„The Holocaust Is Over. We Must Rise From Its Ashes.“


Avraham Burg, De holocaust is voorbij. Afrekenen met Hitlers erfenis, vertaald uit het Engels door Rob Hartmans (aus dem Englischen übersetzt von Rob Hartmans), Ambol/Amsterdam, ISBN 978 90 263 22570

 

Eine Buchbesprechung von Bertram Schurian

Avraham Burg wurde 1955 in Israel geboren und hat in der israelischen Politik, genau wie sein Vater Dr. Josef Burg, eine wichtige und einflussreiche Rolle gespielt. Er gehörte dem politischen Establishment des Staates Israel an. Sein Vater, Dr. Josef Burg, wurde 1909 in Dresden geboren und war Minister unter Levi Eshkol und Golda Meir sowie unter Simon Peres. Insgesamt war er beinahe 35 Jahre in der israelischen Politik aktiv. Sein Sohn Avraham hat diese Tradition in gewisser Weise fortgesetzt und erreichte neben vielen anderem die Position eines Sprechers des israelischen Parlaments, der Knesset. Seit 2004 lebt Burg in Frankreich und ist seitdem hauptsächlich publizistisch aktiv. Burg besitzt einen vielseitigen und sehr interessanten Lebenslauf. Angesichts seiner Herkunft und Erziehung und seiner intimen Kenntnis der israelischen Politik als Insider ist es hochinteressant zu wissen, was er über den Zustand des israelischen Staates und seiner Bevölkerung zu sagen hat. Wer nur ein bisschen die gegenwärtige israelische Politik verstehen will und was sie antreibt, muss dieses Buch lesen. Es gibt einen wunderbaren Einblick in die Geschichte Israels, des Zionismus und anderer wichtiger politischer und gesellschaftlicher Strömungen.

Das Buch wurde 2008 in englischer Sprache bei MacMillan veröffentlicht. Ich habe die holländische Übersetzung von Rob Hartmans, herausgegeben von Ambo/Anthos uitgevers, ISBN 978 90 263 2257 0, Amsterdam, gelesen. Um das Interesse der Leser zu wecken, begnüge ich mich hier nur mit einer Ansammlung von in meinen Augen bemerkenswerten Zitaten, die jedoch immer im Zusammenhang mit dem vollständigen Text gelesen bzw. interpretiert werden müssen, worauf ich ausdrücklich hinweise. Die Übersetzung aus dem Holländischen stammt von mir.

„Die Idee des Zionismus war mehr als nur ein faszinierendes Streben, das jüdische Volk vor bösartigen und gewalttätigen antisemitischen Verfolgern zu schützen. Es war ein heroischer Versuch, eine Modellgesellschaft zu errichten, die uns und allen anderen zeigen sollte, dass es eine alternative, lebensfähige politische Realität gibt, die auf dem Prinzip basiert: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu. In Israel ist dieses Prinzip in den vergangenen Jahren verstummt.“

„In Amerika ist es sehr schwierig, einen hohen politischen Posten zu erreichen, wenn die jüdische Lobby dagegen ist. Die finanzielle und organisatorische Kraft, die Unterstützung in der Öffentlichkeit, Legitimität und nicht zuletzt der Schaden, den die jüdische Lobby jedem unerwünschten Kandidaten zufügen kann, sorgen dafür, dass die jüdische Beteiligung an der amerikanischen Politik ein Faktor von Bedeutung und mit strategischen Konsequenzen ist.“

„Die Schoah-Industrie, die sich später in Israel entwickelt hat, ist mir immer fremd geblieben.“

„In Kürze: Die Armee ist der Ort, wo die israelischen Führungspersönlichkeiten geformt werden. Dieses System haben wir nicht erfunden: Es wurde aus dem Deutschland von Bismarck entlehnt. Sowohl das deutsche als auch das israelische militaristische Regime hat ganze Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen. In Deutschland wurden Tausende jüdischer Offiziersanwärter nie in den Offziersrang und in leitende Positionen befördert, obwohl sie schon seit 1880 im deutschen Heer dienten. In Israel wird kein einziger Araber (genauer: kein Nicht-Jude) jemals Generalstabschef oder Ministerpräsident werden. Auch wird kein Nicht-Jude Mitglied einer Parlamentskommission werden, die sich mit Fragen der Sicherheit Israels, des Mossads oder der Nuklearkapazität beschäftigt. In dieser Hinsicht gleichen die israelischen Araber den deutschen Juden im Zweiten Reich.“

„Diejenigen die sich vor der Realität verschließen, sollten nicht staunen, wenn es ihnen klar wird, wie sehr Israel dem Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg gleicht, als das deutsche Volk getäuscht und betrogen wurde. Bestimmte Elemente in der israelischen Geschichte gleichen in hohem Maße dem, was in Deutschland nach der erniedrigenden Niederlage von 1918 und vor dem Emporkommen der Nazis 1933 geschah.“

„Tom Segev schreibt in seinem Buch ,Die Siebte Million’ u.a.: Im Nachhinein war die Übereinkunft mit den Nazis auch ein Schritt in Richtung Errichtung eines israelischen Staates. Diese Übereinkunft gründete sich auf gemeinschaftliche Interessen: Die Nazis waren daran interessiert, dass die Juden Deutschland verließen; die Zionisten hatten ein Interesse daran, dass die Juden in das Land Israel zogen.“

„Im Gegensatz zu den Nazis, die Gegner ohne Prozess und häufig auch ohne vorherige Warnung töteten, hatten die Sieger in Nürnberg sehr deutlich darauf hingewiesen, dass ehe Menschen getötet würden, das Recht seinen Lauf nehmen müsse und sei es auch nur der Form halber. War das hastige Nürnberger Tribunal richtig oder war es ein von vornherein abgekartetes Spiel? Ich habe den Eindruck, dass die Amerikaner einige gute Gründe hatten, prominente Nazis zu exekutieren, die auf dem Altar von Frau Justitia geopfert werden konnten. Danach konnte man sofort rufen: ‚game over‘. Sie erachteten es als notwendig, die Schlinge um den Hals von Deutschland so schnell wie möglich zu lösen, so dass sie zusammen mit den europäischen Großmächten und Deutschland im neuen Kalten Krieg gegen Josef Stalin ziehen konnten, den wichtigsten Sieger des Zweiten Weltkrieges. Die normalen Bürger Deutschlands wurden nicht entnazifiziert. Viele von ihnen wurden freigelassen, um ihren alten Beruf wieder ausüben zu können, als ob nichts geschehen wäre. Sogar noch im Jahre 2004 fühlte sich der damalige Minister für Auswärtiges, Josef Fischer, verpflichtet, sich zu entschuldigen für die Tatsache, dass nach 1945 Beamte mit Nazivergangenheit im Ministerium weiter arbeiten konnten. Das amerikanische Weltraumprogramm war auf Naziwissenschafter angewiesen und auf Erkenntnisse, die aus dem Blitzkrieg gegen England gewonnen worden waren.“

„Gegenwärtig sind die amerikanischen jüdischen Brüder und Schwestern nicht mehr Teil der Regenbogenkoaliton von Afro-Amerikanern, Latinos und anderen, die für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen. Sie sind Teil des weißen, rechten, nationalistischen und mächtigen Establishments, Teil einer Obrigkeit und Kultur, die sich der Verantwortung für die Welt entzogen hat, die bestimmend war für die amerikanische Mentalität, die noch während des Zweiten Weltkrieges herrschte.“

Diese Zitate aus Avraham Burgs Buch bieten Anregungen zum Nachdenken. Eine Vertiefung und Abrundung der Gedankengänge ermöglicht nur die Lektüre des Buches selbst.

Bearbeitungsstand: Montag, 10. Jänner 2011

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