Ungereimtes – gereimt


Rufmord

Der Bienerich ist dank Hormon
ein Männchen zweifelsohne,
doch sagt zum Hohn man statt „der Drohn“
politkorrekt „die Drohne“.

Man macht den Samenspender glatt
verbal zum Transvestiten,
und weil er keinen Stachel hat,
so lässt er sich‘s halt bieten.

Verspeist indessen wird er nicht
– das gibt es nur bei Spinnen –
und trotzdem kann der arme Wicht
dem Schicksal nicht entrinnen:

Denn fliegt zum Akt in freier Luft
er rauf noch frisch und munter,
ist nach der Pflicht die Kraft verpufft,
und sterbend fällt er runter.

Zum Ausgleich kommt der Wegwerfmann
ins Paradies für Drohnen,
wo zweiundsiebzig Bienen dann
ihn Tag und Nacht – verschonen.

Im Diesseits aber wird das Leid
der Drohnen noch gesteigert –
und nicht allein, weil ihnen Neid
die Männlichkeit verweigert.

Es wird ja heute obendrein
ihr Name auch geschändet,
indem man diesen hundsgemein
für Kriegsgerät verwendet!

Und während echte Drohnen froh
beim Dienst am Leben sterben,
sorgt man mit falschen anderswo
für Tod und für Verderben …

Die Quadratur der Taliban

Die Sitten waren schauderbar,
die Zeiten voller Zores,
und Cicero sprach lapidar:
„O tempora, o mores!“

Doch Sitten können mit der Zeit
sich wie die Zeiten wandeln –
drum will man jetzt zur Sicherheit
mit Taliban verhandeln.

Man muss zu diesem Zweck geschwind
nach Extremisten schauen,
die fast extrem gemäßigt sind –
und sich‘s zu sagen trauen.

So hat auch in Afghanistan
schon bald das Leid ein Ende:
Die Quadratur der Taliban,
sie bringt die große Wende!

Nur mit Verlaub, da hängt was schief:
Man macht in unsern Zeiten
selbst Extremismus relativ,
wer wollte das bestreiten?

Denn mit Hisbollah spricht man nicht
und mit Hamas desgleichen –
gestrenge hält man hier Gericht
und lässt sich nicht erweichen.

Und was man allzu gern vergisst:
Wird’s Sanktionen geben,
wenn Libermann Minister ist?
Na wetten, nie im Leben!

Fürwahr, mit solcherlei Spagat
geht die Moral kapores –
drum gilt auch heute das Zitat:
„O tempora, o mores!“

Bearbeitungsstand: Freitag, 14. Jänner 2011

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