Künstliche Aufregung um ein Ferkel


Zensorische Ferkeleien, betreffend das Buch „Wo bitte geht’s zu Gott? Fragte das kleine Ferkel“, kurz Ferkelbuch genannt, www.alibri.de, ISBN 978-3-86569-030-2, von Michael Schmidt-Salomon & Helge Nyncke. Der Untertitel: „Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“, beschreibt den speziellen Leserkreis, der damit angesprochen werden will.

 

Buchbesprechung von Mathias Holweg

November 2007 kommt also das Buch heraus, ein Bilderbuch, wie man es für Kinder gemacht vermeint, tatsächlich aber klärt der Untertitel auf: Da sind auch Erwachsene angesprochen, geht es doch um Eigenheiten und Gemeinsamkeiten der drei Offenbarungsreligionen, die aus abrahamitischer Wurzel hervorgehen: heutiges Judentum orthodoxer und zionistischer Art, christliche Religionen und der Islam. Ihr gemeinsamer Nenner eben wegen gemeinsamer Wurzel ist der erklärte Anspruch auf absolute Wahrheit der jeweiligen Offenbarung und ihrer Auslegungen durch besondere „Eingeweihte“.

In einer Bildergeschichte erleben die Figuren der Geschichte, ein Ferkel und ein Igel, die Schattenseiten dieser Lehren, wie sie unbefangene Personen im ersten Moment des öfteren abstoßen. Ergebnis für die beiden Figuren ist die Erfahrung, dass man besser ohne diese Voreingenommenheiten und Erfindungen durchs Leben kommt. Als Beispiel für diese Schlussfolgerung der Buchfiguren sei die Begründung des Rabbis für die Sintflut angeführt: Sie, die Menschen davor, haben andere Götter angebetet. – Es gibt also weitere Götter als den Seinen? – Nein, das haben sich die Menschen bloß eingebildet, In Wirklichkeit gibt es diese alle nicht. Schlussfolgerung der Figuren: Wenn sich Menschen Götter einbilden können, woher wissen wir dann, dass du dir deinen Gott nicht auch nur einbildest?

Soweit die Geschichte, die in einfachem Ablauf eine kritische Darstellung liefert, die aber Hinter- und Abgründe der drei „Wahrheiten“ über die „Kultfiguren“ namens Gott usw. nicht unintelligent hinterfrägt. Einige Situationen kann man erst verstehen, wenn man Einzelheiten dieser drei Offenbarungsgeschichten kennt. Hinweise dazu unter: www.ferkelbuch.de. Kommentieren möge das ein allenfalls interessierter Leser selbst.

Eine andere Art der Offenbarung liefert die moderne Inquisition deutscher Art im angeblich freiesten aller Deutschländer, die es je gab. Kirchliche Würdenträger sahen sich pikanterweise in die Pflicht genommen, dieses „Machwerk“ aus dem deutschsprachigen Verkehr zu schaffen, gehe es darin doch um Antisemitismus – oh Schreck. Es bekommen ja nicht allein Christentum und Islam ihr „Fett“ ab, auch die jüdische Orthodoxie wird im Buch kritisch hinterfragt und das sei ja Antisemitismus pur nach der Diktion des Pressesprechers Dr. Broch des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Ein Verbotsverfahren war schnell gebastelt und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Deutschland übernahm bereitwillig die Rolle des Saubermenschen. Das Verfahren wurde tatkräftig betrieben, um dann als peinlicher Rohrkrepierer zu enden. Typisch für diesen Vorgang bis zum ruhmlosen Ende ist eine begleitende Medienhatz der schon üblichen, um nicht zu sagen üblen Art und danach Schweigen in der Medienlandschaft von Deutschland und Österreich. Ein Angehöriger eines jüdischen Instituts erklärte, für die Betreiber der Hatz wohl in boshafter Absicht, aber mit solider Sachlichkeit: In diesem witzig geschriebenen Büchlein sei auch mit einiger Mühe kein Antisemitismus zu erkennen. International anerkannte Persönlichkeiten der westlichen „Wertegemeinschaft“ aus anderen Ländern loben die Güte und Qualität der Darstellung, wenn auch witzig verfremdet. Und über Geschmack lässt sich sowieso nicht streiten. Übersetzungen in weitere Sprachen sind unterwegs. Angesichts dieser Faktenlage traute sich Frau Minister Ursula von Leyens nicht, sich weiter als „Saubermensch“ zu profilieren. Wie beschädigt bis erledigt ist unsere Meinungsfreiheit schon in der Praxis selbst bei zweit- bis drittrangigen Anlässen?

 
Dipl.-Ing. Mathias Holweg
lebt in Niederösterreich und unterrichtet an einer Höheren Lehranstalt.

Bearbeitungsstand: Montag, 10. Jänner 2011

Mit Unterstützung von:

Verweis in neuem Fenster öffnen

Ja, senden Sie mir die GENIUS-Briefe gratis zum Kennenlernen an diese meine E-Mail-Adresse:

Mir ist bekannt, dass ich obige Zusendung jederzeit stornieren kann. Dazu muss ich nur auf die letzte Zeile in jedem GENIUS-Brief klicken.
Meine E-Mail-Adresse wird nur für Versandzwecke gespeichert.
 

 
Genius – Gesellschaft für freiheitliches Denken, Verein mit Sitz in Wien. ZVR 127778490
A-1010 Wien, Kärntner Ring 10/Top 2A, Telefon +43/0/650 7982 151, EMail: verein@genius.co.at
Wiedergabe von Genius-Lesestücken nur mit Zustimmung der Genius-Gesellschaft