Gedanken zum deutsch-jüdischen Verhältnis


Von Karl Claus

Das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in einer Sozialgemeinschaft war seit dem Beginn unserer Zeitrechnung immer schwierig und daher belastet. In allen europäischen Gemeinschaften – von den Römern über das Mittelalter bis zur Neuzeit – kam es wiederholt zu Diskriminierungen und Auseinandersetzungen zwischen Juden und der Mehrheitsbevölkerung, die sich oft zu Ausbrüchen entwickelten, bei denen Juden verfolgt, vertrieben und in „Pogromen“ auch getötet wurden. Der fürchterlichste dieser Ausbrüche war zweifellos der in den Jahren 1933–1945 von den deutschen Nationalsozialisten in Gang gesetzte Versuch, das damals von Hitler beherrschte Europa „judenfrei“ zu machen, was bekanntlich als „Holocaust“ in die Geschichte einging und für Millionen Juden den Tod brachte. Dies begüns­tigte die Bildung jener übermächtigen Allianz gegen Deutschland, die dann 1945 dessen historisch einmaligen Zusammenbruch erzwang, der nicht nur Millionen eigener Toter und den Verlust eines Teiles des deutschen Siedlungsgebietes kostete, sondern ein kollektives Trauma schuf, das heute noch lange nicht überwunden ist. Dadurch kam es zu einer Neubewertung des Verhältnisses zwischen Deutschen und Juden. Die vorher immer wieder (allerdings eben nicht nur bei den Deutschen) spürbar gewesene Judäophobie, also Judenfeindlichkeit, wurde durch einen Philosemitismus ersetzt, welcher jede Kritik an Juden und an dem nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen jüdischen Nationalstaat Israel nahezu unmöglich macht. Nur diese Grundhaltung entspricht der heute geforderten „politischen Korrektheit“, die auch von der Politik und den Medien strengstens beachtet und gefordert wird. Verstöße dagegen werden nicht nur mit der „Faschismuskeule“ beantwortet, sondern als „nationalsozialistisches Gedankengut“ bewertet und daher mit gerichtlicher Verfolgung bedroht. Angesichts der tragischen Ereignisse in den Jahren 1933–1945 ist dies zwar verständlich, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das Zusammenleben mit Juden immer problematisch war, was sich wiederholen könnte, aber nicht wiederholen sollte. Es muss allerdings mit einer Ermüdung oder Abnützung dieses philosemitischen Verständnisses gerechnet werden. Dies könnte auch dadurch eintreten, dass einzelne Juden die für sie günstige Situation übermäßig für sich nutzen. Eine Wiederholung der historischen Probleme des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden sollte jedenfalls im beiderseitigen Interesse möglichst vermieden werden.

Objektive Analyse ist geboten

Daher wäre eine nüchterne und objektive Beurteilung dieser Probleme notwendig, die sich in den 2000 Jahren der jüdischen Diaspora immer wieder gezeigt haben. Bemühungen dazu, welche auch eine kritische Beurteilung der Juden erfordern, sind heute bereits sichtbar. Dazu gehört die Beantwortung der Frage: Was sind eigentlich „die Juden“ und vor allem: Warum gibt es mit ihnen immer wieder Probleme? Eine Antwort darauf fällt nicht leicht. Trotzdem soll sie hier gewagt werden.

Wiederholt wurde dazu, und zwar auch von jüdischer Seite, festgestellt (siehe etwa Shlomo Sand „Die Erfindung des jüdischen Volkes“, Propyläenverlag), dass die Juden nicht als „Volk“ im üblichen Sinn dieser Definition beurteilt werden können. Tatsächlich sind sie ethnisch sehr verschieden. Man denke etwa an die Unterscheidung zwischen sephardischen und aschkenasischen Juden (also „West-und Ostjuden“). Auch der Begriff „Rasse“, der bekanntlich durch den Nationalsozialismus schwerstens belastet wurde und darüber hinaus auch wissenschaftlich durchaus umstritten ist, passt nicht auf die Gesamtheit der Juden.[1]

Starker innerer Zusammenhalt

Juden sind als Kollektiv also schwer fassbar. Was sind sie dann? Anerkannt werden muss, dass sie in ihrer jetzt bereits 3000jährigen Geschichte immer starke und in sich geschlossene Gemeinschaften bildeten, die an den überlieferten Traditionen und Regeln eisern festhielten. Dadurch überlebten diese Gemeinschaften auch in der „Diaspora“, welche vor über 2000 Jahren als Folge der Zerstörung des jüdischen Tempels in Jerusalem durch die Römer den Juden auferlegt wurde, also auch in der Gemeinschaft mit nichtjüdischen Mehrheiten. Die bindende Kraft war dabei nicht nur ihre eigenständige Religion, auch wenn diese die Regeln des jüdischen Lebens immer wesentlich bestimmte, sondern die sich ständig erneuernde geistige jüdische Elite, welche diese Regeln in zahlreichen Schriften immer wieder aktualisierte, anpasste und erneuerte. Die jüdischen Gemeinschaften hielten sich immer strikt an diese Regeln und Traditionen, zu denen vor allem die Abwehr fremder Einflüsse und Ideen gehörte, was man in heutiger Diktion durchaus als „Rassismus“ bezeichnen kann, aber eben die Erhaltung der jüdischen Identität sicherte. Sie unterschieden sich damit immer sehr bewusst von den Mehrheiten ihrer Gastvölker, was wohl eine der Hauptursachen der immer wieder entstandenen Reibungen war. Fremde und Nichtjuden wurden nur unter Einhaltung der jüdischen Regeln in ihre Familiengemeinschaften aufgenommen. Mischehen wurden abgelehnt. Der Talmud, also das wohl wichtigste jüdische Regelwerk, verbietet im Traktat Abodath hakkodesch 720a ausdrücklich alle Lebensgemeinschaften von Juden und Nichtjuden, was zahlreiche Mischehen nicht verhindern konnte, die allerdings bei einem Zusammenleben in Sozialgemeinschaften nahezu unvermeidlich sind.

Leistungsdruck in der Diaspora

Hiezu kam, dass Juden in der Diaspora unter ständigem existenziellem Druck leben mussten, und zwar nicht nur deshalb, weil sie von den christlichen und besonders den katholischen Mehrheiten als „Gottesmördervolk“ betrachtet wurden, sondern auch dadurch, dass sie (jedenfalls im Mittelalter) von handwerklichen Berufen ausgeschlossen waren, womit sie sich als Händler bewähren mussten. Ähnlich wirkte das 1215 vom Laterankonzil geschaffene kanonische Zinsverbot, welches Juden erst so recht ermöglichte, sich als Geldgeber zu etablieren.[2] In der Folge entwickelten sie sich zu Finanzspezialisten, die für die ständige Vermehrung des jüdischen Kapitals sorgten. Damit wurden sie u. a. zu den wichtigsten Kreditgebern der europäischen Fürsten, einschließlich der Habsburger.[3] Sie mussten sich also im täglichen Lebenskampf immer mehr bewähren als die nichtjüdischen Mehrheiten. Dies alles machte sie eben in den 2000 Jahren der Diaspora zu starken, gefestigten Gemeinschaften, aus denen immer wieder Persönlichkeiten hervorgingen, die sich zunehmend auch leistungsmäßig nach vorne schieben konnten, was dann erst recht ein Grund für die immer wieder aufflammenden Probleme war.

Hochentwickeltes Schrifttum

Wie bereits erwähnt, wurde diese Entwicklung durch die Schriften der jüdischen Elite begünstigt, die besonders vom Klerus, also den Rabbinern gestellt wurde. Diese bestätigten immer wieder die biblische Behauptung, dass die Juden das von Gott (Jahwe) auserwählte und dadurch begünstigte Volk seien, das damit als „Herrenvolk“ verstanden werden konnte. Auch wenn dies im 21. Jahrhundert nicht ernst genommen werden kann und heute gewiss auch nicht von allen Juden geglaubt wird, trug und trägt es dazu bei, dass einzelne Juden sich immer wieder als „berechtigt“ ansehen, ihre Interessen ohne Rücksicht auf ihre nichtjüdischen Mitbürger durchzusetzen.

Dabei kann nicht geleugnet werden, dass sich bei Juden hohe Intelligenz relativ öfter findet als bei Nichtjuden, was wohl wiederum eine Folge der Diaspora und des dadurch für Juden bestehenden Bewährungsdruckes in den vergangenen 2000 Jahren sein dürfte. Ähnliches bewirkte auch die jüdische Heiratspolitik. Diese ständige und über viele Generationen durchgehaltene Auslese erklärt auch die relativ höhere Zahl jüdischer bzw. jüdischstämmiger Nobelpreisträger im Vergleich zu den nichtjüdischen, was aber auch bei den gehobenen Berufen und besonders im Banken- und Finanzsektor sowie in allen Bereichen, in denen man verhältnismäßig rasch zu Reichtum kommen kann, festzustellen ist. (So waren etwa unter den Sklavenhändlern und Eignern der Schiffe, welche im 16., 17. und 18. Jahrhundert Sklaven von Afrika nach Amerika brachten, überproportional viele Juden).

In der Isolierung gedieh die Selbsterhöhung

Was immer wieder zu Problemen mit den Gastvölkern der Juden geführt hat, ist also die Ausnützung und Überbetonung der in der Diaspora erworbenen besonderen Fähigkeiten und Möglichkeiten durch einzelne Juden (also durchaus nicht durch „die Juden“ als Kollektiv). Dies und besonders das Anwachsen des jüdischen Kapitals empfanden die Nichtjuden, die in den europäischen Sozialgemeinschaften aber immer die Mehrheit stellten, wiederholt als Benachteiligung, auf welche dann reagiert wurde. Diese Entwicklungen wurden durch die Schriften der jüdischen Elite mit ihren als verbindlich erklärten Lebensregeln aber weniger verhindert oder reguliert, als begünstigt und gefördert. Der Talmud, das wichtigste jüdische Regelwerk für das Leben, betont immer wieder die angeblich von Gott geschaffene Überlegenheit der Juden, aber auch deren dadurch begründetes „Recht“, sich selbst zu begünstigen. Dieses Buch (von dem es in den vergangenen 2000 Jahren mehrere Versionen bzw. verschiedene Übersetzungen und Auslegungen gegeben hat; die wichtigste ist wohl die 1903 in Leipzig erschiene Goldschmidt-Ausgabe „Der Babylonische Talmud“) enthält eine Reihe von Aussagen über Nichtjuden („Gojim“) und über das von Juden zu ihnen einzuhaltende Verhältnis, die gelinde gesagt alles anderes als schmeichelhaft genannt werden können. Nach dem Schulcham aruch, einem aus dem 16. Jahrhundert stammenden und auf dem Talmud beruhenden Regelwerk für das tägliche Leben, ist es Juden sogar erlaubt, Gojim zu täuschen und zu betrügen, was gegenüber Juden aber ebenso ausdrücklich verboten wurde. Derartige Formulierungen wurden zwar seit dem Mittelalter wiederholt gemildert, womit man annehmen kann, dass das damals in den jüdischen Schriften empfohlene Verständnis gegenüber Nichtjuden (wozu auch das Verbot des Studiums dieser Schriften durch Nichtjuden gehörte) nicht mehr vertreten wird. Alle diese Schriften werden jedoch nach wie vor nicht nur von orthodoxen Juden gelesen und auch gelehrt, weswegen nicht ausgeschlossen werden kann, dass Interpretationen des Talmud und anderer Schriften einzelnen Juden als Vorbild und Anleitung für den Verkehr mit Nichtjuden dienen.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die von der jüdischen Religion gebotene Möglichkeit, sich von Versprechungen, Schwüren und Erklärungen jeder Art loszusagen und sie für unverbindlich zu erklären. Dies ist das Kol nidre-Gebet, das am Ende des Versöhnungstages (Jom Kippur) von jedem Juden unter Einhaltung bestimmter Formalitäten angewendet werden kann. Es handelt sich also um eine Art Ablass, mit dem man sich von gegebenen Zusagen lösen kann, wobei diese Möglichkeit von einzelnen Schriftstellern nicht nur als Gebet, sondern als eine religiöse Gesetzesvorschrift beurteilt wird. Auch dazu muss allerdings festgestellt werden, dass sich das Verständnis dafür seit dem Mittelalter in den jüdischen Gemeinschaften gewandelt haben dürfte.

Der Mythos von der Weltherrschaft

Schließlich ist als Grund für die Möglichkeit neu entstehender Probleme zwischen Juden und Nichtjuden der angeblich bestehende Plan für eine Weltherrschaft der Juden bzw. der von diesen dominierten Geheimgesellschaften (Freimaurer, Bilderberger und andere) anzuführen. Dieser Plan soll angeblich in den „Zionistischen Protokollen“ bzw. „Protokolle der Weisen von Zion“ niedergelegt sein. Unabhängig davon, ob diese am Ende des 19. Jahrhunderts aufgetauchten „Protokolle“ echt oder eine Fälschung sind (was nicht eindeutig geklärt ist) muss festgestellt werden, dass es sich um höchst unwahrscheinliche bzw. unrealistische Vorstellungen handelt. Es gibt daher auch Kommentatoren, welche in diesen „Protokollen“ vor allem einen Versuch sehen, Judäophobie anzufachen.

Trotzdem kann auch dies für einzelne Juden bzw. die eine oder andere Gruppe ein Motiv sein, die derzeitige philosemitische Grundstimmung in Europa und besonders im deutschen Sprachgebiet über Gebühr auszunützen, um irgendwie eine Vorrangstellung zu erreichen. Es gab und gibt allerdings zahlreiche, durchaus unterschiedliche und damit auch viele nichtjüdische Bestrebungen, eine Weltherrschaft zu erreichen. Ringen um Weltherrschaft ist ein in der Menschheitsgeschichte immer wieder anzutreffendes Motiv. Die Bandbreite reicht hier von politisch imperialen Zielen bis hin zu religiösen und ideologischen Vorstellungen.

Leben und leben lassen

Wie könnte bzw. sollte sich also die Zukunft der Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden allgemein und besonders im deutschen Sprachraum gestalten? Sie werden zweifellos auch weiter von der historischen Tatsache des Holocaust belastet sein, auch wenn dies objektiver als bisher beurteilt werden sollte. „Der Holocaust“ (wie er von dem gegenüber Israel und der Verwendung dieses nationalsozialistischen Verbrechens zwecks Erlangung von Wiedergutmachungsleistungen sehr kritischen jüdisch-amerikanischen Schriftsteller Norman G. Finkelstein in seinem Buch „Die Holocaust Industrie“ genannt wird) kann nicht ungeschehen gemacht und damit auch nicht vergessen werden. Er sollte aber die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden nicht ständig und immer wieder aufs Neue belasten. Juden als Gruppe, als Kollektiv werden auch in Zukunft in europäischen und anderen Sozialgemeinschaften nicht voll assimilierbar sein, solange sie an den jüdischen Lebensregeln und Traditionen festhalten, wovon aber auszugehen ist. Sie müssen dennoch keine störenden „Parallelgesellschaften“ bilden, da sie der europäischen Kultur und Geschichte näher stehen als etwa islamische Gesellschaften. Auch wenn man die hier erwähnten Umstände berücksichtigt, welche einzelne Juden befähigen und dazu verleiten, sich geistig und/oder materiell über ihre Mitbürger zu erheben, sollte dies nicht zu einer Wiederholung der bisherigen Berührungsprobleme führen, sondern einem gegenseitigen Nutzen dienen. Tatsächlich war dies bis 1918 sowohl im Gebiet der österreichischen Monarchie, als auch bis Hitlers Machtergreifung in Deutschland festzustellen. In Österreich brachte die Zeit vor und nach der Wende zum 20. Jahrhunderts mit Hilfe vieler hochbegabter jüdischer Bürger bekanntlich eine kulturelle Hochblüte, was sich, wenn auch nicht so deutlich, auch auf Deutschland auswirkte, wo (etwa in Berlin) die Akademiker, also Wissenschafter, Ärzte, höhere Beamte, Rechtsanwälte und Apotheker überproportional von Juden gestellt wurden, was dann nach 1933 mit ein Grund für ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten war.

Volk unter Völkern

Die Juden sind also bei einer unvoreingenommenen Analyse nicht ein von einem Gott (ihrem?) auserwähltes und besonders begünstigtes Volk. Ihre Elite ist nur deshalb überdurchschnittlich intelligenter und befähigter als die Mehrzahl ihrer nichtjüdischen Mitbürger, weil sie durch 3000 Jahre ihre eigenständige Gemeinschaft mit deren Lebensregeln und Traditionen bewahrt haben, wogegen im deutschen Sprachraum die Bewahrung der historisch gewachsenen Traditionen und die Erhaltung der deutschen „Identität“ heute unerwünscht ist und als „politisch nicht korrekt“ erklärt wird. Zweierlei Maß? Die Juden mussten sich unter dem Mehrheitsdruck ihrer nichtjüdischen Umgebung in der Diaspora ständig bewähren, womit Auslesetendenzen wirksam wurden. Dabei war der Glaube, etwas Besonderes zu sein, für die jüdische Minderheit zwar das Motiv für die Selbsterhaltung, was aber von der nichtjüdischen Mehrheit immer wieder als Provokation empfunden wurde. Problematisch waren dabei immer die deswegen von der Mehrheit geschaffenen Lösungen, Regeln und Verbote, die dann wieder Reaktionen seitens der jüdischen Minderheit bewirkten. Diese wechselseitigen Reaktionen führten wiederholt zu Übersteigerungen und extremen Konflikten, womit das gemeinsame Leben in einer Sozialgemeinschaft nicht nur erschwert, sondern gefährdet wurde.

Es liegt daher im Interesse der Juden wie der Nichtjuden, endlich ein ausgeglichenes Verhältnis zueinander herzustellen. Dies kann nur gelingen, wenn beide Seiten daran arbeiten und überhöhte Ansprüche einerseits, wie alte Vorurteile andererseits abgebaut werden. Mit dieser Einstellung wäre auch eine Dämpfung des derzeit im deutschen Sprachraum üblichen und als „politisch korrekt“ verordneten Philosemitismus vertretbar. Kritik an Juden und damit auch am jüdischen Nationalstaat Israel muss möglich sein, dürfte also nicht mehr pauschal als „antisemitisch“ und „nationalsozialistisches Gedankengut“ verdammt werden. Israel ist heute eine historische Tatsache, die nicht ignoriert werden kann, auch wenn es richtig ist, dass bei der Gründung des jüdischen Nationalstaates vielfaches Unrecht und zu verurteilende Maßnahmen gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung, also den Palästinensern gesetzt wurden. Das ist bis heute nicht bereinigt, geschweige denn gutgemacht, sondern wird in geänderter Form fortgesetzt (vgl. dazu Finkelstein: „Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern“, Verlag Diederichs). Wenn man ernsthaft einen Frieden im Nahen Osten anstrebt, müsste daran gearbeitet werden. Ein dauerhafter Friede im Nahen Osten liegt jedenfalls nicht nur im Interesse der dort lebenden Juden und Nichtjuden, sondern im Interesse der gesamten zivilisierten Menschheit. Die Erfolgsaussichten dafür scheinen allerdings immer mehr zu schwinden. Umso mehr sollten die Juden darauf achten, in der Diaspora ein möglichst gutes Verhältnis zu den Gastvölkern herzustellen. Dazu gehört aber vor allem eine Neubewertung des Zusammenlebens mit den nach wie vor leistungsstarken Deutschen. Dies wäre auch in deren besonderem Interesse, weil es wohl die Voraussetzung für die Überwindung ihres seit 1945 bestehenden Traumas wäre. Eine solche Neubewertung käme wiederum der gesamten zivilisierten Menschheit zugute.

Dr. Karl Claus ist Rechtsanwalt i.  R. und lebt in Wien.

Anmerkungen der Redaktion

[1] „Die Juden als Rasse“, Salcia Landmann (1911–2002), Limes Verlag, München 1991

[2] Zum Thema „Wurzeln des Antijudaismus in der Christenheit“ fand im Herbst 1997 ein Symposium im Vatikan statt, bei dem laut NZZ Nr. 254/1997 Papst Johannes Paul II. feststellte, dass „einige Interpretationen des Neuen Testaments in bezug auf das jüdische Volk zu lange im Umlauf gewesen seien“.

[3] So organisierte beispielsweise Samuel Oppenheimer als Hoffaktor von Kaiser Leopold I. in Wien die aus vielen Quellen stammende Finanzierung für dessen Kriege gegen Franzosen und Türken (vgl. „Die Zeit“ Nr. 40/1997).

Bearbeitungsstand: Sonntag, 30. Jänner 2011

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