Die Ära des H.-C. Strache


Dieter Grillmayer, „Die Dritte Kraft mit neuem Schwung – Österreichs Innenpolitik 2006–2016 im internationalen Kontext“, Edition-Genius, Wien 2017, ISBN 978-3-9504378-0-5, Personenregister, 24 Kopfbilder, 262 Seiten.

 

Eine Buchbesprechung von Gerulf Stix

Den Leserinnen und Lesern der Genius-Lesestücke ist Mag. Dieter Grillmayer als unverblümt, doch stets sachlich formulierender Kritiker der österreichischen Bildungs- und insbesondere Schulpolitik bekannt. Bekannt wurde er auch durch sein 2006 in der Edition-Genius erschienenes Buch „National und Liberal – Die Geschichte der Dritten Kraft in Österreich“. Dieser erste Teil der Geschichte der freiheitlichen Bewegungen in Österreich endet mit dem Jahr 2005; also mit dem Jahr der Gründung des BZÖ durch Jörg Haider und der somit eingetretenen Spaltung.

Nun legt Grillmayer die Fortsetzung dieser Geschichte vor. Sein jüngst erschienenes Buch umspannt den Zeitraum von 2006 bis einschließlich der Wahl des Bundespräsidenten am 4. Dezember 2016. Als Fügung erscheint der Umstand, dass der erste Band mit einem Tiefpunkt in der wechselvollen Geschichte der Freiheitlichen in der Nachkriegszeit endet, während der zweite Band den „neuen Schwung“ beschreibt, der einen freiheitlichen Kandidaten beinahe zum Bundespräsidenten der Zweiten Republik gemacht hat. Eine Zäsur, die die Umkehr von einem Tiefpunkt zu einem neuen Höhepunkt markiert. Diese Ära von gut einem Jahrzehnt deckt sich mit der Obmannschaft der FPÖ durch Heinz-Christian Strache, der am 23. April 2005 in Salzburg mit 90,1 % Zustimmung gewählt wurde. Damals in schier hoffnungsloser Situation, gelang es Strache, die FPÖ zur heute stimmenstärksten Partei in Österreich zu machen. Angesichts dieser Entwicklung ist der Haupttitel des vorliegenden Buches von Grillmayer nur allzu berechtigt. Das gilt freilich auch für den Untertitel.

Eine genaue Chronologie

Grillmayer bettet nämlich die penibel genau mit Daten, Ereignissen und Namen erzählte Geschichte des freiheitlichen Lagers in die gesamte innenpolitische Entwicklung in Österreich ein. So werden etwa bei den behandelten Wahlen stets auch die Ergebnisse der anderen Parteien angeführt. Wie überhaupt das gesamte österreichische Parteienwesen immer wieder geschildert und kommentiert wird. Durch diese Methode wird die spezielle Geschichte der FPÖ naturgemäß besonders plastisch. Die insgesamt 24 Kopfbilder der wichtigsten Männer und Frauen in der FPÖ runden diesen Eindruck ab. 

Trotz dieser innenpolitischen Ausrichtung des Buches verabsäumt es der Autor nicht, jene wichtigen internationalen Großereignisse, die die Entwicklungen in und um Österreich mehr oder weniger stark beeinflusst haben bzw. bis heute beeinflussen, gebührend darzulegen. Grillmayer scheut dabei keineswegs vor eigenwilligen, doch stets belegbaren Beurteilungen zurück. Das Buch wird dadurch zu einem lebendigen Zeitgemälde. Die Finanzprobleme um Griechenland werden ebenso betrachtet wie die Konflikte in Afrika, im Nahen Osten und in der Ost-Ukraine, um markante Beispiele zu nennen. Selbstverständlich spielt in diesem Zusammenhang die neue Völkerwanderung, das so genannte „Flüchtlingsproblem“ eine Hauptrolle.

Die Massenzuwanderung dominiert die Politik

Die Politik insbesondere der letzten Jahre lässt sich nicht von dem Großereignis der Masseneinwanderung nach Mitteleuropa trennen. Darauf kommt Grillmayer schon im 2. Teil, dem Hauptteil des Buches mit der „Chronologie“ der Parteienentwicklung immer wieder zu sprechen. Doch befasst sich der Autor im 3. Teil des Buches, der bestimmte „Themen und Thesen“ behandelt, im dortigen letzten Kapitel dezidiert mit den die Existenz der autochthonen Bevölkerung Österreichs bedrohenden demografischen Prognosen sowie mit der islamischen Zuwanderung. „Denn die Selbstaufgabe ist schon weit fortgeschritten“, schreibt Grillmayer über den Zustand, in dem sich Österreich mental wie real bereits befindet. Traurig, aber wahr. 

Übrigens werden in dem erwähnten 3. Teil des Buches auch so grundlegende Fragen wie „Demokratie, Populismus und politische Moral“ und der Dauerbrenner „Was ist ,links’, was ist ,rechts’?“ beleuchtet. Wie immer man auch selbst zu diesen Themen stehen mag, Grillmayers ebenso subjektiv kantigen wie objektiv vertretbaren Darstellungen vermitteln dem Leser erstens gediegenes Wissen und zweitens so manches Aha-Erlebnis. 

Ein Nachschlagewerk

Nicht von ungefähr wird hier der 1. Teil im Buch, nämlich „Geschichte und Programm“ zuletzt erwähnt. Dieser Teil skizziert in Umrissen „Die Ideengeschichte des national-liberalen Lagers“. Ohne das Verständnis vor allem der weit zurückliegenden Geschichte lässt sich der gegenwärtig stattfindende Aufschwung des so genannten Dritten Lagers nicht verstehen. Insofern ist diese im Buch vorgenommene Grundlegung von großer praktischer Wichtigkeit. Besonders junge Menschen sollten das beherzigen. 

Außerdem enthält dieser 1. Teil „Das FPÖ-Parteiprogramm von 2011“ in vollem Wortlaut. Durch diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart gewinnt Grillmayers Buch „Die Dritte Kraft mit neuem Schwung“ den Charakter eines knapp gefassten Nachschlagewerkes. Wer sich anhand nur eines einzigen Buches sowohl über die geistig-politischen Wurzeln wie über die Zeitgeschichte der FPÖ – bis herauf in unsere Gegenwart – informieren will, wird zu diesem Buch greifen. Wer tiefer in die Zeitgeschichte eintauchen möchte, ist gut beraten, wenn er zu beiden Büchern Dieter Grillmayers greift, zum 1. Band „National und Liberal“ und zum 2. Band „Die Dritte Kraft mit neuem Schwung“, die zusammenhängend über das bewegte Schicksal der freiheitlichen Kräfte in Österreich Aufschluss geben.

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 26. Jänner 2017
 
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