Roosevelt im Griff Stalins


Stalin’s Secret Agents, The subversion of Roosevelt’s government, M. Tanton Evans und Herbert Romerstein, Threshold Editions, New York, 2012, ISBN 978-1-4391-4768-9

 

Von Bertram Schurian

Es gibt Bücher die beim Leser zu allererst die Reaktion hervorrufen im Sinne von „Das kann doch nichtwahr sein!“ und dann doch dazu führen, dass der geneigte Leser bestimmte geschichtliche Entwicklungen in einem ganz anderen Licht sieht bzw. seine Sicht der Dinge einer kräftigen Revision unterwerfen muss. Das hier besprochene Buch ist so eines.

Wie die Autoren schreiben, lassen es neue Erkenntnisse angezeigt erscheinen, die bisherige Geschichtsschreibung der Jahre 1930 bis 1950 einer gründlichen Revision zu unterziehen. Es war jedenfalls anders, als es die Geschichtsbücher aus der Schule uns glauben machen wollten.

Um mit den Schlussfolgerungen der beiden Autoren zu beginnen: Erstens, es kann keinen Zweifel mehr daran geben, dass die US-amerikanische Regierung unter dem Präsidenten Roosevelt von pro-sowjetischen Agenten und Kommunisten massiv unterwandert war und die US-amerikanische Politik stark im kommunistischen Sinne beeinflusst hat. Beweise für diese Stellungnahme liegen massenhaft vor.

Zweitens, die Beeinflussung ging so weit, dass bestimmte, politische Überlegungen in der US-Regierung entweder schwer kritisiert oder in eine bestimmte den Sowjets genehme Richtung gelenkt wurden. Die Agenten, die die US-amerikanische Auslandspolitik während des Zweiten Weltkrieges und in den ersten Jahren des Kalten Krieges massiv in pro kommunistischem Sinne beeinflussen konnten, waren u. a. Harry Hopkins, Harry Dexter White, Lauchlin Currie und Solomon Adler.

Drittens, die rote Unterwanderung und der daraus entstehende politische Schaden war teilweise aus der Leichtgläubigkeit vieler Beamter und Entscheidungsträger zu erklären, die keine Ahnung von den kommunistischen Methoden der Täuschung hatten – und wenn sie eine hatten, diese nicht wahrhaben wollten oder durften. Skandalaufdecker (whistle-blower) hatten es unter Roosevelts Regierung auch schon schwierig, wie viele Beispiele von Vertuschung zeigen. Gute Beispiele bieten das Verhältnis von Harry Dexter White und Finanzminister Henry Morgenthau sowie Alger Hiss zu Außenminister Stettinius. Warum ausgerechnet Henry Morgenthau einen Plan für die Nachkriegssituation in Deutschland ausarbeiten durfte, ist damit zu erklären, dass er der persönliche Freund von Roosevelt aus seiner New Yorker Zeit war. Wäre dieser Plan wie beabsichtigt ausgeführt worden, wäre Deutschland heute eine industrielle Ödlandschaft. Allerdings in abgeschwächter Form wurde er in der Direktive JCS 1067 von Juli 1945 bis Juli 1947 doch ausgeführt.

Der Nettoeffekt für Stalin war, dass die freie Welt den triumphierenden kommunistischen Kräften überall ohne Not das Feld überließ. So wurde Polen (und alle anderen osteuropäischen Staaten auch), für dessen Eigenstaatlichkeit und Unabhängigkeit man doch in den Zweiten Weltkrieg gezogen war, kampflos den Sowjets überantwortet. Und in China wurde die Unterstützung für Chiang-Kai-Schek eingestellt. Infolgedessen konnte Mao seine Theorie des Kommunismus am chinesischen Volk ausprobieren.

Besonders krass ist auch der Fall des antikommunistischen serbischen Generals Draja Mihailovich, dessen Ruf als Anti-NS-Kämpfer zerstört wurde und an dessen Stelle Jozip Broz-Tito vom Westen unterstützt wurde.

Mit anderen Worten, die Politik von Roosevelt führte dazu, dass mit Stalins Sowjetunion ein unmenschlicher, totalitärer Staat gestärkt und ihm bei seiner Expansionspolitik Hilfestellung gegeben wurde. Desgleichen für eine weitere kommunistische Großmacht, nämlich China.

Die Folgen die diese Politik hatte, sind bekannt und können bis zum heutigen Tag mit erlebt werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass bis zum heutigen Tag der von Amerikanern geführte Kampf gegen diese rote Unterwanderung der damaligen US Regierung als „Mc Carthyism“ denunziert bzw. als „Red-batting“ abgetan wird. Noch kurioser wird es, wenn man weiß, dass das FBI die regulären Versuche der Deutschen, Japaner und Italiener, auf die US-amerikanische Politik direkt bzw. indirekt Einfluss zu gewinnen, effektiv unterbinden konnte. Als Folge hiervon ließ Roosevelt sogar deutsche Konsulate schließen.

Roosevelt war kommunistisch umgarnt

Ein paar Episoden – es werden viele im Buch ausführlich beschrieben – werde ich hier präsentieren, weil sie für uns in Europa von einiger Bedeutung sind.

Eine wichtige Frage, die sich auch die Autoren stellten, ist nämlich, wie es möglich war, dass die kommunistische Partei so viele Sympathisanten in den USA sowie im Vereinigten Königreich (und nicht nur dort) finden konnten. Gegnerschaft gegen Unterdrückung und Feudalismus und Glaubensfreiheit waren auch Grundlagen der amerikanischen Revolution. Die „Pilgrim Fathers“ geben von dieser Einstellung beredtes Zeugnis ab. Die Revolution in Russland am Ende des Ersten Weltkrieges wurde von vielen im Osten und auch im Westen als ein Hoffnungssignal für eine bessere und gerechtere Welt aufgefasst und interpretiert.

Es gab freilich auch Stimmen in den USA, die faschistische und nationalsozialistische Ideen als Gesellschaftsideal erstrebenswert ansahen. Charles Lindbergh steht hier für viele als pars pro toto. In Amerika war die politische Elite weitestgehend gegen eine offizielle Anerkennung der UdSSR. Von Woodrow Wilson bis Herbert Hoover war jeder Präsident, ob Demokrat oder Republikaner, dagegen. Franklin D. Roosevelt, der am 12. April 1933 Präsident der Vereinigten Staaten wurde, anerkannte die Sowjetunion diplomatisch am 16.November 1933 ziemlich rasch zu Beginn seiner ersten Amtszeit. Roosevelt wusste über den Artikel von Gareth Jones, der am 29. März 1933 im Manchester Guardian und der New York Evening Post erschienen war, Bescheid, worin über die künstlich verursachte Hungersnot in der Ukraine ausführlich Bericht erstattet wurde. (Hitler wurde am 30. Jänner 1933 zum Reichskanzler ernannt.)

Unter Roosevelt’s Ägide begann eine, gelinde gesagt, freundliche Politik gegenüber der Sowjet–Union, die u. a. dazu führte, dass Personen, die eine neutrale bis wohlwollende Haltung gegenuüber der Sowjetunion hatten, in höchste Regierungspositionen der USA gelangen konnten. Harry Hopkins war so eine Person. Roosevelt und besonders seine Frau Eleanor waren ausgesprochen positiv eingestellt zu den Entwicklungen in der Sowjetunion. Trotz vieler warnender Stimmen in den USA, wurde den jubelnden Stimmen über die Erfolge der Sowjetunion, wie dem New York Times Berichterstatter und Korrespondenten Walter Duranty und auch vielen anderen, eher geglaubt. (Wie intelligent Duranty „log“ bzw. formulierte sei an einem Beispiel gezeigt. Er schrieb nämlich, „es gibt in der Sowjet Union keinen Hungertod oder Tod durch Verhungern, aber weit verbreitete Sterblichkeit wegen Krankheit und Unterernährung“, New York Times, 31. März 1933). Anders lautende Meldungen wurden entweder als unwahr abgetan oder unterdrückt oder beschönigt. Im Buch werden viele Beispiele dafür gegeben.

Jalta

Breiter Raum wird den Verhandlungen der USA und Großbritanniens mit der UdSSR in Jalta, Teheran und Kairo gegeben. Die Autoren stellten sich auch die Frage, warum Roosevelt trotz seines schlechten gesundheitlichen Zustandes so lange und schwere Flugreisen unternahm. Angeblich war Stalin nicht bereit, ins weiter entfernte Ausland zu gehen. Ausführlich wird geschildert, wie Roosevelt sich auf die Unterhandlung vorbereitete. Von vielen politischen Akteuren im Kongress und Senat wird berichtet, in welch erbärmlich schlechtem Gesundheitszustand Roosevelt vor den entscheidenden Unterhandlungen mit Stalin im Februar 1945 war. Sein Verhalten gegenüber Churchill und Stalin war, wohlwollend ausgedrückt, ungewöhnlich, weil er praktisch auf alles, was Stalin vorschlug, nur eine Antwort hatte, nämlich ja.

Auch Roosevelt’s Humor war bedenklich, denn er ging auf Kosten vieler späterer Opfer eines mörderischen Systems. Als Stalin „spaßeshalber“ auf jener Konferenz in Jalta im Jahre 1945 forderte, dass mindestens 50.000 deutsche Offiziere, sobald sie gefangen genommen worden sind, erschossen werden sollten und Churchill daraufhin scharf protestierte, machte Roosevelt den “spaßigen” Gegenvorschlag, nur 49.500 erschießen zu lassen.

Der Zweite Weltkrieg begann schon in den dreißiger Jahren, genauer 1932, als Japan in China einmarschierte und dort den Staat Manchuko errichtete. Von diesem Staat ging eine direkte Bedrohung der Sowjetunion aus. Moskau musste daher starke militärische Kräfte in der Fernost-Region der Sowjetunion unterhalten. Es kam auch immer wieder zu militärischen Übergriffen beider Seiten. 1931 hatte Japan noch einen Nichteinmischungsvertrag mit der Sowjetunion abgelehnt. 1941 unterzeichnete Japan mit der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt, nachdem es 1939 in der Schlacht von Khalkhin Gol eine militärische Niederlage erlitten und obwohl es einen Freundschaftsvertrag mit dem Deutschen Reich hatte. Japan war ab 1931 eine Gefahr für die Sowjetunion.

Mit Hilfe von Personen, die diplomatischen Status genossen und die auch die Interessen der Sowjets vertraten, wurde diese militärische Drohung in Richtung Südostasien gelenkt.

Zuverlässige Quellen besagen, dass Harry Dexter White, Mitarbeiter von Morgenthau und späterer Mitbegründer von IMF und Weltbank, in ein sowjetisches Komplott verwickelt war, „Operation Snow“, an dem sich u.a. auch der deutsche Kommunist und Journalist Richard Sorge beteiligte, das geradewegs zum militärischen Angriff Japans auf Pearl Harbor (USA) führte. Dieses Komplott in Kombination mit dem Öl-Embargo der USA führte dann zum Kriegseintritt der USA in Asien. Die Kolonialmächte Holland, Frankreich und Großbritannien sowie Australien hatten darunter schwer zu leiden.

Der japanische Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941war in gewisser Weise ein Kulminationspunkt des Krieges in Asien. Stalin konnte seine militärischen Kräfte aus Sibirien abziehen und für den Krieg gegen Deutschland einsetzen. Die Autoren stellten sich auch die Frage, warum Stalin, der von den Alliierten immer eine zweite Front im Krieg gegen Deutschland forderte, in Asien nichts tat, um die dort kämpfenden Truppen der Amerikaner und Engländer und anderer zu unterstützen, wo doch Amerika mit Hilfe des Lend-Lease-Programms und den daraus kommenden Materiallieferungen entscheidend zum militärischen Sieg der Sowjetunion in Europa beigetragen hat.

Eines wird jedenfalls von den Autoren mit Sorgfalt herausgearbeitet: In den Jahren 1933 bis 1945 – nicht zufälligerweise die Regierungsperiode von Präsident Roosevelt – war die US‑amerikanische Regierungspolitik ein Instrument der sowjetischen Interessen und gleichzeitig eine Zeit der Hochblüte sowjetischer Spionage in den Vereinigten Staaten. Für denjenigen, der ein besseres Verständnis für die politischen und militärischen Zusammenhänge in dieser Periode bekommen und die in den Folgejahren eingetretenen Entwicklungen verstehen und richtig interpretieren will, ist dieses Buch ein „must“ bzw. eine Pflichtlektüre.

Bearbeitungsstand: Freitag, 31. Jänner 2014

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