Die Entlarvung des „schicken“ Zeitgeistes


Jan Fleischhauer, Unter Linken – Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg 2010, 384 Seiten

 

Eine Buchbesprechung von Dieter Grillmayer

Henryk M. Broder eröffnete seine Kritik zu diesem Buch mit dem Satz: „Verdammt, warum habe ich das Buch nicht geschrieben?“ Mir geht es ähnlich, aber es dämmert auch die Erkenntnis, dass ich mich, zwar schreibgewohnt und nach Ansicht meiner Leser auch leidlich ausdrucksstark, mit einem gebildeten Profi höchstens in der Eigenständigkeit des Denkens messen kann, nicht aber im Wissensumfang und in der Fabulierkunst. Jan Fleischhauer wurde 1962 in eine gut situierte Hamburger SPD-Familie hineingeboren und ist seit mittlerweile 24 Jahren Redakteur beim „Spiegel“. Er schätzt Rudolf Augstein, aber auch Helmut Kohl und Martin Walser. Umso weniger hält er von der „Zeit“, von der „Süddeutschen Zeitung“, von Günter Grass und von Heinrich Böll, dem „Kardinal und Märtyrer“ der „neuen sozialen Heilsbewegungen“ (Schelsky).

Das Buch ist eine Generalabrechnung mit dem linken Zeitgeist, der von den „Achtundsechzigern“ seinen Ausgang genommen hat und der heutzutage so penetrant die Politik- und Medienlandschaft durchweht, dass jede Kritik daran ein Labsal ist und man über manche Übertreibung gerne hinwegsieht. Vieles, was ich in den letzten zehn Jahren geschrieben habe, kommt auch in diesem Buch vor, allerdings (mit Ausnahme der Bildung) viel ausführlicher und viel origineller formuliert. Beispiel: Unter Ingenieuren und Betriebswirten trifft man kaum Linke, vermutlich ein Grund, warum Deutschland beim Autobau noch immer führend ist.

Nach des Autors Definition unterscheidet sich der Linke vom Konservativen dadurch, dass er Rousseaus Dogma von der natürlichen Güte des Menschen verinnerlicht hat und diesen daher von allen zivilisatorischen Zwängen befreien will, während das Weltbild des Konservativen auf einer illusionslosen Anthropologie beruht und für ihn die Moral in den Strukturen liegt, nicht in den Individuen. Darum legt der Konservative auf gesellschaftliche Verkehrsformen Wert, auf Sitten und Gebräuche, die den Menschen zivilisieren und in größerer Ansammlung erträglich machen. Er betrachtet das Gefüge aus Tradition und Bindung nicht als etwas, von dem man sich in einem großen emanzipatorischen Akt befreien müsse, sondern eher als Schutzwall gegen die Zumutungen der Welt. Im Gegensatz zum Linken verschaffe der Mangel an Utopien dem Konservativen auch die Gelassenheit des beheimateten Menschen.

Jede Rezension ist Stückwerk, man muss dieses Buch selbst lesen! Die folgenden, nach Kapiteln gegliederten Anmerkungen und Zitate verfolgen daher vornehmlich das Ziel, dies anzuregen. Daneben berührt der Text auch einige politische Episoden der letzten 45 Jahre, an welche Linke heutzutage nicht mehr gern erinnert werden, weil dabei ihre Fehlleistungen besonders deutlich hervortreten. Weil einer Hamburger Studie zufolge, die auf einer Befragung von 1500 Journalisten beruht, 61,5 Prozent mit den Linksparteien und nur 15,5 Prozent mit CDU/CSU oder FDP sympathisieren, haben solche Reminiszenzen heutzutage Seltenheitswert.

Kritik in zwölf Kapitel

1. Im ersten Kapitel „Meine Mutter, die Linke und ich – eine Einleitung“ schildert der Autor sein Heranwachsen in einer ideologisch von der Mutter dominierten Familie, was einige Kritiker verleitet hat, Fleischhauers Arbeit auf eine Abrechnung mit seiner Mutter zu reduzieren. Das ist eine böswillige Unterstellung, gibt es doch mehrere Passagen, die auf eine ungetrübte gegenseitige Zuneigung hindeuten, und nicht zuletzt auch den Hinweis auf eine Meinungsäußerung von Helmut Kohl, „Mutter“ sei das schönste aller deutschen Wörter.

Umso mehr nimmt der Autor das Milieu „auf die Schaufel“, dessen intimer Kenner er von Jugend an ist und das man als Links-Bürgertum bezeichnen kann: Dieses Milieu ist bevölkert von einem bestimmten Typus, den man leicht an seinen Konsum- und Kulturgewohnheiten erkennen kann (auch wenn er sich selber auf seinen Nonkonformismus viel zugutehält) und der sich durch ein ausgewähltes Elitebewusstsein auszeichnet, wobei Elite zu den Begriffen gehört, die für ihn tabu sind wie Nation, Heimat oder Volk. Man schwärmt für Obama, fürchtet sich vor dem Klimawandel und dem Überwachungsstaat, achtet auf biologisch einwandfreie Ernährung und liest die Meinungsspalte der „Süddeutschen“, … Die Kinder gehen auf ausgesuchte Schulen, auch wenn man grundsätzlich für die Gemeinschaftsschule ist, …, und beim Italiener erfolgt die Bestellung grundsätzlich in der Landessprache des Wirtes, … Der Marktwirtschaft steht man … kritisch gegenüber, ohne genau sagen zu können, was die Alternative wäre. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist so gesehen ein Gottesgeschenk, weil sie einen in allen Vorurteilen aufs schönste bestärkt und jeder weiteren Argumentationsmühe enthebt.

2. Das Kapitel „Die Erfindung des Opfers – die Linke bringt sich in Stellung“ beschreibt den Linken als patentierten Opferanwalt mit Alleinvertretungsanspruch. Dem Linken teilt sich die Welt in Gut und Böse, so einfach und so wirkungsvoll. Die Rechte besorgt das Geschäft der Reichen, der Mächtigen, der Blutsauger und Heuschrecken – die Linke ist die Schutzmacht der Armen und Entrechteten, der Zukurzgekommenen, Gestrauchelten und Gebeutelten.

Der selbstlose Einsatz der Linken für Opfer ist umso werbewirksamer, je mehr Opfer es gibt, daher wird ständig an der Erweiterung des Opferbegriffs und der Rekrutierung neuer Opfer gearbeitet und gleichzeitig dafür gesorgt, dass kein Opfer diesen Status je wieder verliert, gleichgültig, ob sich seine Lage inzwischen zum Guten gewendet hat oder nicht. In besonderer Weise trifft das auf das Opfer „Frau“ zu. Weiterer Handlungsbedarf werde dabei mit dem Fachausdruck „Gender Mainstreaming“ angemeldet, wofür der Journalist Volker Zastrow die Übersetzung „Politische Geschlechtsumwandlung“ vorgeschlagen hat.

Das Opfer braucht den Täter. … Zwei Gruppen lassen sich dabei grob unterscheiden: Es gibt den Täter im kriminologischen Sinne, … Dieser Tätertypus … darf heute Schonung erwarten. Weil seine Gesetzesüberschreitung inzwischen als gesellschaftlich bedingt verstanden wird, scheidet er als richtiger Täter aus – er ist, so gesehen, selber ein Opfer. Daneben gibt es den Täter in einem umfassenderen, soziologischen Verständnis. … Dieser Täter verletzt die Gefühle anderer, beschädigt ihre Selbstachtung und fügt ihnen seelischen Schaden zu, was weit schwerer wiegt als ein schlichter Handtaschenraub … Das ist der Tätertyp, der auf Nachsicht nicht hoffen darf. … Er ist der Täter in seiner reinsten Form, der öffentliche Gegner, den es namhaft zu machen gilt – als Frauenfeind, Ausländerfeind, Schwulenfeind.

3. Das mit 44 Seiten längste Kapitel in Fleischhauers Buch zeichnet die Geschichte der Linken und damit die Geschichte der Utopien, der Idealgesellschaften und Tugendstaaten nach. Das Elend der Utopien lässt sich in zwei Worte fassen: Terror und Langeweile. Als Ahnherrn der Linken macht der Autor den 1712 in Genf geborenen Jean-Jacques Rousseau namhaft. Während die früheren Theoretiker Thomas Morus („Utopia“) und Tommaso Campanella mit seinem als Rentneridylle angelegten „Sonnenstaat“ noch wenig Schaden anrichteten, stand Rousseau der Schreckensherrschaft Robespierres am Höhepunkt der französischen Revolution Pate, so wie später Karl Marx den kommunistischen Blutregimen Stalins, Mao Tse-tungs und Pol Pots, schließlich Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse dem Terror der RAF.

4. Zum Bildungskapitel „Wider die Herrschaft der Vernunft – die Linke und das Bildungssystem“ erübrigt sich ein Kommentar, weil schon der Titel das wesentliche Merkmal der linken Bildungspolitik aufzeigt.

Die Eroberung des Sozialstaates

5. „Die Eroberung des Sozialstaates – die Linke macht Karriere“ schildert zunächst das vorbehaltlose Streben der „Achtundsechziger“, einen Posten im ach so repressiven Staatsapparat zu ergattern. „Das deutsche Schicksal: vor einem Schalter zu stehen“, hat Kurt Tucholsky einst trocken bemerkt. „Das deutsche Ideal: hinter einem Schalter zu sitzen.“ Die deutsche Linke kann stolz von sich sagen, dass sie dieses Ideal für einen Gutteil ihrer Anhänger erreicht hat, …. Die Zahl der Beamten ist zwischen 1970 und 1980 von 1,4 Millionen auf 1,74 Millionen gestiegen, das entspricht einer Zunahme von 24 Prozent. Diese Zuwachsraten hat die deutsche Beamtenschaft nie wieder erreicht.

Und weiter: Wenn es eine Aufbauleistung gibt, für die die Linke unbeschränkt Kredit beanspruchen kann, dann den Umbau des Sozialstaats von einer Grundsicherung gegen die großen Schadensfälle des Lebens … zum allumfassenden Für- und Nachsorgesystem, bei dem sie selber, ganz zufällig natürlich, bestens wegkommt. …. Längst begnügt sich der Sozialstaat nicht mehr damit, nur materielle Benachteiligungen auszugleichen. Auch für immaterielle aufgrund von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Präferenz verspricht er Kompensation. Damit ist ein Beschäftigungsprogramm in Gang gekommen, das freundlicherweise Tausende von Sozialpädagogen, Sozialpsychologen und anderweitig hilfsbereiten Menschen mit Arbeit versorgt, die sonst nicht wüssten, was sie mit ihrer Ausbildung anfangen sollten.

Logische Folge dieser Auswüchse seien die Staatsschulden; allein der Zinsendienst dafür beanspruche bereits 15 Prozent der gesamten Staatseinnahmen. Zuletzt stellt Fleischhauer in diesem Kapitel die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit, wenn z. B. eine kinderreiche Mutter von einer Kleinstrente leben muss, während deren fünf Söhne denjenigen ihre vergleichsweise üppigen Renten finanzieren, die sich für Berufstätigkeit statt für Kinder entschieden haben.

6. Im Kapitel „Wir Kleinbürger – die Linke und das Volk“ weist Fleischhauer darauf hin, dass die Linke nur mit einem ihr hörigen Volk zurecht kommt. Er erinnert daran, dass der Mauerfall die deutsche Linksintelligenz völlig unvorbereitet getroffen hat und dass diese für die DDR-Menschen, welche sich zuerst als „das Volk“ bezeichneten und schließlich auch noch Anschluss an den bundesdeutschen Wohlfahrtsstaat forderten, überhaupt kein Verständnis aufbrachte. Denn schließlich verhielt sich dieses Volk so gar nicht nach dem linken Lehrbuch und strafte zudem Willy Brandt, Egon Bahr, Gerhard Schröder und andere SPD-Granden Lügen, die noch kurz davor die deutsche Wiedervereinigung als illusorisch abgetan hatten.

Feindbild „Kleinbürger“

Ein besonderes Feindbild sei für Linke der Kleinbürger, in diesen Kreisen mit Vorliebe als „Spießer“ bezeichnet, dem auch gerne faschistische Tendenzen unterstellt würden. Dabei fließen aus seiner Arbeit jährlich etwa 80 Milliarden Euro in die Staatskasse, wenn man die Leistungen der oberen zehn Prozent der Steuerpflichtigen abrechnet, während die Hälfte der Haushalte in Deutschland gar keine Einkommensteuer zahlt. Unser fleißiger Steuerbürger beschwert sich nicht einmal über die üppigen Staatssubventionen für die schönen Künste, die ihren Daseinszweck vor allem darin sehen, ihn zum Narren zu halten.

7. In „Opferneid – die Linke und der Antisemitismus“ erinnert Fleischhauer an etliche offen antisemitische Sprüche und Aktionen von Linken sowie deren große Begeisterung für die Palästinenser einschließlich entsprechender Kostümierung. In Berlin beteiligten sich im Januar 2009 neun Bundestagsabgeordnete der Linkspartei an einem Protestzug, auf dem „Tod Israel“ und „Hisbollah bis zum Sieg“ skandiert wurde, …

8. Das Kapitel „Der Täter als Opfer – die Linke und das Böse“ enthält u. a. Reminiszenzen an den RAF-Terrorismus und seine Glorifizierung durch die linke Kultur- und Medienszene. Vieles davon habe ich nie gewusst oder schon vergessen, daher auch die zeitliche Einschränkung dieser Aktivitäten auf 1974 bis 1978 in meinem Buch „Schule zwischen Anspruch und Zeitgeist“ (Seite 48). Tatsächlich sind die blasse Pfarrerstochter Gudrun Ensslin und ihr attraktiver Macho-Freund Andreas Baader schon 1968 als Brandstifter aufgefallen und der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen wurde erst im November 1979 durch eine Sprengladung der RAF getötet. Die „Isolationsfolter“ im Gefängnis Stuttgart-Stammheim bestand darin, dass Baader, Ennslin, die Chefideologin Ulrike Meinhof und der Bombenbastler Jan-Carl Raspe einen eigenen Trakt mit vier tagsüber offenen „Zellen“ zu je 20 qm, mit Fernseher, Radio und Plattenspieler, einem Fitnessraum, einer Bibliothek und einer Gemeinschaftsküche bewohnten und den Kontakt mit anderen Gefangenen kategorisch ablehnten! Bei Ennslin und Meinhof bestand das Problem nicht in der Isolation voneinander, sondern, im Gegenteil, in der Dauernähe, die in ein Psychodrama mündete, aus dem „die größte deutsche Frau seit Rosa Luxemburg“ (Erich Fried) als Ausweg nur noch den Selbstmord sah.

9. In „Türken und andere Juden – die Linke und die Fremden“ geht es um das Ausländerproblem, insbesondere um das Versagen der Integration und wer daran schuld ist. Dazu ein Bericht vom Verlauf einer Sitzung der Deutschen Islamkonferenz: Alle schienen auf Anhieb begriffen zu haben, wie die Spielregeln waren. Die eine Hälfte schilderte das Migrantenschicksal, die andere Hälfte saß da und schaute sehr betroffen. Nur einmal kam es zu einem unschönen Zwischenfall, als eine junge Türkin das Wort ergriff, … Sie sei es leid, dass der kulturelle Unterschied ständig als Entschuldigung diene, morgens nicht mit den Kindern aufzustehen oder nach der Schule die Hausaufgaben zu vernachlässigen. „Es gibt eine latente Akzeptanz … für Eltern, die ihre Kinder schlecht erziehen“, sagte sie, „sie finden Verständnis, das sie nicht verdienen.“ – Es wurde sehr still im Raum. … Die Runde beschloss, den Einwurf der Frau zu übergehen. Wie ich später erfuhr, stammte sie aus einer Gastarbeiterfamilie …, der Vater Arbeiter in einer Schokoladenfabrik, die Mutter am Band, vier Mädchen, alle Abitur, sie die jüngste Professorin, die jemals in Deutschland einen Lehrstuhl erhalten hat. … Beim nächsten Mal war sie nicht mehr dabei.

Die Faschismuskeule

10. Auch der Titel des Kapitels „Alles Faschisten – die Linke und ihre Gegner“ spricht für sich. Besonders erwähnenswert finde ich hier den Hinweis auf die vielen Reformen der Nationalsozialisten, welche diese als linke Erneuerer ausweisen: Nationalsozialistische Politiker entwickelten die Konturen des Rentensystems, …, sie nahmen sich der Familienförderung an, des Mieterschutzes und der Arbeitnehmerrechte. … Auch „Bildung für jedermann“ war ein Versprechen, dem sich die NS-Führung verpflichtet sah und dem sie mit den Vorläufern der Gesamtschule, den Adolf-Hitler-Schulen und den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, Rechnung trugen, „damit auch der ärmste Junge zu jeder Stellung emporsteigen kann, falls er die Voraussetzungen dazu in sich hat“, wie Hitler selber in einer seiner Reden formuliert hatte.

11. Den schärfsten Widerspruch, vor allem unter den nahe bei 100 Prozent links angesiedelten Kabarettisten und Liedermachern, hat das Kapitel über die Linke und den Humor hervorgerufen. Fleischhauers Vorwurf lautet, das Lächerlichmachen des politisch Andersdenkenden sei zu wenig, man sollte auch entspannt über sich selber lachen können. Die Linke nimmt sich selber zu ernst, um wahrhaft komisch zu sein. … Eine Folge aus dem „Herrn der Ringe“ reicht als Anschauungsmaterial, um zu wissen, wie sich Überzeugungslinke schon morgens fühlen, wenn der Tag gerade mal begonnen hat. Es geht gleich wieder ums Ganze, überall lauern Gefahren, immer steht der Weltfrieden auf der Kippe, dabei ist noch nicht einmal der Kaffee ausgetrunken.

Ich nehme an, dass es die Kritiker vor allem unerträglich finden, dass sich der Autor in diesem Kapitel auch über die Friedensbewegung und über die neue deutsche Innerlichkeit lustig macht, die nach Jahren des politische Kampfes den Ermüdeten nun die Beschäftigung mit sich selber erlaubt. Der jetzt allenthalben so verehrte Bundeskanzler Helmut Schmidt fand die seinerzeitigen Demonstrationen gegen den Nato-Doppelbeschluss „infantil“, aber leider waren sich noch nie so viele Menschen im linken Lager so sicher gewesen, dass sie sich lieber auf ihr Gefühl als auf Zahlen verlassen sollten. Seine Halsstarrigkeit kostete Schmidt erst die Unterstützung seiner Partei und dann das Amt. – Was die Weltlage angeht, kam es am Ende bekanntlich anders; die Nachrüstung hat nicht den Weltenbrand entzündet, sondern das sowjetische Imperium in die Knie gezwungen, …

12. Im Schlusskapitel versucht der Autor, uns zu erklären, warum man in der Krise eigentlich nur konservativ bleiben kann. Er setzt dabei auf Gelassenheit und Relativierung. Gier und Dummheit seien im Kapitalismus zwar allgegenwärtig, aber die Linke könne keine brauchbare Alternative dazu anbieten. Wäre die Marktwirtschaft eine allein auf Tüchtigkeit und Können beruhende Veranstaltung, dürfte kein Haustürgeschäft funktionieren und schon gar nicht die Gründung einer Briefkastenfirma. Tatsächlich gehört die Suche nach der Abzweigung zum schnellen Reichtum zum Wesen des kapitalistischen Systems, das macht in gewisser Weise ja auch den Charme aus: Eine Welt, in der ein Felix Krull seinen Aufstieg machen kann, ist allemal attraktiver als eine, die nach den strengen Regeln der Kolchose funktioniert.

Wer an einer kompetent verfassten und zugleich flott geschriebenen Auseinandersetzung mit dem heutzutage herrschenden Zeitgeist interessiert ist, dem kann dieses Taschenbuch wärmstens empfohlen werden.

 
Von HR Mag. Dieter Grillmayer ist in der Edition Genius das Buch „National und Liberal“ erschienen sowie im Pro Business-Verlag, Berlin, das Buch „Schule zwischen Anspruch und Zeitgeist“.

Bearbeitungsstand: Freitag, 29. November 2013

Mit Unterstützung von:

Verweis in neuem Fenster öffnen

Ja, senden Sie mir die GENIUS-Briefe gratis zum Kennenlernen an diese meine E-Mail-Adresse:

Mir ist bekannt, dass ich obige Zusendung jederzeit stornieren kann. Dazu muss ich nur auf die letzte Zeile in jedem GENIUS-Brief klicken.
Meine E-Mail-Adresse wird nur für Versandzwecke gespeichert.
 

 
Genius – Gesellschaft für freiheitliches Denken, Verein mit Sitz in Wien. ZVR 127778490
A-1010 Wien, Kärntner Ring 10/Top 2A, Telefon +43/0/650 7982 151, EMail: verein@genius.co.at
Wiedergabe von Genius-Lesestücken nur mit Zustimmung der Genius-Gesellschaft