Zitaten-Truhe


Eine antisowjetische Fabel

Der auch heute noch sehr populäre russische Kabarettist und Satiriker Arkadi Raikin (1911–1987) hat sein Publikum gerne mit Erzählungen und Fabelgeschichten unterhalten. Eine davon sei hier erzählt*:

In einem Wald arbeitete einst ein Bär als Hase. Wie war es dazu gekommen?

Der Wald benötigte einen Bären. Frei war aber nur eine Planstelle für einen Hasen. Der Bär war damit einverstanden und besorgte seine Bärenarbeit, für die er einen Hasenlohn bekommen hat.

Er arbeitete lange gewissenhaft, bis er schließlich erfahren hat, dass in selbigem Wald ein Hase als Bär eingestellt ist. Dies hat den Bären erbost. Wie gibt es so etwas, der schwachbrüstige Hase bekommt ein Bärengehalt?

Er schrieb an das allerhöchste Forstamt, und es kamen daraufhin alle Löwen, die gesamte Untersuchungskommission, zusammen. Man lud Bär und Hasen vor.

„Sind Sie der Bär?“ fragte die Kommission den Hasen.

„Ja, ich bin der Bär“, antwortete der Hase und zeigte seine Dokumente.

„Ja, Sie sind wirklich der Bär!“

„Aber ICH bin doch der Bär“, ereiferte sich dieser.

„Ihre Dokumente bitte.“

Die Kommission prüfte die Dokumente und sagte:

„Worüber streiten Sie Bürger Bär, wenn dort klar steht, dass Sie der Hase sind.“

Das war’s dann! Sie werden jetzt fragen, wo bleibt die Moral der Geschichte?

Welch eine Moral wird es schon geben, wenn auf den Amtsposten der Löwenkommission die Esel sitzen?

Anm.: Ähnlichkeiten mit österreichischen oder gar europäischen Bären, Hasen und Löwen wären rein zufällig und völlig unbeabsichtigt.

*Originalauftritt: https://www.youtube.com/watch?v=4TL7W0ynSAI

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Bearbeitungsstand: Mittwoch, 26. Mai 2021

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