Denken – Handeln – Besinnen


Gelassenheit angesichts der zu Ende gehenden Moderne

 

Von Werner Kunze

Wir leben in einer Zeit, in der wir gelernt haben, konkrete Probleme mit konkreten Lösungsversuchen zu behandeln. Diese Vorgehensweise hat selbstverständlich in vielen Fällen ihre Berechtigung; von privaten Bereichen über den Beruf bis zur hohen Politik und zur Wissenschaft. Verlernt haben wir es indes allzu oft, uns Gedanken zu machen über Themen, die nur an ihrer Oberfläche konkret in Erscheinung treten. Ob also beispielsweise unsere persönlichen Lebensprobleme nicht eher in unserer Lebensführung und unserer Lebenssicht begründet sind, und vielleicht zuerst darüber nachzudenken wäre. Oder wir gehen noch einen Schritt weiter und fragen danach, um es noch ein wenig komplizierter zu machen, ob nicht vielleicht der Zeitgeist für solche Sicht- und Verhaltensweisen eigentliche Ursache war und ist. Andererseits ist es natürlich gleichfalls lohnenswert, über die Gründe nachzudenken, warum auch heute noch viele Menschen Widerstände und Schwierigkeiten überwinden und ihr Leben meistern.

Noch gravierender ist allerdings, dass auch Politiker und Medienvertreter vor lauter Aktivismus keine Gedanken mehr darüber verschwenden, wie viele Probleme ohne die heutigen, ideologisch geprägten Verhaltensweisen gar nicht erst entstanden wären!

In unserer Zeit wird, wie es scheint, zu viel gehandelt (und geredet) und zu wenig nachgedacht. Dies entspricht dem durchweg pragmatischen Ansatz der Moderne und ihrer Überzeugung, alle Probleme seien im Prinzip früher oder später lösbar. Vor ihrer Realisierung haben herausragende Köpfe des 17. und 18. Jahrhunderts zwar viel und gründlich über Inhalt und Gestalt der Moderne nachgedacht. Danach verdichtet sich immer mehr der Eindruck, wonach ihre Prinzipien offenbar einem Denkverbot unterliegen. Nach den Denkern haben jedenfalls die Macher das Heft in die Hand genommen und die Denkarbeit für erledigt erklärt. So ist es auch kein Zufall, dass man glaubte, auf die Philosophen, die Spezialisten für das Denken, nach getaner Arbeit verzichten zu sollen und zu können. Die Naturwissenschaft hat sich vor etwa 200 Jahren von ihnen getrennt und sich inzwischen im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit positioniert.

Nach welchen Kriterien sollte man die Qualität zielgerichteten Handelns beurteilen? Es sind vor allem die Motive des oder der Handelnden und es ist das Ausmaß ihres vorangegangenen sachgerechten Überlegens und Nachdenkens. Sich für das pure (oft sogar nur vermeintlich!) „Gute“ einzusetzen und im euphorischen Überschwang ein solches Ziel anzusteuern, reicht eben noch nicht, wenn es am Nachdenken über die Voraussetzungen und den einzuschlagenden Weg mangelt. Kommt so etwas auch heute noch vor? Und ob! Denn wir vermissen doch bei vorwiegend ideologisch begründeten politischen Entscheidungen immer wieder das vorgängige kritische Nachdenken. Und entsteht nicht der Eindruck, dass in der Politik sehr oft ideologische Vorgaben über den Sachverstand dominieren? Wir können, noch viel grundsätzlicher, sogar bei einigen Prinzipien der politischen Moderne inzwischen klar erkennen, dass politische Absichten einst deutlich überwogen hatten vor nüchternem Realitätssinn.

1968er Kulturrevolution und Europapolitik

Diese Behauptungen lassen sich an den beiden Beispielen der 1968er Kulturrevolution und der Europapolitik besonders gut belegen.

Die „guten Absichten“ der 68er Bewegung, die glaubten, die Menschen von „überkommenen“ Bindungen, Verpflichtungen und traditionellen Verhaltensweisen zu „befreien“, hatten verheerende Folgen: Eine erschreckend zugenommene Zahl zerrütteter Ehen und zerstörter Familien, Halbierung der jährlichen Kinderzahl in Deutschland seit 40 Jahren, oft schlecht erzogene oder „verhaltensauffällige“ Kinder und nicht wenige verlotterte Jugendliche. Gesunde und glückliche Lebensverhältnisse sehen anders aus! Jeder mit durchschnittlichem Verstand ausgestattete Mensch hätte diese Folgen allerdings unschwer im voraus erkennen können. So aber regierten in diesen 68-Kreisen, damals wie heute, statt der Vernunft, nur noch phantasievolle „Befreiungsideologien“.

Am Beginn der europäischen Vereinigungsbestrebungen lag die Absicht, Deutschland „einzubinden“. Dies wurde auch stets offen zugegeben. Der ehemalige deutsche EU-Kommissar Verheugen bestätigte noch Ende 2010, dass unsere europäischen Nachbarn uns auch 65 Jahre nach Kriegsende noch für gefährlich ansehen und dies in Verhandlungen auch immer wieder zum Ausdruck bringen. Ob diese Furcht echt ist oder vorgeschoben, ist nicht so wichtig wie die Tatsache, dass damit erfahrungsgemäß die Kompromissbereitschaft deutscher Politiker angeregt wird. Wir stellen jedenfalls auch in diesem Zusammenhang fest: Aus negativen Ausgangsmotiven entsteht selten etwas Gutes!

Heute ist inzwischen jedem klar geworden, dass der zweite gravierende Fehler vor allem bei der Einführung der Eurowährung gemacht worden ist. Es wurde nämlich viel zu wenig sachbezogen nachgedacht und die durchaus von vielen Seiten gut begründeten Vorbehalte wieder einmal mit einer politisch-euphorischen Attitüde herablassend beiseite geschoben. So war es von Anfang an mühelos vorherzusehen, dass ein Währungszusammenschluss von wirtschaftlich derart heterogenen Ländern ohne eine bestimmte Vereinheitlichung von Haushalts-, Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht funktionieren konnte. Diese Forderungen hätten natürlich die Souveränität der Beitrittsländer erheblich beeinträchtigt und waren daher nicht „konsensfähig“. So aber konnten einige Länder weiter sorglos tricksen und betrügen (Griechenland ließ sich dabei von Goldman Sachs beraten, Italien vermutlich von J. P. Morgan). Die Angst vor vertraglichen Konsequenzen wurde ihnen genommen, weil wohl kein Politiker auch nur ein teilweises Scheitern des Euro verantworten wollte und sie sich letztlich auf den deutschen Europaidealismus glaubten verlassen zu können.

Alles in allem ein Musterbeispiel dafür, wie politische Ziele ohne Rücksicht auf entgegen stehende Gegebenheiten durchgesetzt werden. Auch die EU-Erweiterungen der letzten Jahre können rational nur schwer nachvollzogen werden. Muss Politik heute wirklich bedeuten: Handeln, ohne sich dabei viel vom Denken und Nachdenken abhalten zu lassen und nicht viel mehr als ein idealistisches Ziel verfolgen?

Grundlagen der Moderne

Doch sehen wir uns auch kurz die Grundlagen der Moderne an, wo diese Herangehensweisen begonnen hatten. Die Umsetzung der politischen und gesellschaftlichen Ideen der Moderne war nämlich von Anfang so stark von Begeisterung und Hoffnungen getragen, dass wenig Interesse bestand, die Probleme der Übertragung auf reale Menschen und reale Verhältnisse gründlich zu bedenken. Nicht ohne Grund ist das Wort „bedenklich“ mit Bedenken verwandt. Erstaunlicherweise hat sich an dieser Haltung bis heute nichts Grundsätzliches geändert, das heißt, wir belassen es zu meist dabei, Symptome statt Ursachen zu behandeln. Noch erstaunlicher ist, dass die wichtigste aufklärerische Forderung, nämlich die Vernunft stets als unverzichtbaren Maßstab einzusetzen, auch im politischen Bereich immer wieder in den Wind geschlagen wird.

Die beiden Haupttriebfedern der Moderne: naturwissenschaftlich-technischer Fortschritt einerseits und politische Ideologie andererseits bewegen sich in ein einem unlösbaren Spannungsfeld. Die erste Hälfte verlangt konsequentes rationales Denken und Handeln, in der zweiten tummeln sich, unvermeidbar, immer noch zahllose irrationale menschliche Neigungen und Veranlagungen wie Ideologien und Emotionalitäten aller Art.

Aus diesen und weiteren Gründen vertrete ich seit langem die Ansicht, dass die Moderne oder wenigstens Teile von ihr nur überlebensfähig sind, wenn ihre Grundlagen einer kritischen Überprüfung unterzogen und mit heutigem Wissensstand kritisch hinterfragt werden. Eine solche Herkulesaufgabe könnte jetzt von Philosphen allein nicht mehr wahrgenommen werden. Sie haben zwar die aufklärerischen Ideen, die zur Moderne geführt haben, vor weit über zweihundert Jahren ausgedacht, ihre Umsetzung hat seither aber nahezu alle Lebensbereiche erfasst, so dass heute, in der Spätphase der Moderne, für diese Bestandsaufnahme kluge Köpfe aus sehr unterschiedlichen Bereichen benötigt werden.

Wahre Macht

Anders als alle voran gegangenen Epochen hat die Moderne besondere Probleme mit der Macht. Das theoretische Ideal wäre – für nicht wenige – ein Staat ohne Machtausübung durch Dritte. Da ein solcher Staat gerade in der heutigen komplizierten Zeit aber handlungsunfähig wäre, geht es eben nicht ohne Macht. Ständige machtallergische Reaktionen von Medien und „Bürgerinitiativen“ oder zum Beispiel „Stuttgart 21“ bleiben aber auf der Tagesordnung.

Die Menschen haben jedoch noch viel zu selten gemerkt, dass die Absicht, politische Macht und Machtmissbrauch immer wieder zu bekämpfen, eher von zweitrangiger Bedeutung ist. Entscheidender ist vielmehr die geistig-politische Macht. Denn sie ist in der Lage, die Richtung des vorherrschenden Zeitgeistes zu bestimmen. Und ihr folgen nicht nur die Bürger, sondern auch der Gesetzgeber und die Rechtsprechung. Diese „Obermacht“ handelt im Halbdunkeln und sie kann mit den üblichen demokratischen Mitteln nicht zur Verantwortung gezogen werden. Bei der elementaren Bedeutung vernünftigen Denkens und Handelns musste der Bogen bis zu diesem Punkt weitergespannt werden.

So gehört es zu den spannendsten Fragen in modernen Zeiten, wer bestimmt

  • wie wir denken und handeln sollen?
  • welche Themen dominieren und welche auf die Seite geschoben werden?
  • und wie diese Themen der Zeit gedeutet werden sollen oder müssen?

Mit der Beantwortung dieser Fragen stoßen wir in den Kernbereich ideologischer Macht vor und zugleich in seine grundsätzliche Problematik. Denn diese Auswahlvorgänge unterliegen nicht strenger Logik oder unabänderlichen Zwängen. Sie gründen sich vielmehr auf subjektiven Prioritäten und Überzeugungen, die nicht selten auch noch von der Geschichte und Tradition einzelner Völker und Länder getragen werden. Die Problematik entsteht immer dann, wenn diese Präferenzen einzelner den anderen im eigenen Land oder in dritten Ländern mit allen modernen Mitteln der Überredung, bis hin zur Gewalt, aufgedrängt werden.

Naturwissenschaftliches und philosophisches Denken

Die Neuzeit hat es mit Planen, Rechnen, Erfinden und Entdecken wahrlich sehr weit gebracht. Was wir immer händeringender suchen oder suchen sollten, ist jedoch das Nachdenken über Sinn und Unsinn, über echte und vermeintliche Erfolge, über Zuträglichkeiten und Unzumutbarem der Moderne. Hier vermissen wir zunehmend Orientierung, Maßstäbe und Beurteilung. Warum fehlt es daran so sehr?

Erstens weil solche weitgehenden Fragen als tabuisiert gelten und zweitens weil Überlegungen dieser Art nicht in den Zuständigkeits- und Kompetenzbereich der tonangebenden Naturwissenschaft und Technik gehören. Wer aber wäre dann für ein solch übergeordnetes Denken und Nachdenken zuständig und geeignet? Traditionell die Philosophen, die anders als die Naturwissenschafter und Ingenieure Denkenden. Philosophieren und Philosophie bedeutet auch und vor allem, eine ganz spezielle Art von Nach-Denken.

Doch wo sind die Philosophen geblieben? Den Verlust dieser großartigen und im wahrsten Sinne überragenden Denktradition habe ich ausführlich in meinem 2007 erschienen Philosophiebuch beschrieben.[1]

Deutsche Denker haben sich jedenfalls frühzeitig mit ihren Bedenken und ihrer Kritik gegenüber bestimmten Wesenszügen der Moderne hervorgetan. Besonders hervorzuheben ist dabei, neben der Deutschen Romantik und Klassik, vor allem Nietzsche, der größte Seher und Warner vor einer Zeit, die wir heute viel besser überblicken können als er. Und ebenso Heidegger, der von 1889 bis 1976, also noch bis in unsere Zeit hinein, gelebt hat. Auch er hat noch einmal seiner und unserer Zeit den Spiegel vorgehalten und sie so kritisch durchleuchtet, wie es einst zur Aufgabe aller großen Philosophen gehört hatte.

Bei der Mehrzahl anderer Philosophen und Intellektueller in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie bei Adorno, Horkheimer, Marcuse oder Sartre, hat die Kritik am Leben in der Moderne dazu geführt, das Heil im Kommunismus/Marxismus zu suchen. Welche Torheit, ja Dummheit! Der Verlauf der Sowjetunion hätte ihnen doch bereits seit den 20er Jahren die Augen öffnen können, von Mao und Pol Pot in späterer Zeit ganz zu schweigen. Sie alle sind jedenfalls durch die Geschichte desavouiert worden. Nietzsche und Heidegger dagegen haben Richtiges kritisiert, Anderes angemahnt und in vielem bis jetzt Recht behalten.

Die Moderne aus der Sicht Martin Heideggers

Heidegger beanstandete unter anderem ein Dreifaches:

  • Wir sind gedankenarm und gedankenlos.
  • Das besinnliche Nachdenken droht unter der Lawine von planerischem und rechnerisch-technischem Denken unterzugehen. Von dieser Entwicklung gehen große Gefahren aus.
  • Wir sind wurzellos, weil nicht mehr bodenständig.

Ich halte es daher für interessant und empfehlenswert, sich auch heute noch mit Heidegger zu beschäftigen. Nun umfasst sein Gesamtwerk nicht weniger als weit über hundert Veröffentlichungen. Für die mit diesem Aufsatz verfolgte Absicht, erscheint mir daher Heideggers Festvortrag aus dem Jahre 1955 in Meßkirch besonders aufschlussreich zu sein. Er entwickelte darin eine klare geistige Zeitanalyse, der wir uns jetzt zuwenden wollen.

Heidegger belehrt uns, wenn auch in einem noch größeren Zusammenhang, wir dürften „das Aktuelle nicht als das allein Wirkliche“ ansehen und behandeln. Und er fügt – hier auf unsere Zeit bezogen – hinzu: „Die Zeit des Rechnens zerrt an unserem Denken.“ Diese philosophischen Sichtweisen sind nicht nur erlaubt, ihnen gebührt darüber hinaus gerade heute größte Beachtung.

Heidegger hat in einer Festrede im Jahr 1955 (veröffentlicht in der Broschüre „Gelassenheit“) Wesentliches zu unserer Zeit in prägnanter Form ausgeführt. So seine Überzeugung, wonach wir „von einer Besinnung auf das gegenwärtige Zeitalter so weit entfernt sind wie nur irgend möglich“, wenn wir glauben, die Naturwissenschaft sei „ein Weg zu einem glücklichen Leben“. Die seit Jahrhunderten stattgefundene „Umwälzung aller maßgebenden Vorstellungen“ habe „den Menschen in eine andere Wirklichkeit versetzt … Jetzt erscheint die Welt wie ein Gegenstand, auf den das rechnende Denken seine Angriffe ansetzt … Die Natur wird zu einer einzigen riesenhaften Tankstelle, zur Energiequelle für die moderne Technik und Industrie.“ .

Dennoch:
„Es wäre töricht, blindlings gegen die technische Welt anzutreten. Es wäre kurzsichtig, die technische Welt als Teufelswerk verdammen zu wollen. Wir sind auf die technischen Gegenstände angewiesen … Unversehens sind wir jedoch zu fest an die technischen Gegenstände geschmiedet“. Deshalb empfiehlt Heidegger. „Wir lassen die technischen Gegenstände in unsere tägliche Welt hinein und lassen sie zugleich draußen“. Diese Haltung bezeichnet Heidegger als „Gelassenheit mit den Dingen“.

Buchstäblich: Wieder zur Be-Sinnung kommen!

Fußend auf Heidegger und ergänzt mit heutigen Erfahrungen stelle ich daher folgende Interpretation unserer Zeit zur Diskussion:

Das Leben in der Moderne fordert zwar, mehr denn je und von immer mehr Menschen, ein ununterbrochenes Denken und Überlegen. Als Folge hiervon beherrscht jedoch auch die Aktualität unser Denken immer mehr. Das Heute und das Neue schiebt sich derart in den Vorder- und Mittelpunkt, dass moderne Menschen keine Ruhe oder Muße mehr besitzen, um „nachzudenken.“

Nachzudenken beispielsweise über das eigene Leben und seinen Sinn. Ferner hindern die heutigen Lebensverhältnisse offenbar die meisten Menschen daran, zu reflektieren über den Zustand und die Zukunft unseres Volkes und unseres Landes; vor allem aber auch über die Zeit, in der wir leben. Denn sie, die Zeit der Moderne, fordert alle Menschen wie keine zuvor und sie erlaubt uns mit ihrer unerhörten Aufdringlichkeit keine Überlegungen über ihren Sinn, ihre Widersprüche oder ihre Grenzen. Die Tagesereignisse nehmen die Menschen voll in Anspruch. So fordert uns nicht nur der Beruf oft mit Hektik und Zeitdruck. Viele Menschen glauben, sich auch in der Freizeit kein Durchatmen mehr erlauben zu können.

Wer sich diesen scheinbar ehernen Regeln für zeitgemäßes Verhalten zu entziehen versucht, muss sich absetzen vom Moloch des Tagesgeschehens und über den Zeitgeist nachdenken. Auch wenn dazu viele aus unterschiedlichen Gründen nicht in der Lage sind. Im 17. und 18. Jahrhundert hatten große Denker noch die Zeit und die Begabung, sich mit den damaligen Zeitverhältnissen gründlich auseinanderzusetzen. Philosophen sind jedoch „seltene Pflanzen“, wie Nietzsche meint. Die überdies ganz bestimmte Biotope benötigen. Menschen mit großen geistigen Begabungen werden in unserer Zeit, auch des Ansehens wegen, vorzugsweise Naturwissenschafter. Ihr oft überaus geistreiches Denken ist aber so in dem „System“ der Moderne verankert, dass sie für diese philosophische Form des Nachdenkens nur in seltenen Ausnahmefällen zur Verfügung stehen. Ich empfehle daher als ersten Schritt, einen Nobelpreis für philosophisches Nachdenken über unsere Zeit auszuschreiben.

Anmerkung

[1] Vgl. Werner Kunze, Philosophie für Neugierige, Tübingen 2007, besprochen von Heinz Hauffe im Genius-Heft 1/2007, Seite 54.

 
Dkfm. Werner Kunze, Friedrichshafen, ist Verfasser mehrerer Bücher. Aufsehen erregte sein Buch „Die blockierte Gesellschaft – Die deutsche Jahrhundertkrise und ihr Überwindung“, Tübingen 2005.

Bearbeitungsstand: Samstag, 1. Juni 2013

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