Neues aus der Intelligenzforschung


Volkmar Weiss: Das IQ-Gen – verleugnet seit 2015. Eine bahnbrechende Entdeckung und ihre Feinde. Ares Verlag Graz, 2017,  ISBN 978-3-902732-87-3, 160 Seiten 

 

Von Willibald Glanz

Ehe ich diese Buchbesprechung beginne, möchte ich darauf hinweisen, dass sich die Gen-Technologie in den letzten fünfzehn Jahren stürmisch weiter entwickelt hat. Es sind auch seriöse Bestrebungen im Gange – und das weltweit –, um die Entschlüsselung des menschlichen Genom/Erbgutes (DNA), die im Jahre 2001 zur Gänze gelang, künftig für die Bekämpfung von Krankheiten im menschlichen Körper zu verwenden. Auch wurde kürzlich eine Methode entwickelt (CRISPR-Cas9), um in menschlichen Embryonen krankheitsverursachende genetische Mutationen zu korrigieren. Das menschliche Genom besteht aus 23.686 Genen und deren Entschlüsselung hat natürlich auch zu neueren Erkenntnissen geführt, die in dem hier besprochenen Buch von Volkmar Weiss auch angesprochen werden. Sein früheres Buch „Die IQ-Falle“ (Leopold Stocker Verlag, Graz 2000) wurde im Genius-Heft 1/2002, besprochen. 

Wenn man die Einträge über ihn in der Wikipedia betrachtet, so werden seine Auffassungen meistens als „controversial thesis” (kontroverse Thesen) bezeichnet, was in gewisser Beziehung irreführend ist, denn es handelt sich dabei um Ideen bzw. Einsichten, die er im Zuge seiner wissenschaftlichen Untersuchungen auf seinem Fachgebiet in der ehemaligen DDR gemacht hat. Darüber hat er offen in seinen Schriften/Büchern berichtet. Seine Ideen werden – wenn nicht von den Leitmedien in Deutschland tot geschwiegen – kontrovers diskutiert, und das ist gut so. Zudem werden die Verlage, die seine Bücher herausgeben, als leicht anrüchig weil „rechtsstehend“ angedeutet. Dies ist umso unverständlicher, wenn man bedenkt, dass es Zeiten gab, in denen sowohl von links-sozialistischer als auch von rechts-konservativer Seite die Genealogie bzw. genealogische Untersuchungen sine ira et studio besprochen wurden. 

Auf diesem Thema ruht heutzutage anscheinend ein Tabu, denn es wird nur zaghaft und recht sparsam auch in der veröffentlichten angelsächsischen Presse behandelt. In den deutschen Leitmedien wird ein großer Bogen um dieses Thema gemacht. Dies ist umso bemerkenswerter, als es um ein Thema geht, das jeden angeht, der eine Familie hat. Und fast jeder Mensch hat eine, vielleicht sehr verzweigte Verwandtschaft, in welchem Verbund er auch lebt. 

Das Erstaunliche an wissenschaftlichen Erkenntnissen ist, wenn sie bemerkenswert genug sind, dass sie im Allgemeinen ziemlich schnell zur Kenntnis genommen werden. Wissenschaften, die nur in Elfenbeintürmen existieren, bestehen praktisch nicht mehr. Im Gegenteil, was wissenswert ist, muss rasch veröffentlicht und einem Laienpublikum schmackhaft gemacht werden. Abhängig von der Qualität der Erkenntnisse können diese dann großen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen haben. Und dies kann natürlich auch bedeuten, dass fachlich begonnene wissenschaftliche Diskussionen relativ einfach zur Verbreitung so genannter „gefährlicher Ideen” geraten. 

Andererseits verschwinden Erkenntnisse oder Probleme, auf denen ein Tabu ruht, nicht von selbst. Es wird nur ihre Diskussion vermieden. Vernünftiger ist es daher, die Erkenntnisse/Probleme in aller Offenheit und mit der nötigen Disziplin zu besprechen. Leider müssen wir feststellen, dass der aufklärerische Impetus „Benutze deinen eigenen Verstand” vielfach in sein Gegenteil verkehrt wurde. Weite Teile der Wissenschaften haben sich mit der „Political Correctness” verbündet, die uns heute vorschreiben will, wie und was wir zu denken haben. Eine prinzipiell anti-wissenschaftliche Haltung!

Die Lehren von Charles Darwin und Francis Galton beispielsweise wurden von den Nationalsozialisten – und nicht nur von diesen – in ihrem Sinne ausgelegt, oft auch umgedeutet, und mussten zur Begründung ihrer Rassentheorie herhalten. Zwei Dinge sollte man jedoch unterscheiden, nämlich die Ideologie bzw. Programmatik und die zu ihrer Durchsetzung verwendeten Hilfsmittel. Dieses Beispiel gilt gleichermaßen auch für die kommunistische Ideologie, wie übrigens ganz allgemein für jede Ideologie, gleichgültig ob verbrecherisch oder scheinbar gutmeinend. 

Die Biologie war ein Hilfsmittel und deren Erforschung hat mit Ideologien primär gar nichts zu tun, sondern ergibt sich aus der grundlegenden Neugier des Menschen. Wie schon erwähnt, erwächst aus wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biologie immerhin auch der medizinische Fortschritt. 

Mit Rede- und Denkverboten bzw. Tabus schaden wir uns nur selbst und tragen damit zu einer Engstirnigkeit des Denkens bei, die eine der tragenden Säulen der Demokratie schleift, nämlich den offenen und kontroversiellen Diskurs, für den nach Adam Riese mindestens zwei mögliche Meinungen notwendig sind. 

Natürlich ist dem Menschen vieles anerzogen, aber die „menschliche Natur“ ist gleichzeitig auch angeboren. Ein bemerkenswerter Fall auf dem Gebiet des falschen Umganges mit Ergebnissen biologischer Forschungen war Lysenko in der Sowjet-Union. Dort wurde Trofim Lysenko, Biologe und Agrarexperte, Kind armer Bauern aus der Ukraine mit damals richtigem Stammbaum, wegen seiner Thesen und Experimente von Josef Stalin unterstützt. Lysenko basierte seine Theorien auf Jean-Baptiste Lamarck, der behauptet hatte, dass erworbene Fähigkeiten von Pflanzen vererbbar wären. Da politisch unbeeinflusste Biologen in der Sowjet-Union seine Theorien als groben und lebensgefährlichen Unfug bezeichneten, wurden diese nach und nach aus ihren Ämtern verwiesen und die meisten bezahlten für ihre dem Regime nicht passenden Ansichten sogar mit dem Leben. Erst im Jahre 1962, neun Jahre nach Stalins Tod, wurde Lysenko als wissenschaftlicher Betrüger entlarvt!

Zum großen Schaden der chinesischen Bevölkerung hat Mao Tse Tung ähnliche Experimente wie Stalin in seinem Lande ausführen lassen, mit den gleichen oft tödlichen Folgen für die Betroffenen. 

Ein anderes trauriges Kapitel ist der Fall von Wouter Buikhuisen, ehemals Professor an der Rijks Universität in Groningen und an der Universität von Leiden. Er hatte u. a. in den Niederlanden herausgefunden, dass Kriminalität anscheinend nicht nur anerzogen, sondern wahrscheinlich auch vererbbar sei, zumindest die Neigung dazu. Er konnte jedoch auf Betreibung linker Gruppen in Holland seine Studien nicht fortsetzen und die Königliche Akademie der Wissenschaften war maßgeblich daran beteiligt, dass er seine Professur verlor. 25 Jahre später, also 2005, wurde er rehabilitiert, weil seine Gedanken und Studien sich als richtig herausgestellt hatten. 

In seinem neuesten Buch hat Volkmar Weiss auf 160 Seiten eine kompakte und ziemlich umfassende Darstellung der gesamten Problematik und ihre Auswirkungen auf andere Gebiete gegeben. Ein umfangreiches Sachregister und ergänzende Literaturhinweise vervollständigen sein Buch. Seine sachlichen Darstellungen über den IQ als Maß der Denkkraft, Leistungsmessung als Voraussetzung für eine Leistungsgesellschaft sowie über Freiheit und Gleichheit heben sich wohltuend von einschlägigen Artikeln in den meisten Leitmedien ab. Jeder benutze seinen eigenen Verstand, um zu beurteilen, ob die von Volkmar Weiss vertretenen Thesen eine gewisse Plausibilität haben oder nicht. Für mich ist dieses Buch jedenfalls ein „must read”.

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 28. September 2017
 
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