Fußball und Politik im Spiegelbild


Eine völlig ernst gemeinte Satire

 

Von Spectator

Da fliegen ein paar Sprengladungen in die Luft – Terrorismus! Sprechen wir also von Politik? Nein, die Rede ist von Fußballspielern, genauer gesagt vom Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, der am 11. April 2017 zu einem Spiel der Champions League unterwegs war. Also doch Politik? Oder doch nur Sport? Die Unterscheidung fällt deswegen so schwer, weil beides einerseits durchaus Verschiedenes ist, wie jedermann zugeben wird, andererseits aber beides durch verblüffende Ähnlichkeiten ins Auge sticht, was zu beweisen sein wird. Bleiben wir also beim Thema und nehmen wir einmal exemplarisch „König Fußball“ aufs Korn. 

Dass Fußball neben der Politik – fast – die Medien beherrscht, bekunden natürlich besonders die Sportsendungen. Aber auch in den allgemeinen Nachrichten gibt es Meldungen über Fußballereignisse en masse. Da fällt zunächst einmal ein großer Unterschied auf. Während „die Politiker“ allgemein ein schlechtes Ansehen haben, genießen „die Fußballer“ meist ein hohes Ansehen. Wie gerecht ist das wirklich? Ein etwas genauerer Blick auf die Fußballwelt weckt da gewisse Zweifel. Damit kommen wir nun zu den vielen Ähnlichkeiten zwischen Fußball und Politik. 

Fußball und Korruption

Tor! Tor! Tor! Diesen millionenfachen Ruf kennt ein jeder. In der Politik geht es nicht ganz so lautstark, doch heftig kommentiert, um Prozentsätze, zum Beispiel bei den laufenden Umfragen. Wer hat die Nase vorn? Wer liegt auf welchem Rang? Natürlich handelt es sich bei Umfragewerten bloß um Momentaufnahmen. Die wirklichen Resultate liefern erst die Wahlergebnisse. Das ist beim Fußball nicht anders. Erst der Endstand ist wirklich maßgebend. Die Torschützen freilich werden gefeiert. Wenn so ein Torschütze dann auf den Knien über den Rasen rutschend in Richtung seiner ausflippenden Anhänger wild gestikuliert, so hofft er, nun zum Star gekürt zu werden. Manche von ihnen erhalten dann wirklich den Status von Stars – Starallüren inbegriffen. Auch hier fallen die Parallelen zur Politik ins Auge. Jörg Haider beispielsweise war ein Polit-Star. Gegenwärtig ergeht es Marine Le Pen nicht viel anders. Desgleichen den Herren Trump oder Putin oder Xi Jinping, um in eine höhere Liga (sic!) zu wechseln. 

Angesichts dieser Wirbel um Stars aller Art gerät die an sich bekannte Tatsache in den Hintergrund, dass es im Fußball wie in der Politik um Mannschaftsspiele geht. (Ja, mitunter auch um Frauenschaftsspiele). Langfristig erfolgreiche Mannschaftstrainer werden auch zu Kultfiguren. Denen verzeiht man dann manchmal sogar haushohe Manipulationen mit Einkommen, Steuern und ähnlich unappetitlichen Dingen. Wer dabei an Münchner Vorkommnisse denkt, ist selber schuld. Ähnliche Vorkommnisse in der Politik sind natürlich ebenso rein zufällig. Überhaupt ist es vermutlich fragwürdig, Parteien mit Fußballklubs vergleichen zu wollen. Bei Parteien hört man zwar gelegentlich einiges über Lobbyisten, Sponsoren oder nicht einwandfrei deklarierte Spenden. Aber in der reinen Welt des Fußballsports? 

Schlägt man die NZZ vom 8. April 2017 auf, so liest man dort: „Die Schweizer Mediengruppe (Anm: Highlight Communications) gedeiht dank dem Filmgeschäft und der Vermarktung der lukrativen Champions League… In die Auseinandersetzungen ist auch Bernhard Burgener involviert, der designierte Präsident des FC Basel.“ In Österreich, Deutschland oder England ist das natürlich ganz anders. Da ist es wohl purer Zufall, wenn ein superreicher Scheich gleich einen ganzen Nobel(fußball)klub kauft. Und von den Geldspielen in der und rund um die FIFA reden wir erst gar nicht. Bei diesem wohl oder übel trüben Blick auf die Welt des Fußballs kommt einem die „böse“ Politik fast schon wieder sauberer vor – ein bißchen zumindest. 

Das endlose Gerede über den „Kapitalismus“

Über Kapitalismus zu reden, geziemt sich anscheinend nur in der Wirtschaft und in der Politik. Die Fußballwelt scheint diesbezüglich quasi sakrosankt zu sein. Bei den Menschenmassen, die „ihren“ Fußballmannschaften bei den Spielen lautstark zujubeln sowie „ihre“ Fußballstars vergöttern und deren schweißdurchtränkte Leibchen fast wie Reliquien verehren, ist von antikapitalistischer Grundstimmung nichts zu bemerken. Die fanatischen Anhänger fühlen sich weder durch den „profitorientierten“ Kauf und Verkauf ganzer Klubs gestört, noch durch die millionenschweren Transfers bestimmter Stars, sprich: Legionäre. Im Bericht über Highlight Communications liest sich das beispielsweise so: „Der Bereich Sport- und Eventmarketing erzielte 2016 eine operative Gewinnmarge von 43 %… also einen Gewinnbeitrag von 25 Mio. Fr., was auch in absoluten Zahlen das Filmgeschäft bei weitem überflügelt.“ Im internationalen Vergleich gesehen, handelt es sich hier aber bloß um ein lächerlich kleines Geschäft mit dem Sport. 

Die „Kampfgesänge“ vieler Fußballfans vor und bei großen Spielen gelten keineswegs dem „Kampf gegen den Kapitalismus“, sondern sind einzig auf den Sieg „ihrer“ Mannschaft ausgerichtet. Alles andere ist egal. Leider gibt es auch Fanatiker, denen ein lautstarkes Demonstrieren allein einfach zu wenig hergibt. Sie bewaffnen sich und gehen zwecks Verdeutlichung ihrer hehren Sportgesinnung mit brachialer Gewalt auf andersgesinnte Fußballanhänger los. In den Medien wird immer wieder über derartige Randale berichtet. Oft muss massiver Polizeieinsatz – auf Kosten der Steuerzahler – kampfbereite Fußballanhänger voneinander trennen. Sind diese nun „Rechtsextremisten“ oder „Linksextremisten“? Ich denke, es handelt sich um gewaltbereite Extremisten – Farbe hin oder her. Ich denke weiters, dass es auch in der Politik im Prinzip nicht anders ist. Das, ach, so beliebte Links-Rechts-Schema verschleiert nur den Umstand, dass wir es bei den Schlägertrupps bei politischen Veranstaltungen auf der Straße oder in Sälen schlicht und einfach mit gewaltbereiten Extremisten zu tun haben – egal welcher politischen Farbe. Die Schlagworte „rechts“ oder „links“ dienen den Krawallmachern nur zur Verächtlichmachung der jeweils anderen und zur Bekundung der höchst „lauteren“ eigenen Anschauung, für die man unbedingt den anderen zusammenschlagen muss. Unlängst erst gab es solche Schlägereien bei einem Freundschaftsspiel zwischen zwei Tiroler Mannschaften in Wattens, dem Sitz der Weltfirma Swarovski. Der Fußball vielleicht doch ein Spiegelbild der Politik?

Wer Gleichheit will, muss Sportwettkämpfe abschaffen

Fußballspiele signalisieren aber noch etwas Wichtiges. Sie entlarven die allgemeine Forderung nach „Gleichheit“ für alle und überall als Märchen, eigentlich als mehr, nämlich als Heuchelei. Beim Fußball geht es keineswegs um Gleichheit, sondern nur darum, wer die bessere Mannschaft ist. In allen veröffentlichten Tabellen dreht es sich nur um Abstieg oder Aufstieg. Das wechselvolle Ranking wird mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt. Bei allen Meisterschaften geht es nur darum, welche Mannschaft sie letztendlich gewinnt. Ob Staatsmeisterschaften, Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften – immer lautet die von Millionen von Menschen gestellte Frage: Wer wird Sieger? Da ist keine Rede von Gleichheit. Bejubelt wird der Sieger, der sich ungleich über alle erhebt und herausragt. Und in der Politik ist das nicht anders, trotz allen Geredes über Gleichheit.

Übrigens gilt das nicht allein für „König Fußball“. Bei allen Sportwettkämpfen geht es um die berühmten „Stockerl-Plätze“. Wer wird Erster, Zweiter oder Dritter? Ein Millionenpublikum will das so. Mitleidig betrachtet wird der- oder diejenige, die nur „Blech“ machen, also auf dem vierten Platz landen. Nur beim Segeln bekommt auch der Letzte einen Trostpreis als bescheidene Anerkennung seines Bemühens. 

Wer also „in der Gesellschaft“ wirklich konsequent „die Gleichheit aller“ durchsetzen möchte, müsste auf jeden Fall sämtliche Sportwettkämpfe abschaffen. Allein darauf hinzuweisen sollte ausreichen, um die gesellschaftspolitisch immer wieder und politisch sogar lautstark erhobene Forderung nach allgemeiner Gleichheit als völlig absurd bloßzustellen. Aber – wie schon die alten Römer sagten – „gegen Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens“.

Wer Massenpsychologie studieren will, braucht nicht erst bei Le Bons „Psychologie der Massen“ (1895) nachzulesen. Er braucht nur bei einem großen Spiel in eine Fußballarena zu gehen. Dort wird ihm einiges über psychologische Mechanismen zu dämmern beginnen, die auch in unserer Demokratie wirken, insbesondere bei Auftritten charismatischer Persönlichkeiten. So ist es verständlich, wenn bei manchem Betrachter der Fußballsport wie ein Zerrspiegel der Politik wahrgenommen wird. Nun ja, Vergleiche hinken immer. Und Fußball ist doch etwas Herrliches! Was gibt es denn Schöneres als ein unerwartet zustande gekommenes Tor nach wüstem Hickhack. Irgendwo muss der Mensch doch „die Sau ’rauslassen …“.

Bearbeitungsstand: Samstag, 27. Mai 2017

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