Ein Quantensprung der Erkenntnis


Energie – die universale Potenz

Von Karl Sumereder

Hält man sich die aus heutiger Sicht zum Teil recht phantasievollen Sprünge vor Augen, die in der Geschichte der Menschheit, in der Philosophie, den Naturwissenschaften, der Biologie oder den Religionen im Bestreben nach neuen Erkenntnissen bisher getätigt wurden, wird es einsichtig, dass die nun darzulegende Auffassung über das dem Phänomen Energievielfalt und deren Eigenschaften Zugedachte vielleicht auch nicht der allein selig machende Schluss ist. 

Das Urphänomen Energie 

Naturgesetze bewirken nicht das sich uns als das Universum manifestierende ganzheitliche Geschehen. Diese Regeln allein setzen nichts in Gang. Es braucht dazu eine auslösende, bewirkende Ursache, die Energie, hier angesehen als die universale Potenz schlechthin. 

Unseren Sinnen bietet sich eine immense, geradezu verwirrende Vielfalt der Welt. Könnten wir die vielen Dinge und Ereignisse nicht differenzieren, würde dies die Verarbeitungskapazität unseres Gehirns sprengen. Unserem Intellekt stehen aus dem unendlichen Energiefluss des Universums nur jene Prozesse und Strukturen zur Verfügung, die unseren Sinnesorganen adäquat sind und deren Ordnungsmuster uns entsprechen. Der Verstand macht sich ein Bild im Einklang mit der eigenen Ordnung und hält dieses für die ganze Wirklichkeit. Unser Bewusstsein abstrahiert aus der pulsierenden Vielfalt der Welt Strukturen, Muster, Formen und Gesetze, die eigene Aktivitäten widerspiegeln. Was wir von der Welt wahrnehmen, ist ein mehrfach gefilterter Extrakt. 

Gemäß der Urknalltheorie, einer wie die Physiker sie bezeichnen „Quantenfluktuation im kosmischen Vakuum“, hat sich aus ursprünglichem eigenschaftslosem Energieplasma alles weiterentwickelt, die Protonen- und Neutronenbildung (= Bausteine von Atomkernen), die Bildung von Atomen, positiv und negativ geladene Materie, bis hin zu den molekularen und astronomischen Strukturen. 

Alles Geschehen beruht, wie die Physik erklärt, auf energietragenden Feldern, der Gravitationskraft, der Kernkräfte und den so genannten schwachen Wechselwirkungskräften. 

Jede Raumregion des Kosmos und unsere unmittelbare Umwelt ist von Energie, ist von elektromagnetischer Strahlung erfüllt. Als sichtbares Licht in seinen verschiedenen Farben, Röntgenstrahlen, Gammastrahlen, Infrarotwärme, Ultraviolettlicht, Radiowellen und so weiter, sowie die niederfrequente Hintergrundstrahlung. 

Für die Entdeckung des „photoelektrischen Effekts“ erhielt Albert Einstein (1879–1955) den Nobelpreis für Physik. Der „photovoltaische Effekt“ ermöglicht die Umwandlung von Lichtenergie in elektrische Energie. Großflächige Photodioden (Solarzellen) dienen uns heute zur Wandlung der Sonnenstrahlungsenergie in elektrische Energie. Beim atomaren oder molekularen Photoeffekt werden die Atome oder Moleküle zum Beispiel eines Gases durch kurzwellige Strahlung (Ultraviolett-, Röntgen- oder Gammastrahlung) einer oder mehrerer Elektronen beraubt. 

Energie und das Lebendige 

Energetische Prozesse zeigen sich auch als die Basis aller Vitalvorgänge. 

Archaeen, Bakterien und Eukaryoten bilden die drei Domänen, in die alle zellulären Lebewesen eingeteilt werden. Archaeen und Bakterien sind Prokaryoten, was bedeutet, ihre DNA ist nicht in einem vom Cytoplasma durch eine Doppelmembran abgegrenzten Zellkern enthalten. Die Vermehrung dieser Lebewesen erfolgt asexuell durch Zellteilung. Die Energie wird aus chemischen Umsetzungen organischer beziehungsweise anorganischer Verbindungen gewonnen. Die Lebensweise und der Stoffwechsel, die Gesamtheit der chemischen Prozesse, sind jeweils sehr unterschiedlich ausgeprägt. Viele Archaeen, gewissermaßen Ur-Lebensformen, sind an extreme Milieubedingungen angepasst. Es gibt solche, die bevorzugt bei Temperaturen von über 80 Grad Celsius gedeihen. Andere leben in hoch konzentrierten Salzlösungen, in stark saurem Milieu oder unter hohen Drücken.

Archaeen können sich in Relation zu ihrer winzigen Größe sehr schnell fortbewegen. Legt man als Maßstab Körperlänge pro Sekunde zugrunde, dann können sie sich mit Geschwindigkeiten von 400 bis 500 bps bewegen. Zum Vergleich: Ein Sportwagen mit 400 bps käme auf eine Geschwindigkeit von 6.000 km/h. 

Auch die Lebensweise und der Stoffwechsel der Bakterien sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt solche, die Sauerstoff benötigen, und solche, für die Sauerstoff Gift ist. Einige Bakterien sind zur Photosynthese fähig. 

Die Photosynthese

Die natürliche Erzeugung von energiereichen Biomolekülen mit Hilfe der Lichtenergie wird als Photosynthese bezeichnet. Im Rahmen eines biochemischen Vorganges wird durch lichtabsorbierende Farbstoffe, dem Chlorophyll, Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt. Diese dient zum Aufbau energiereicher organischer Verbindungen, meist Kohlehydrate, aus energiearmen anorganischen Stoffen, wie Kohlenstoffdioxyd und Wasserstoff. Die energiereichen organischen Stoffe werden zu Bestandteilen von Lebewesen, wobei deren Synthese als Assimilation bezeichnet wird. Es gibt die oxygene und die anoxygene Photosynthese. Bei der oxygenen wird molekularer Sauerstoff erzeugt, bei der anoxygenen hingegen nicht. Bei Letzterer können statt Sauerstoff andere anorganische Stoffe entstehen, wie elementarer Schwefel. 

Die oxygene Photosynthese ist einer der bedeutendsten biochemischen Prozesse auf der Erde und einer der ältesten. Dadurch werden bei der Bildung organischer Stoffe mittels Sonnenenergie, direkt und indirekt, nahezu viele der bestehenden Ökosysteme angetrieben. Algen, Pflanzen, einige Bakterien und Archaea verwenden die Energie des Lichts, um Kohlenstoffdioxyd (bei Landpflanzen aus der Luft stammend), Wasser und andere Ausgangsstoffe in körpereigenes Material umzuwandeln. Dieses dient entweder sofort dem weiteren Aufbau und Wachstum des Organismus oder als Speicherstoff, zum Beispiel Kohlehydrate. 

Die Photosynthese erfolgt in drei Schritten: 

  • Zuerst wird die elektromagnetische Energie in Form von Licht geeigneter Wellenlänge unter Einbindung von Farbstoffen (Chlorophylle, Phycobiline, Carotinoide) absorbiert. 
  • Direkt anschließend erfolgt im zweiten Schritt eine Umwandlung der elektromagnetischen Energie in chemische Energie durch Übertragung von Elektronen, die durch die Lichtenergie in einen energiereichen Zustand versetzt wurden (Redoxreaktion). 
  • Im letzten Schritt wird die chemische Energie zur Synthese energiereicher organischer Verbindungen verwendet, die den Lebewesen sowohl im Baustoffwechsel für das Wachstum, als auch im Energiestoffwechsel für die Gewinnung von Energie dienen. 

Die ersten beiden Schritte werden als Lichtreaktion bezeichnet und laufen bei Pflanzen im Photosystem ab. (Photosystem ist eine Ansammlung von Proteinen und Pigment-Molekülen, Chlorophylle und Carotinoide, in der Thylakoid-Membran von Cyanobakterien und Chloroplasten, die bei der Lichtreaktion der oxygenen Photosynthese Lichtenergie in chemische Energie umwandeln. Sie kommen bei photorophen Cyanobakterien und eukaryotischen Lebewesen wie Pflanzen und Protisten vor). 

Der letzte Schritt ist eine weitgehend lichtunabhängige Reaktion. Die Synthese der energiereichen organischen Stoffe geht überwiegend von der Kohlenstoffverbindung Kohlenstoffdioxyd (CO2) aus. Für die Verwendung von CO2 muss dieses reduziert werden. Als Reduktionsmittel dienen die Elektronen oxydierbarer Stoffe, wie Wasser (H2O), elementarer molekularer Wasserstoff (H2), Schwefelwasserstoff (H2S), zweiwertige Eisenionen oder einfache organische Stoffe wie Säuren und Alkohol, zum Beispiel Acetat oder Ethanol. Darüber hinaus können Elektronen auch aus der Oxydation einfacher Kohlehydrate gewonnen werden. Ein Reduktionsmittel (auch als Reduktans oder Reduktor bezeichnet) ist im weitesten Sinne ein Stoff, der Elektronen abgibt und andere Stoffe so reduzieren kann. Welches Reduktans verwendet wird, hängt vom Organismus ab, von seinen Enzymen, die ihm zur Nutzung der Reduktantien zur Verfügung stehen. 

Mittlerweile gibt es Bestrebungen, die natürliche Photosynthese technisch durch künstliche Photosynthese nachzuahmen. Im Labormaßstab soll das bereits gelungen sein. 

Denkprozesse – Gedankenfluss 

Was beim Denken in unseren Köpfen vor sich geht, ist uns nicht unmittelbar zugänglich. Wir wissen nicht, warum wir denken, was wir denken, warum wir gerade in einer bestimmten Art und Weise denken und nicht etwa auf eine andere. Die Denkprozesse, welche die bewussten Endprodukte des Denkens hervorbringen, sind uns nicht bewusst. 

Nur jemand mit einem gesunden, vollständig funktionierenden Gehirnapparat – im Unterschied etwa zu einem kindlichen Gehirn oder in der Altersdemenz – kann vertieft denken. 

Der Mathematiker und Psychologe Stanislas Dehaene (*1965) schreibt in: „Denken – wie das Gehirn Bewusstsein schafft“, Albrecht Knaus Verlag, München, 2014 auf Seite 380 unter anderem, dass die Fülle der Informationsverarbeitung, die ein in der Evolution entstandenes Netzwerk aus 16 Milliarden kortikaler Neuronen vollbringen kann, unser aktuelles Vorstellungsvermögen übersteigt. Unsere neuronalen Zustände fluktuieren unablässig auf teilweise autonome Art und Weise und erzeugen so eine innere Welt persönlicher Gedanken. 

Neuronenfeuer

Die Großhirnrinde (Cortex) ist die äußere an Nervenzellen (Neuronen) reiche Schicht des Großhirns. Das menschliche Gehirn ist keine Neuentwicklung. Es hat sich, wie alle anderen Organe, im Verlauf der Evolution aus einfachen Formen entwickelt. Die energetisch erregten Nervenzellen feuern beim Denkprozess in einem bestimmten Muster und sind im limbischen System vor allem an der Gedächtnisbildung beteiligt.

Grob gesehen, werden zwei Denkarten unterschieden: Das logisch-analytische Denken = diskursives Denken (schrittweise voranschreitendes Denken). Das sind Denkprozesse, die im Oberbewusstsein unter hoher Bewusstseinskontrolle stattfinden. Das intuitiv-ganzheitliche Denken umfasst Denkprozesse, die im Unterbewusstsein stattfinden, also ohne Bewusstseinskontrolle. Das Denken ist also ein sehr komplexer und komplizierter, auch fehleranfälliger Vorgang. 

Was ist das eigentlich – Denken?

Dies ist der Titel eines Buches des Philosophen Martin Heidegger (1889–1976), einem der Hauptbegründer der Phänomenologie. Beim Denken und Philosophieren vollziehe sich eine Bewegung, wobei ein Weg zurückgelegt wird. Das zu Denkende entzieht sich uns und zieht uns mit. Heideggers wichtigstes Ziel war die denkerische Grundlegung für ein neues Weltverständnis. 

Wir haben wenig Ahnung darüber, wie unser Gehirn die Unmenge von energetischen, elektrischen und chemischen Signalen, die aus unserer Umwelt ständig einfließenden Informationen in das umwandelt, was wir unter Denkmustern oder Bewusstsein verstehen. Wir besitzen Mustererkennungsprogramme, die es ermöglichen, die Vielfalt von einfließenden Reizen zu ordnen, für den eigenen Lebensvorgang als unwichtig zu ignorieren oder als berechenbar und für die eigene Wirklichkeit verwendbar einzustufen.

Leben und Tod 

Es sind Energien, die einen lebenden von einem toten Körper unterscheiden. Lebende Systeme entwickeln und erhalten sich durch Energieaustausch.

Mikroben, Algen, Moose, Pilze, Pflanzen und wir Menschen benötigen und produzieren Energie, um jenen rätselhaften Zustand für eine gewisse Zeit aufrechtzuerhalten, den wir als ein lebendiges Dasein umschreiben. Helmut Kern: „Genius-Lesestücke“ – Philosophie, Folge 3/2004, beschreibt das Leben als eine ruhelose Tätigkeit. Ohne Pause geschieht etwas. Nämlich ein Handeln, Schaffen und Werken, unbewusst auch, wie das Atmen und Verdauen. Darin liegt der Unterschied zum Unbelebten. Was nicht tätig ist, ist nicht lebendig.

Nach neurowissenschaftlichen Erkenntnissen ist Leben eine chemische Kettenreaktion, ein gigantischer Dominoeffekt. Das Leben ist ein unentrinnbares Schicksal. Davon war schon Immanuel Kant (1724–1804) überzeugt. Doch darüber nachgedacht wurde schon vor Jahrtausenden. 

„Doch von allem, das war und ist, stirbt nichts.
Wohl zerstieben die Elemente, doch bildet sich
daraus die verwandelte Form in tausendfach
neuer Gestalt.“
— Euripides (480 oder 485/484–406 v. u. Z.)

Der Philosophiepublizist Wilhelm Schmid schildert im Buch: „Gelassenheit, was wir gewinnen, wenn wir älter werden“, Insel-Verlag 2014, das Erleben, wenn menschliches Leben zu Ende geht. Wenn das Mysterium geschieht, dass ein Mensch gerade noch gesprochen, gehandelt und sich bewegt hat und ab einer Millisekunde nicht mehr. Gelassenheit bedeute, sich in einer Unendlichkeit bewahrt zu wissen, wobei es nicht wichtig ist, welchen Namen diese trägt. 

Der auch aus den „Genius-Lesestücken“ bekannte Autor, Philosoph und Germanist, Hans Joachim Schönknecht (Pacengo/Gardasee/Köln), hat 2010 in einer Korrespondenz zum Ausdruck gebracht, dass Werden und Vergehen Prozesse einer Transformation sind; eine solche wie auch Geburt und Tod.

Auch von den ethisch orientierten altgriechischen Philosophen, wie den Epikureern und den Stoikern wurde die Folgerung gezogen, diese Vorgänge gelassen hinzunehmen. 

Seit jeher waren die Fragen über das Lebendige und das Seiende, abgesehen vom religiösen Glauben, ein Zufluchtsort zur Metaphysik, wobei der Lebensbegriff mit Vorstellungen von einer „Lebenskraft“ verbunden wurde. Dies wurde mit „Entelechie“ durch Aristoteles oder „Elan vital“ bei Henri Bergson (1859–1941) zum Ausdruck gebracht. Auch in der chinesischen Medizin spielt der „Energiestrom“ als Lebenskraft eine maßgebliche Rolle. 

Im Gegensatz zu den vitalistischen Konzeptionen stehen die ebenso alten reduktionistischen Traditionen, wonach Leben kein metaphysisches Geheimnis, sondern ein energetisch-materielles Sein ist. 

Was ist Energie nun aber eigentlich?

Der Begriff Energie wurde 1852 vom schottischen Physiker William Rankine in die Physik eingeführt. Bis dahin hat man über verschiedene Arten von Kräften gesprochen, im Sinne von „energeia“ (wirkende Kraft) aus der griechischen Philosophie. Energie ist gemäß dem Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker (1912–2007) materielle Bewegung. Unter den Energieformen ist Wärme die ursprünglichste und bewirkt ungeordnete Bewegung der Moleküle. 

Gemäß der Urknalltheorie tauchten in Sekundenbruchteilen Elementarpartikel, physikalische Gesetze, Raum und Zeit auf. Der Augenblick, in dem sich die Energieformen manifestierten und differenzierten, wird auch als Urschöpfung bezeichnet, wobei die eigentlichen Ursprünge des Seins, wie etwa des Seins von kosmischer Energie, nicht weiter erhellbar sind. 

Energie ist in verschiedenen Formen gegeben und kann in physikalischen Systemen auf unterschiedliche Weise auftreten. Als potenzielle Energie wie in einer gespannten Feder oder als kinetische Energie; als Bewegungsenergie, die erforderlich ist, um einen Gegenstand aus einem Ruhezustand heraus mit bestimmter Masse über eine bestimmte Strecke zu bewegen. Die Geschwindigkeit ist der Gradmesser der Energie. Es gibt Energie in den Formen von Ruheenergie, elektrische Energie, chemische Energie, magnetische und thermische Energie. 

Für physikalische Energien, wie Wärmeenergie, elektrische Energie, Bewegungsenergie, gilt der von Hermann von Helmholtz 1847 formulierte Energieerhaltungssatz, der seither nie widerlegt worden ist. Energien werden demnach in andere Formen umgewandelt, jedoch nicht vernichtet. Energieinhalte verändern sich permanent. Sie können aber nur in andere Energieformen verwandelt werden. 

Unser Planet empfängt Energie von der Sonne und gibt sie in Form von Wärme ab. Die Bilanz von zufließender und abfließender Energie ist dabei immer ausgeglichen. Das Sonnenlicht verkörpert höherwertige Energie, die Wärmestrahlung der Erde niederwertige Energie.

Energieumwandlung 

Die Aussage, Energie lässt sich nicht verbrauchen, mag verblüffen. Wenn von Energieverbrauch die Rede ist, handelt es sich jedoch darum, dass Energie aus wertvollerer Form – wie die chemische Energie des Erdöls – in weniger wertvolle, wie etwa in heiße Luft oder heißes Wasser, umgewandelt wird. Gemäß dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik gibt es aber Grenzen. Thermische Energie ist nämlich nur eingeschränkt umwandelbar beziehungsweise zwischen physikalischen Systemen übertragbar. Bestimmte Energieformen wiederum können Umwandlungen eingehen, wobei aber die Summe der Energiemenge vor und nach der Umwandlung stets die gleiche ist. Gemäß der „Schrödinger-Gleichung“ (Erwin Schrödinger, 1887–1961) bestimmt Energie die zeitliche Entwicklung physikalischer Systeme. In der Relativitätstheorie Albert Einsteins (1879–1955) wird postuliert, dass Ruheenergie und Masse durch das Quadrat der Lichtgeschwindigkeit verknüpft sind. Alle Masse besitzt einen Impuls und trägt Energie. 

Energie lässt sich nicht kontinuierlich austauschen, sondern nur in Sprüngen – in Quanten. Die wichtigste Botschaft der Quantentheorie lautet: Im Universum und auch auf der Erde hängt alles mit allem zusammen! 

Materie, Energie und Geist

Bei allen Erläuterungsversuchen über das Woher, Wohin und Warum allen Geschehens tauchen die Überlegungen auf, ob beim ganzen Evolutionsgeschehen, physikalisch und biologisch, immer eine Idee, ein geistiges Prinzip beigegeben ist? Geist allerdings nicht identisch mit unserem oder anderem zentralnervösem Geist. 

Die Philosophiegröße Platon (427–347 v. u. Z) hat zwischen „Eidolon“, die für die Anschauung verborgene Idee, „Eidos“, die für die Anschauung erkannte Idee, das Wesen eines Dinges, und „Idea“, die rein abstrakte Idee unterschieden. Die Idee existiere ganz einfach, muss weder wahrgenommen noch verstanden werden, noch bedarf es einer Bedeutung, um zu existieren. 

René Descartes (1596–1650) vertrat die These, dass wir im Kern rein geistige Wesen seien, die nur zufällig während ihres irdischen Daseins in einem Körper stecken. Solcher Dualismus von Leib und Seele ist heute ein naturwissenschaftlich nicht mehr haltbarer Schluss. 

Ohne Energie und ohne zelluläre Hirnmasse sind unsere geistigen Prozesse nicht möglich. Da es komplexe Strukturen, wie zentralnervösen Geist, Bewusstsein, Denken und Fühlen nun einmal gibt, könnte man dies zum Postulat einer übergeordneten, höheren Intelligenz erheben. 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde entdeckt, dass Strahlung und Materie nicht distinkt, sondern sich ineinander umwandeln können. Strahlungs- und Materiequanten sind dasselbe. Dazu hat Albert Einstein den Weg gewiesen. Bei der Wechselwirkung von Energie (Licht) und materiellen Strukturen (= gewissermaßen „erstarrte“ Energie), handelt es sich um einen Forschungsbereich – die Quantenphysik –, wo wir Alltagsmenschen die Hoffnung, sie zu verstehen, aufgeben müssen.

Kosmische Energie, hochenergetische Strahlungen, werden von Sonnen, Milchstraßen, Galaxien, von verdrillten Magnetfeldern, die sich über riesige leere Raumregionen erstrecken, emittiert. Eine Freisetzung riesiger Strahlungsmengen erfolgt in den Wellenlängen des elektromagnetischen Spektrums, in Radiowellen, Wellen des infraroten Lichts, den kürzeren Wellen des ultravioletten Lichts, der Röntgen- und der Gammastrahlung.

Die Erde und mit ihr wir selbst sind nicht nur elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt, sondern auch einem unaufhörlichen Bombardement von Teilchen. Von den rätselhaften Neutrinos, die fast spurlos zu Myriaden die Erde und alle Lebensformen durchdringen, bis zu extrem energiereichen Atomkernen. Der Ursprung der kosmischen Strahlungsenergien ist physikalisch nur theoretisch – mit Hilfe der Mathematik – erklärbar und ist letzten Endes rätselhaft. 

Die Frage, was Energie ist, hat der ehemalige parlamentarische Energiesprecher seiner Partei, Gerulf Stix, unter anderem versucht, in Form von Gedankenreimen zu beantworten:

„Was ist Energie?“
Wir wissen es nie.
Wir können sie nicht produzieren, 
nur technisch transformieren,
von einer Form in die andere bringen,
um Nutzen für uns ihr abzuringen.
Erscheint sie entfesselt geballt,
erzittern wir vor ihrer Gewalt.
Dem Rätsel hat Einstein nachgespürt,
was auch nicht recht zum Verständnis führt.
Erklärend bleibt nur die Formel parat:
E = m mal c zum Quadrat.

Emergenz

Was ist die Ursache oder bietet eine Erklärung von bestimmten wissenschaftlich völlig unerklärlichen Geschehnissen, Vorgängen und Ereignissen?

Zur Beschreibung und Erklärung auf einer höheren Ebene, die auf einer niedrigeren Ebene noch nicht zu beantworten ist, wird in der Philosophie der Begriff Emergenz (lateinisch: emergere = emportauchen) verwendet. Eine Bezeichnung aus der neueren englischen Philosophie für ein angenommenes, gewissermaßen schöpferisches Entwicklungsprinzip, das in aufsteigender Rangordnung aus den niedrigeren Seinsstufen die höheren entstehen lässt. 

Leben ist eine emergente Eigenschaft einer Zelle, nicht aber ihrer Moleküle. Bewusstsein ist eine emergente Eigenschaft von Organismen mit hoch entwickelten Zentralnervensystemen. Freiheit ist eine emergente Eigenschaft des menschlichen Organismus. Die einfachen Lebensformen bilden die Grundlage für die komplexeren, mit jedem Zusammenschluss zu einem neuen System entstehen auch qualitativ neue Eigenschaften, die es bei den vorangehenden Stufen noch nicht gab. Neue Stufen entstehen naturwissenschaftlich gesehen durch Selbstorganisationsprozesse; Strukturbildungen, die wegen sich spontan einstellendem Zusammenwirken zunächst ungerichteter Einzelelemente schlagartig auftauchen.

Ein Fazit 

Professor Hans Joachim Schönknecht schreibt in einer einschlägigen Privatkorrespondenz, dass zwischen unserer eingelebten Erfahrung der Welt, uns selbst eingeschlossen, als einem ontologisch geordneten und relativ stabilen Gebilde einerseits und dem von der Physik entworfenen Bild vom Kosmos, Leben und Gehirnaktivität als einem höchst komplexen energiegetriebenen, physikalisch-chemischen Prozessgeschehen ein Abgrund klaffe. Beides lässt sich nicht zur Deckung bringen. Das Erstere lässt sich aus Letzterem nicht ableiten.

Dazu stellt sich die Frage, ob diese Kluft mit dem Postulat einer „kosmischen Intelligenz“ metaphysisch überbrückbar ist? 

Aus naturwissenschaftlicher Sicht scheint Energie Schöpferin und Schöpfung in einem zu sein, wobei die Schöpfung sich selbst organisiert. Energie, ob als uns wahrnehmbare, erfahrbare, gestaltbare oder ob als dunkle Energie, sei die kosmische Kraft schlechthin, wobei es auf den Namen nicht ankommt. Energie sei wie ein unabsehbarer Ozean, der alles Nichtlebendige und Lebendige umspült, bewahrt, trägt und verändert. Energie ist ein Wesentliches, Eigentliches aller Formen, Strukturen und Systeme, ob lebendig oder nicht, ob beseelt oder nicht. Sie ist etwas Seiendes, das letztlich über das uns Vorstellbare hinausreicht. 

Unser heutiges Wissen ist ein wertvolles Gut. Es bleibt aber letztlich die Einsicht, dass es sich um ein rudimentäres, ein unvollständiges Wissen handelt. Unser Denken ist nicht zum Erlangen letzter Erkenntnisse geeignet, eignet sich aber zum Stellen so genannter letzter Fragen, wobei wieder offen bleibt, ob wir überhaupt die richtigen Fragen stellen können. 

Ein vorzüglicher neuronaler Mechanismus tickt aber gerade in diesem Augenblick in Ihrem Gehirn, wenn Sie dieses Essay schließen, um Ihre eigene Existenz zu überdenken. Dabei wirken Gruppierungen energetisch erregter Neuronen, die Ihren Geist hervorbringen!

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 29. September 2016

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