Die Jungen wissen es besser: Wir brauchen echte Familie!


Die propagierte „Ein-Eltern-Familie“ findet keinen Anklang

 
Von Barbara Rosenkranz

Seit Jahrzehnten wird die „klassische Familie“ als Auslaufmodell gebrandmarkt. Die politische Klasse stellt dabei Familien (vor allem „Einverdiener-Haushalte“) immer wieder als „Minderleister“ und Problemfälle dar. Folgerichtig rief Wirtschafts- und Familienminister Reinhold Mitterlehner im November des letzten Jahres eine „Kehrtwende in der Familienpolitik“ aus. „Die Kosten des Systems stehen in keiner Relation zu den Ergebnissen. Unsere vornehmlich auf Geldleistungen ausgerichtete Familienpolitik hat nicht zu einer höheren Geburtenrate geführt. Rein finanzielle Anreize haben sich europaweit nicht bewährt. […] Bei uns herrschte das Bild, dass Kinder nur in der behüteten Umgebung der Familie gut aufwachsen. Das entspricht nicht der Realität. Wir müssen Sachleistungen wie Kindergartenplätze ausbauen“, so der „christlich-soziale“ Politiker.

Insbesondere aber der schreibenden Zunft ist das traditionelle Familienbild ein Dorn im Auge. In manchmal vor Hass triefenden Essays wird seit den 68er Jahren das Feindbild Familie gepflegt. Die Frucht dieser Gedankenwelt hat sich sehr schnell auf die Kinder jener Zeit niedergeschlagen. Unglaubliche 67 Prozent der Journalistinnen, die zwischen 1962 und 1966 geboren worden sind, sind kinderlos! Es sind jene Frauen, die von Berufs wegen Meinungen bilden, bewerten und verbreiten. Das ist ein Ansatz unter vielen, warum die Familie den Medien zuwider ist, denn wer schreibt schon gegen seinen eigenen Lebensentwurf?

Die mediale Berieselung perlt ab

Doch trotz aller medialer Berieselung: Die jungen Menschen wollen sich nicht so recht den Vorgaben des linken Menschenbildes beugen. So hat auch der aktuelle Jugend-Monitor dem linken Mainstream den Angstschweiß auf die Stirn getrieben. Drei Viertel der Jugendlichen wollen eine eigene Familie gründen, auch eigene Kinder gehören für sie einfach dazu. Für die Kinder ist ihnen auch Zeit wichtig, wofür sie auch gerne beruflich zurück stecken. Knapp 80% wünschen sich, ihre Kinder bis zum dritten Geburtstag, weitere 31 % bis zum Eintritt in die Volksschule in der Familie betreut zu sehen. Die Grünen orteten sogleich „Handlungsbedarf“ und fordern einen „Aktionsplan“, um die „Tendenz zu Rollenklischees und Abhängigkeitsverhältnissen“ endlich auszuradieren.

Wenn den jungen Menschen der Kinderwunsch (noch) nicht abtrainiert werden kann, so sollen wenigstens die zwischenmenschlichen Bindungen gelöst werden, so die Strategie der rot-grünen „Modernisierer“. Als Zwischenschritt zur „bindungsfreien“ Gesellschaft gilt es daher, den Begriff Familie neu zu definieren. Das heißt, er wird ins Unendliche überdehnt, indem er auf nahezu sämtliche Formen des Zusammenlebens angewendet wird. Während es noch vor nicht allzu langer Zeit bei den Grünen hieß: „Familie ist für uns da, wo Kinder sind – egal ob in klassischer Ehe, Ein-Eltern-Familie, unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Partnerschaft“, wird mittlerweile von diversen Homosexuellengruppen proklamiert: „Auch wir sind Familie“.

Bei den Film- und Serienschaffenden steht hingegen derzeit die „Patchworkfamilie“ hoch im Kurs. Die Mischfamilien werden in den Medien geradezu idealisiert, haftet ihnen doch nicht das „miefige Image“ einer „klassischen“ Lebensform an. Wurde in den 70er Jahren via TV noch vermittelt, die traditionelle Familie sei die übliche Form des Zusammenlebens (auch wenn die gesellschaftliche Entwicklung schon deutlich in eine andere Richtung zeigte), hat sich dies im vergangenen Jahrzehnt vollkommen umgedreht. Das Adolf-Grimme-Institut hat in einer Studie nachgewiesen, dass das vorherrschende Familienbild in deutschen Fernsehproduktionen die gelebte Realität bei weitem an „Modernität“ übertrifft. Während tatsächlich nur 21 Prozent der Deutschen allein leben, sind bereits 44 Prozent aller Filmfiguren Singles. Beträgt die aktuelle Geburtenrate 1,3 Kinder pro Frau, sind dagegen dreiviertel aller weiblichen Fernsehrollen kinderlos, die Geburtenrate unter 0,5.

Die Politik fördert das propagierte Klischee

Aber auch die Politik rückt die „abweichenden“ Lebensformen immer mehr in den Vordergrund. Es ist Absicht und Strategie, sie gegen klassische Familien auszuspielen. Es steht vollkommen außer Frage, dass Alleinerziehende in Österreich in einer nicht leichten Lage sind. So genannte „Ein-Eltern-Familien“ sind stärker von Armut gefährdet und weitaus häufiger auf staatliche Transferleistungen angewiesen als „normale“ Familien. Der Staat muss in solchen Fällen also einspringen.

Doch anstatt die schwierige Situation, in der Österreichs 177.000 „Ein-Eltern-Familien“ sich befinden, abzumildern, wird diese Familienform als die wahrhaft zeitgemäße verkauft und beworben und werden die familienpolitischen Leitlinien darauf abgestimmt.

Um die in erster Linie betroffenen Müttern in das Erwerbsleben zu bekommen, muss daher die Zahl der Kinderbetreuungseinrichtungen ausgebaut werden. Es liegt aber auf der Hand, dass trotz der vollen Erwerbstätigkeit einer Alleinerziehenden die finanzielle Belastung für sie immer höher sein wird, als bei einem zusammenlebenden Paar mit Kindern.

Der Schluss, den die Politik zieht, ist – wie gesagt – fatal. Die „klassische“ Familie soll faktisch benachteiligt werden, damit die Diskrepanz zwischen ihr und einer „Ein-Eltern-Familie“ nicht mehr gegeben ist. Dies hilft freilich auch den Alleinerziehenden keinen Schritt weiter, schadet aber den zusammenlebenden Ehepaaren mit Kindern.

Trotz all dieser Stolpersteine sowie politischer und medialer Beeinflussungsversuche hat sich die österreichische Jugend dennoch nicht von ihrem Optimismus abbringen lassen. Laut Jugend-Monitor blicken 84 Prozent der Befragten mit Zuversicht in die Zukunft. Sie wissen, dass es (auch) an ihnen ist, die handelnden Entscheidungsträger durch ihre Stimme auszutauschen und eine zukunftsträchtigere Variante zu wählen. Die Zeit dafür ist reif.

 
Barbara Rosenkranz ist Landesrat in Niederösterreich und war FP-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl.

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 29. September 2011
 
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