Wer sind die Griechen?


Ein europäisches Volk im Hader mit seinem Selbstverständnis

 

Von Harald Saggener

Über die etymologische Herkunft der Bezeichnung „Griechen“ streitet die Wissenschaft. Die Wurzeln dieses aber zweifelsfrei indogermanischen Volkes sind mindestens viertausend Jahre alt. Homer nennt die gegen Troja ziehenden Griechen Danaer. In Anlehnung an das Trojanische Pferd handelt es sich bei einem Danaergeschenk um etwas für den Empfänger Unheilvolles (woraus aber nicht gleich der Schluss gezogen werden soll, die Griechen seien für die EU ein solches).

Der Terminus Hellenen – ursprünglich der Name eines thessalischen Stammes, benannt nach dessen mythischem Stammvater Hellen – ist bereits bei Herodot belegt und bürgerte sich im klassischen Griechenland als Begriff für alle Griechisch Sprechenden ein. Die anderen waren die Barbaren. Aus der lateinischen Bezeichnung Graeci leitet sich der „Grieche“ als Angehöriger seines Volkes in fast allen Sprachen ab, wenngleich parallel dazu meist auch Übersetzungen des Begriffs Hellenen existieren.

Ab 800 v. Chr. gründeten zahlreiche griechische Stadtstaaten im Mittelmeerraum Kolonien. Unter Alexander dem Großen wurde Griechisch Staatssprache in seinem Reich. Während der Völkerwanderung fielen Westgoten, später Ostgoten und Hunnen ins Land ein. Im 7. Jahrhundert erfolgte auf dem Balkan eine nachhaltige Landnahme der Slawen.

Nachdem sich im 9. Jahrhundert Byzanz seine Herrschaft über Griechenland wieder sichern konnte, wurden griechischsprachige Einwohner des östlichen Reiches nach Europa umgesiedelt und die slawischen Einwanderer gezielt „gräzisiert“. Die griechisch-orthodoxe Kultur gelangte in Griechenland wieder zu einer gewissen Blüte. Mit der Eroberung Konstantinopels in der Kreuzzug-Ära kamen neue Herrscher nach Griechenland: Fränkische Ritter und vor allem die Seemacht Venedig sicherten sich in Griechenland wichtige Handelsposten für den Orienthandel. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert bildete sich wieder eine einheimische Bürgerschicht heraus, die jedoch außer griechischen auch albanische, sephardisch-jüdische, slawische und türkische Bevölkerungsteile mit einschloss. Im Osmanischen Reich war der Begriff „Griechen“ ein Synonym für die Angehörigen der griechisch-orthodoxen Kirche, während „Türken“ ein Synonym für die Anhänger des Islam war.

Traum von der Wiederkehr des alten Hellas

Der Aufstand gegen die osmanische Herrschaft im 19. Jahrhundert ging von griechisch sprechenden Christen aus, die aus einer gebildeten bürgerlichen Schicht kamen, die einen beträchtlichen Teil des Handels im Osmanischen Reich bestimmte. Bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert hatten sie, auch in Abgrenzung zur institutionalisierten orthodoxen Kirche, begonnen, die griechische Antike wieder als Vorbild eines nicht-kirchlichen, griechischen Nationengefühls, anzunehmen. Die Unterstützung durch west- und mitteleuropäische Philhellenen („Griechenfreunde“), die in den Freiheitskämpfern Nachfahren der antiken Griechen sahen und von einer Wiederkehr des alten Hellas träumten, gaben zusätzliche Impulse für die Rückbesinnung. So bezog sich der 1822 geschaffene und 1830 durch das „Londoner Protokoll“ bestätigte neue griechische Staat auf das antike Griechenland. Geografische Bezeichnungen wurden regräzisiert und eine dem Altgriechischen nahe stehende künstliche Reinsprache („Katharevousa“) geschaffen, die bis 1976 Amtssprache blieb und erst infolge der Überwindung der Obristendiktatur abgeschafft wurde.

Territorial gelang dem griechischen Staat bis 1920 eine Erweiterung auf das heutige Staatsgebiet – mit Ausnahme des Dodekanes.[1] Ein Fünftel Griechenlands verteilt sich auf mehr als 2000 Inseln, von denen aber nur knapp jede zehnte bewohnt ist.

Auf kleinasiatischer Seite, im Osmanischen Reich, kam es zwischen 1914 bis 1923 zu einer Welle von Griechenverfolgungen. Die Repressalien umfassten Massaker, Deportationen sowie Todesmärsche und gingen als die „Kleinasiatische Katastrophe“ in die Geschichte ein. Schließlich wurden im Vertrag von Lausanne die noch heute geltenden Territorialgrenzen gezogen und ein umfangreicher „Bevölkerungsaustausch“ zwischen den beteiligten Staaten verfügt. Es kam zur gezielten Vertreibung der jeweiligen nationalen Minderheiten. Die in Kleinasien ansässigen Griechen (etwa 1,5 Mio.) wurden gezwungen, nach Griechenland auszuwandern, die in dem nun Griechenland zugefallenen Gebiet beheimateten Türken (ca. 0,5 Mio.) mussten in die Türkei auswandern. Gleichzeitig erhielten auch Bewohner anderer östlicher Gemeinden die Möglichkeit, in das neu geschaffene Griechenland einzuwandern, wovon zahlreiche Slawen und Albaner Gebrauch machten. Daher leben heute im Inselstaat unter den gut zehn Millionen Griechen zahlreiche Minderheiten, darunter Türken, Mazedonier, Aromunen (Mazedo-Rumänen) und Pomaken (Bulgaro-Mohammedaner), sowie – in weiterer absteigender Reihenfolge – Armenier, albanischstämmige Çamen oder Tschamen, ebenfalls albanischstämmige und Toskisch sprechende Arvaniten, Roma, Wlachen (Megleno-Rumänen), bis vor nicht allzu langer Zeit nomadisch lebende Sarakatsanen und einige tausend Juden.

Selbstverständnis der heutigen Griechen

„Es ist in der Tat verblüffend, wie viele Aspekte des heutigen politischen Lebens Griechenlands – vor allem Athens – antike Parallelen haben“, schreibt Heinz A. Richter[2] in seinem Werk „Griechenland im 20. Jahrhundert“, führt dabei Beispiele wie „den leidenschaftlichen Anteil am Leben der Politeia, deren Ereignisse eifrig diskutiert werden“ an und analysiert charakterliche Gemeinsamkeiten zwischen den heutigen und antiken Griechen.

Als „direkte Nachfahren der antiken Hellenen“ legen die Griechen Wert auf die Kenntnis der Antike. Bereits in der Grundschule steht Geschichte auf dem Lehrplan, Altgriechisch ist Pflichtfach. Antike Gelehrte und deren Schriften wie Homer, Platon und Sokrates sind wichtig, die kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe der Antike spielt kulturell eine große Rolle. Auch prägt diese Identifikation der Griechen mit ihrem mittelalterlichen Großreich das bis heute anhaltende Misstrauen gegenüber dem katholischen Westen, der sie in ihren Augen im Kampf gegen die Osmanen aus Gründen der religiösen Machtkämpfe und Einflussnahme allein gelassen und verraten habe.

Wie viele Staaten Südosteuropas leidet Griechenland nach Richters Ansicht mehr oder weniger stark unter dem osmanischen Erbe eines „Klientelismus“. Griechenland habe die im Europa der Renaissance einsetzende allgemeine Modernisierung verpasst. Parallel zur Vernichtung der Aristokratie, die im Land die Führung der immer wieder aufflammenden Aufstände übernehmen hätte können, hätten sich in Griechenland die ursprünglich gewählten Dorfbürgermeister, die so genannten Muchtare, zu Führern und Beschützern der örtlichen Bevölkerung entwickelt. Zugleich seien diese aber zu Objekten osmanischer Repression geworden, falls in ihrem Verantwortungsbereich etwas schief gehen sollte. Aus ihrer Funktion als Beschützer hätten – so Richter – die Muchtare in den Augen der Beschützten Prestige und Macht gewonnen. Als Gegenleistung hätten sie von ihren Schützlingen Loyalität erwartet. Weil die Osmanen treue Dienste belohnt hätten, seien die lokalen Vornehmen im Lauf der Zeit zu Wohlstand gelangt. Das Abhängigkeitsverhältnis zwischen den örtlichen Bauern und ihrem Patron habe im ganzen Osmanischen Reich existiert und werde in Fachkreisen als „Muchtar-System“ bezeichnet. Es handle sich dabei um den historischen Ursprung des heutigen Klientelsystems. Die Griechen hätten den Staat nur als Ausbeuter erlebt. Während in Westeuropa ein selbstbewusstes Bürgertum entstanden sei, das sich mit dem eigenen Staatswesen identifizierte, sei für die Griechen der Staat noch heute gleichbedeutend mit Fremdherrschaft, gegen die es sich zu wehren gelte und die man hasse. Typische Abwehrreaktionen seien Steuervermeidung und Diebstahl staatlichen Eigentums.

Rousfetia

Während für die Verzahnung zwischen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern im amerikanisch-westlichen Jargon der Ausdruck Drehtürpolitik üblich ist (z. B. Rechtsanwälte mit Bundestagsmandat, die gleichzeitig Großkonzerne beraten, oder Ex-Minister, die auf Konzern-Vorstandsposten landen), heißt das griechische Äquivalent dazu „Rousfetia“ und bedeutet u. a., dass die aktuell jeweils im Amt befindliche Regierung massenhaft gut bezahlte und früh verrentete Versorgungspöstchen in Verwaltung und Staatsbetrieben schafft, die ausschließlich eigenen Parteigängern zugeschustert werden. Richter formuliert es hart: „Dazu verwendeten sie oft gestohlene staatliche Gelder. Als Gegenleistung erwarteten sie treue Gefolgschaft.“ Beide Spielarten sind in einer Demokratie mehr als bedenklich. Nur bereichern sich in Griechenland nicht nur die „oberen Zehntausend“ gegenseitig, sondern es bereichert sich, wie man auf diversen Internet-Plattformen lesen kann[3] das halbe Volk gegenseitig – je nachdem, welche Hälfte gerade regiert. Damit Hand in Hand gingen Stimmenkauf bei Parlamentswahlen und Wahlfälschungen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts charakterisierte ein griechischer Abgeordneter dieses System als „politische Zuhälterei“.

Laut Richter kamen Machtwechsel oft dadurch zustande, dass sich Teilnetzwerke anderen Parteiführern anschlossen. So habe etwa die jetzige Regierungspartei Syriza Subnetze der langjährigen sozialistischen Regierungspartei Pasok absorbiert. Der Klientelismus sei so stark in der politischen Kultur verankert, dass er sogar in der Lage war, die großen Ideologien des 20. Jahrhunderts zur Anpassung zu zwingen. Auf dem Balkan sei der Faschismus zu einem „Klientelfaschismus“ geworden. Der griechische faschistische Diktator Ioannis Metaxas (1871–1941) habe stolz verkündet, dass er keine Massenpartei brauchte, weil das ganze Volk Partei gewesen sei. Tatsächlich habe Metaxas die alten Klientelnetze zerschlagen und die Überreste auf sich ausgerichtet: Es habe nur noch eine Klientel mit ihm als Führer gegeben. Der Aufbau einer faschistischen Massenpartei wie in Deutschland oder Italien wäre systemfremd gewesen.

Mehrfache Pleiten

Als im November 1893 Premier Tricoupis im Athener Parlament verkündete: „Leider sind wir bankrott“, war die Verblüffung in Europa groß. Man konnte es nicht glauben, zumal die Zahlen die Pleite zu widerlegen schienen. Zu dieser Zeit betrug die Pro-Kopf-Verschuldung zwar etwas mehr als 12 Pfund Sterling – in Italien waren es aber 16, in Großbritannien 17 und in Frankreich sogar 32 Pfund. Privaten Anleihebesitzern wurden von der griechischen Regierung vorläufig nur 30 bis 50 Prozent des Nennwerts in Aussicht gestellt; ein „Vorschlag“, der nicht nur in Großbritannien, sondern auch in Deutschland und Frankreich auf Empörung traf. Diplomatischen Druck lehnte Deutschland indes ab, schließlich sei allen Investoren das Risiko bekannt gewesen. In England, das am meisten zu verlieren hatte, witterte man Betrug. So vermutete die Times in einem Leitartikel: „Wenn es schon eine Insolvenz geben soll, dann hat Herr Tricoupis sich offenbar gedacht, sie in einem großartigen Ausmaß durchzuführen und in einer Weise, welche der griechischen Regierung einen komfortablen Überschuss lässt, der für amüsantere Dinge bestimmt werden kann als die gewöhnliche Tilgung von Schulden.“ Aber die griechische Oligarchie konnte darauf zählen, dass Großbritannien das Land immer wieder vor dem Untergang retten würde. Die Schutzmacht brauchte Griechenland als Glied in der Absicherung der „Life Line“ des Empires durch das Mittelmeer. Als 1948 die zweite große Griechenland-Pleite folgte, sprangen die USA in die Bresche, weil sie das Land vor der „kommunistischen Gefahr“ retten zu müssen glaubten. Als das amerikanische Füllhorn in den fünfziger Jahren versiegte, suchte – und fand – Athen in Deutschland einen neuen großzügigen Geldgeber. Das permanent von schlechtem Gewissen geplagte Bonn leistete an Griechenland Hunderte Millionen Mark an Reparationszahlungen. Griechenland und Jugoslawien waren übrigens die einzigen Staaten, die nach dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 Reparationen erhielten.

Brüssel als Ort zum Frechsein und Geldabholen

Die griechische Euro-Münze mit der Eule. Die auf den Dichter Aristophanes zurückgehende Redensart „Eulen nach Athen tragen“ steht für eine unsinnige Tätigkeit.

Der kürzlich mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnete Tiroler Kulturvermittler, Journalist und Autor Prof. Dr. Norbert Hölzl zieht auf sarkastisch-ironische Weise interessante historische Parallelen: „Athen war vor 2400 Jahren haargenau so wie heute. Es verwaltete die Kriegskasse seiner Verbündeten und plünderte seine Partner genauso aus wie heute die EU. Die EU-Politiker scheinen weder die Geschichte noch die Raffinesse der Griechen zu kennen. Das Land war jahrhundertelang besetzt. Die Besatzer zu betrügen, galt als patriotische Pflicht. Den Euro haben sich die Griechen sehr patriotisch mit gefälschten Zahlen erschlichen.“ Das sei „dumm für alle EU-Bürger“: Griechenland habe sich nie als Partner betrachtet. Es habe Brüssel als „Ort zum Frech-Sein und zum unbeschränkten Geldabholen“ benützt. Europäische Standards im Steuersystem brauche man nicht, „wenn Multimillionäre steuerfrei sind und die Milliardenströme aus der EU zum Schmieren schön fließen.“ Mit dem Geld anderer EU-Staaten seien unter anderem herrliche Straßen auch dort gebaut worden, wo kein Verkehr ist. Hölzl: „So wie im antiken Athen: Das Geld für die Prunkbauten stahl man den Verbündeten, bis die so genannte Demokratie als Augiasstall endete. Heute plündert dieser Milliarden versteckende Augiasstall sogar die ärmsten ehemaligen Oststaaten aus. Skrupel? Hat es seit 2400 Jahren nie gegeben, Demagogen wie den Mopedfahrer Yanis Varoufakis aber jede Menge. Die Vorbild-‚Demokratie’ Athen hat den Sokrates aus Spaß zum Tod verurteilt, aber noch nie einen verlogenen Demagogen.“

Nicht weniger sarkastisch-ironisch mutet leider auch die jüngste Realität an: „Oxi“ (die Schreibweise in griechischen Buchstaben wurde populär, ausgesprochen wird das Wort „ochi“) – nein, so sagte die Mehrheit der Griechen auf Geheiß ihres Superdemokraten und Ex-Kommunisten Alexis Tsipras bei der Volksabstimmung zum „Spardiktat“ der Euro-Gläubiger. Doch der Superdemokrat scherte sich einen Deut darum und fiel gleich anschließend komplett um. Dafür wurde Tsipras dann von Jean-Claude Juncker öffentlich geküsst. Von demselben luxemburgischen Steuerkünstler, der sich von Tsipras noch kurz zuvor „verraten gefühlt“ hatte, was er auch öffentlich sagte. Nach dem Motto „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ flossen dann gleich wieder Überbrückungsmilliarden in das griechische Fass ohne Boden. Nur damit dann in Ruhe über ein weiteres, diesmal 86 Milliarden Euro schweres, „Rettungspaket“, also ein neues Kapitel westlicher „Zwangsbeglückung“ für die Griechen, verhandelt werden kann. Unverhohlen erfreut zeigte sich der Tsipras-Küsser, kann er doch wieder Milliarden-Gelder der europäischen Steuerzahler auf dem Hochaltar der Euro-Währungsunion verbrennen. Demokratie hin oder her, Hauptsache die Steuerzahler brennen – unter dem Jubelgeheul rot-grüner Naivlinge – weiter für die „armen Griechen“. Inzwischen bringen die Banken ihre Schäfchen ins Trockene. Wie lange noch? Kein Mensch weiß das, denn alle sind in Wahrheit mit ihrem Latein, pardon: Griechisch, am Ende. Also wird, bevor es endgültig kracht, auf der Titanic weiter lustig Sirtaki getanzt.

Konklusio: Die Griechen gehören natürlich zu Europa. Aber auch sie müssen ein Recht auf ihre gewachsenen gesellschaftlichen und politischen Eigenheiten haben. Alle – gut gemeinten und abenteuerlich kostspieligen – Versuche, sie gleich auch noch in das EURO-Währungskorsett zu zwingen, waren bisher zum Scheitern verurteilt und werden es auch künftig sein.

Anmerkungen

[1] Der Dodekanes, eine Inselgruppe in der östlichen Ägäis, gehört seit 1946 zu Griechenland und wurde 1955 als Präfektur etabliert. Mit der Verwaltungsreform 2010 wurde die Präfektur abgeschafft und in vier Bezirke der Region Südliche Ägäis aufgeteilt, die jedoch abgesehen von der Sitzzuteilung für den Regionalrat keine politische Bedeutung haben. Geografisch gehören die meisten der rund 160 Dodekanes-Inseln zur Gruppe der Südlichen Sporaden.

[2] Heinz A. Richter, geboren 1939 in Heilbronn, gilt als der führende auf Griechenland spezialisierte deutsche Historiker. Im Anschluss an Geschichte-, Politikwissenschafts- und Anglistikstudien an der Uni Heidelberg lebte er jahrelang in Griechenland. Von 1991 bis 2003 wirkte der Autor zahlreicher Fachpublikationen – unter anderem publizierte zuletzt die angesehene Frankfurter Allgemeine Zeitung eine brillante Griechenland-Analyse Richters – als Professor für griechische und zypriotische Zeitgeschichte an der Uni Mannheim. Im Vorjahr verlieh ihm die Universität Kreta die Ehrendoktorwürde. 2015 erhob allerdings der kretische Staatsanwalt Paterakis auf Grundlage des Gesetzes 927/1979 (Leugnung des Holocaust) Anklage gegen Richter. Dem hoch dekorierten SPD-Mitglied (Richter wurde u. a. mit dem „Kreuz in Gold“ des Phönix-Ordens ausgezeichnet) drohen bis zu drei Jahre Haft.

Bearbeitungsstand: Mittwoch, 29. Juli 2015
 
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