermord eine nach dem Völkerrecht festgelegte Wiedergutmachung.
    2. Wir fordern weiters, sich dieser rechtlich zwingenden Maßnahme nicht durch verschleppende Aufrechnungsversuche und durch Beschönigung von völkerrechtlichen Delikthandlungen zu entziehen.
    3. Wir fordern die Repräsentanten, Bürger und Medien der Tschechischen und Slowakischen Republik auf, Pauschaldiffamierungen der über drei Millionen Opfer des Völkermordes in Hinkunft zu unterlassen.
    4. Wir fordern in diesem Zusammenhang eindringlich auf, auch den Versuch zu unterlassen, mehr als einer Million von unschuldigen Kindern, mehr als einer Million Frauen und rund 800.000 Männern eine Mittäterschaft an den oder, wie neuerdings formuliert, eine Mitverantwortung für die während des Zweiten Weltkrieges begangenen Verbrechen zu unterstellen. Denn diese Unterstellung schafft neues Unrecht und bedeutet kollektiven Rufmord an den Sudetendeutschen.
  • Wir erklären, dass durch eine Restitution sudetendeutschen Privatvermögens kein Unrecht gegenüber tschechischen Bürgern entstehen soll. Unrecht darf nicht mit Unrecht vergolten werden.
  • Wir verweisen auf den Umstand, dass eine Restitution einen bisher nicht da gewesenen Investitionsschub für die tschechische Wirtschaft bedeuten würde. Man denke nur an die vielen von ehemaligen sudetendeutschen Bewohnern finanzierten und in vorbildlicher Weise durch tschechische Arbeiter renovierten Gebäude wie z. B. Kirchen.
    Ebenso könnten die Entschädigungszahlungen eine Re-Investition des Kapitals in der Tschechischen Republik nach sich ziehen.
  • Wir hoffen auf Fortschritte in der Kooperationsbereitschaft autorisierter tschechischer Instanzen mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft als der Vertretung der Vertreibungsopfer.
  • Wir grüßen unsere ehemaligen Mitbürger in der früheren Tschechoslowakischen Republik (CSR) und deren Nachkommen als unsere heutigen Mitbürger im vereinten Europa!

Gerhard Zeihsel, Wien, 1987–1996 freiheitlicher Landtagsabgeordneter und GR, Obmann der SLÖ seit September 2000, Vizepräsident der Bundesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaften in Deutschland.

Bearbeitungsstand: Freitag, 26. November 2010
 
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