Enorme Kriminalität in Großbritannien


Zur Behandlung der englischen Krankheit

 

Von Wolfgang Caspart

England ist an Kriminalität erkrankt. Die einschlägig wiederkehrende Berichterstattung in den überregionalen Medien belegt das. Die „Querschüsse“ berichteten zusammenfassend schon am 13. Februar 2007:

„England ist krank, ein Land, das am Ende ist. In den englischen Zeitungen steht das schon lange, jetzt sickert es langsam, ganz langsam auch bei uns in die Medien, dass dort vieles nicht stimmt und dass es immer schlechter wird. Die Probleme dieses Landes sind einerseits die politische Korruption, andererseits die ungeheuerliche Kriminalität. Die politische Korruption haben wir ja auch und die spüren die einfachen Menschen nicht so sehr, die Kriminalität aber schon. Seit langem haben die Engländer die Amis bei der Kriminalitätsrate weit hinter sich gelassen; in London ist es heute viel gefährlicher als in New York. Vor ein paar Tagen berichteten die Zeitungen bei uns – unsere Journalisten sind halt langsam und schwer von Begriff – dass es eine Justizkrise in England gibt, weil die ,Gefängnisse überfüllt’ seien.

Justizkrise stimmt, die Gefängnisse aber sind gar nicht überfüllt. Die meisten Verbrecher sind nämlich auf freiem Fuß, nur die wenigsten sind eingesperrt. Der britische Justizminister Reid appelliert an die Richter, ,man möge nur mehr Schwerverbrecher einsperren’. Gerade das aber geschieht schon seit vielen Jahren und genau das ist auch die Ursache der heutigen Misere. Seit Beginn der neunziger Jahre machte sich in England diese unselige Ideologie breit, Gefängnisse würden die Verbrecher nicht bessern und man solle daher der Resozialisierung den Vorrang geben. Die Bösewichte haben diese Politik gründlich missverstanden. Während man Einbrecher und Diebe überhaupt nicht mehr einsperrte und bei Gewalttaten automatisch die Hälfte der Strafe erlassen hat, wurde diese Politik von den Tätern als Freibrief, weitere Verbrechen zu begehen, aufgenommen. Die Kriminalität explodierte. Ein Dieb oder ein Einbrecher riskiert heute überhaupt nichts mehr, die Leute werden nicht einmal mehr vor Gericht gestellt. Aufsichtsmaßnahmen, Resozialisierungsprogramme, Fußfesseln, psychologische Betreuung gibt es zwar, die Adressaten dieser Maßnahmen scheren sich aber nicht darum, es wird auch gar nicht kontrolliert, was diese Straftäter machen. Auch weitere, wiederholte Verbrechen bringen die Täter nicht in die Gefängnisse. Die Opfer werden hilflos gelassen. Die Polizei interveniert nicht mehr, kann das auch gar nicht, weil es einfach viel zu viel Verbrechen gibt und die Zahl der Polizisten schwindet.

Die Kameras zeichnen auf, nur kommt niemand zu Hilfe, wenn jemand abgestochen wird. 1997 hat man noch dazu die Opfer entwaffnet und den Besitz von Verteidigungswaffen verboten. Außerdem wird jede Notwehr als „Gewalttat“ qualifiziert und bringt denjenigen, der sich wehrt, ins Gefängnis, während der Einbrecher weiter herumspaziert und noch frech Schmerzensgeld einklagen darf, wenn er eine aufs Auge gekriegt hat. So ruiniert man eine Gesellschaft und das ist den blauäugigen Träumern wunderbar gelungen. Für die meisten Verbrecher ist die ,gefängnislose Gesellschaft’ schon verwirklicht.

Die braven Bürger aber müssen in Gefängnissen leben, weil sie nur mehr die Möglichkeit haben, ihre Wohnungen und Häuser mit viel Geld und Aufwand zu Festungen auszubauen, und wer auf die Straße geht, ist selber schuld. Wir müssen aufpassen, denn solche Politiker gibt es auch bei uns. Die verwichene Justizministerin hat ja einmal ähnliche Wünsche wie der britische Kollege an die österreichischen Richter gerichtet. Nun sind aber unsere Richter nicht solche willfährigen Duckmäuser wie die Perückenträger in England und haben der Frau Minister eine kräftige Abfuhr erteilt. Aber wir müssen weiter auf der Hut sein und rechtzeitig aufschreien, wenn sich auch bei uns solche Ansichten breit machen. Und wir sollten mehr Gefängnisse bauen …“

Strafen müssen Sühnecharakter aufweisen

Als unsere Demokratie noch demokratischer war als heute, als nämlich das Volk noch eher regierte als gegenwärtig, gab es nicht nur keine einheitlichen „Freiheitsstrafen“ mit Fernsehen und Kuschelzellen für Langzeitinsassen, sondern Kerker, schweren Kerker und schweren verschärften Kerker (mit Einzelhaft, hartem Lager und Fasttagen wie Verdunkelung am Jahrestag des schweren Verbrechens). Nebenbei: Dafür gab es auf der anderen Seite noch die Festungshaft ohne Ehrverlust für politische Delikte. In England, dem man wirklich die Demokratie nicht absprechen sollte, existierten sogar Körperstrafen, sprich die Prügelstrafe, und nicht zu vergessen: auch die Todesstrafe. Es waren dies Zeiten, in denen die Kriminalität niedriger war als jetzt bei uns und in England. In den angeblich nicht minder demokratischen USA gibt es Gefängnisse mit militärischem Regime.

Den „Querschüssen“ ist aber entgegen zu treten: Wir sollten mit unserem Steuergeld nicht mehr Gefängnisse bauen und unterhalten, sondern Strafen wieder zu spürbareren Bußen machen. Wie die Entwicklung lehrt, eignen sich stufenweise verschärfende und schmerzhafter werdende Strafen mehr zur Resozialisierung und Abschreckung als pseudopsychologische Betreuung der Kriminellen. Unserem Zuckerbrot fehlt die Peitsche, ihr Gebrauch würde unsere Gefängnisse teilweise leeren und die Gesellschaft besser schützen. Strafen dienen obendrein nicht nur zur Resozialisierung und Abschreckung, sondern vor allem in schweren Fällen zur echten Strafe für asoziales Verhalten. Schwerkriminelle Wiederholungstäter, die wie in Deutschland die liebe Frau Mohnhaupt zu fünf Mal lebenslänglich verurteilt werden mussten, sollen bis ans Ende ihrer Tage in schwerem verschärften Kerker büßen. Dies stellt natürlich die Frage nach der Legitimität des Rechtes zur Strafe. Ein degenerierter Staat, der sich in keiner höheren Ordnung weiß, an sich selbst zweifelt und in Wertfragen zutiefst unsicher ist, findet auch kaum noch zur moralischen Rechtfertigung seiner Handlungen. Lieber liefert er seine Bürger dem Terror einer überbordenden Kriminalität aus, als sich aus einer stringenten Idee zu legitimieren.

 
Dozent Dr. Wolfgang Caspart, Salzburg, ist kompetenter Fachpsychologe.

Bearbeitungsstand: Montag, 10. Jänner 2011
 
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