Zwei Jahrzehnte „Genius-Lesestücke“


Über 200 Autoren verfassten  42 Hefte und 75 Online-Ausgaben

Mit der vorliegenden Ausgabe macht die Zeitschrift „Genius-Lesestücke“ ihre ersten zwei Lebensjahrzehnte voll. Dass eine so gut wie inseraten- und subventionsfreie Publikation, die von Anfang an lernen musste, auf extrem dünnen finanziellen Beinen zu stehen, eine im brancheninternen Vergleich beachtenswert lange Existenz durchhalten konnte, ist bei weitem nicht alltäglich. Zu verdanken ist dieser Umstand den über die Jahre hindurch treu gebliebenen Genius-Vereinsmitgliedern, den Genius-Lesestücke-Abonnenten und natürlich auch den durchwegs ehrenamtlich schreibenden rund 200 Autoren, die bisher weit über tausend Analysen und Kommentare zu den Themen nationale und internationale Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur aus freiheitlich-national-liberaler Sicht verfassten. Dies versteht der Vorstand der Genius-Gesellschaft als Auftrag, seine Arbeit engagiert und gewissenhaft fortzusetzen und das entgegengebrachte Vertrauen der Leserinnen und Leser weiterhin zu rechtfertigen.   

Im Laufe des zwanzigjährigen „Genius“-Bestehens waren – teils aus produktionstechnischen, teils aus redaktionellen Gründen – mehrfach Adaptierungen in der Erscheinungsform und -weise notwendig. Die Zeitschrift hatte anfangs rund 400 Leserinnen und Leser. Deren Zahl wuchs langsam, aber stetig an. 2007 zählte die Leserschaft über 700 Köpfe. In diesem Jahr war aber die Finanzdecke des Vereins erreicht. Die auf Papier gedruckte und anspruchsvoll gestaltete Zeitschrift musste – leider – eingestellt werden. Ab März 2008 erschienen die Genius-Lesestücke nur noch in elektronischer Form. Sie wurden den Vereinsmitgliedern und den Abonnenten nun per E-Mail zugesandt. Was sich anfänglich als großes Wagnis mit ungewissem Ausgang darstellte, erwies sich in den folgenden Jahren jedoch als unerwartet großer Erfolg. 

Aus den rund 700 Lesern der Print-Ausgaben wurde heute eine Stammklientel von über 7.000 Lesern der elektronischen Ausgaben. Mithin ist also eine Verzehnfachung eingetreten! Hinzu kommen statistische „Ausreißer“, das sind Artikel, die von ungewöhnlich vielen Interessierten gelesen werden. Da finden sich Zahlen, die über 20.000, ja gelegentlich auch über 30.000 „Zugriffe“ hinausgehen. Das Internet macht das möglich. Nichts könnte den Erfolg der gemeinsamen Redaktionsarbeit von 20 Jahren besser bestätigen als diese Verbreitung! Seit dem März 2010 bis zum heutigen Tage kommt der Genius-Brief im Zweimonatsrhythmus heraus. Zu den gedruckten 42 Genius-Heften gesellten sich mittlerweile also – den gegenständlichen Genius-Brief inbegriffen – weitere 75 Online-Ausgaben.

Wie alles anfing

Am 7. Februar 1997 zeigten fünf Proponenten bei der Vereinsbehörde in Wien die Bildung des Vereines „Genius-Gesellschaft für freiheitliches Denken“ an. Die fünf Gründer waren: 

  • Der aus einer altmärkischen Adelsfamilie stammende, in Karlsbad/Böhmen 1919 geborene und 2003 in Wien verstorbene Rechtsanwalt Dr. Tassilo Broesigke, Landesobmann der FPÖ-Wien 1956, Nationalratsabgeordneter von 1963 bis1980 und danach bis 1992 Rechnungshofpräsident. Er schrieb auch das Geleitwort  in der allerersten Ausgabe der Genius-Lesestücke. Darin heißt es auszugsweise:
    „Der Verein und die Zeitschrift GENIUS wenden sich an alle, denen die sachliche Erörterung wichtiger Zukunftsfragen ein Anliegen ist. Die Schwierigkeiten des Unternehmens müssen nicht weiter geschildert werden. Es bedarf der Unterstützung aller, die an der Existenz einer solchen Zeitschrift interessiert sind. ...“
  • Der aus dem steirischen Fürstenfeld gebürtige und 2015 verstorbene Jurist und Politikwissenschaftler DDr. Erich Reiter. Er war u. a. ÖH-Hauptausschussvorsitzender an der Uni Graz war (1969/70), leitete Büro des damaligen freiheitlichen Verteidigungsministers Friedhelm Frischenschlager1983 bis 1985 und war von 1997 bis 2006 Leiter des Militärwissenschaftlichen Büros und Beauftragter für Strategische Studien. 1999 wurde er zum Honorarprofessor für internationale Wirtschafts- und Sozialvergleiche an der Uni Graz ernannt. Zudem war er Herausgeber zahlreicher politikwissenschaftlicher Bücher, darunter des „Jahrbuchs für internationale Sicherheitspolitik“, sowie Verfasser von hochkarätigen „Genius“-Beiträgen, darunter der Lesestücke „Über die Intelligenz des Antiamerikanismus“, „Zur sicherheitspolitischen Bedeutung der EU-Erweiterung“, „Die sicherheitspolitischen Chancen Europas durch die EU-Osterweiterung“, „EU und Demokratie“. Als langjähriges FPÖ-Mitglied galt Reiter als einer der liberalen Vordenker der Partei. Von 1992 bis 2000 und von 2005 bis 2006 war er Präsident des Liberalen Clubs. 
  • Dritter im Gründungsbund war der Historiker und Wiener Universitätsprofessor für Neuere Geschichte Dr. Lothar Höbelt, der 1981 mit dem Thema Studien zu den Voraussetzungen der britischen Appeasement-Politik 1937–1939 mit der in Österreich höchstmöglichen Auszeichnung „Sub auspiciis Praesidentis“ promoviert und sich 1991 mit der Schrift Kornblume und Kaiseradler, einer Arbeit über die deutschfreundlichen Parteien Altösterreichs 1882–1918, habilitiert hatte. Seine Forschungsschwerpunkte sind die österreichische, deutsche und britische Politik- und Verfassungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Dreißigjährige Krieg. Zu diesen Themen und zur Geschichte des Deutschnationalismus in Österreich veröffentliche Höbelt eine Reihe von Büchern und Aufsätzen. Höbelt gehört der Commission Autrichienne d‘Histoire Militaire und seit 1997 der Vereinigung für Verfassungsgeschichte in Hofgeismar an. Er ist Beiratsmitglied der wissenschaftlichen Fachzeitschriften International History Review (2000–2003) und War in History (seit 1996). Höbelt trat eloquent in zahlreichen Fernsehdiskussionen auf. Neben zahlreichen Biografien verfasste und verfasst er auch Dutzende Genius-Lesestücke. In den 1990er Jahren war er Berater, aber nie Mitglied der FPÖ, der Höbelt aber in Mitarbeit und Beratung oft zur Verfügung stand. Lothar Höbelt ist heute stellvertretender Obmann der Genius-Gesellschaft.
  • An der Vereinsgründung mitbeteiligt war weiters der Wiener Steuerberater Mag. Erich Wachernig, ein gebürtiger Kärntner,  der später ebenfalls höchst fachkundige „Genius“-Texte verfasste. Wachernig schrieb „Über Hans Olaf Henkel Plädoyer für einen Neuanfang“, „Erfolgsmodell Amerika“, „Die FPÖ-Regierungsbeteiligung – Versuch einer Halbzeitbilanz“, „Einkommen versus Konsum – Ansatzpunkte zur Steuerreform“, „Wohin steuern uns die Steuern?“ und „Die amerikanische Herausforderung“. Erich Wachernig arbeitet nach wie vor als Organisationsverantwortlicher seit 20 Jahren im Vorstand der Genius-Gesellschaft. 
  • Das Gründungsquintett komplettierte der in Wien geborene, aber in Tirol aufgewachsene Wirtschaftsberater Dr. Gerulf Stix, der an den Universitäten Innsbruck und Frankfurt am Main Volkswirtschaft studiert hatte und nach seiner Promotion bei verschiedenen Unternehmen in Deutschland und Österreich jahrelang in leitenden Funktionen tätig war. Ab 1963 war Stix Mitglied der FPÖ-Tirol, von 1973 bis 1985 deren Landesparteiobmann und Mitglied des Bundesvorstandes. Von 1971 bis 1990 war Gerulf Stix Abgeordneter zum Nationalrat, die letzten sieben Jahre davon Dritter Präsident des Nationalrates. Stix gilt nicht nur als theoretischer, sondern auch als praktischer Pionier auf dem Sektor der erneuerbaren Energien. Seine erste Rede zur Nutzung der Sonnenenergie im Nationalrat hielt er als Energiesprecher der FPÖ im Dezember 1973.  Neben zahlreichen für den „Genius“ verfassten Analysen, Kommentaren und Essays zu so gut wie allen relevanten Themen der Zeit schrieb Stix auch die Bücher „Die arbeitslose Gesellschaft. Alptraum, Hoffnung oder Missverständnis“ (1978) und „Die Stunde des Euroliberalismus. Liberalismus und Nationalismus im neuen Europa“ (1991), ließ sich aber auch von der dichterischen Muse küssen, was sich in seinem tiefgründigen Lyrikband „Geborgen im Sein – Gereimte Gedanken“ (2015) niederschlug. Gerulf Stix ist seit 20 Jahren Obmann der Genius-Gesellschaft und in deren Auftrag Herausgeber der Genius-Lesestücke für ein freiheitliches Europa.

Ein ganzer Kosmos freiheitlicher Vorstellungen

In der Präambel der Vereinsstatuten heißt es u. a. „Die Genius-Gesellschaft versteht sich als Plattform für die geistige Auseinandersetzung mit Zeitfragen aus freiheitlicher Sicht.

Angesprochen ist der ganze Kosmos freiheitlicher Vorstellungen und Denkweisen ohne parteipolitische oder konfessionelle Einengung.“ 

Übrigens findet sich im ersten Genius-Heft des Jahres 1997 auch ein Bekenntnis zum Jahr 1848 als dem freiheitlichen Fundament schlechthin, und zwar aus der Feder eines damals jungen Wiener Landtagsabgeordneten namens Heinz-Christian Strache ...

Einerseits fühlten sich denkende Menschen besonders angesprochen. Andererseits honorierte die Leserschaft, dass der „Genius“ auch in den wohl turbulentesten Jahren der jüngeren Geschichte des Dritten Lagers, nämlich in der Zeit vor und nach „Knittelfeld“, nicht schwieg.

Freilich spiegelten die Genius-Lesestücke trotz ihrer vielen prominenten Autoren mehr oder weniger ein Minderheitenprogramm wider. Zudem gab es auch publizistische Konkurrenz, was vollkommen natürlich ist. Denn sowohl rückblickend als auch für die Gegenwart und insbesondere für die Zukunft gilt:

Die Genius-Lesestücke sind nicht allein auf dem Feld der freiheitlichen Publizistik. 

Nein, ganz und gar nicht! Sie stellten und stellen auch keinen wie immer gearteten  Monopolanspruch. Die Herausgeber und das Autorenteam verstehen sich als Teil einer großen Gesinnungsgemeinschaft, die viele Facetten aufweist. Die „Blattlinie“ lautete und lautet weiterhin: Sowohl geschichtsbewusst als auch offen für eine Zukunft in Freiheit!

Edition-GENIUS

In der ausgeglichenen Finanzgebarung des Vereins ist auch die an sich kostenaufwändige Veröffentlichung von vier Büchern in der exklusiven Edition-GENIUS enthalten:

Die beiden Bücher von Hofrat Mag. Grillmayer, dem jahrzehntelangen Vorsitzenden des Freiheitlichen Lehrerverbandes Österreichs, bilden insofern eine Einheit, als sie eine sehr genaue Geschichte der Freiheitlichen seit beinahe 200 Jahren darstellen. Zeitlich liegt die Veröffentlichung der beiden Bücher zwar gut 10 Jahre auseinander. Aber das zweite Buch, das die Zeit von der Spaltung in FPÖ und BZÖ bis zur Bundespräsidentenwahl 2016 umfasst,  ist wegen seiner Genauigkeit hochaktuell für unsere Gegenwart. Es zeigt den Wiederaufstieg des Dritten Lagers in der Epoche des H.-C. Strache in Österreich. 

Die Erfolgsbilanz der Genius-Gesellschaft für freiheitliches Denken, welche diese nunmehr im Jahre ihres zwanzigjährigen Bestehens ziehen kann, ist nur ein Meilenstein auf dem Weg in die Zukunft. Der Wille und die Kraft, publizistisch für eine freiheitliches Weltbild einzutreten und es auch weiter zu entwickeln, sind gegeben. Darüber hinaus liegt das künftige Schicksal der Zeitschrift Genius-Lesestücke in den Händen ihrer Leserinnen und Leser.

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 28. September 2017
 
Genius – Gesellschaft für freiheitliches Denken, Verein mit Sitz in Wien. ZVR 127778490
A-1010 Wien, Kärntner Straße 10/5, Telefon +43/0/664 3003 701, EMail: verein@genius.co.at
Wiedergabe von Genius-Lesestücken nur mit Zustimmung der Genius-Gesellschaft