Gedanken über den Meeresspiegel


Von Richard G. Kerschhofer

Das Schlagwort „globale Erwärmung“, gerne übersteigert als „Klima-Katastrophe“, ist heute jeden Tag zu hören und zu lesen. Es soll hier aber nicht darum gehen, ob es die globale Erwärmung gibt, ob sie eine Katastrophe ist, ob der Mensch daran schuld ist und ob es überhaupt eine wissenschaftlich haltbare Definition für das gibt, was man gemeinhin „Klima“ nennt. Es geht nur um Gedanken zum Horrorbild vom globalen Ansteigen des Meeresspiegels, einem Teilaspekt der globalen Meinungsmanipulation. Mythen und Fakten verschmelzen da zu merkwürdigen Vorstellungen.

Die Angst vor der Flut ist im Bewusstsein der Menschheit tief verwurzelt, wie diverse Sintflut-Sagen belegen, von denen eine in die hebräische Thora Eingang fand, über diesen Umweg vom Christentum übernommen wurde und die Phantasie von Künstlern und Wissenschaftern aller Art beflügelte. Der Ursprung dürfte in vorgeschichtlichen Katastrophen liegen, die dann von lokalen Fluterlebnissen weiter genährt und von Untergangspropheten mythisch überhöht wurden. In aufgeklärter Zeit wurde der Mythos neu belebt durch Phantasie-Romane und wird heute durch Horror-Filme und tägliche Katastrophen-Meldungen „anschaulich“ gemacht.

Autoritätshörigkeit – die angeblich faschistisch ist, die es aber in demokratischen Gesellschaften genauso gibt, nur wird sie da eben viel subtiler und daher wirksamer ausgenützt – hat dazu geführt, dass heute jeder als „Klima-Experte“ gilt, der laut genug den Untergang prophezeit. Ketzer werden zwar nicht verbrannt, aber vom „Mainstream“ totgeschwiegen und von Forschungsgeldern abgeschnitten. Trotzdem ist ihre Arbeit nicht ganz vergebens, denn es sind bisher zumindest manche Datenfälschungen – und der Nordpol-Schwindel – aufgeflogen.

Das Archimedische Prinzip

Die Gurus mussten zugeben, dass ein Schmelzen des Eises am Nordpol sich nicht auf den Meeresspiegel auswirkt. Wer in der Schule beim „Archimedischen Prinzip“ aufgepasst hat, müsste das immer schon gewusst haben, denn „ein Körper taucht so tief in eine Flüssigkeit ein, bis die von ihm verdrängte Flüssigkeitsmenge dasselbe Gewicht hat wie sein eigenes Gesamtgewicht.“ Geschmolzenes Eis hat als Wasser dasselbe Gewicht, bloß bei kleinerem Volumen und verdrängt daher genauso viel Wasser wie zuvor – am Wasserspiegel ändert sich nichts!

Nur wenn auf festem Boden liegendes Eis schmilzt, könnte sich das auf den Meeresspiegel auswirken. Könnte, denn das Schmelzwasser muss erst ins Meer gelangen und nicht von Gestein, Erde und Vegetation absorbiert oder in Stauräumen zurückgehalten werden und dort verdunsten. (Eine erwärmte Atmosphäre könnte ja auch mehr Wasserdampf aufnehmen und halten.)

Außerdem ist das in sämtlichen Gebirgsgletschern gebundene H2O im Vergleich zum Volumen der Weltmeere eine vernachlässigbare Größe. Ernst zu nehmen wäre nur ein Abschmelzen des Eises der Antarktis. Wieder nur wäre, denn schwimmendes Schelfeis ist „neutral“ (siehe Arktis), das Eisfreiwerden der Küstengebiete im Sommer ist vom Volumen her bloß mit dem Abschmelzen der Gebirgsgletscher zu vergleichen, und der kilometerdicke Eispanzer im Inneren des Kontinents müsste statt einer Durchschnittstemperatur um die minus fünfzig Grad nachhaltig einer über dem Schmelzpunkt ausgesetzt sein.

Das wäre nur möglich, wenn die Erdachse um mindestens 20 Grad „kippt“. (Nicht zu verwechseln mit der „Präzession“, jener gleichförmigen Kreiselbewegung der Erdachse, welche ihren Neigungswinkel – und damit die jahreszeitlichen Unterschiede zwischen Sommer und Winter – in einem Zyklus von etwa 25 700 Jahren größer und kleiner werden lässt.)

Die Plattentektonik

Hat man daran gedacht, dass auch alles ins Meer gespülte Erosionsmaterial den Meeresspiegel hebt? Wer meint, dass ein Abschmelzen der Alpengletscher den Meeresspiegel hebt, sollte sich eigentlich über alle Staudämme freuen, die ja im Nebeneffekt weniger Erosionsmaterial ins Meer gelangen lassen.

Es gibt aber auch ein natürliches Phänomen mit einem der Erosion entgegengesetzten Effekt: Die Alpen lagen einst unter dem Meeresspiegel und sie entstanden wie alle Faltengebirge, weil unter der Erdoberfläche ungeheure Kräfte wirken. Die einst von Alfred Wegener entwickelte Theorie, wonach die „leichteren“ Kontinentalplatten (nicht zu verwechseln mit den Küstenlinien!) auf schwereren Schichten sozusagen schwimmen – im Grunde ebenfalls nach dem archimedischen Prinzip – ist heute allgemein anerkannt. Wo die Platten, von Vorgängen im Erdinneren getrieben, gegeneinander stoßen, wölbt sich – wie beim „Eisstoß“ – Material auf, kann über die Meeresoberfläche gepresst werden und bis in die Höhen des Himalaya steigen.

Und was geschieht, wenn man aus der Badewanne steigt? Der Wasserspiegel sinkt. Auch alles zu Gebirgen aufgetürmte Material „fehlte“ dann irgendwo, und zum Ausgleich sank anderswo Land ab – oder der Meeresboden senkte sich und ließ den Meeresspiegel entsprechend fallen. Übrigens wäre auch eine vom Eis befreite Antarktis leichter, die antarktische Platte würde allmählich hoch gedrückt werden – und wieder müssten sich anderswo Landmassen oder der Meeresspiegel absenken.

Das Schwerefeld

Neben den tektonischen und den temporären Faktoren wie Gezeiten und Sturmfluten beeinflusst noch ein weiterer Faktor den Meeresspiegel: Die Erde ist kein idealisiertes Rotationsellipsoid gefüllt mit homogener Materie, sondern sie ist ein „Geoid“: Die Oberfläche ist uneben, und die Masse darunter ist ungleichmäßig verteilt. Daher ist auch das Schwerefeld der Erde ungleichförmig. Die Feldstärke an der Oberfläche hängt einerseits, einem Rotationsellipsoid entsprechend, von der geographischen Breite ab – der Erdäquator ist vom Erdmittelpunkt über 20 Kilometer weiter entfernt als ein Pol. Andererseits kann sie selbst an Punkten auf demselben Breitengrad unterschiedlich sein.

Daher kann der Meeresspiegel sogar an Punkten auf demselben Breitengrad unterschiedlich hoch sein. Rund um Ceylon etwa liegt er um bis zu 100 Meter tiefer, als es dem Breitengrad entspräche, und um Neu-Guinea rund 80 Meter höher. Eine durch Vorgänge im Erdinneren mögliche Erhöhung der Feldstärke um Neu-Guinea würde dort das Wasser „schwerer“ machen und die Insel scheinbar aufsteigen lassen – was zu unterscheiden wäre von einem tektonischen „echten“ Aufsteigen.

Umgekehrt würde ein Sinken der Feldstärke das Wasser „leichter“ machen, ein lokales Ansteigen des Meeresspiegels bewirken und Küstenregionen unter Wasser setzen. Es ist also möglich, dass die Malediven, die nur wenig aus dem Wasser ragen, eines Tages „versinken“. Doch nicht wegen der Eisschmelze, wie das die dortige Regierung behauptet – die mit viel Aktionismus auf der Klimawelle reitet, um Unterstützungsgelder zu schnorren.

Man mag einwenden, dass geologische Prozesse sehr viel langsamer ablaufen als Eisschmelze. Richtig, doch die für den Meeresspiegel einzig relevante Eismenge der Antarktis kann, wie dargelegt, nur nach einer Verlagerung der Erdachse abschmelzen, was sich auch nur in „geologischen Zeiträumen“ abspielen kann. Es sei denn, es schlägt ein großer Himmelskörper auf der Erde ein – aber dann bleibt ohnehin kein Stein auf dem anderen.

Weitere Gründe für das „Versinken“

Auch das angebliche oder tatsächliche Versinken des Nildeltas hat nichts mit „Klima“ zu tun: Der Assuan-Damm verhindert, dass im Delta wie in früherer Zeit Unmengen an Erosionsmaterial angeschwemmt werden. Schwemmland ohne Nachschub muss aber allmählich versinken, weil das bis weit ins Meer hinaus reichende Material ähnlich wie ein ausgegossener Brei durch die eigene Schwere flachgedrückt wird und schließlich unter der Meeresoberfläche verschwindet. Und um noch Bangladesh zu erwähnen: Das rasante Bevölkerungswachstum hat dort Menschen gleichsam auf Schwemmland hinausgedrückt, das zum Teil erst vor ein paar Jahrhunderten entstanden ist. Traurig, hat aber auch nichts mit „Klima“ zu tun.

Eine Erwärmung der Atmosphäre würde zwar die Wassertemperatur erhöhen und wegen der thermalen Ausdehnung theoretisch den Meeresspiegel ansteigen lassen. Doch nur minimal, denn schon ab ein paar dutzend Metern Tiefe herrscht totale Finsternis, und Wettererscheinungen bleiben wirkungslos. Die wirklich gravierenden Veränderungen in der Biosphäre – im „Lebensraum“ – haben ihre Ursachen immer im Kosmos oder im Erdinneren.

 
Dr. Richard Kerschhofer lebt als unabhängiger Publizist in Wien.

Bearbeitungsstand: Montag, 10. Jänner 2011

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