Die Ausplünderung Deutschlands durch Stalin


Bogdan Musial, Stalins Beutezug – Die Plünderung Deutschlands und der Aufstieg der Sowjetunion zur Weltmacht, erschienen im Propyläen Verlag – Ullstein Buchverlag, Berlin, ISBN 978-3-549-07370-4, 506 Seiten.

 

Eine Buchbesprechung von Bertram Schurian

Dr. Bogdan Musial , geboren 1960 in Polen, wurde 1992 in Deutschland eingebürgert, nachdem er im Jahr 1985 politisches Asyl bekommen hatte. Seit 2007 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut des Nationalen Gedenkens in Warschau. Seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse haben ihm in seiner Forschung enorm geholfen, wovon der umfangreiche Anhang (ein Viertel des Buches) mit Tabellen und Quellenangaben zeugt. Das Buch behandelt die Zeit vom August 1939 bis weit nach 1945, ist in vier Teile gegliedert und räumt mit vielen Legenden und Tabus auf.

Im ersten Teil werden die kriegswirtschaftlichen Aspekte des Hitler-Stalin-Paktes vom August 1939 unter die Lupe genommen. Detailliert wird beschrieben, dass Stalin schon ab 1929 auf einen starken Ausbau der sowjetischen Kriegsindustrie gesetzt hat. Da die Sowjetunion technologisch ein zu der Zeit stark unterentwickeltes Land war, wurde die damals modernste Technologie vor allem aus Deutschland importiert. Das Kapital für diesen Technologietransfer aus dem Ausland wurde den russischen Bauern abgepresst, geraubt und mit Sklavenarbeit verdient. Gezeigt wird auch, obwohl die deutsche Handelsdelegation in Moskau ziemlich genau wusste, dass in der Sowjetunion stark aufgerüstet wurde, wie diese Kenntnis von den deutschen Autoritäten kaum beachtet wurde.

Durch die strenge Geheimhaltung der Sowjets hatte Deutschland und der Westen im Allgemeinen nur rudimentäre Kenntnisse über das Ausmaß der sowjetischen Aufrüstung.

Teil zwei behandelt die Art und Weise, mit welcher Brutalität die sowjetische Bevölkerung mobilisiert wurde. Infolge der außerordentlich brutalen Maßnahmen der Kommunisten, die die Mobilisierung und Beraubung der sowjetischen Bevölkerung begleiteten, war der Widerstand in der Bevölkerung groß. Nicht vergessen sollte werden, dass später im Weltkrieg rund 1,5 Millionen Mann aus Russland auf deutscher Seite kämpften. Fahnenflucht und Kriegsdienstverweigerung waren in der Roten Armee unglaublich hoch und nur das harte Auftreten der NKWD-Truppen machte die Leute durch Sippenhaftung und schwere Repressionen aller Art gefügig. Der so genannte Sowjetpatriotismus war eine Lüge, wurde jedoch von den Kommunisten zum Mythos erhoben.

Im dritten Teil wird dann die Deutschlandpolitik Stalins analytisch behandelt. Stalin hatte praktisch dieselben Pläne für Deutschland in petto, wie sie auch von Henry Morgenthau formuliert wurden. Für Stalin war wichtig, dass Deutschland aufgeteilt, sein Gebiet verkleinert und die Bevölkerung dezimiert wird. Stalin machte Roosevelt und Churchill den Vorschlag, 50.000 deutsche Offiziere zu liquidieren. Roosevelt und sein Sohn Elliot sollen mit diesem Vorschlag einverstanden gewesen sein, nur Churchill habe sich gegen ein „zweites Katyn“ in Deutschland gewehrt. Starker Tobak, der hier von Bogdan Musial präsentiert wird.

Im vierten und letzten Teil wird geschildert, wie systematisch die ehemaligen deutschen Gebiete im Osten und der von den Sowjets besetzte Teil Deutschland ausgeraubt wurden. Alles, was irgendwie von Wert sein konnte, wurde in die Sowjetunion abtransportiert. Es wurde aber auch dort schlecht gelagert und oft nie verwendet. Das sowjetische Demontageprogramm für Deutschland ist identisch mit den Vorschlägen von Henry Morgenthau (USA).

Den Polen – so genannten Verbündeten – erging es nicht anders. Auch sie wurden aller wertvollen Fabriksanlagen beraubt. Stalin tat wirklich alles, um sowohl Polen wie Deutschland nachhaltig zu schwächen. Dass Stettin nicht zu Deutschland geschlagen wurde, wie es eigentlich die Oder–Lausitzer Neiße–Linie erfordert hätte, lag in seiner Absicht, einen Keil zwischen Deutsche und Polen zu treiben, um ein späteres friedliches Miteinander dieser beiden Völker zu verhindern.

Dass der von den Russen besetzte und verwaltete Teil Ostpreußens heute eine schwere Belastung für Russland darstellt, ist dieser unbarmherzigen Vernichtungspolitik zu danken. Auch wird ausführlich berichtet, welchen gewaltigen Einfluss dieser Diebstahl von deutschem Eigentum auf die spätere sowjetische Wirtschaftsentwicklung gehabt hat. Das so genannte sowjetische Wirtschaftswunder ist ausschließlich auf diesen gewaltigen Raub und Technologietransfer zurückzuführen.

In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigte sich das sowjetische Wirtschaftssystem nicht imstande, für weiteres Wohlstandswachstum zu sorgen. Ein Grund war das kommunistische Wirtschaftssystem selbst, das keinen wirklichen Anreiz zu effizientem Wirtschaften gab. Der zweite Grund war der Kapitalmangel. Ein zweites Mal konnten die russischen Bauern nicht beraubt werden, denn die sowjetische Landwirtschaft war schon durch den ersten Kapitaltransfer ruiniert worden.

Die rücksichtslose Ausbeutung der Menschen, die Zwangsarbeit und die Art der sowjetischen Planwirtschaft haben schließlich zum Untergang der Sowjetunion entscheidend beigetragen. Das sowjetisch-kommunistische Wirtschaftsmodell war nicht nur nicht entwicklungsfähig, sondern gar nicht mehr lebensfähig. Die in unseren Augen kaum vorstellbare Verschwendung von Ressourcen und die „kreative Buchführung“, die Lug und Trug Tür und Tor öffneten, sorgten dafür, dass die Kommunisten den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verloren.

37 Jahre nach Stalins Tod war die Sowjetunion, das ideologische Geisteskind von Lenin und Stalin, am Ende. Die Folgen dieser Herrschaft wirken allerdings bis heute nach und werden dies noch lange tun. Dieses Buch ist ein „must“ für jeden geschichtsbewussten Leser.

 
Dkfm. Bertram Schurian war lange Zeit international als Top-Manager tätig.

Bearbeitungsstand: Montag, 10. Jänner 2011
 
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