Arme Wurst Conchita als Maß aller Dinge?


Von Helmut Müller

Aller guten Dinge sind drei. Nach Mozartkugel und Sachertorte hat Österreich endlich ein dem neuösterreichischen Innovations-Tsunami entsprechend würdiges Statussymbol vorzuweisen: die Wurst. Diese ist aber keine Klobasse,[1] sondern eine Kunstfigur, und die hat auch einen Namen: Conchita.

Dank „ihr“ kann Austria nicht mehr mit Australien verwechselt werden. Vielleicht auch nicht gerade mit Hochkultur, aber eine solche ist ohnehin nicht gefragt von einem alles nivellierendem Zeitgeist und in einem Land, das z. B. einen seiner größten Lyriker (Weinheber) politisch korrekt buchstäblich links liegen lässt. Ein Land, wo eine Bildungsministerin in einem Interview mit dem erlesenen Satz „Ich bin angefressen“ gefallen möchte und seltsame Praktiken an Schulen zeitgeistig mit zu verantworten hat[2]. Von ihren bildungspolitischen Fehlleistungen ganz zu schweigen.

Doch im Fall Conchita ist zumindest der von der erwähnten Ministerin behüteten Gender-Lobby – mit Unterstützung des öffentlich rechtlichen ORF – ohne Zweifel ein toller PR-Coup gelungen. Und so schmeckt, angeblich, der ganzen Welt unsere hausgemachte Wurst, die vielleicht sogar noch unserer kaiserlichen „Sissi“ den Rang ablaufen könnte. „Melange“ Conchita träumt indessen bereits vom begehrtesten internationalen Musikpreis, dem „Grammy“, und auch davon, den nächsten „Song Contest“ moderieren zu dürfen. Warum nicht gleich auch die Oscar-Verleihung? Was vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist, schließlich meinte ein Vorgänger des bemitleidenswerten „andersrum“ gearteten Song-Contest-Gewinners einmal, „wenn man in Hollywood etwas werden möchte, dann am ehesten als Schwuler, Schwarzer oder Jude“. Eine Zustandsbeschreibung, die ich mangels Erfahrung vor Ort nicht beurteilen kann und die ich auch nicht abwertend verstehe.

Conchita, dessen/deren Talent hier nicht in Frage gestellt werden soll – sowenig wie ich dessen/deren biologisch-evolutionistische Extrawurst-Rolle bewerten möchte – ist aber plötzlich auch so etwas wie ein gesellschaftspolitisches Sesam-öffne-dich. Glaubt man der österreichischen Staatsspitze, hat die bärtige Showkanone mit seinem/ihrem Sieg ein österreichisches Zeitalter der Vielfalt und Toleranz eingeläutet. Toleranz natürlich mit Einschränkung: „Österreich zuerst“-Rufe und traditionelle Rollenbilder bleiben natürlich auf der „Watch-List“ unserer, zurückhaltend ausgedrückt: Traumtänzer[3]; so wie der „Mohr im Hemd“, die „Negerküsse“, das „Zigeunerschnitzel“ oder die unschuldige Zahl 88 auch. Erwünscht sind ein politisch korrektes Sprachkorsett, allerlei exotische Zutaten – und das große Schweigen der Mehrheit.

Da mögen ringsum die Kanonen donnern, ganze Staaten Pleite gehen und jeder Österreicher mit mehr als 30.000 Euro unfreiwillig verschuldet sein, zu schlechter Letzt auch noch die Europäer aussterben, was die hartnäckig niedrig bleibende Geburtenrate signalisiert. Macht alles nichts, wir haben unsere unbefleckte, vielleicht einmal heilig zu sprechende Wurst, die uns dies alles ab jetzt vergessen lässt[4].

Von daher ist es durchaus vorstellbar, dass Herr/Frau Wurst, sollten weitere Pläne versanden, uns dereinst einmal als Spitzenkandidat einer Partei von den Plakatwänden lächeln wird. Fände ich ausgesprochen passend, denn niemand anderer könnte die Beschaffenheit der in deutschen Landen praktizierten Politik besser wiedergeben als eine Art geschlechtliche Mischkulanz, wie diese in Wirklichkeit „arme Wurst“ Conchita eine sein könnte. Nämlich: nicht Fisch, nicht Fleisch.

Anmerkungen

[1] Unter Klobasse, Burenwurst oder Burenhäutl versteht man mundartlich-wienerisch eine Brühwurst.            

[2] Beispiel: In einer Wiener Schule sondierte die Lehrkraft die Meinung der 16 bis 17-jährigen Schüler in Sachen Kinder-Adoption durch Schwule und Lesben. Wer dafür war, sollte auf die eine, wer dagegen, auf die andere Seite treten. Eine Russin, ein Serbe und ein Jude erlagen nicht dem Gesinnungsdruck, sondern hatten den Mut, sich gegen so ein Adoptionsrecht auszusprechen.

[3] „Gutmenschen“, wie unsere Traumtänzer gelegentlich auch bezeichnet werden, seien „klinisch geisteskrank“, so meinte der US-Psychiater Lyle Rossite. Er geht damit wohl etwas zu weit.

[4] Es gibt mittlerweile Stimmen aus ganz verschiedenen Richtungen, darunter auch Leserbriefe an Zeitungen, die darauf hinweisen, dass das Erscheinungsbild von Conchita Wurst eine merkwürdige Ähnlichkeit mit früher weit verbreiteten Jesus-Bildnissen (also künstlich erfundenen Darstellungen) aufweise.

Bearbeitungsstand: Freitag, 30. Mai 2014
 
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