Mythos – Wissenschaft – Philosophie


Hans-Joachim Schönknecht: „Zur Genese der okzidentalen Rationalität in der griechischen Antike“, www.Tectum-Verlag.de, 2017, ISBN 978-3-8288-3867-3, drei Bände, 1.328 Seiten

 

Eine Buchbesprechung von Karl Sumereder  

In drei umfassenden Bänden erforscht der auch durch regelmäßige Beiträge zur Philosophie in den „Genius-Lesestücken“ bekannte Autor Hans-Joachim Schönknecht den Ursprung und die Entstehungsgeschichte wissenschaftlichen Denkens.

Die Wurzeln von Philosophie und Naturwissenschaften, die Grundpfeiler westlicher intellektueller Kultur, liegen im antiken Griechenland – bei Homer und Pythagoras, bei Heraklit und Platon. 

Im ersten Band setzt Schönknecht den historisch-geographischen Rahmen. Er beschreibt die Ethnogenese des Griechentums, vertieft die in die Epen Homers und Hesiods angelegten rationalen Impulse und präsentiert die ersten, noch sehr abstrakten Theoriekonzeptionen der milesischen Naturdenker. Exkurse, die innerhalb der drei Bände immer wieder auftauchen, widmen sich weiteren interessanten Einzelaspekten. Neben der Übernahme mathematischer Denkweisen bei der Konstruktion von Bauwerken, in die bildenden Künste oder bei der Stadtplanung wird auch die wichtigste kosmologische Erkenntnis der Antike behandelt: die Entdeckung der Kugelgestalt der Erde. 

Im zweiten Band präsentiert Schönknecht, geboren 1943 in Eberswalde, Berlin, nach Studien von Philosophie, Germanistik und Romanistik als Gymnasiallehrer tätig, in Köln und Pacengo am Gardasee wohnhaft, die Entfaltung des theoretischen Bewusstseins in den großen Natur- und Seinsentwürfen von Xenophanes über Pythagoras und Heraklit, bis hin zu den neuen naturforscherischen Ideen und Begrifflichkeiten. Reflektiert wird die Entstehung epochaler und für die spätere Naturwissenschaft fundamentaler Begriffe wie Raum, Materie, Prozess, Beharrliches („Sein“), Element und Atom. 

Im dritten Band demonstriert Hans-Joachim Schönknecht die Vollendung der antiken Wissenschaftsidee in den Konzeptionen Platons, vor allem aber durch Aristoteles, sowie die im Hellenismus einsetzende Schwächung der Denkform Wissenschaft. Einerseits durch das Aufkommen des Skeptizismus, andererseits durch das äußere Hemmnis einer neuen Religiosität. 

Der Band schließt mit Hinweisen auf das subkutane Überleben von Theorie in der virtuellen Form der christlichen Theologie und das durch Namen wie Kopernikus, Galilei, Kepler und Newton gekennzeichnete Wiederaufleben der Naturwissenschaften in der Neuzeit. 

Diese drei Bände sind eine wahre Fundgrube für alle nachdenklichen Menschen, die sich in das geistige Erbe des alten Griechentums vertiefen möchten.

Bearbeitungsstand: Freitag, 31. März 2017
 
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