Europas nationale Multikultur wird zerstört


Lampedusa ist erst der Anfang der Masseneinwanderung

 

Von Gerulf Stix

Sarrazins in Millionenauflage erschienenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ müsste eigentlich neu und umfassender geschrieben werden. Sein Titel könnte dann lauten: „Europa schafft sich ab“. Anders ist der demographische Wandel, in den wir hineinstrudeln, nicht zu beschreiben. Einerseits ist die Geburtenzahl, die zum bloßen Bestandserhalt der einheimischen Bevölkerung nötig wäre, in den meisten Ländern Europas längst unter den Minimalwert gerutscht. Andererseits schwillt der Massenzustrom von Menschen, die von außerhalb unseres Erdteils stammen, schier unaufhaltsam an. Wem die tagtägliche Berichterstattung über Teilaspekte dieser Entwicklung nicht reicht, der braucht sich zum persönlichen Augenschein nur in die Städte Europas zu begeben. In Paris wird er in der Metro die hellhäutigen Franzosen als Minderheit wahrnehmen und in Wien braucht er in manchen belebten Vierteln gute Ohren, um ab und zu auch deutsche Sprachfetzen zu vernehmen. Das sind nur Beispiele, die sich beliebig fortsetzen ließen. Schon in weniger als 10 Jahren werden in praktisch allen europäischen Großstädten in der Bevölkerung bis zum Alter von 40 Jahren die Menschen mit einem „Migrationshintergrund“ die Mehrheit bilden (Birgi). 

Afrika auf dem Sprung

Ein Dauerbrenner in den Tagesnachrichten sind die dramatischen Geschehnisse im Mittelmeer. Für sie steht das Stichwort Lampedusa. Während sich in den tonangebenden Medien unsere gesellschaftspolitischen Traumtänzer über die unzulängliche Betreuung der in Lampedusa anlandenden oder gerade noch vor dem Ertrinken geretteten Bootsflüchtlinge aufregen, liest sich das in der großen Tageszeitung „Neue Zürcher Zeitung“ etwas anders: 

„Der eigentliche Skandal hinter dem Flüchtlingsdrama vor Lampedusa ist nicht die ‚Abschottung Europas‘, sondern die Gleichgültigkeit der afrikanischen Regierungen gegenüber dem Exodus… Angesichts der vielen Flüchtlinge, die versuchen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen, und angesichts der unzähligen, die dabei ums Leben kommen, ist oft vom Versagen und von der Schuld Europas die Rede … Aber seltsam ist, dass in all diesen Diskussionen die Hauptschuldigen der ganzen Misere kaum je an den Pranger gestellt werden: die afrikanischen Regierungen. … Wohlgemerkt kommen viele der afrikanischen Flüchtlinge nicht aus Bürgerkriegsländern und sind auch nicht vom Hungertod bedroht.“ („NZZ“ vom 28. Februar 2015) 

Diese wenigen Zitate aus einer langen und knallharten Abrechnung mit der afrikanischen Politik insgesamt machen deutlich, wie völlig verkorkst die Stimmungsmache in den meisten europäischen Medien ist. Auch bleibt unterbelichtet, dass diese Wirtschaftsflüchtlinge offenbar nicht mittellos sind oder waren, denn sie haben ja das Geld besessen, um die fetten Gebühren an die skrupellosen Schlepper zu bezahlen. In Wirklichkeit haben wir es mit einem Massenansturm auf die Sozialstaaten Europas zu tun – frei nach dem alten Motto: Ubi bene, ibi patria!

Dabei ist Lampedusa erst der Anfang. Ganz Afrika hat gegenwärtig rund gleich viel Einwohner wie die Europäische Union. Wegen des enormen Bevölkerungswachstums aber wird sich die afrikanische Bevölkerung etwa innerhalb einer Lebensspanne auf gut eine Milliarde (!) Menschen verdoppeln, während die eingesessene europäische Bevölkerung schrumpfen wird. Diese Größenordnungen machen deutlich, wie sehr der Wanderungsdruck auf ganz Europa noch zunehmen wird. Angesichts dieser Dimension nehmen sich die bedauerlicherweise ertrunkenen Bootsflüchtlinge in den Augen der Masse der Zuwanderer offenbar bloß als „Co-Lateralschaden“ aus. Das wird von denen, die das „Paradies Europa“ vor Augen haben und dorthin wollen, augenscheinlich hingenommen. 

Wenn jetzt italienische und deutsche Initiativen in der EU die Schaffung von EU-Außenstellen und EU-Lagern auf afrikanischem Boden zwecks frühzeitiger „Bearbeitung“ der so genannten Asylanten gleich vor Ort betreiben, so kann man nur ausrufen: endlich! Die freiheitlichen EU-Abgeordneten fordern die Errichtung solcher Außenstellen seit langem, wurden aber bisher geflissentlich überhört. 

Flüchtling ist nicht gleich Flüchtling

Es geht aber nicht allein um Afrika. Aus dem gesamten riesigen Raum südlich und östlich des Mittelmeers strömen Flüchtlingsmassen zu uns. Viele davon kommen aus Ländern, wo blutige Bürgerkriege toben. Da stellt sich schon auch die Frage, wer hat denn diese Länder destabilisiert? Wer hat denn Libyen bombardiert? Wer hat denn den Irak zerstört? Wer hat denn die Rebellen in Syrien ausgebildet und finanziert? Für Kenner fallen die Antworten darauf nicht schwer. Zusammenfassend muss man leider feststellen, dass an den chaotischen Zuständen von Libyen über Syrien bis Bagdad, ja bis Afghanistan dem Westen allgemein ein enormes Maß an Mitverschulden anzulasten ist. Angesichts dieses Desasters westlicher Politik nehmen sich die beschönigenden Reden von „arabischem Frühling“, „Demokratisierung diktatorischer Strukturen“ oder „nation building“ mehr als peinlich aus. Die meisten westlichen Medien lügen sich in die eigene Tasche.

Als eine Folge des nahöstlichen Desasters gibt es auch sehr viele Kriegsflüchtlinge. Selbstverständlich gehören diese anders behandelt als Wirtschaftsflüchtlinge. Aber auch in dieser Frage spiegelt die hauptsächlich veröffentlichte Meinung nicht die tatsächlichen Zahlenverhältnisse wider.

Gemäß den offiziellen Angaben der österreichischen Behörden stellt sich bei der Bearbeitung der Asylanträge in rund 80 % (!) aller Fälle heraus, dass es sich nicht um echte Asylsuchende handelt. Nur rund 20 % der Asylheischenden sind als Asylberechtigte einzustufen! Anders ausgedrückt heißt das also, dass es sich bei der übergroßen Mehrheit der „Flüchtlinge“ nur um getarnte Zuwanderer handelt. In diesem Licht erscheint das tägliche Hickhack um die Unterbringung von Flüchtlingen in Österreich auf einmal gänzlich anders, als es die aufgeregten Berichte und Kommentare in der Tagespresse erscheinen lassen. Die in der Bevölkerung verbreitete Stimmung, wir hätten genug Plätze für echte Kriegsflüchtlinge, wenn nicht so viel Asylmissbrauch betrieben würde, trifft offenkundig den Nagel auf den Kopf. 

Eine völlig irreführende Darstellung der wirklichen Verhältnisse liefern auch die häufigen, Mitleid heischenden Bilder im Fernsehen (ebenso in Zeitungen) von Frauen mit kleinen Kindern oder von Flüchtlingskindern allgemein. Diese seien also typisch für die Flüchtlinge. Tatsächlich zeigen die nüchternen Zahlen, dass Alte, Frauen und Kinder weitaus in der Minderheit sind. Mehr als zwei Drittel der Immigranten sind Männer, darunter viele junge, teilweise von sehr weit her (z. B. Tschetschenien, Afghanistan)! Da frägt man sich schon, ob Mitleid wirklich in allen Fällen angebracht ist und ob die Kosten für deren Betreuung dem Steuerzahler (in Österreich mehr als 150 Millionen Euro jährlich!) tatsächlich zumutbar sind? Diese Fragen stellen sich leider für ganz Europa.

Die Ideologie der multikulturellen Gesellschaft

Bekanntlich wird in erster Linie von den Grünparteien, den Linkssozialisten und den so genannten Menschenrechtsorganisationen, doch im weiteren Spektrum ebenso von den meisten etablierten Medien und anderen Meinungsmachern die „multikulturelle Gesellschaft“ propagiert. „Deutschland muss bunter werden“ plakatierten z. B. die Grünen. Betrachtete man die Plakate, so sah man Menschenköpfe aller Hautfarben abgebildet. Genau das zeigt, dass es gar nicht um Kultur geht, sondern um Bevölkerungsdurchmischung. Sehr anschaulich wird also demonstriert, dass das Wort „multikulturell“ eigentlich ein Tarnausdruck für etwas ganz anderes ist. Viel treffender wäre nämlich das Wort „multiethnisch“, aber das will man augenscheinlich vermeiden. 

Ausgerechnet die Grünparteien machen sich dafür stark, die Biotope der geschichtlich gewachsenen europäischen Völker mittels Zuwanderung aus aller Welt umzukrempeln. 

Dieselben Grünen, die sich im Naturbereich immer wieder als besondere Biotop-Beschützer (jüngst wieder bei der Isel in Osttirol) hervortun, betätigen sich gesellschaftspolitisch als große Biotop-Zerstörer, wenn es um das eigene Volk geht. 

Offenkundig liegt bei den Grünen ein Fall von ideologischer Schizophrenie vor. 

Weder die Grünen noch die NGOs gleichen ideologischen Zuschnitts tun sich selbst damit auf die Dauer etwas Gutes. Denn viele Wähler, Unterstützer und Spender werden nach und nach diese Schizophrenie durchschauen und sich ernüchtert abwenden. 

Wie auch immer das kommen mag, Faktum bleibt, dass der zeitgeistig herrschende Begriff von der „multikulturellen Gesellschaft“ ein Missbrauch des Begriffes „multikulturell“ ist, weil es in Wahrheit um das Ziel einer „multiethnischen Gesellschaft“ geht. Eben darüber kann man und muss man diskutieren. 

Die nationale Multikultur Europas

Das herkömmliche, also geschichtlich gewachsene Europa war dank seiner Nationalitäten seit jeher multikulturell. Die sich seit dem Mittelalter herausbildenden nationalen Sprachgemeinschaften standen zu allen Zeiten in engem kulturellem Austausch. Sie bereicherten sich gerade im kulturellen Bereich wechselseitig, ohne dabei ihre jeweils gewachsene Identität aufzugeben. Franzosen, Holländer, Spanier, Skandinavier, Italiener, Deutsche, Polen, Ungarn usw. usw. bildeten insgesamt so etwas wie eine europäische Multikultur auf nationaler Grundlage!

Wer das bestreiten wollte, müsste sich geschichtliche Ignoranz und kulturelle Blindheit vorwerfen lassen. Die altgriechischen Philosophen beeinflussen bis heute die europäische Philosophie. Das römische und das germanische Recht bilden die Grundlage unseres heutigen Rechtssystems. Die Sprachen der Germanen, Romanen und Slawen entstammen einer gemeinsamen Sprachfamilie. Die modernen Sprachen wie Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch oder Polnisch enthalten wechselseitig Lehnwörter aus den anderen Sprachen, Lateinisches findet sich in allen. Im Mittelalter und in der Neuzeit war es selbstverständlich, dass Handwerker, Studenten, Künstler und Gelehrte kreuz und quer durch Europa wanderten und sich oft weit entfernt von ihrem Geburtsort niederließen. Die akademischen Landsmannschaften – es gibt sie heute noch – entstanden an fremden Universitäten wie z. B. Bologna. Weder unsere heutige Literatur noch die Malerei noch die Musik und schon gar nicht die Wissenschaft wären ohne das multikulturelle Zusammenspiel in ganz Europa so entstanden, wie wir es kennen und als selbstverständlich empfinden. 

National und multikulturell waren keine Widersprüche 

Und trotzdem entwickelten sich nationale Identitäten. Trotzdem und zugleich kristallisierten sich Deutsche, Franzosen, Italiener, Engländer und Schweden heraus, um nur einige zu nennen. Nicht von ungefähr wurde aus dem letztlich gescheiterten Versuch, politisch in der Nachfolge des Imperium Romanum ein neues „Heiliges Römisches Reich“ zu schaffen, unter dem deutschen Kaiser Maximilian um 1500 dann durch den realistischen „nationalen“ Zusatz das „Heilige römische Reich deutscher Nation“. Übrigens ist der gesamte europäische Hochadel – entstanden auf der Basis von militärischer und wirtschaftlicher Macht und dank dem „Bündnis von Thron und Altar“ – eine einzige familiäre Verwandtschaft. Das hat sie freilich bis ins 20. Jahrhundert nie gehindert, blutige Kriege gegeneinander zu führen. 

Dieses multikulturelle Europa entstand in Jahrtausenden aus der engen Nachbarschaft, aus den Kriegen und Verschmelzungen von Romanen, Germanen und Slawen auf relativ kleinem Raum. Nicht zu vergessen die Kelten, die überall in Europa ihre biologischen und kulturellen Spuren hinterließen. Die berühmte Hallstattkultur z. B. blühte vor rund 3.000 Jahren. Und auch nicht zu vernachlässigen ist die „Eingemeindung“ anderer kleinerer Völkerschaften wie z. B. der Ungarn und Finnen. Wesentlich ist der Umstand, dass sich auf Basis dieser Abstammungsgemeinschaften auf dem engen Raum der Halbinsel Europa in einem teils friedlichen, teils kriegerischen Durchmischungsprozess, der sich langsam, über Jahrtausende hinzog, das moderne multikulturelle Europa auf nationaler Grundlage entstand. 

Europa und die Welt

Unbestritten ist, dass Europa parallel zu seiner eigenständigen Entwicklung auch viele Einflüsse von außerhalb des Kontinents aufgenommen und verarbeitet hat. Bekanntestes Beispiel sind die Zahlenzeichen von 0–9, die über die Araber aus Indien zu uns kamen. Ein sprachliches Beispiel, das keiner Erläuterung bedarf, ist das arabische Wort Alkohol. Und die kostbaren Teppiche gelangten über die Seidenstraße, einem uralten Handelsweg quer durch Asien, an die europäischen Höfe.

Die größte religiöse Auswirkung für ganz Europa brachte das aus dem Orient stammende Christentum. Dazu gehört auch das von noch weiter her stammende Klosterwesen. Das nie spannungsfreie Verhältnis zwischen Christentum und genuin europäischer Religiosität zu beschreiben, würde ein eigenes Kapitel erfordern. Tatsache bleibt, dass mit dem Christentum die erste aus dem Orient kommende Religion Europa erfasst und geprägt hat. Die zweite orientalische Religion, die jetzt in Europa auf breiter Front Fuß fasst, ist der Islam. Freilich gibt es einen wichtigen methodischen Unterschied. Das Christentum missionierte auf den Wegen des untergehenden Römischen Reiches und mit Unterstützung machtbewusster neuer Herrscher die eingesessene Bevölkerung. Hingegen verbreitet sich die gegenwärtige Islamwelle nicht durch intensive Missionierung, sondern wird von massenhaft einwandernden Nicht-Europäern einfach mitgebracht. Diese Einwanderer bringen ihre Religion mit und wollen von ihr nicht lassen. Dort, wo diese Menschen mit „Migrationshintergrund“ zahlenmäßig die Mehrheit erreichen, wird der Islam letztlich dominieren. Ein einfaches Rechenexempel.

Wegen dieses wesentlichen Unterschiedes ist der hochgespielte Konflikt zwischen Christentum und Islam ziemlich vordergründig, jedenfalls entgegen dem Anschein kein direkter Konflikt zwischen Religionen. Des Pudels Kern, um mit J. W. Goethe zu sprechen – der bekanntlich schon vor Generationen auch den „West-östlichen Diwan“ verfasste –, ist und bleibt die Masseneinwanderung von vielen Millionen Menschen von außerhalb Europas. Man mag es wenden und drehen, wie man will, diese Masseneinwanderung, deren Anfang wir miterleben, wird die Zusammensetzung der eingesessenen europäischen Bevölkerung so massiv verändern, dass dies in der Folge auch die europäische Gesellschaft und Kultur verändern wird. Die Masseneinwanderung von Millionen Menschen von außerhalb Europas wird die eigenständige nationale Multikultur Europas zerstören.

Bearbeitungsstand: Freitag, 27. März 2015

Mit Unterstützung von:

Verweis in neuem Fenster öffnen

Ja, senden Sie mir die GENIUS-Briefe gratis zum Kennenlernen an diese meine E-Mail-Adresse:

Mir ist bekannt, dass ich obige Zusendung jederzeit stornieren kann. Dazu muss ich nur auf die letzte Zeile in jedem GENIUS-Brief klicken.
Meine E-Mail-Adresse wird nur für Versandzwecke gespeichert.
 

 
Genius – Gesellschaft für freiheitliches Denken, Verein mit Sitz in Wien. ZVR 127778490
A-1010 Wien, Kärntner Ring 10/Top 2A, Telefon +43/0/650 7982 151, EMail: verein@genius.co.at
Wiedergabe von Genius-Lesestücken nur mit Zustimmung der Genius-Gesellschaft