Zitaten-Truhe


Von Wolf Martin

 

Die Guten

Sie führen Kriege mit Getöse,
und keiner dünkt sich dabei böse.
Denn jeder streitet weit und breit
doch nur für Treu und Billigkeit,
für Freiheit, Ordnung, Menschenrecht,
für Werte, welche wahr und echt,
dafür, dass Heil der Welt beschieden,
und schließ- und endlich für den Frieden.
Die Kriege werden nur betrieben,
weil alle so das Gute lieben.

Unvorstellbar

Es laufen praktisch alle Leute
Herum mit einem Handy heute
Und plaudern ständig irgendwas,
zu ihrem und der Mitwelt Spaß.
Wir sind uns dadurch erst im Klaren,
wie einsam einst die Leute waren,
wie öd es war und monoton,
bezüglich Kommunikation,
und was für eine finstre Chose
die alte Zeit, die handylose.

Integration

Zuwandrer gab’s, so sagen sie,
ja auch schon in der Monarchie.
Nun, einmal abgesehn davon,
dass es weit mehr sind heute schon –
einst musst’ man sich dazu bequemen,
die deutsche Sprache anzunehmen,
und hatte hiesigen Gebräuchen
sich selbstverständlich anzugleichen,
doch solches ist ja – stimmt’s, ihr Guten? –
Ausländern heut nicht zuzumuten.
Anpassen müssen sich die nie,
wir uns dagegen brav an sie.

Bitte

Spar, lieber Staat, bei allem, nur
Bei einem nicht: Bei der Kultur!
Und hab zumindest mit den Armen
Und mit dem Mittelstand Erbarmen!
Und kürze nicht bei Leistungsträgern,
Verlegern oder Brauchtumspflegern!
Und auch nicht bei den Eisenbahnern,
Primanern, Mahnern, Afrikanern,
Bekleidern, Neidern, Fleischvermeidern,
Weg-, Beutel-, Ehr- und Halsabschneidern!
Und auch natürlich nicht bei mir!
Bei allen sonst – da hol es dir!

Ätsch!

Die Frauen heute Macht erringen
Bei Geld, Beruf und solchen Dingen.
Dafür, so hat man festgestellt,
sind sie um Lust im Bett geprellt,
weil der zurechtgestutzte Mann
nun immer öfter nicht mehr kann.
Natürlichen Prinzips Verkehrung
Schafft stets die peinlichste Bescherung.

 

Wolf Martin, 1948–2012, hieß eigentlich Wolfgang Martinek und war ein österreichischer Autor, der nicht zuletzt durch seine jahrzehntelang täglich unter der Marke „in den Wind gereimt“ in der Kronenzeitung publizierten Gedichte breite Bekanntheit erlangte. Im Grazer Leopold Stocker Verlag ist unter ISBN 3-7020-0937-X ein Gedichtband mit seinen „Diabolischen Versen“ erschienen, dem die vorliegende Auswahl entnommen ist.

Bearbeitungsstand: Freitag, 27. März 2015

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