Ungereimtes – gereimt


Von Pannonicus

 

Die Pleite-Dementierer

Unschwer lässt sich explizieren,
dass das Wörtchen „dementieren“
was zu tun hat mit „Demenz“:
Nicht nur sagen’s Philologen,
auch die Euro-Demagogen
liefern dafür Evidenz.

Denn selbst wider bessres Wissen
dementieren sie beflissen,
was für alle evident,
und das heißt, bei ihrem Walten
über Milliarden halten
sie die Bürger für dement!

Falls sie selbst nichts wissen aber,
wäre es erst recht makaber,
denn dann hätten eklatant
die Verteiler der Kredite
kognitive Defizite –
kurz, was als Demenz bekannt.

Nun, die erste Variante
ist in Politik Konstante:
Man versucht dem kleinen Mann
einzutrichtern noch und nöcher,
dass sogar die schwarzen Löcher
man mit Bürgschaft stopfen kann.

Also dementiert man munter,
spielt die Krisenzeichen runter,
gibt sich stets als Optimist
und man hofft, das große Zahlen
kommt erst nach den nächsten Wahlen,
wenn man weg vom Fenster ist!

Mit dem Geld von Tante Frieda
wäre so was einfach Krida,
doch in dem Fall ist der Lohn
anders als im Alltagsleben:
Defraudanten kriegen eben
die Ministerpension …

(Wieder einmal wird dementiert, dass Feuer am Dach ist, ja man dementiert zunächst sogar, dass man sich zu einer Krisensitzung getroffen hat, und dann dementiert man, dass von einem Austritt Griechenlands aus dem Euro gesprochen wurde.)

 

Und hier zur Erinnerung an das erste Hilfsprogramm für Griechenland eine Wiederholung:

Die Eulenträger

Eulen nach Athen zu tragen -
diese Wendung, gern zitiert,
hat in längst vergangnen Tagen
Aristophanes kreiert.

Hat Komödien geschrieben,
in perfektem Griechisch gar,
und dran seht ihr, meine Lieben,
was einst alles möglich war!

Damals prägte noch Athene
– Weisheit war ihr Monopol –
im Athener-Land die Szene,
mit der Eule als Symbol.

Solch Geflügel hinzuschleppen,
wär’ totaler Unsinn drum,
denn das täten höchstens Deppen –
leicht begriff’s das Publikum.

Doch die Göttin – echt zum Heulen –
ist im Altenheim entsorgt,
und in Attika kriegt Eulen
jetzt man nicht einmal geborgt.

Drüber kreist der Pleitegeier
gierig wie noch nie zuvor,
und zur Lyra, heute Leier,
murrt elegisch drunt der Chor.

Trotzdem gibt es was zu lachen:
Euros tragen nach Athen,
dass nicht Staat und Banken krachen!
Ist ein Witz kat’ éxochén!

Aristophanes empfände
diesen Ulk als Hochgenuss –
mehr noch aber, wenn’s am Ende
dann wer wirklich machen muss!


(Die EU beschließt ein Hilfsprogramm für das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland. Die zunächst bloßen Versprechungen werden aber letztlich doch zu massiven Zahlungen führen müssen.)

Bearbeitungsstand: Montag, 30. Mai 2011
 
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