Biologische Globalisierung


Tierische und pflanzliche Invasoren verursachen weltweit jährlich Schäden von einer Billion Euro

 

Von Bernd Stracke

In Zeiten, wo bei der Diskussion von Bankenkrisen die Nullen locker sitzen und es da und dort auf ein paar Milliarden Euro auf oder ab wenig anzukommen scheint, löste eine weit höhere Zahl, die im Herbst 2010 auf der Neobiota-Konferenz in Kopenhagen die Runde machte, erstaunlich wenig Rauschen im Blätterwald aus: Bei mindestens 1,4 Billionen Dollar oder 1,05 Billionen Euro bzw. an die 14,5 Billionen Schilling (eine Billion sind 1.000.000.000.000 oder eine Million Millionen) liege der Schaden, den Bio-Invasoren jedes Jahr weltweit anrichten, rechneten die Experten aus, die sich mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP (United Nations Environment Programme, Sitz: Nairobi) befassen. Die durch biologische Globalisierung allein in der EU angerichteten Schäden belaufen sich schätzungsweise auf vergleichsweise mickrige 12 Milliarden Euro pro Jahr.

Bio-Invasoren sind Pflanzen- und Tierarten, die in Gebiete einwandern, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren, und sich dort verbreiten. Biologische Invasionen sind Forschungsgegenstand eines relativ neuen Forschungszweiges, der Invasionsbiologie.

Auch ohne menschliches Zutun verändern sich seit jeher die Vorkommensgebiete von Lebewesen. Immer häufiger werden Arten aber über natürliche Ausbreitungsbarrieren durch den viel reisenden Menschen und die von ihm in ungeheuren Mengen transportierten Güter verschleppt. Während sich viele fremde Arten in ihrer neuen Heimat nicht halten können, schaffen es manche doch, und zwar auf bravouröse und mitunter beängstigende Weise. Selten erweist sich eine biologische Migration als so segensreich wie die Einfuhr der Kartoffel aus Amerika. Die meisten und sich besonders negativ auswirkenden Bioinvasionen sind transkontinental. Ihnen kann man insofern schwer begegnen, als sich meistens mehrere Nationen gleichzeitig an der Bekämpfung oder zumindest Eindämmung beteiligen müssten. „Herr, die Not ist groß, die Geister, die ich rief, werd’ ich nun nicht los.“ Goethes Zauberlehrling umreißt treffend eines der größten ökologischen Probleme unserer Zeit.

Beispiele aus der Pflanzenwelt

Die dickstielige Wasserhyazinthe Eichhornia crassipes wurde 1888 als Zierpflanze aus Brasilien nach Nordamerika, später nach Afrika verschleppt. Ohne Fressfeinde vermehrt sich die Schwimmpflanze massenhaft. Eine Wasserhyazinthen-Decke verdoppelt ihre Fläche in nur zwei Wochen. Durch den Lichtmangel sterben die Wasserpflanzen darunter ab. In der Folge gehen auch die Fische ein. Außerdem behindern die dicken Schwimmpflanzenteppiche Schifffahrt und Fischerei. Krokodile finden in den Pflanzen Schutz und werden zur Überraschungsgefahr für den Menschen. Zusätzlich entziehen die Pflanzen dem Wasser Sauerstoff, wodurch der Säuregehalt des Wassers steigt und die Fließgeschwindigkeit in den Flüssen sinkt und zudem in großen Mengen Schlamm abgelagert wird. Als Gegenmaßnahmen werden in Nigeria Maschinen verwendet, die die Schwimmpflanzen-Teppiche zerstören sollen. In anderen Gebieten wurden Herbizide verwendet, die auch sämtliche andere Spezies vernichteten und noch größere Schäden anrichteten. Im Sudan wurden Rüsselkäfer ausgesetzt, die ausschließlich Wasserhyazinthen fressen. Man kann nur hoffen, dass die Rüsselkäfer selbst keine negativen Nebeneffekte haben.

Ungebremst vermehrt sich seit etwa 15 Jahren das nordamerikanische Traubenkraut („Ragweed“). Es wächst an Straßen- und Ackerrändern und in Gärten, wohin es vor allem durch verunreinigtes Vogelfutter gelangt. Eine einzige, etwa anderthalb Meter hohe, gelb blühende Staude dieses Korbblütlers produziert bis zu einer Milliarde Pollen, die die Zahl der Heuschnupfenerkrankungen und Asthmaanfälle explodieren lassen.

Das rosa bis violett blühende Drüsige Springkraut, als Zierpflanze und Bienenweide nach Europa importiert, kann seine Samen durch einen Schleudermechanismus meterweit ausbreiten. Das Kraut wird bis zu 2,5 Meter hoch, wächst bevorzugt in der Nähe von Gewässern und verdrängt heimische Pflanzen, allen voran das zur selben Familie der Balsaminengewächse gehörende, aber weit weniger robuste, zierliche heimische Rühr-mich-nicht-an.

Den Namen Killeralge erhielt die Caulerpa taxifolia, weil sie die ursprüngliche Meeresflora total überwuchert. Die Alge gelangte mit dem Abwasser eines Aquariums in Monaco ins Mittelmeer. In Südfrankreich rückt man der Alge mittels Kupferelektrolyse auf den Leib. Jüngste Beobachtungen in Mallorca weisen erfreulicherweise auf eine unerklärliche Rückentwicklung des Befalls hin.

Die Falsche Erdbeere oder Indische Scheinerdbeere Potentilla indica ist ein aus Südostasien stammendes Rosengewächs, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa als Zierpflanze eingeschleppt wurde und sich seither konstant ausbreitet. In Österreich ist die Falsche Erdbeere seit etwa zwanzig Jahren eingebürgert und gilt als invasiv. Das heißt, die botanische Migrantin mit ihren fade schmeckenden Früchten stellt mittel- bis langfristig eine potenzielle Gefahr für unsere wohlschmeckende, immer seltener werdende Walderdbeere dar.

 

Bedroht: unsere wohlschmeckende Walderdbeere

Einige Beispiele aus der Tierwelt

Das im 18. Jahrhundert von Europa nach Australien exportierte Kaninchen ist eines der bekanntesten Beispiele für tierische Invasionen. Durch die hohe Reproduktionsrate wurden die Tiere bald zur Plage und werden bis heute mit unterschiedlichen Mitteln bekämpft.

Die Heimat des Kartoffelkäfers lag im US-Bundesstaat Colorado, weshalb der Schädling auch „Colorado beetle“ genannt wird. Seine ursprüngliche Nahrungspflanze war der Stachel-Nachtschatten, der – wie die Kartoffel – zu den Nachtschattengewächsen gehört. Der Übergang auf die Kartoffel vollzog sich im Verlauf des Vordringens weißer Siedler in den USA, die dort ihre Kartoffelpflanzungen anlegten. In Europa wurde der Kartoffelkäfer erstmals 1877 in den Hafenanlagen von Liverpool und Rotterdam gesichtet. In Deutschland sind die ersten Funde für Mülheim am Rhein und Torgau ebenfalls für 1877 belegt. Bereits zu dieser Zeit wurde von erheblichen Anstrengungen berichtet, die Plage einzudämmen. 1887 und 1914 traten neue größere Befallsherde in Europa auf. 1922 vernichtete der Käfer 250 Quadratkilometer Kartoffelbestände um Bordeaux. Er breitete sich mit einer Geschwindigkeit von 20 bis 30 km pro Jahr nach Osten aus und gelangte 1945 an die Elbe, 1950 an die Oder. 1960 hatte er schließlich Polen durchquert und die damalige UdSSR erreicht. Der Kartoffelkäfer wird heute nach wie vor mit Chemikalien und gezielter Infizierung mit bestimmten Bakterienstämmen bekämpft.

Bisamratte und Marderhund

Die Bisamratte wurde wegen des wertvollen Pelzes vom böhmischen Adeligen Colloredo-Mannsfeld 1905 aus Alaska mitgebracht und in sechs Schlossteichen ausgesetzt. Von dort breitete sie sich in den folgenden Jahrzehnten in ganz Europa aus. Sie kann durch ihre grabende Lebensweise Teich-Abdichtungen zerstören und dezimiert durch ihre Gefräßigkeit Wasser- und Uferpflanzen sowie Muscheln.

Der aus Sibirien stammende Marderhund oder Enok, Nyctereutes procyonoides, wurde im 19. Jahrhundert für die Pelztierzucht in Westrussland eingeführt, von wo aus er sich rasant verbreitete. Weil er in der neuen Umgebung keine natürlichen Feinde besitzt und möglicherweise das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt, wird seine Ausbreitung von Wissenschaftern eher kritisch gesehen. Es wird vor allem befürchtet, dass er auf Wiesen, in Küstenschutzgebieten und in Höhlen brütende Vogelarten verdrängt. Als Allesfresser vertilgt er Mäuse, Vögel, Eier, Fische, Kröten und Schnecken. Bei uns hat sich der Enok in Nieder- und Oberösterreich sowie im Burgenland heimisch gemacht.

Der japanische Kaiser Akihito, ein begeisterter Zoologe, hat selbst eingestanden, dass er vor gut 50 Jahren einen Bio-Invasor ins Land holte. Er hatte für Studien den Blauen Sonnenbarsch aus den USA mitgebracht und anschließend der japanischen Fischereibehörde zur Züchtung überlassen. Weil sich die Art ohne natürliche Feinde ungezügelt vermehrt und heimische Fischarten verdrängt, müssen Sonnenbarsche heute gezielt gefangen werden.

Ausgerechnet gegen seinen amerikanischen Verwandten, das Grauhörnchen, ist das Europäische Eichkätzchen machtlos: Seit der zum „Gauhörnchen“ gewordene US-Immigrant im 19. Jahrhundert vom Menschen auf den britischen Inseln ausgesetzt wurde, hat es den nüssesuchenden Ureinwohner auf nur noch wenige Naturreservate bzw. Ökoinseln zurückgedrängt und den Bestand um 90 Prozent dezimiert. Auf dem europäischen Kontinent und letztlich auch in Österreich droht dem possierlichen Nager das gleiche Schicksal, nachdem 1948 ein Diplomat in Turin ein Grauhörnchenpaar in seinem Garten ausgesetzt hat, dessen Nachkommen mittlerweile in die Hunderttausende gehen. Das in Gruppen lebende Grauhörnchen frisst nämlich dem einzelgängerischen Eichkätzchen das Futter vor der Nase weg, sodass es im Winter qualvoll verhungern muss.

Veränderungen in Meeren und Seen

Die nordatlantische Rippenqualle Mnemiopsis leidyi wurde mit dem Ballastwasser von Schiffen in den frühen 1980er Jahren ins Schwarze Meer verbracht und breitete sich dort rasant aus. Innerhalb von zehn Jahren kollabierte der Sardellen-Fischfang rund um das Meer, da die neu eingeführte Art sich von demselben Plankton ernährte, welches auch die Fischlarven fressen. Die Biomasse der Rippenquallen im Schwarzen Meer wurde zum Höhepunkt dieser Entwicklung auf eine Million Tonnen geschätzt. Durch das ebenso plötzliche Auftreten einer weiteren Rippenquallenart, Beroe ovata, im Jahr 1997, die sich von Mnemiopsis leidyi ernährt, pendelte sich das Gleichgewicht wieder ein, das Schwarze Meer ist seitdem jedoch von beiden fremden Arten besiedelt.

Ein ähnliches Szenario spielt sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit den gleichen Arten im Kaspischen Meer ab. Auch für dieses Ökosystem sind entsprechend schwerwiegende Veränderungen zu erwarten. Forscher der Biologischen Anstalt Helgoland wiesen zuletzt darauf hin, dass die Rippenqualle aufgrund wärmerer Winter auch in der Ost- und Nordsee zu einem Problem werden könnte.

Die Wandermuschel Dreissena Polymporpha wurde von Europa in die großen Amerikanischen Seen eingeschleppt. Sie kommt ursprünglich aus dem Kaspischen und Schwarzen Meer und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeführt. Seit etwa 1985 breitet sich die Wandermuschel auch in den Großen Seen im Norden der USA aus und verstopft dort Wasserleitungen und Rohre, was in den nächsten Jahren einen Reinigungsaufwand von vielen Millionen Dollar verursachen wird.

Auch in Österreich haben sich eingeschleppte Wandermuschel-Populationen etabliert. Sie fanden sich erstmals bei Salzburg und verdrängen inzwischen in Seen und Flüssen einheimische Muschelarten.

„Verrückte Ameisen“ und Käfer

Die wegen ihrer frenetischen Bewegungen auch „verrückte Ameise“ genannte Anoplolepsis gracilipes stammt ursprünglich aus Afrika und ist heute bis Australien verbreitet. Kommen Tiere mit dem Gift dieser Ameise in Berührung, können sie erblinden. Auf dem Festland wird diese Spezies immer mehr zu einer Plage, da sie sich rasant verbreitet. Auf der Weihnachtsinsel im Pazifik, wo diese Ameise vermutlich vor 50 Jahren von afrikanischen Händlern eingeschleppt wurde, haben die „verrückten Ameisen“ innerhalb von 18 Monaten drei Millionen der dort nativen Krabben getötet. Dadurch wurde die gesamte Krabben-Population gefährdet und mit ihr das Ökosystem des Inselwaldes. Erst nach einer fünfjährigen Giftkampagne gelang es dem australischen Umweltministerium, die Plage auf der Insel unter Kontrolle zu bringen.

Die in Südostasien beheimatete asiatische Tigermücke Aedes albopictus kam durch die zunehmende Reisetätigkeit und den Warentausch nach Europa. Im EU-Programm DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventory for Europe) rangiert diese Stechmücke, die gefährliche Krankheiten übertragen kann, unter den 100 schlimmsten Invasoren.

Der Blaubandbärbling Pseudorasbora parva wurde in den 60er Jahren aus Asien zusammen mit Graskarpfen und anderen wirtschaftlich interessant erscheinenden Fischarten eingeführt. Anfangs verbreitete er sich überwiegend im Einzugsbereich der Donau, 1982 wurde er erstmals in Österreich, 1994 auch im Neusiedler See gefunden. Der Invasor, der besonders leicht im Zuge von Besatzmaßnahmen mit anderen Arten in Fischteiche eingeschleppt wird, setzt innerhalb eines Sommers drei Generationen in die Welt, weswegen er eine massive Nahrungskonkurrenz zu anderen Fischen, speziell zu Jungfischen, darstellt.

Die amerikanische Zikade Metcalfa pruinosa wurde erstmals 1979 in Norditalien entdeckt. Seither verbreitete sie sich nicht nur in Südeuropa, sondern wurde vor kurzem sogar in Wien nachgewiesen, weit weg vom restlichen Verbreitungsgebiet. Die Zikade ernährt sich von süßen Pflanzensäften. Überschüssiger Zucker wird als Honigtau ausgeschieden, dieser wird dann zu Rußtau, der die Blätter der Pflanze schwarz färbt und sie so an der Photosynthese hindert. Auch Früchte werden durch Rußtau ungenießbar. Die Eier werden in Ritzen der Rinde abgelegt und überwintern dort. Im Frühjahr schlüpfen die Larven, die sich ebenfalls von Pflanzensäften ernähren. Als mögliche Gegenmaßnahme kann man junge Äste im Winter abschneiden, wodurch einige Eier zerstört werden, oder man versucht, dem Schädling mit Pflanzenschutzmitteln beizukommen. In Italien und Frankreich hatte man gewisse Erfolge mit dem ebenfalls aus Amerika stammenden Hautflügler Neodryinuns typhlocybe, der parasitär an den Zikaden lebt.

Der 2001 erstmals für Europa bei Braunau festgestellte Laubholz-Bockkäfer kam vermutlich als blinder Passagier in Holzkisten aus China nach Österreich. Die Larven entwickeln sich im Holz. Die erwachsenen Käfer mit ihren charakteristischen langen Fühlern fressen an den Blättern und an der Borke. Befallene Bäume – besonders Steinobst und Ahorn – können absterben.

Der in Zentralamerika beheimatete, nur fünf Millimeter große Maiswurzelbohrer Diabrotica virgifera virgifera aus der Familie der Blattkäfer wurde vermutlich durch US-Hilfslieferungen im Balkankrieg nach Europa eingeflogen und ist seit 2002 in Österreich nachgewiesen. Seine durch sein erstaunliches Flugvermögen beschleunigte Ausbreitung in Europa erfolgt je nach Bekämpfung und Nahrungsverfügbarkeit unterschiedlich rasch mit bis zu 80 Kilometern pro Jahr. Die Tiere legen ihre Eier im Boden ab, wo sie nach einer Überwinterung schlüpfen und dann die Wurzeln der Maispflanze fressen. Die Larven ernähren sich von Pollen, Narbenfäden, Körnern und Blättern. In den USA verursacht der Maiswurzelbohrer jährlich einen Schaden von etwa einer Milliarde US-Dollar. Ernteverluste von 30 Prozent sind keine Seltenheit.

Der aus Asien stammende und seit 2006 auch in Österreich vorkommende Harlekin-Marienkäfer, der als Blattlausvertilger eingeführt wurde, hat in weniger als vier Jahren die meisten Teile Großbritanniens erobert und bedroht dort mehr als 1.000 heimische Arten. In Nordamerika verursacht er auch wirtschaftliche Schäden, da er sich im Herbst in großer Zahl in Weingärten aufhält.

Europa muss handeln

Der auf Invasionsbiologie spezialisierte Zoologe Dr. Wolfgang Rabitsch von der Uni Wien warnt: „Trotz weltweiter negativer Beispiele, die uns Warnung genug sein sollten, werden nach wie vor absichtlich gebietsfremde Arten ausgesetzt. Es fehlt ein Kontroll- und Regelwerk für den Umgang mit Arten, die aus ökologischer, ökonomischer oder medizinischer Sicht negative Auswirkungen haben können.“

Bereits bei der Neobiota-Konferenz 2010 in Kopenhagen kämpften Wissenschafter darum, Regelgesetze für invasive Arten in der EU zu schaffen. Vorbilder dafür sind Gesetze, wie sie in Neuseeland und Australien bereits in Kraft sind. Die formalen Bedingungen existieren bereits seit dem EU-Ministerratsbeschluss vom Juni 2009, so dass dieses Gesetz 2011 in Kraft gesetzt werden könnte. Die Zeit drängt. Das große Problem ist nämlich, dass die Zahl der Bioinvasoren nach wie vor ansteigt. Allein in Europa ist sie in 30 Jahren um 76 Prozent gestiegen. 2008 hatten Forscher mehr als 10.000 nicht-heimische Arten in Europa ausfindig gemacht. 1.300 davon haben negative Auswirkungen auf die Umwelt.

Rufer in der Wüste gibt es genug: „Mit der Einführung fremder Arten werden zudem auch fremde Parasiten eingeschleppt. Die Folgen davon sind vielfach noch nicht untersucht und können daher kaum bewertet werden“, so der Zoologe Heinz Grillitsch vom Wiener Naturhistorischen Museum. Ein großes Problem beim Verlust der Artenvielfalt sieht Grillitsch in der mangelnden Aufmerksamkeit für das Thema Bioinvasion. „Der Verlust der Biodiversität hat möglicherweise für den ganzen Erdball katastrophale Folgen, doch das Sensorium in der Öffentlichkeit fehlt vielfach.“ Wenn Nahrungsketten durchbrochen und das gesamte ökologische System überfordert werden, werden auch natürliche Kreisläufe, die wichtige Regulationsmechanismen erfüllen, gestört. Die Natur habe eine relativ große Toleranz, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. „Danach gerät das System völlig außer Kontrolle, denn die gesamte Biologie setzt auf dem Hebel der Vielfalt an“, meint der Forscher. Bisher hätten die Menschen erst dann gehandelt, wenn eine Katastrophe hereingebrochen sei.

 
Bernd Stracke ist freier Journalist und Buchautor in Innsbruck sowie Hobby-Biologe mit universitärem Hintergrund.

Bearbeitungsstand: Samstag, 1. Juni 2013

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