Die Europäisierung Afrikas


Versuch einer Analyse am Beispiel „Namibia“

 

Von Walter Pichler

Die ehemaligen Kolonien europäischer Großmächte in Afrika sind heute selbständige Staaten zumeist mit demokratischer Verfassung. Es handelt sich dabei im Allgemeinen um keine stabilen Formen. In Extremfällen gibt es permanenten Bürgerkrieg. Das Demokratieverständnis ist nicht sehr stark ausgeprägt und für politische und wirtschaftliche Probleme macht man gerne das Erbe aus der Kolonialzeit verantwortlich. Es ist dies oft eine angenehme Entschuldigung für eigenes Fehlverhalten. Nachfolgend soll versucht werden, dieses „afrikanische“ Problem zu analysieren. Als Beispiel wird Namibia herangezogen.

Ursachen und Entstehung des Kolonialismus im Allgemeinen

David Livingstone, gestorben 1873, sah, als in Ostafrika durch die Araber der Sklavenhandel neuerlich in Schwung kam, die Notwendigkeit, Afrika mit System und im Bestreben, für die eingeborene Bevölkerung das Beste zu tun, einem Fortschritt zuzuführen. Er definierte die „3Cs“, welche für „Commerce, Christianity and Civilization“ stehen. Handel auf christlicher Grundlage sollte sozialen Wohlstand bringen. „Trade, not gun, would liberate Africa.“ Dies war ein gut gemeintes Rezept, aber leider gab es ein „4., sehr dominantes C”, welches für „Conquest“ steht. Livingstone, Missionar und Forscher, sah Afrikas Probleme und hatte die beste Absicht, den Kolonialismus, so zu steuern, dass er der Menschlichkeit diene. Er hatte Probleme erkannt und strebte danach, humane Lösungen zum Wohle aller Interessenten zu finden.

Um das Jahr 1500 wird der Grundstein für die Europäisierung Afrikas gelegt. Auslösend für den Prozess waren Entdeckungsreisen, auch verbunden mit Forschung zu späterer Zeit, Abenteuerlust, Missionsbestrebungen der Religionen, Suche nach Siedlungsgebieten und nicht zuletzt rein materielle Interessen bezüglich wertvoller Rohstoffe oder der Erschließung von neuen Agrargebieten. Am Beginn standen zumeist Einzelinteressen wirtschaftlicher Art oder auch Bestrebungen, den Segen religiösen Glaubens in die Welt zu tragen. Die politische Intervention, meist mit militärischer Unterstützung, ist im Allgemeinen der Beginn des eigentlichen Kolonialismus. Osterhammel und Jansen unterscheiden zwischen Beherrschungs-, Stützpunkt- und Siedlungskolonien. Die Beherrschungskolonien waren meist das Resultat einer militärischen Eroberung. Der Zweck, den man verfolgte, war ein wirtschaftlicher, und zwar zumeist die Ausbeutung von Bodenschätzen. Die zahlenmäßige Präsenz von Entsandten aus dem Mutterland war meist gering. Die Verwaltung erfolgte autokratisch durch das Mutterland. Stützpunktkolonien entstehen durch Flottenaktionen zum Zwecke einer indirekten kommerziellen Erschließung des Hinterlandes. Siedlungskolonien werden allenfalls mit militärischer Hilfe gegründet. Man will damit zu billigem Land kommen und dieses mittels billiger Arbeitskräfte landwirtschaftlich nutzen. Permanente Siedler, aus dem Mutterland stammend, sind vor allem Farmer.

Der Erste, der Namibias Küste betrat, war der Portugiese Diego Cao. Er war von seinem König Johann II entsandt, die Westküste Afrikas zu erforschen. Er betrat die Küste etwa 100 km nördlich von Swakopmund und errichtete ein Gedenkkreuz mit der Inschrift „Seit Erschaffung der Welt sind 6684 und seit der Geburt Christi 1484 Jahre verflossen gewesen, dass der erhabene Don Johann befohlen hat, durch Jakobus Canus – (Diego Cao) –, seinen Ritter, diese Säule hier errichten zu lassen:“ 1496 landete ein zweiter Erkundungsseefahrer, Bartholomäus Dias, in Lüderitzbucht, damals Angra Pasquena benannt, und errichtete ebenfalls ein steinernes Kreuz. Das Interesse an dem unwirtlichen Land war nicht besonders groß. Die Erschließbarkeit war nicht leicht zu erkennen, da sich das Land entlang der 1.500 km langen Küste als ca. 100 km breite Wüste darstellt. Die Portugiesen verzichteten auf die Gebiete hinter ihren beiden Kreuzen und suchten sich Länder mit freundlicheren Stränden, zum Beispiel gleich nördlich Namibias das heutige Angola. Aber das Hauptinteresse lag darin, den Seeweg um die Südspitze Afrikas, um das Kap der Guten Hoffnung, nach Indien zu finden. Die Erschließung fand dann vom Kap und vom Norden her statt.

Deutsche Kauf- und Schutzverträge

Vom 16. bis zum 19. Jhdt. wanderten vom Norden her verschiedenste negroide Stämme in das nahezu menschenleere Gebiet ein. Vom Süden kamen die nicht negroiden Buschmänner und Name (früher: Hottentotten). Sie wurden zumeist von den Buren vertrieben. Ebenfalls, vom Kap aufbrechend, kamen im 18. und 19. Jhdt. verschiedenste Expeditionen Weißer ins Land. Am Beginn des 19. Jhdts. finden wir erste Missionstätigkeit. Hier ist vor allem die Rheinische Mission hervorzuheben. Die erste koloniale Entwicklung, welche später zur deutschen Zeit auch stets respektiert wurde, war die geringe Besitznahme und der Ausbau des natürlichen Hafens von Walfischbai durch die Engländer. Die erste Gruppe, die das Bedürfnis nach kolonialem Schutz aussprach, waren die Vertreter der Mission. Es war dies bereits zur Zeit Bismarcks, welcher aber als primäres Ziel die Konsolidierung des jungen 2. Reiches in Europa sah und sich persönlich gegen jegliches Engagement auf anderen Kontinenten aussprach. Als „Alibihandlung“ ersuchte er die bedeutende Kolonialmacht Großbritannien, deutschen Siedlern im Bereich englischer überseeischer Einflussgebiete den gleichen Schutz zukommen zu lassen wie Engländern. Bismarcks Brief wurde nach einer historischen Quelle nicht beantwortet, nach einer anderen lehnte man sein Anliegen strikt ab.

Der Kaufmann Lüderitz erwarb 1883 in der Bucht Angra Pasquena im Einvernehmen mit der Berliner Reichsregierung Grund und Boden durch Kauf. Dies ist der eigentliche Beginn der Koloniewerdung. In weitere Folge erwarben Reichskommisare durch Schutz- und Kaufverträge – eine unübliche Methode – nach und nach das gesamte Land und einigten sich vertraglich mit der benachbarten kolonialen Großmacht England, welche das deutsche Vorhaben akzeptierte. Die Entschädigungen, die man Stämmen, bzw. Häuptlingen anbot, mögen gering gewesen sein. Man muss feststellen, dass schon der Begriff des Eigentums für viele schwer zu verstehen war. Jedenfalls steht am Beginn der Kolonie „Deutsch-Südwestafrikas“ keine militärische Invasion, wenn es auch nach Osterhammel und Jansen zu einer Beherrschungskolonie wurde, welche auch mit Aufständen von Eingeborenen wie auch in allen Kolonien anderer Mächte fertig werden musste. Die besondere deutsche Schwierigkeit dabei war, dass vermutlich durch Bismarcks antikoloniale Einstellung, die militärische Präsenz immer gering war.

Kolonialisierung und Mission Hand in Hand

 Der Kolonialismus wurde durch verschiedene Kräfte begünstigt und ermöglicht. Drang nach Entdeckung der Welt, Missionierung, Handel und Bereicherung durch wertvolles Land sind jene Kräfte, die zur Schaffung von Kolonien führten. Der Drang zur Erforschung der Welt wurde durch Fortschritte in der Nautik (z. B. Kompass) und durch Handelsinteressen begünstigt. Es entstehen Kontakte zwischen den einheimischen Kulturen und der sehr expansiven und dominant auftretenden europäischen. Dieser Kontakt führt jedoch kaum zum Zusammenbruch vorkolonialer Lebenswelten, überall jedoch zu einer Destrukturierung oder zumindest zur Infragestellung kultureller Selbstverständlichkeiten. Der stärkste Faktor zur Beeinflussung des Denkens kam von der Mission. Der Missionsgedanke war durchaus auch ein willkommener Anlass für europäische Machthaber zur Intervention. Es muss aber auch festgestellt werden, dass im Allgemeinen Missionare aller Konfessionen und Nationalitäten die koloniale Annexion unterstützten. Sie bejahten prinzipiell das koloniale System und teilten die kulturelle Arroganz ihrer weltlichen Landsleute. Damit sollen jedoch ihre Leistungen im Allgemeinen, im nichtreligiösen Erziehungssystem und im Gesundheitswesen auf keinen Fall geschmälert werden. Die Unterdrückung sinnvoller einheimischer gewachsener Kulte und die Durchsetzung eines staatlich gestützten Religionsmonopols hingegen musste zu Problemen führen. Es entstanden christliche Sekten, welche Elemente der alten Stammesreligionen enthalten, oft nur in kleinen Teilen, manchmal jedoch dominant bis zur antichristlichen Bewegung. Eine dieser Religionen ist zum Beispiel jene der Herero in Namibia. Es ist dies jedoch ein Zeichen der Verselbständigung.

Betrachtet man in Namibia die Infrastruktur, so geht sie bezüglich Straße und Eisenbahn auf jene zurück, welche der nur 30 Jahre dauernde deutsche Kolonialismus hinterlassen hat. Die heutigen Straßenzüge sind modernisiert und folgen jenen, welche das Deutsche Reich geschaffen hatte; die Eisenbahnen sind zum Großteil noch im Zustand von 1918. Diese beiden Elemente der Infrastruktur dienten zur Aufschließung des Landes und waren wertvoll nutzbar (vor allem die Eisenbahn) zum Transport von den Bergwerken zu den Häfen. Der Bergbau (Kupfer, Eisen, Uran, Diamanten, Gold, Silber) wurde zur Gänze während der deutschen Kolonialzeit begonnen bzw. erschlossen. Damit sind wir bei der kolonialen Kraft des Handels angelangt.

Was, wenn Europa an Afrika nie Interesse gezeigt hätte?

Die folgenden Überlegungen sind gewiss hypothetisch, aber nicht gänzlich abwegig. Es ist zu berücksichtigen, dass Afrika grob in zwei Teile zerfällt. Im nördlichen Teil finden wir die Gebiete alter Hochkulturen bzw. die arabische Welt und südlich der Sahara sind jene Kulturen, die sich bei Beginn der kolonialen Zeit zum Teil noch auf Steinzeitniveau oder etwas darüber befanden. (Es gibt zwar in Zimbawe, im alten Rhodesien, Ruinen einer höheren Kultur, deren Träger aber offensichtlich ausgestorben sind. Man weiß kaum etwas darüber.) Der große kulturelle Unterschied zwischen den europäischen Kolonialmächten und der eingeborenen Bevölkerung darf nicht außer Betracht bleiben, wenn man der Meinung ist, dass Europa Afrika unberührt hätte lassen müssen und der Kolonialismus lediglich Ausdruck von gewaltsamer Usurpation und Rassismus sei. Die vorhin erwähnten Kräfte der Kolonialzeit wurden aus verschiedensten Motiven aktiv. Es waren keine konzertierte Aktionen und die Motive zum Teil durchaus moralisch unbedenklich. Es kam sicher auch zu verabscheuungswürdigen Verbrechen der Urbevölkerung gegenüber, aber dies berechtigt noch nicht, im System nur kriminelle Handlungen zu wittern. Vieles, zum Beispiel die meisten Handlungen der Mission, welche zu starker Verunsicherung und „Entwurzelung“ führten, geschahen im guten Glauben, richtig zu handeln. Es ist eine Situation, die die Philosophin Hannah Arendt dahin gehend beschreibt, dass man kriminelle Handlungen begehen könne, ohne selbst kriminell zu sein bzw. werden. Schließlich wäre es heute undenkbar und auch moralisch bedenklich, hätte Europa den technischen Fortschritt in der Art betrieben, wie wir ihn kennen, und hätte Afrika südlich der Sahara als schwarzen, als unberührten Fleck belassen.

Ende des Kolonialismus im Allgemeinen

 Waren auch die Kolonialmächte als die übergeordnete Autorität von Europa von der eingeborenen Bevölkerung weitgehend hingenommen, wenn nicht gar anerkannt, so brachte der Erste Weltkrieg eine Wende. Die Europäer hatten sich als eine Einheit dargestellt, welcher sich auf einer höheren Ebene bewegte. Der Eindruck von der geeinten „Macht Europa“ zerfloss. Verstärkt wurde diese Erkenntnis dadurch, dass Schwarzafrikaner auf europäischen Kriegsschauplätzen eingesetzt wurden und so die „weißen Götter“ aus einer neuen Sicht kennenlernten. Das Freiheitsstreben der Afrikaner begann. Es verstärkte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als im „Kalten Krieg“ die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion ihre Einflussbereiche in Afrika auszudehnen begannen. Beide Großmächte zeigten das Unrecht des Kolonialismus auf, verschweigend, wie Amerika von Europa aus besiedelt wurde und wie zum Beispiel die USA am Sklavenhandel beteiligt waren oder wie Russland das große Sibirien erwarb. Die afrikanischen Staaten sind heute frei und selbständig; wie jedoch diese jungen Demokratien funktionieren, kann man täglich in den Zeitungen lesen.

Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, kam als Mandatsgebiet des Völkerbundes 1920 unter südafrikanische Verwaltung. Später wurde es direkt in den Staat Südafrika eingegliedert. Damit war auch in Namibia die Gesellschaftsordnung der Apartheid eingeführt. Der Freiheitskampf der South-West-African-Peoples-Organisation (SWAPO) führte 1991 zur Unabhängigkeit und Namibia erhielt eine demokratische Verfassung.

Die Unabhängigkeit Namibias

Die Bevölkerung Namibias ist nicht einheitlich. Neben mehreren negroiden Stämmen, die einander nicht unbedingt gewogen sind, gibt es die nicht negroiden „Farbigen“, nämlich die Nama und Buschmänner. Zwischen negroiden und nicht negroiden Stämmen gibt es ebenfalls eine nicht übersehbare Kluft. Die weiße Minderheit wird geduldet bzw. anerkannt. Es mag dies wohl Mandelas Einfluss von Südafrika her sein. Er hatte erkannt, dass man zumindest noch einige Zeit (wahrscheinlich einige Jahrzehnte) des europäischen Fachmannes bedarf. Eine weise Entscheidung war, um kein Volk zu bevorzugen, Englisch als einzige offizielle Staatssprache zu wählen. Es sollte dies ein einigendes Band werden, welches allenfalls dann wirksam wird, wenn alle dieser Sprache wirklich mächtig sind.

Namibia gehört zu den wenigen friedlichen Ländern Afrikas. Die Apartheid gibt es nicht mehr, doch ein allgemeiner Wohlstand wurde nicht erreicht. Die Zahl der Arbeitslosen liegt bei 40 % und damit ist die hohe Kriminalität (Eigentumsdelikte) erklärbar. Die Preise sind mit den unsrigen vergleichbar und das Lohnniveau des Arbeiters liegt bei 20 % der österreichischen Löhne. (Quelle: Diplomarbeit, geschrieben an Namibia University of Science and Technology).

Namibia hat eine demokratische Verfassung nach europäischem Vorbild. Die alten Rechtsgepflogenheiten der verschiedenen Stämme blieben jedoch auf gewisse Weise erhalten. Das Deutsche Reich griff seinerzeit in die Stammesgesetzgebungen nur insofern ein, als es für die Regierbarkeit des Schutzgebietes, der Kolonie, notwendig war. Ähnlich verhielten sich die anderen Kolonialmächte. Altes Gesetz lebte weiter und die Verfassung, The Constitution of the Republic of Namibia, trägt dem Rechnung. So heißt es zum Beispiel im Artikel 66 der Verfassung:

 
Article 66 Customary and Common Law

(1) Both the customary law and the common law of Namibia in force on the date of Independence shall remain valid to the extent to which such customary or common law does not conflict with this Constitution or any other statuary law.

(2) Subject to the terms of this Constitution, any part of such common law may be repealed or modified by Act of Parliament, and the application thereof may be confined to particular parts of Namibia or to particular periods.

 
Bis heute sind die alten Strukturen der Stämme, geführt von Häuptlingen oder Königen, erhalten. Die alte Gesetzgebung und Rechtsprechung ist neben der modernen des Rechtsstaates Namibia erhalten geblieben. Es gibt nur eine Einschränkung, dass nämlich ein Häuptlingsgericht keine Todesstrafe und auch keine körperliche Züchtigung aussprechen darf. Die hergebrachten Gesetze sind in den seltensten Fällen aufgezeichnet und leben durch mündliche Überlieferung weiter. Urteile dieser Gerichte sind rechtskräftig. Dass diese Situation nicht konfliktfrei sein kann, liegt auf der Hand. Die deutsche Tageszeitung, „Allgemeine Zeitung“, berichtet gelegentlich von solchen Urteilen.

Die demokratisch gewählte Regierung wird nur von Mitgliedern des wohl stärksten Stammes, der Ovambo, gebildet. Es fällt auf, dass nach einer Art von „Großmannssucht“ gehandelt wird. Der alte Gouverneurspalast, die sog. Tintenburg, aus deutscher Vergangenheit wäre durchaus als Parlamentsgebäude ausreichend, aber da er durch die koloniale Vergangenheit belastet ist, musste ein neues Parlament erbaut werden. Die Präsidentenwohnung zeigt, wie vergleichsweise bescheiden ein Staatsoberhaupt des reichen Österreich lebt. Schwierigkeiten, die es gibt, werden gerne auf die Schuld der Kolonialmacht und auch auf Südafrika zurückgeführt.

Zusammenfassung: Mehr afrikanisches Selbstbewusstsein

 Der Kolonialismus entstand in sehr komplexer Weise durch verschiedene Kräfte mit unterschiedlichen Absichten. Der Ursprung der kolonialen Idee kann nicht allein mit „Habgier“ beschrieben werden. Man kann den Kolonialismus bei Beurteilung des jeweiligen Zeitgeistes durchaus als nicht vermeidbar ansehen. Das setzt freilich eine historische Sichtweise voraus. Europäische Mächte legten den Grundstein für eine moderne Wirtschaft; diese ist allerdings noch nicht überall realisiert. Sie schufen Strukturen für Landwirtschaft, Bergbau, sorgten für entsprechende Infrastruktur, insbesondere im Verkehrswesen, und begannen mit dem Bau von Schulen und Krankenhäusern.

Europäisches Denken brachte man ins Land, aber es konnte nicht wirklich sinnvoll in die eigene Kultur integriert werden. Darin ist das Hauptproblem Afrikas zu sehen. Es müsste ein neues Bewusstsein entstehen, welches die wertvollen Teile der ureigenen Kultur behält und gleichzeitig mit der übrigen Welt ohne größere Schwierigkeiten kommunizieren kann. Es fehlt in Afrika an einem gesunden Selbstbewusstsein, aus dem man die Kraft für eigenes Handeln schöpfen könnte. Das Schicksal des Staates wird leider nicht wirklich in die Hand genommen. Die beliebte Ausrede kolonialer Schuld muss als überholt erkannt werden.

 
Prof. DI Dr. Walter Pichler, Kärnten, schrieb für die Folge 4/2006 der Genius-Lesestücke über „Schwarz-Afrika – Probleme und Lösungsansätze“.

Verwendete Literatur

J. Osterhammel, J. C. Jansen: Kolonialismus – Geschichte, Formen, Folgen; Verlag C.H. München, 1995

W. Drascher: Schuld der Weißen? – Die Spätzeit des Kolonialismus, Verlag Fritz Schlichtenmayer, Tübingen/Neckar, 1960

H. Jenny: Südwestafrika – Land zwischen den Extremen, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart–Berlin–Köln-Mainz,1969

T. Pakenham: The Scramble for Africa, Abacus, 1991

H. Vedder: Das alte Südwestafrika, Namibia Wissenschaftliche Gesellschaft, Windhoek, 1997

The Constitution of Namibia

Centre for Applied Sciences, University of Namibia: Traditional Authority and Democracy in Southern Africa, Windhoek 1995

Bearbeitungsstand: Montag, 29. Juli 2013

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