Nicht alles, was plausibel klingt, wird in der Realität funktionieren


Eine Replik auf die Vorschläge zum besseren Umgang mit der Drogenproblematik

 

Von Martin Hochstöger

Mit großem Interesse habe ich den Beitrag von Bertram und Herbert Schurian im Genius-Brief vom Februar 2009 (Lesestück Nr. 4) gelesen und bin gerne der Einladung gefolgt, meine Sicht als Apotheker zu den geäußerten Überlegungen bei zu tragen.

Die von den beiden Autoren dargelegte Bestandsaufnahme wird durchaus richtig sein und die weltweiten Verstrickungen bis in die höchsten Kreise von Politik und Geheimdiensten sind glaubhaft. Allein die gezogenen Schlussfolgerungen bedürfen einer eindringlicheren Betrachtung, als dies in dem Beitrag geschieht.

Das in Österreich praktizierte Drogenersatzprogramm wird immer wieder als Vorzeigeprojekt bezeichnet und das auch zu Recht. Ziel dieses Programms ist nicht die Entwöhnung des Drogenkranken – auch wenn dies bei Einführung des Programms als eines der Ziele ebenfalls ins Auge gefasst war. Mit der kontrollierten Abgabe von sogenannten Ersatzdrogen an Drogenkranke soll eine Resozialisierung und auch Entkriminalisierung erreicht werden, was – bedingt durch verschiedenste Umstände – nur zum Teil gelingen kann.

Ein grober Fehler der Verfasser ist in meinen Augen, dass Drogen als gleichartige Substanzen gesehen und behandelt werden. Hier muss darauf hingewiesen werden, dass es auf Grund der spezifischen Wirkung der jeweiligen Droge und anderer Unterschiede auch zu unterschiedlichen Wirkungen bzw. zu unterschiedlichen Verhaltensmustern bei den Drogenkranken kommt. Auch die Arten der Abhängigkeit und der Toleranzentwicklung, die in weiterer Folge zu einer Dosissteigerung führt, sind unterschiedlich.

Der Vergleich mit den Problemkreisen Alkohol und Nikotinmissbrauch hinkt gewaltig. Wir kennen alkoholische Getränke in unserem Kulturkreis seit über 2000 Jahren – lange genug also, um das Problem des Missbrauchs immer noch nicht in den Griff zu bekommen. Auch die angegebene Zahl der Alkoholkranken in Österreich von ca. 4 % muss angezweifelt werden, da die Dunkelziffer in diesem Bereich enorm ist.

Bei den anderen angesprochenen Drogen fehlt der breiten Masse unserer Gesellschaft jegliche Erfahrung und so würde diese bei einer wie auch immer gearteten Freigabe überfordert werden.

Ein beliebter Vergleich ist der mit den Indianern, welche über viele Jahrhunderte zahlreiche Rauschmittel meist pflanzlicher Herkunft verwendeten. Auf Grund der langen Erfahrung waren Dosierung und auch die immer wieder auftretende Abhängigkeit nicht von großer problematischer Bedeutung. Ein Problem entstand für die Indianer erst dann, als mit den sogenannten Siedlern ein neues bis dato unbekanntes Rauschmittel, nämlich der Whisky eingeführt wurde. Hier fehlte selbst den heilkundigen Medizinmännern jegliche Erfahrung und so wurde immer enorm überdosiert, womit der Weg in die Abhängigkeit vorprogrammiert war.

An dieser Stelle muss jedoch noch einmal betont werden, dass Alkohol oder auch Nikotin nicht mit anderen Drogen oder auch diese untereinander nicht immer verglichen werden können. Wirkungen, Dosierungseigenschaften und Abhängigkeiten sind unterschiedlich und müssen daher auch unterschiedlich behandelt werden.

Ich bin der Ansicht, dass die Drogenproblematik auch ein gesellschaftliches Problem darstellt, bei welchem die Begriffe Wohlstand, Überfluss, mangelnde Disziplin und leider auch oft fehlende Vorbildwirkung eine Rolle spielen.

Wie zumeist bei gesellschaftlichen Problemen, ist eine sogenannte politische Lösung schwer, ja, wenn nicht unmöglich. Egal ob die eine politische Seite härtere Strafen oder die andere die mehr oder weniger kontrollierte Freigabe fordert, keine dieser Vorgangsweisen wird das Problem für die Betroffenen und deren Umfeld befriedigend lösen.

Tatsache ist, dass harte Strafen abschreckende Wirkung haben. Als Beispiel sei hier der berühmte Zigarettenstummel in Singapur erwähnt, den man dort eben nicht auf die Straße wirft, weil das Wegwerfen drakonische Bestrafung nach sich zieht.

Ob solche Maßnahmen in Europa bei Drogenmissbrauch angewendet werden können, wage ich zwar zu bezweifeln, aber wenn ich mich für einen Weg entscheiden müsste, so hielte ich diesen im Interesse der Gesunderhaltung unserer Bevölkerung – vor allem unserer Jugend – noch für zielführender als eine Freigabe, die niemals – von wem auch immer – mit dem optimistisch erhofften Erfolg kontrollierbar wäre.

 
Mag. pharm Dr. Martin Hochstöger
ist Apotheker in Tirol, Präsident der Apothekerkammer undObmann des Freiheitlichen Akademikerverbandes Tirol

Bearbeitungsstand: Montag, 10. Jänner 2011
 
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