Vorbildliche Objektivität gegenüber Kriegsverbrechen


Alfred de Zayas, Die Wehrmachtsuntersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts, Lindenbaum Verlag, 8. Auflage, Beltheim-Schnellbach 2012, 540 Seiten.

 

Von Walter Seledec

Es ist schon seltsam, wie ein sorgsam recherchiertes Buch, das unpolitisch der Wahrheitsfindung dienen soll, solch hitzige Debatten und polemische Auseinandersetzungen auslösen kann.

Der Autor, Alfred de Zayas, als Sohn eines Rechtsanwaltes 1947 in Kuba geboren, Anwalt mit exzellenter juristischer Ausbildung, Universitätsprofessor (Chicago, Vancouver) und hoher UN-Funktionär, hat sich hauptsächlich dem Thema Gewalt und Vertreibung in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewidmet und hat damit – insbesondere in Deutschland – in ein Wespennest gegriffen.

Eines hat er allerdings unterschätzt: Die von den Siegern des Zweiten Weltkrieges geschriebene Geschichte duldet keine Flecken auf den vorgeblich weißen Westen der alliierten Siegerarmeen.

In das Zentrum seiner ausgezeichneten Arbeiten stellt de Zayas hier die sogenannte „Wehrmachts-Untersuchungsstelle“, also jene Behörde der Rechtsabteilung der Wehrmacht, die ab September 1939 die Verbrechen und Unrechtshandlungen der militärischen Gegner Deutschlands untersucht und dokumentiert hat. Bei Kriegsende umfasste das Material 226 Aktenbände, die der Autor erstmals aufgearbeitet hat. Und schon gab es die ersten Querschüsse gegen diese wohl einmalige Untersuchung. Wie könne man nur Quellen aus der NS-Zeit als Beweise verwenden! Damit hatte sich de Zayas den Unmut der Vertreter der herrschenden Siegerlehre zugezogen, vor allem den der Büßergeneration der jungen deutschen Historiker. Sie alle sind ja auf Grund ihrer Ausbildung meilenweit davon entfernt, sich mit Tatsachen aus den schrecklichen Kriegsjahren bis 1945 auseinander zu setzen, soweit es nicht Verbrechen der Wehrmacht betrifft – die tatsächlich vorgekommen sind. Aber jede einzeln Tat kann nur gesondert untersucht und beurteilt werden, so der US Historiker.

Das gerne herbeigeredete und von vielen Medien unterstützte Bild von der „verbrecherischen Wehrmacht“ ( siehe die manipulierte Wehrmachtsausstellung ) sei keinesfalls aufrecht zu erhalten. An Hand der Originalunterlagen aus der Kriegszeit kann im Buch de Zayas einwandfrei nachgewiesen werden, dass es eine Unzahl schrecklicher Verbrechen von Russen, US- Amerikanern, Engländer, Franzosen, aber auch seitens Angehöriger anderer kriegführender Staaten gegenüber Wehrmachtsangehörigen gegeben hat.

Interessant, dass diese Forschungsarbeiten in den ehemaligen Feindstaaten, insbesondere in den USA auf großes Interesse gestoßen sind und in vielen Fachpublikationen für entsprechendes Aufsehen gesorgt haben. Niemand hat dort de Zayas Untersuchungen und Forschungsergebnisse angezweifelt. Umso weniger, als der Autor nach Sichtung der einzelnen Fälle – so gut es noch ging – mit den Zeugen und Richtern stundenlang persönliche Gespräch geführt hatte und in keinem einzigen Fall unrichtige oder propagandistische Angaben feststellen konnte.

Um eines gleich festzustellen: De Zayas hat mit seiner „Aufklärungsarbeit“ nie versucht, einer Art Aufrechnungspolitik Vorschub zu leisten. Es war ihm das ausschließliche Anliegen, ein objektives Bild des Kriegsgeschehens zu dokumentieren und nicht das Geschichtsbild der Sieger auf dem Schlachtfeld als alleine gültiges stehen zu lassen. Und er hat auch den Holocaust als das bezeichnet, was dieser tatsächlich war, und nichts beschönigt.

Auf welch großes Interesse diese Forschungsarbeit stößt, zeigt die Tatsache, dass diese Publikation bereits in achter Auflage erschienen ist. Als anerkannter Völkerrechtslehrer und Wissenschafter ist de Zayas weltweit gefragt. Obwohl auch Zeitungen wie Die Welt, Die Zeit und Der Spiegel beachtlich positive Rezensionen über die Wehrmachtsuntersuchungsstelle veröffentlicht haben, ist das Werk bis heute leider nur in Fachkreisen bekannt – und dort wird es von den „Staatsforschern“ und „Gutmenschen“ unter den Historikern in den deutschsprachigen Ländern völlig ohne wissenschaftliche Beweise ins vielzitierte „rechte Eck“ gestellt. Ein Skandal ohne Beispiel. De Zayas hätte sich mit seinem objektiven Werk den Friedenspreis des deutschen Buchhandels verdient. Und das völlig zu Recht.

 
Prof. Walter Seledec, Wien, ist Brigadier a. D. und Zentraler Chefredakteur beim ORF i. R.

Bearbeitungsstand: Samstag, 1. Juni 2013

Mit Unterstützung von:

Verweis in neuem Fenster öffnen

Ja, senden Sie mir die GENIUS-Briefe gratis zum Kennenlernen an diese meine E-Mail-Adresse:

Mir ist bekannt, dass ich obige Zusendung jederzeit stornieren kann. Dazu muss ich nur auf die letzte Zeile in jedem GENIUS-Brief klicken.
Meine E-Mail-Adresse wird nur für Versandzwecke gespeichert.
 

 
Genius – Gesellschaft für freiheitliches Denken, Verein mit Sitz in Wien. ZVR 127778490
A-1010 Wien, Kärntner Ring 10/Top 2A, Telefon +43/0/650 7982 151, EMail: verein@genius.co.at
Wiedergabe von Genius-Lesestücken nur mit Zustimmung der Genius-Gesellschaft