Sind Sie unwissentlich ein Refugees-welcome-Unterstützer?


Welche NGO-Sponsoren Sie  mit Ihrem Konsumverhalten stärken

 

Von Bernd Stracke

Sie sind humanistisch eingestellt, wollen aber – vielleicht sogar aufgrund dieser Einstellung – die Flüchtlingsindustrie keinesfalls unterstützen und haben für die Refugees-welcome-Traumtänzer wenig übrig? Hier können Sie anhand eines Beispiels überprüfen, ob Sie nicht doch indirekt und freiwillig-unfreiwillig ein Rädchen in der gut geölten Asyl-Maschinerie sind.

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) „Train of Hope – Flüchtlingshilfe“[1], eine von Hunderten einschlägigen Vereinigungen, ist laut Eigendefinition ein „politisch unabhängiger Verein, der Flüchtlingen menschlich, unbürokratisch und weltoffen Hilfe und Unterstützung bietet“ und „durch eine aktive Willkommenskultur, rasche und unkomplizierte Unterstützung und ehrenamtliches Engagement Flüchtlingen Hoffnung gibt“. Im Impressum scheint das Postfach 11 in 1103 Wien als Adresse auf, in einem weiteren Text heißt es vage, dass „ausgehend vom Wiener Hauptbahnhof Schutzsuchenden mit der Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Bekleidung und Transportmöglichkeiten sowie rechtlicher und medizinischer Betreuung“ geholfen werde. Weitere Kontaktdaten seien „auf Anfrage“ erhältlich. Sehr transparent liest sich das nicht. In einem „Update“ heißt es: „Wir haben zu Weihnachten unsere Erstversorgung am Hauptbahnhof Wien abgebaut und arbeiten derzeit an Integrationsprojekten, planen aber auch eine Betreuungseinrichtung und warten ab, ob wieder eine Erstversorgung fällig wird.“ Worüber die Homepage http://www.trainofhope.at/ aber bereitwillig Auskunft gibt, das sind jene Partnerschaften bzw. Sponsoren bzw. Firmen, denen sich diese NGO ganz einfach zu Dank verpflichtet fühlt (http://www.trainofhope.at/train-of-hope/wir-danken-2/). Hier können Sie nachschauen, inwieweit Sie – vielleicht unwissentlich – indirekt bzw. über Umwege dem „Train of Hope“ unter die Arme gegriffen haben:

Vöslauer Mineralwasser AG

Das Wiener Großunternehmen verkauft das „Lieblingsmineralwasser der Österreicher“ und sieht sich mit einem Marktanteil von über 40 Prozent sowie einem Umsatz von 94,6 Mio. Euro (2016) als „mineralwasserkistenturmhoher Marktführer“. Unternehmensgegenstände sind die Herstellung und der Vertrieb von Mineralwasser sowie die Verwertung von Heilquellen in Bad Vöslau, die Herstellung von Flaschen, der Handel mit Getränken aller Art, der Betrieb des Thermalbades in Bad Vöslau sowie die Beteiligung an Gesellschaften aller Art. An Spitzentagen, verkünden die Chefs Dr. Alfred Hudler und DIng. Herbert Schlossnikl stolz, werden bis zu zwei Mio. Liter Vöslauer Mineralwasser ausgeliefert. Jeder Sponsor-Euro kommt hundertfach zurück, weil die meisten Refugees Mineralwasserkonsumenten sind, da sie nicht wissen, dass in Österreich das Leitungswasser Trinkqualität hat. 

Nescafé

Der von Nestlé produzierte lösliche Nescafé ist mit einem Markenwert von 14,8 Mrd. Franken die wertvollste Marke der Schweiz. Zudem ist Nestlé das weltweit größte Unternehmen für Lebensmittel und Getränke mit Standorten in 191 Ländern. Zum Imperium gehören – von Maggi bis Nespresso – über 2.000 Marken. Allein Nestlé Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main beschäftigt rund 10.500 Mitarbeiter. Bei „Nespresso“ handelt es sich um jenes System, in dem Kaffee in Alu-Kapseln portioniert ist, der nur in speziellen Maschinen zubereitet werden kann. Kritikpunkte sind die enorme Menge an Müll, der durch die Kapseln anfällt, und das extrem aufwändige Recycling. Da Nespresso in Österreich keinen Entsorgungsbeitrag zu leisten braucht, zumal die Kapseln formal keine Verpackung darstellen, kann man umso großzügiger NGOs unterstützen. 

Schlumberger und Ottakringer Brauerei

Als sehr korrektes Unternehmen, das sich für einen „verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol“ einsetzt, ersucht die Wiener Wein- und Sektkellerei Schlumberger GmbH jeden Homepagebesucher vorab um die Bestätigung, dass er bereits 18 Jahre alt ist. Zur Schlumberger-Gruppe zählen u. a. die Marken Mounier, Hochriegl und Goldeck. Hauptgesellschafter sind die etwas geheimnisvolle Sastre Holding in Zürich bzw. die Sastre SA in Lausanne, die über eine Stiftung dem deutsch-schwedischen Unternehmer Frederik Paulsen jun. gehört, einem großen Player im internationalen Wein-, Spirituosen- und Sektmarkt. Wenn ein solches Unternehmen NGOs unterstützt, die überwiegend moslemischen Flüchtlingen helfen, denen Allah den Alkoholgenuss strengstens verbietet, entbehrt das wohl nicht einer gewissen Pikanterie. 

Ähnliches gilt für die Ottakringer Brauerei in Wien, deren Holding im Besitz der österreichischen Familien Wenckheim, Menz, Trauttenberg und Pfusterschmid ist. Mit dem Erwerb von 13,43 Prozent Ottakringer-Anteilen vom holländischen Bier-Konzern Heineken war die Firma 2009 übrigens wieder in österreichische Hände gelangt. 

„Incoming“ und „Outgoing“ beim Kunsthistorischen Museum

Das Kunsthistorische Museum (KHM) ist aufgrund des Bundesmuseen-Gesetzes eine „Wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechtes des Bundes“ und wird vom Bildungsministerium beaufsichtigt. Behördenleiterin ist Ministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ), die seit einem Jahr der Regierung Kern angehört. Die stolze Feststellung, dass „mehr als 40 Prozent der Gesamteinnahmen marktorientiert und eigenwirtschaftlich verdient“ werden, besagt im Umkehrschluss, dass 60 Prozent des dreistelligen Millionenbudgets aus anderen Töpfen stammen.

Ein genauerer Blick auf das „Incoming“ und „Outgoing“ zeigt: Während es für die wohlwollende Behandlung des „Train of Hope“ von diesem Dankeslorbeeren erntet, wird das KHM seinerseits „freundlich unterstützt“ u. a. von den Österreichischen Lotterien, der Uniqa-Versicherung, der österreichischen Post, der BAWAG-PSK, der Münze Österreich, dem U-Bahn-Werber Infoscreen, Google, den ÖBB, den Wiener Linien, der Firma Swarovski, der Firma Schoeller Münzen Edelmetalle, den Friends of Merkur, dem ORF Österreich 1 Club, dem Wiener Städtischen Versicherungsverein, der AK Wien, der Computerspiele-Firma Dell, der „Erste Bank“, der Partnervermittlung Parship, der Kaiserlichen Schatzkammer Wien und dem Schloss Ambras Innsbruck. Dazu kommen noch Spenden der „Classic Patrons des Kunsthistorischen Museums Wien“, eines „exklusiven Kreises kunstinteressierter Privatpersonen und Unternehmen“. Auf Genius-Anfrage, worin seine „Train-of-Hope“-Unterstützung konkret bestehe, teilte das KHM mit, dass es sich „um eine freiwillige Mithilfe und ehrenamtliches Engagement unserer Kunstvermittlung am Hauptbahnhof“ handle.

Der Arbeitersamariterbund

Mit dem Arbeitersamariterbund (ASB) assoziieren Österreicher immer seltener die Agenden Rettungsdienst, Krankentransport, Pflege und Betreuung, aber immer häufiger das Schlagwort Flüchtlingsbetreuung. Auf seiner Webseite stellt der ASB denn auch unmissverständlich fest, dass er es „sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen, die (...) ihre Heimat verlassen und in Österreich Asyl suchen, zu unterstützen“. Er betreut mittlerweile Tausende Flüchtlinge in 38 Einrichtungen. Eine davon befindet sich in Floridsdorf. Financier ist der Fonds Soziales Wien (Stadt Wien). „Qualifizierte Bezugsbetreuer und ein multiprofessionelles Team“, lobt sich der ASB, „unterstützen die Asylsuchenden, den Bruch im bisherigen Leben, die Erfahrungen im Herkunftsland und während der Flucht besser zu überwinden.“ Allerdings wird zugegeben: „Die finanziellen Mittel sind knapp bemessen und reichen nur für das Nötigste wie Essen, Duschgel und Zahnpasta.“

Offenbar nicht nur: Denn der Subventionsempfänger ASB kann es sich – über Duschgel und Zahnpaste hinaus – auch leisten, der NGO „Train of Hope“ so tatkräftig unter die Arme zu greifen, dass er fett auf der Internet-Bedankungsliste dieser NGO aufscheint. ASB-Präsident ist übrigens der Ex-Polizist Franz Schnabl, seit kurzem Vorsitzender der SPÖ Niederösterreich und Spitzenkandidat seiner Partei für die NÖ-Landtagswahl 2018. Weil Schnabl seinerzeit als Generalinspektor der Sicherheitswache seine eigene Tochter persönlich von einer Donnerstagsdemo gegen die schwarz-blaue Regierung abgeholt hatte, war er von Innenminister Strasser aus diesem Amt abberufen worden. Nichtsdestoweniger hat ihm der frühere Bundespräsident Heinz Fischer 2009 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik umgehängt. „Die Lage in Europa wird für Menschen auf der Flucht immer aussichtsloser“, erklärt Schnabl indessen und fordert „endlich eine gesamteuropäische Lösung“, da „es nicht sein kann, dass Kinder, Frauen und Männer wegen des Versagens der Politik zwischen den Grenzen hin und her geschoben werden.“ Die Redaktion der Genius-Lesestücke wollte vom ASB wissen, in welcher Form und in welcher Höhe der Samariterbund für den „Train of Hope“ helfend tätig sei, in welcher Form und in welcher Höhe er für welche anderen Flüchtlings-NGOs Unterstützungen erbringe (laut ASB-Geschäftsbericht 2016 befasst sich die „Abteilung Zukunft“ mit der „Vernetzung mit anderen NGOs in Sachen Flüchtlingshilfe“), in welcher Richtung die vom ASB selbst publizierte „ständige Suche nach neuen Geschäftsfeldern“ gehe, weiters wie hoch die Jahreseinnahmen im letzten Geschäftsjahr und die Anteile aus öffentlichen Subventionen seien, und worin der ASB den Sinn in diesem Subventionskarussell (Spenden- und Subventions-Akquisition mit der linken Hand und Subventions- bzw. Sponsoring-Ausschüttung aus der rechten Hand) sehe. Die ASB-Antwort spricht in ihrer Knappheit Bände: „Es gab mit Train of Hope eine gute Zusammenarbeit, die basierend auf Sach- und Personalleistungen war. Die Abrechnungen mit der öffentlichen Hand sind noch im Laufen, daher gibt es auch noch keine Darstellung darüber.“

Die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ)

Die MJÖ versteht sich als „die einzige deutschsprachige, muslimische, unabhängige Jugendorganisation der zweiten und dritten Generation von MuslimInnen in diesem Land“ und fühlt sich offenbar auch zukünftigen Moslemgenerationen eng genug verbunden, um intensive Vernetzungen mit NGOs wie dem „Train of Hope“ zu pflegen, so dass sie auf deren Bedankungsliste aufscheint. Geben und Nehmen halt. Denn die MJÖ wird ja ihrerseits vom Ministerium Familie und Jugend (BMFJ) unterstützt, damit sie „eine bundesweite Arbeit“ betreiben und Jugendliche „mit den verschiedensten ethnischen und kulturellen Hintergründen“ vertreten kann. Bundesvorsitzende sind der Menschenrechtsspezialist Adis Serifovic, die Spezialistin für interreligiösen Dialog Canan Yasar und die Islamophobie-Spezialistin Nermina Mumic. Die Organisation ist Mitglied der Österreichischen Bundesjugendvertretung (BJV)[2] und sitzt dort – neben Christian Zoll von der JVP, Julia Herr von der Sozialistischen Jugend sowie Martina Tiwald von der Schülerunion – mit Derai Al Nuaimi im Vorsitzendengremium.

Das Islamische Zentrum Wien (IZW)

Unter dem Motto „Der Friede und die Barmherzigkeit Allahs und Sein Segen mögen auf euch sein“ werden auf der IZW-Homepage der Islam, der edle Qu’ran (den man bei Anklicken der Option „Lesen Sie selbst“ in vielen Sprachen lesen und hören kann), die Propheten und die Position der Frauen im Islam vorgestellt. Das IZW verurteilt extremistisches Gedankengut und distanziert sich von Verbrechen, die im Namen des Islams – einer Religion des Friedens – begangen werden. Wodurch sich das IZW den NGO-Dank verdient hat, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich. 

T-Mobile bzw. Telekom und 3Österreich

Auf der Dankesliste des „Train of Hope“ firmiert der Unterstützer zwar noch unter dem Namen T-Mobile, aber mittlerweile gehören alle internationalen Beteiligungen direkt oder indirekt zur Deutschen Telekom AG. Dass gerade er besonders freundschaftliche Verbindungen zu Flüchtlings-NGOs unterhält, ist dem sechstgrößten Mobilfunkbetreiber der Welt wohl nicht zu verübeln: Ist doch jeder Flüchtling ein Handybesitzer und potenzieller gegenwärtiger sowie künftiger Umsatzbringer, wenngleich nicht immer zahlender Kunde. Bei 4,3 Millionen Kunden und einem sich der Milliarde nähernden Umsatz sind da wohl gewisse NGO-Erkenntlichkeiten „drin“. 

Ähnliches gilt für die „3Österreich“ bzw. „Hutchison Drei Austria GmbH“, eine Wiener Telekommunikationsfirma, die ein UMTS/HSDPA- und ein LTE-Netz[3] betreibt und 2013 die Marke „Orange“ übernahm. Neben der Sprachtelefonie konzentriert sich die Firma auf mobiles Breitband-Internet und Multimedia-Angebote. Viele Refugees verwenden Smartphones der neuesten Generation, etwa Samsung Galaxy S8 oder S8+, wie sie von 3Österreich angeboten werden. Die Firma gehört der „CK Hutchison Holdings Ltd.“ in Hongkong, deren Chairman Sir Li Ka-shing über 290.000 Mitarbeiter in 50 Ländern gebietet. Bei einem Konzernumsatz von zuletzt 22,4 Mrd. Euro dürfte die eine oder andere NGO-Zuwendung wohl ein geringes Problem darstellen. 

Google

Die Internet-Suchmaschine der US-amerikanischen „Google Inc.“, einer Tochterfirma des multinationalen Firmenkonglomerates „Alphabet. Inc.“, ist mit mehr als drei Milliarden Suchanfragen pro Tag und über einer Million Nutzern vor Bing, Yandex und Baidu (Russland und China) der absolute Marktführer unter den Suchmaschinen und eine der wertvollsten Marken der Welt. Die Firmengründer Larry Page und Sergey Brin, die Wikipedia als herkunftsjüdische Amerikaner listet, wechselten nach einer Firmenumstrukturierung an die Spitze der neu geschaffenen Alphabet-Holding. Die Google-Führung übernahm der Inder Pichai Sundararajan. Mit einem Marktanteil von gut 90 Prozent in Europa hat die Suchmaschine zweifellos eine wichtige Funktion auch für afrikanische und arabische Invasoren auf deren Suche nach Informationen über den „gelobten Kontinent“. Googelt man den Suchbegriff „Train of hope“, werden in 0,74 Sekunden 29.300.000 Ergebnisse gemeldet. Gleich an erster Stelle scheint die „Train of Hope“-Homepage auf, die sich im Untermenü mit einem „wir danken“ – no na – auch bei Google revanchiert.

Swat.io

Swat.io ist – neben Walls.io und Uberch.at – eines der Produkte, die die Wiener „Social Software Development GmbH Die Socialisten“ via Internet anbietet. Mit Swat.io können z. B. Social Media Posts gemeinsam erstellt, diskutiert und freigegeben werden. Kurzum, es handelt sich um eine „Enterprise und Agentur Lösung für Content Planung, Community Management und Social Customer Service“, wie sie die aufgelisteten Referenzkunden ÖBB, Hitradio Ö3, das Österreichische Rote Kreuz und „Focus“ offenbar bereits nutzen. Warum nicht auch die Flüchtlingshilfe „Train of Hope“?

SAP

Nicht mit irgendwem hat sich der „Train of Hope“ eingelassen, wenn sie sich der Firma SAP mit Sitz im deutschen Walldorf zu Dank verpflichtet fühlen muss: Dabei handelt es sich immerhin um „The world’s largest business software company”, die in den letzten 45 Jahren 345.000 Kunden betreut haben will, sich nach wie vor „von Pioniergeist erfüllt“ fühlt und nichts Geringeres als die Welt verbessern will. Im O-Ton liest sich das so: „We’re big on using our technological and business know-how to make the world a better place.”

Immerhin hilft SAP – dank eines Joint Ventures mit dem Wattener Schmuckerzeuger – auch dann, wenn ein Teddybär aus Swarovski-Glas kaputt geht.[4]

Renault

Der französische Autohersteller Renault ist seit Eingehen in eine strategische Allianz mit Nissan einer der größten seiner Branche in der Welt. 120.000 Mitarbeiter produzierten zuletzt 2.801.592 Fahrzeuge. In Deutschland hatte Renault 2014 einen Anteil von 3,5 Prozent an den Pkw-Neuzulassungen. Chief Executive Officer ist Carlos Ghosn, der die brasilianische, die französische und die libanesische Staatsbürgerschaft besitzt. Der Macron-Staat ist am Unternehmen zu 15,2 Prozent beteiligt. Bei uns hat die Marke Renault seit 1947 Tradition, als die Firma Schrack den Generalimport für Österreich begann. Heute betreut die Renault Österreich GmbH in Wien 185 Filialen und steht auf gutem Fuß mit „Train of Hope“.

Humanic

Auch wer bei Humanic oder seinen Tochterfirmen Jello, Shoe 4 You, Stiefelkönig und Corti kauft, unterstützt indirekt den „Train of Hope“. Humanic ist ein Tochterunternehmen der internationalen Aktiengesellschaft „Leder und Schuh“ mit Sitz in Graz und setzt als einer der größten Schuhanbieter Europas mit den Vorstandsspitzen Thomas und Werner Weber sowie 3.600 Mitarbeitern pro Jahr mehr als 500 Mio. Euro um. Durch Markteintritte in Kroatien und Bulgarien fasste Humanic in Osteuropa Fuß, und durch den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am magyarischen Handelsunternehmen Szivárvány Rt. mit Sitz in Budapest ist Humanic mittlerweile auch die Nr. 1 im flüchtlingskritischen Ungarn. Geschäftliche Motive stecken hinter dem Humanic-Engagement im Flüchtlingsbusiness möglicherweise auch deshalb, weil das Sortiment auch die von Refugees hochgeschätzten Nike-Sportschuhe umfasst.

Quelle: „Kronen Zeitung“

Erste Bank

Rechtzeitig auf den „Train of Hope“ aufgesprungen ist die Erste Bank, das Leit-Institut der Österreichischen Sparkassengruppe, die mit 15.400 Mitarbeitern in 46 regionalen Sparkassen und deren 1.100 Filialen eine der größten Bankengruppen des Landes darstellt. Im 11. Stock des futuristischen Erste-Bank-Campus residiert Stefan Dörfler, der im Oktober des Vorjahres von Andreas Treichl vom Bereichsleiter „Group Markets“ an die Spitze der Erste Bank Österreich, mit Verantwortung auch für die Sparkassen, gehievt worden war. Einen stattlichen Anteil der 3,5 Millionen Kunden machen in Österreich mittlerweile Asylwerber aus, denen im Flüchtlings-Tsunamijahr 2015 per Zeitungsinserat Gratiskonten angeboten wurden. Nichtflüchtlingskunden konnten von derartigen Vergünstigungen nur träumen. Es sei denn, man pochte beim einsichtsvollen Innsbrucker Sparkassendirektor Dr. Hans Unterdorfer auf Gleichbehandlung, dann erhielt man ebenfalls – befristet – Kontogebührenbefreiung. 

Ikea

Der 1943 vom Schweden Ingvar Kamprad gegründete multinationale Einrichtungskonzern mit Sitz in Delft (Niederlande) beschäftigt 155.000 Mitarbeiter und erzielt mit Möbeln und Innenausstattungsprodukten einen Umsatz weit jenseits der 30 Mrd. Euro. Der heute 91jährige Firmengründer, einer der Allerreichsten dieser Welt, sitzt im Aufsichtsrat der Ingka-Stiftung, die – wegen Steuervorteilen – einen Großteil des Ikea-Vermögens verwaltet. In die Schuhe seines Vaters stieg mittlerweile Mathias Kamprad, 44, jüngster der drei Söhne des Milliardärs.

Warum ausgerechnet Baxalta?

Das US-Biotechnologie-Unternehmen Baxalta war 2015 als „Spin-off“ (also als Technologie-Ableger in einem Bereich, für den es ursprünglich nicht entwickelt worden ist) von Baxter International[5] entstanden. Mit Medikamenten zur Behandlung u. a. von Hämophilie und anderen Blutgerinnungsstörungen und bei der Entwicklung von Impfstoffen setzte Baxalta viele Milliarden Dollar um. Über die Gründe, warum das Unternehmen interessiert sein könnte, sich ausgerechnet mit Flüchtlings-NGOs wie dem „Train of Hope“ auf guten Fuß zu stellen, lässt sich nur rätseln. Vielleicht besteht ein Zusammenhang darin, dass Baxter in der Region EMEA (Europa, dem Mittleren Osten und Afrika) zuletzt einen Umsatz von 4,2 Milliarden Dollar erzielte und dort rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt, also die Flüchtlings-Zentralregion EMEA für rund 30 Prozent des Baxter-Gesamtumsatzes verantwortlich ist und somit den wichtigsten Markt außerhalb der USA darstellt. 2016 wurde Baxalta um 32 Mrd. Dollar vom US-Pharmariesen „Shire Public Limited Company“ übernommen. 

Riedel Communications

Die 450 Mitarbeiter beschäftigende Riedel Communications GmbH & Co. KG widmet sich in Wuppertal und an 19 weiteren Standorten in Europa, Australien, Asien und Nordamerika den Geschäftsfeldern Kommunikationstechnik, Rental Service und Funkvertrieb und ist in ihrem Segment Weltmarktführer. Ob Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg mit seiner Boxen-Crew spricht, Günther Jauch Regieanweisungen erhält oder bei Olympischen Spielen Schiedsrichter mit Zeitnehmern parlieren – Riedel-Produkte ermöglichen die Kommunikation. Der Konzern entwickelt, fertigt und vertreibt modernste Echtzeitnetzwerke für Video, Audio, Daten und Kommunikation in Rundfunk-, Event-, Theater- und Industrie-Anwendungen. Möglicherweise ist es für beide Seiten – sowohl für Riedel als auch für Flüchtlings-NGOs – kein Nachteil, wenn man einander kennt und schätzt.

Eine lange Liste

Die Liste der Train-of-Hope-Freunde bzw. -unterstützer geht natürlich noch weiter und umfasst u. a. 

  • Red Bull, die vom Steirer Dietrich „Didi“ Mateschitz gegründete Energydrinkmarke, die mit 12.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro erwirtschaftet und daher wohl auch ein paar Euro für Flüchtlings-NGOs springen lassen kann. 
  • den Sikh-Tempel Wien, 
  • die von Haya Molcho geführte Neni Gastronomie GmbH am Wiener Naschmarkt, 
  • die auf professionelle Newsletter und automatisierte Kampagnen spezialisierte Berliner „Newsletter2Go GmbH“, 
  • die auf Cloud-Dienste und Firewalls spezialisierte Wiener Kapper Network-Communications GmbH, 
  • den international tätigen und auf temperaturgeführte (Waren- und nicht Menschen-) Transporte spezialisierte Familien-Speditionsbetrieb Müller, 
  • die Trancemusicgroup Triple A, 
  • die Wiener Werbeagentur „Studio Riebenbauer“, 
  • die seit 1916 im Familienbesitz stehende, auf Miettextilien für Hotellerie und Gastronomie, Berufsbekleidung und die textile Versorgung im Gesundheitswesen spezialisierte Wiener Firma „Salesianer Miettex GmbH“, 
  • die auf Visitenkarten, Stempel, Plakatdruck, Textildruck und Klebeschriften spezialisierte „Merchzilla.com Simic KG“ in Wien, 
  • die u. a. auf Crispy & Spicy Chicken Wings spezialisierten Burger-Bros-Pubs am Wiener Hauptbahnhof und in der Landstraßer Hauptstraße, 
  • der über 21 Standorte in Österreich verfügende Facultas-Universitätsverlag (ehemals WUV), der nicht nur Lehr- und Studienbücher sowie Forschungs- und Fachliteratur, sondern in seinen Dombuchhandlungen in Wien und NÖ auch aktuelle Belletristik vertreibt,
  • die Kremser Markentankstellen-, Autovermietungs- und Heizölfirma Becker sowie
  • der Autovermieter Europcar Österreich,
  • die Wiener ambuzzador GmbH, die in ihrem Portfolio das klassische Social-Media-Agentur-Business anbietet, somit ein Know-how, mit dem viele NGOs wohl etwas anfangen können,
  • die Bipa Parfümerien GmbH, deren 560 Drogeriemärkte mit 4000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von jenseits der halben Milliarde Euro macht. Wer Produkte von „Look by Bipa“, „iQ Cosmetics“, „My“, „b.pretty“ oder „little girl“ kauft, stärkt indirekt auch den von Bipa geförderten „Train of Hope”.
  • Das „Motel One“ am Wiener Hauptbahnhof, das nicht nur um zahlungskräftige Ankömmlinge, sondern auch um das Wohlergehen von „Train of Hope“ und seiner Flüchtlingshelfer bemüht ist, und deren Mutter, die Motel-one-Gruppe, mit 55 Hotels und mehr als 14.600 Zimmern zu den führenden Quartieranbietern zählt. Motel-One-Komfort gibt es auch in Brüssel, Amsterdam, Edinburgh, Newcastle, Prag, Basel, Zürich, Salzburg, Wien und demnächst auch in Innsbruck. Standorte wie Tripolis oder Lampedusa stehen freilich vorerst nicht auf dem Plan.
  • Das Star Inn Hotel, ebenfalls am Wiener Hauptbahnhof, das sich offenbar neue Marktchancen erhofft, wenn es sich gut mit NGOs stellt, die sich um neue „Kundschaft“ aus Afrika kümmern. Jedenfalls dankt der „Hoffnungszug“ dem gehobenen Etablissement, bei dem man bereits um wohlfeile 80 Euro pro Person übernachten kann. Wo immer Refugees eines Tages anlanden, auch andere Star Inn Hotels, etwa in Bremen, Dresden, Frankfurt und München, aber auch in Graz, Linz, Salzburg und – vor allem – Budapest finden sicher ein Bettchen für sie. 

 

 

Wollen Sie wissen, welche anderen Flüchtlings-NGOs Sie – über deren Sponsoren – mit Ihrem Konsumbudget noch bisher unwissentlich und unfreiwillig mitfinanzieren? Schauen Sie selbst im Internet nach! 

Anmerkungen

[1] Diese NGO erhielt 2015 den von der Österreichischen Liga für Menschenrechte verliehenen Menschenrechtspreis für besondere Verdienste. Erster Preisträger war 2010 die „Deserteur- und Flüchtlingsberatung Wien“. Im Jahr darauf erhielt den Preis „Asyl-in-Not“-Obmann Michael Genner, der durch seine Aussage, „ehrliche Schlepper“ seien „Dienstleister, die eine sozial nützliche Tätigkeit verrichten“, bekannt wurde. „Train of Hope“ unterstützt „Schutzsuchende mit der Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Bekleidung und Transportmöglichkeiten sowie rechtlicher und medizinischer Betreuung“. Sprecherin Manuela Ertl forderte in einem am 4. August 2017 von der kritischen Internetplattform „Unzensuriert“ auszugsweise wiedergegebenen Interview (https://www.unzensuriert.at/content/0024616-Ordensgemeinschaften-Oesterreich-Fremde-sind-Bereicherung-und-Grenzen-toeten?utm_source=Unzensuriert-Infobrief&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Infobrief) die Arbeitsmarktöffnung für Flüchtlinge. 

[2] Der BJV gehören u. a. an: das Akademische Forum für Außenpolitik, die Aktion kritischer Schüler, die Alevitische Jugend Österreichs, die weltweite religiös-zionistische jüdische Jugendorganisation Bnei Akiva, die jüdisch-sozialistische Bewegung Haschomer Hatzair, der Bund Europäischer Jugend Österreichs, die Evangelische Jugend Österreichs, der jugendpolitische Think Tank Progress Austria, die Jungen Grünen, die JVP, die Jungen liberalen Neos, die Katholische Jugend, die Katholische Jungschar, die Landjugend Österreich, der Mittelschüler-Kartell-Verband, die Muslimischen PfadfinderInnen Österreichs, die Gewerkschaftsjugend, die Sozialistische Jugend, die Kinderfreunde, die österr. Trachtenjugend, der Ring Freiheitlicher Jugend und die ÖH sowie – als außerordentliches Mitglied – der Verband Jüdischer Jugend. Aktiv wurde die Bundesjugendvertretung zuletzt mit dem Beschluss eines Aktionsplans gegen Rechtsextremismus sowie mit der Aktion „Auch schwules Blut kann Leben retten“.

[3] Die Abküzung UMTS bedeutet Universal Mobile Telecommunications System und bezeichnet einen Mobilfunkstandard der dritten Generation. Er ermöglicht ebenso wie der High Speed Packet Downlink Access HSDPA extrem hohe Datenübertragungsraten. Auch der Long Term Evolution-Standard (LTE) stellt eine technische Neuerung dar. 

[4] Wie das geht, schildert SAP auf seiner Homepage so: „What happens if someone chips a Swarovski crystal teddy bear? (…) SAP-Technicians have developed home-grown repair-solutions: they manually search through Swarovski catalogues or just google it. That’s why Swarovski teamed up with SAP.“ 

[5] Manche Leser erinnern sich vermutlich noch daran, dass Baxter in den „Blutskandal“ um HIV-kontaminierte Blutprodukte verwickelt war, die in den 1980er-Jahren weltweit auf den Markt gebracht wurden. Viele Hämophiliepatienten erkrankten und starben an AIDS.

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 28. September 2017
 
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