Katastrophengebiet Familie – Wirklich?


Von Barbara Rosenkranz

Österreichs Journalisten und Politiker, insofern sie sich linken Gesellschaftsideen verpflichtet fühlen, erklären uns immer wieder, dass Familie wahrlich ein Ort des Gräuels sei: Hier herrschten Unterdrückung, moderne Sklaverei, Gewalt und Missbrauch. Täter seien zumeist die Väter, die quasi ihre Kinder verdreschen und ihre Frauen unterdrücken. Opfer seien besonders jene Kinder, die noch immer die verbotene „gesunde Watschen“ bekommen. Opfer seien auch die Frauen, die an den Herd gedrängt ihrer glänzenden Karriere beraubt würden und finanziell abhängig gehalten werden.

Von diesem „Horror“ halten sich vor allem Journalistinnen tunlichst fern. Allerdings sind Journalistinnen in Österreich auch die Berufsgruppe, welche statistisch die niedrigste Geburtenrate aufweist. Bei Politikerinnen ist die Geburtenrate nicht viel höher. Doch genau diese Damen wollen Meinungsbildner sein in einem Bereich, den sie aus eigener Erfahrung mangelhaft oder aus eigener Elternschaft gar nicht kennen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie reden von Dingen, die ihnen aus ihrer persönlichen Lebenswelt weitgehend fremd sind. Und dennoch: Ihre Berichte und Aussagen prägen das gegenwärtige öffentliche Bild von der Familie hauptsächlich als Problemzone, sozusagen als Katastrophenbereich. So jedenfalls der vorherrschende Eindruck.

Doch man staune: Die linksliberale Zeitung „Die Zeit“ (Nr. 13 vom 21. März 2013) scherte vor kurzem aus und brachte einen Bericht über die Arbeit des Deutschen Jugendinstitutes in München und dessen „Zentrum für Dauerbeobachtung von Kindern und deren Eltern“. Die Mitarbeiter dieses Zentrums reden also mit den Betroffenen selbst, mit den Kindern und den Eltern, mit den Familien. Man kann mithin davon ausgehen, dass konkrete Erfahrungen gesammelt und seriös aufbereitet werden. Umso bemerkenswerter ist das Fazit des Leiters des Zentrums, Walter Bien:

„Die Familie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr gut entwickelt. […]
Es gibt kaum noch wirkliche Konflikte zwischen den Generationen.“

Die konkreten Zahlen sind so eindeutig, dass man sie fast schon idyllisch zu nennen versucht ist: Über 90 Prozent der Jugendlichen haben ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern; fast drei Viertel wollen ihre eigenen Kinder genauso erziehen, wie es ihre Eltern gemacht haben. Genau so viele Jugendliche meinen, man brauche Familie, um wirklich glücklich zu sein. Auch die heutigen Eltern sind rundum zufrieden: 74 Prozent charakterisieren die Atmosphäre in ihrer Familie mit Harmonie, Wärme und Geborgenheit. Auch die Großeltern sind in das harmonische Miteinander einbezogen. Das Verhältnis zwischen Enkeln und Großeltern war laut dem Bericht noch nie so gut wie heute.

Die Kluft zwischen veröffentlichter Meinung und tatsächlicher Situation in den konkret existierenden Familien ist demnach eine riesige. Warum aber ist das Zusammenleben in der Familie heute so ein einträchtiges? Die Antwort liegt wohl paradoxerweise gerade in der öffentlichen Diffamierung der klassischen Familie: Wer sich heute für eine Familiengründung entscheidet, tut dies ganz bewusst und stellt sich gegen die veröffentlichte Meinung, die man ständig serviert bekommt. Er bzw. sie entschließt sich auch zur Familiengründung, obwohl beide Teile finanzielle und andere Nachteile erwarten.

Wer heute eine Familie gründet, will sie auch wirklich. Wer heute Familie lebt, der bemüht sich, kümmert sich. Der Vater unterstützt die Mutter, sorgt sich um ein gutes, intensives Verhältnis zu seinen Kindern. Die Mutter setzt alles daran, trotz oft zumindest teilweiser Erwerbstätigkeit, weil einfach das Geld benötigt wird, genügend Zeit und Zuwendung für die Familie aufzubringen. Das gemeinsame Bemühen trägt die erhofften Früchte – man ist miteinander glücklich. Dass diese Lebensform nicht immer leicht ist, ja sogar ein gerütteltes Maß an Sorgen mit sich bringt, tut ihrer Anziehungskraft offenbar keinen Abbruch – jedenfalls nicht für die große Mehrzahl der jungen Generation.

Diese Erkenntnis gibt wirklich Hoffnung für unsere Zukunft. Denn unsere Zukunft liegt nun einmal im Aufwachsen einer ausreichenden Anzahl von Kindern, die echte Elternschaft, wahrgenommen von Müttern und Vätern, erfahren und diese Erfahrung später in ihr eigenes Leben mitnehmen.

Bearbeitungsstand: Samstag, 1. Juni 2013

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