Zitaten-Truhe


Die in dieser Ausgabe für Sie ausgewählten Zitate stammen von Klaus Mahnert (1913–2005). Er war Abgeordneter zum Nationalrat (1959–1966) und prägender Obmann der FPÖ in Tirol von 1959 bis 1973. Im Jahr 1963 war Mahnert Mitglied der österreichischen Delegation unter der Führung von Außenminister Dr. Kreisky bei der UNO in Sachen Südtirols. Mahnert verfasste seine Erinnerungen und Erfahrungen in zwei Bänden, die nur als Privatdrucke verfügbar sind. 

 

„Sollte Innsbruck verteidigt werden? Auch um diese Fragen haben sich Legenden gebildet. Hofer hatte in Rundfunkansprachen der letzten Tage nebulos vom ,Festkrallen in den Bergen’ gesprochen, die Verteidigung Innsbrucks jedoch nicht erwähnt. Offensichtlich hielt er an seinem Konzept des Hinhaltens durch Propaganda von der ,Alpenfestung’ bis zum Schluss fest. Es steht jedoch außer Zweifel, dass er nie daran gedacht hatte, Innsbruck verteidigen zu lassen und dadurch der Zerstörung preiszugeben. Die Legende der ,Rettung’ Innsbrucks durch die Widerstandsbewegung entbehrt daher jeder Grundlage. Erstens, weil eben nie die Absicht zur Verteidigung bestand, und zweitens, weil die Widerstandsbewegung keinerlei Aktionen setzte, die die Handlungsfähigkeit der Führung beeinträchtigten oder Einfluss auf die Entwicklung nahmen. 

Auch General Feurstein, in diesen Tagen ,Kommandant der Alpenfront’ / Tirol-Vorarlberg / schreibt zur Behauptung der Widerstandsbewegung im ,Kampf um Tirol’ in seinem Buch ,Irrwege der Pflicht’, diese Ansicht / die Widerstandsbewegung habe Innsbruck gerettet /, entbehre jeder Kenntnis der vorher ergangenen Anordnungen militärischer Befehlshaber. 

Es ist noch verständlich, dass diese Kreise, die sich Widerstandsbewegung nannten, nachträglich ihre Rolle aufpolieren wollten – ich bin auch der Letzte, der wirklichem Einsatz den Respekt versagt –, aber es geht schließlich doch darum, mit der Zeit ein historisch richtiges Bild zu finden. 

Betrüblich ist nur, dass auch seriöse Historiker wie Otto Stolz in seiner ,Geschichte der Stadt Innsbruck’ ungeprüft diese Legende nachbeten und ihr damit das Gewicht einer historischen Darstellung geben. Woraus nur die Lehre zu ziehen ist, dass auch gelernten Historikern gegenüber, zumindest was diesen Geschichtsabschnitt betrifft, eine gewisse Skepsis am Platz ist.“

  • Aus Bd. 1, „Mildernde Umstände“, S. 128/129.

 
„Eine Diktatur, ein ,Führerstaat’, beraubt sich durch Ausschaltung oder gar Vernichtung oppositioneller Kräfte der notwendigen Korrektur-Möglichkeiten und bereitet dadurch den eigenen Untergang vor. Wer nie in den Spiegel schaut, wird blind gegen seine Fehler. Eine wirkungsvolle Opposition ist daher eine Lebensnotwendigkeit für jede Gemeinschaft. Nur die Demokratie wird das garantieren.“

  • Aus Bd. 2, „Brückenbauer“, S. 31.

 
„Eine autoritäre Führung kann kurzfristig zu Höchstleistungen führen, schaltet aber gleichzeitig auch unentbehrliche Kräfte aus. Auf Dauer wird nur die Schaffung von Freiheit die Entfaltung der Menschen zu gemeinschaftlicher und individueller Leistung ermöglichen.“

  • Aus Bd. 2, „Brückenbauer“, S. 32.

 
„An Stelle des ,Anti’-Denkens und Handelns gegenüber Völkern, Gruppen und Gesinnungsgemeinschaften muß die Wertung des einzelnen Menschen treten. 

Jedes Kollektiv-Urteil schafft Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit.“

  • Aus Bd. 2, „Brückenbauer“, S. 32.

 
„Während ich diese Erinnerungen schrieb, sind in der Weltpolitik Ereignisse eingetreten, die zu tiefgreifenden Umwälzungen geführt haben … So kommt mir alles, was ich erlebt habe und tun konnte, recht unbedeutend und nebensächlich vor. Aber Geschichte besteht eben doch aus unzähligen Einzelschicksalen. Und die Tatsache, daß Menschen auf dem Mond gelandet sind, hat den Gärtner nicht überflüssig gemacht. Jeder hat einen Platz auszufüllen.“ 

  • Aus Bd. 2, „Brückenbauer“, S. 141. 

Bearbeitungsstand: Montag, 1. Februar 2016
 
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