Photovoltaik in Österreich


Von Hans Kronberger

Die Geschichte der Photovoltaik in Österreich ist eine Geschichte mit vielen Hoch und Tiefs, zwischen bremsen und beschleunigen. Inzwischen sind die Rahmenbedingungen für die Photovoltaik mehr oder weniger akzeptabel, sogar die entscheidenden Politiker haben inzwischen eingesehen, dass eine Energiewende – weg von fossilen Rohstoffen hin zu erneuerbaren Energien – notwendig und nicht mehr aufhaltbar ist. Mehr dazu aber später.

Bereits 1839 entdeckte Alexandre Edmond Becquerel den photoelektrischen Effekt, der 1905 von Albert Einstein physikalisch erklärt wurde. Schon damals prophezeite Werner von Siemens der Photovoltaik einen weitgehenden Einfluss auf die weltweite Energieversorgung. 1978 konnte der erste Strom aus einer Photovoltaikanlage ins Netz geliefert werden.

Vor allem aber seit der Jahrtausendwende boomt der weltweite Ausbau und erste Hochrechnungen gehen bis heute von einer weltweit installierten Leistung von etwa 50 GWp aus. Wirft man einen Blick auf Österreich, liegt der Anteil daran bei etwa einem Tausendstel. 2010 schlitterte Österreich mit einer installierten Photovoltaik-Leistung von 95,5 MWp leider haarscharf an der magischen 100 MWp-Grenze vorbei, die aber mit Sicherheit 2011 sehr deutlich überschritten wurde. Die untenstehende Abbildung verdeutlicht einerseits den einsetzenden Boom des Jahres 2010, aber auch die in Österreich oft kritisierte Vorwärts-rückwärts-Politik, verursacht durch die immer wieder beschränkten Förderungen.

Für das Jahr 2011 rechnet der Bundesverband Photovoltaic Austria mit einem Zubau von etwa 80 MWp, so dass die kumulierte Leistung an die 170 MWp erreichen wird. Räumlich gesehen gibt es nach obenhin in absehbarer Zeit kaum eine Grenze. Das Potenzial an geeigneten Dachflächen in Österreich wird auf etwa 140 km2 beziffert. Hinzu kommen noch 50 km2 nutzbarer Fassadenfläche. Allein die Hälfte davon reicht aus, um 25 % des aktuellen Strombedarfes in Österreich zu decken.

Im Juli 2011 wurde das Ökostromgesetz 2012 beschlossen. Darin wurde das jährliche Förderbudget, das für die Tarifförderung für Strom aus großen Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung steht, von 2,1 Millionen Euro auf 8 Millionen Euro angehoben. Notwendig wurde das neue Ökostromgesetz durch die lange Warteliste, die durch das begrenzte Förderbudget auf der einen Seite und die vielen Förderansuchen auf der anderen Seite, entstanden ist. Mit dem neuen Gesetz konnte diese Warteliste, die bereits weit über das Jahr 2025 hinausreichte, zufriedenstellend abgebaut werden. Allein durch den Abbau der Warteliste erwartet man für 2012 insgesamt weitere 134 MWp installierte Leistung. Nicht miteinberechnet ist hier die Investförderung für kleinere PV-Anlagen mit einer Leistung von unter 5 kWp, die ungefähr ausreichen, um die Strommenge für einen 4-Personenhaushalt zur Verfügung zu stellen.

Europa auf dem Weg zur „Netzparität“

Nicht einmal die Europäische Union hätte es noch vor einem Jahrzehnt für möglich gehalten, dass bis 2010 mehr als 1 GWp an Photovoltaik-Leistung installiert sein wird. Denn im damaligen „Weißbuch für Erneuerbare Energien“, wurde trotz der Gewissheit, dass die Energieversorgung zukünftig ein zentrales Problem sein wird, wenig Vertrauen und Zuversicht in die Photovoltaik gesetzt.

Inzwischen ist ein wahrer Wettstreit darüber entstanden, wer die größte Photovoltaik-Anlage sein Eigen nennen darf, und beinahe täglich hört man von neuen Rekorden. Durch den weltweiten Boom und die dadurch mögliche Massenproduktion haben sich die Modulpreise drastisch verbilligt.

Man kann davon ausgehen, dass zwischen 2015 und 2020 auch in den nicht als „Hochsonnenländer“ eingestuften Ländern die sogenannte „Netzparität“ erreicht werden wird. Netzparität bedeutet, dass der Strom vom Hausdach gleich teuer ist, wie der Strom vom Energieversorger, was heue noch nicht der Fall ist.

Oft wird den „Erneuerbaren“ – einer noch jungen Technologie – auch zum Vorhalt gemacht, dass sie im Vergleich zu den fossilen oder atomaren Energieträgern teuer sind. Bei genauerer Betrachtung ist das jedoch ein riskantes Argument, denn vielfach wird nur ein Teil der tatsächlichen Kosten miteinberechnet und direkte und indirekte Subventionen, wie Steuerbegünstigungen oder Finanzhilfen, nicht beachtet. Denn eine Studie der Agentur für Erneuerbare Energien belegt Folgendes: Würden die tatsächlichen Gesamtkosten, wie z. B. die Lagerung etc., beachtet werden, erhöht sich der Preis für 1 kWh Atomstrom um 4,1 Cent. Im Gegenzug dazu ist, unter Beachtung sämtlicher Nebenkosten, der Strompreis von Erneuerbaren nur noch um 2,1 Cent pro kWh höher als der Strom aus fossilen Rohstoffen.

Enorme wirtschaftliche Erfolge

Allein im Jahr 2010 hat Österreich 12,3 Milliarden Euro für Energiezukäufe ausgegeben. Für das Jahr 2011 wird durch den dauerhaft hohen Ölpreis ein Rekord erwartet, der ein weiteres gigantisches Loch in unsere Finanzen reißen wird. Vor allem, da die Wertschöpfung in Länder im Nahen Osten und nach Russland fließt, anstatt sie im Inland zu behalten. Der Preis für den Haupt-Primärenergieträger Öl hat sich seit Beginn des Jahrhunderts von 10 Dollar auf über 100 Dollar verzehnfacht. Der Grund für diesen Preisanstieg ist mit höchster Wahrscheinlichkeit die Verknappung dieses „Schmierstoffes der Weltwirtschaft“. Unser gesamtes Energiesystem beruht auf der Bereitstellung möglichst günstiger Energie, denn jeder braucht sie. Aber was passiert, wenn sie immer teurer und letztlich schier unbezahlbar wird …?

Durch das Ökostromgesetz 2012 können alleine durch die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen 3.255 Arbeitsplätze in Österreich gesichert beziehungsweise neu geschaffen werden. Dadurch wird eine zusätzliche Wertschöpfung von 1,05 Milliarden Euro erwirtschaftet werden.

Es scheint, dass bei den Menschen die Denkwende bereits eingesetzt hat. Jetzt ist die Politik am Zug, für optimale Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Ausbau der Erneuerbaren zu sorgen. Denn die fossilen Energiereserven des Planeten, auf denen das derzeitige System aufgebaut ist, gehen früher oder später zur Neige. Im Gegenzug dazu sind die Erneuerbaren, wie der Name schon sagt, erneuerbar, nachwachsend und unendlich.

Dr. Hans Kronberger, Wien, war leitender Redakteur beim ORF, 1996–2004 Mitglied des Europäischen Parlaments für die FPÖ und ist Verfasser mehrerer Bücher. Sein Buch „Geht uns aus der Sonne“, Wien 2011, wurde im Genius-Brief Juli–August 2011 besprochen.

Bearbeitungsstand: Sonntag, 29. Jänner 2012
 
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