Wie man Religionskriege vermeidet


Über Islamismus, Christentum und Fundamentalismus – Von Gerulf Stix (Genius, 4/2007)

Nicht zu Unrecht wird der gewaltbereite Islamismus bei uns als gefährliche Bedrohung empfunden. Die bisher in Europa statt gefundenen Bombenanschläge und Morde werden wie die Spitze eines Eisberges für die grellsten Anzeichen eines dahinter lauernden, weit größeren Gefahrenpotenzials gehalten. Von dieser Stimmung ausgehend, entsteht allmählich so etwas wie eine dunkle Vorahnung neu aufkommender Religionskriege. Es wächst die Sorge vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Zeichen von Kreuz und Halbmond. Eben diese immer häufiger von durchaus verschiedenen Seiten angedachte Konfrontation verdient eine genauere Analyse. Kein verantwortungsbewusster Mensch kann sich für unseren Heimatkontinent ein derartiges Szenarium wünschen, zu abschreckend sind unsere geschichtlichen Erfahrungen mit Religionskriegen. Erfahrungen? Mit diesem Fragezeichen ist schon das Dilemma angesprochen, vor welchem jegliches Geschichtswissen steht: Man hat zwar gelernt, was sich wann und wie dramatisch abgespielt hat, man weiß es also, aber als hautnahe Erfahrung ist das Vergangene weg. Vermutlich ist das der Grund für die bittere Aussage, die Lessing zugeschrieben wird, dass „die Geschichte lehrt, dass man aus ihr nichts lernt“. Aber politisch verantwortliche Menschen müssen sich gerade gegen dieses Nicht-lernen-aus-der-Geschichte wappnen und ihr Handeln auch aus Geschichtswissen speisen.

Europa hat tatsächlich eine sich durch Jahrhunderte ziehende Abfolge von Religionskriegen, Glaubenskämpfen, Ketzerverfolgungen und Vertreibungen aus konfessionellen Gründen hinter sich. Dass hierzulande Religionsfriede herrscht, ist erst, geschichtlich gesehen, seit kurzer Zeit so. Nur um wenige Stichworte zu nennen: Die Ausrottung der Katharer (Albigenser), die Hussitenkriege, der Dreißigjährige Krieg und die Hugenottenverfolgung waren blutigste innereuropäische (und innerchristliche) Geschehnisse. Im Dreißigjährigen Krieg ist die Bevölkerung im deutschen Raum von gerundet 18 Millionen auf 6 Millionen Einwohner abgesunken! Dass in den Religionskriegen auch andere machtpolitische Motive mitspielten, sei redlicherweise angemerkt. Auch die im Zeichen von Kreuz und Halbmond zwischen Christentum und Islam geführten Kriege haben eine lange Geschichte, die sich von Karl Martell über die Kreuzzüge (Motto: „Gott will es!“) bis zur Reconquista Spaniens und den Türkenkriegen erstreckt. Angesichts dieser vielen Religionskriege, unter denen Europa arg gelitten hat, dürfen wir heutigen Europäer uns glücklich schätzen, dass Religionsfriede eingekehrt ist.

Religionsfriede durch Religionsfreiheit

Dieser Religionsfriede ist, mit einem Wort gesagt, die Frucht der Religionsfreiheit. Nur weil es in unseren Breiten heute verfassungsrechtlich, grundrechtlich und menschenrechtlich gesicherte Religionsfreiheit gibt, sind Religionskriege in Form blutiger Auseinandersetzungen kaum vorstellbar. Mit Kopfschütteln nimmt man daher Berichte über solche Gewaltexzesse aus anderen Weltgegenden zur Kenntnis. Aber wir geben uns selten Rechenschaft darüber, wie lange es dauerte und welcher Weg gegangen wurde, bis bei uns Religionsfreiheit durchgesetzt werden konnte. Grob vereinfachend gesagt, ist sie das Ergebnis der so genannten Aufklärung. Diese zunächst geistig-kulturelle, nach und nach auch politische Bewegung begann zaghaft im 17. Jahrhundert, steigerte sich im 18. Jahrhundert und verbreitete sich im 19. Jahrhundert schließlich in ganz Europa. Im Mittelpunkt stand die Idee von der Freiheit des Menschen. Folgerichtig kam es in der Zeit des „aufgeklärten Absolutismus“, so auch unter Joseph II., zur Abschaffung der Leibeigenschaft.

Philosophen wie Voltaire und Dichter wie Lessing, Schiller und Goethe, um markante Namen zu erwähnen, kämpften für Geistesfreiheit, Lehr-, Lern- und Meinungsfreiheit. Sie traten leidenschaftlich für religiöse Toleranz ein und fanden großen Widerhall. Doch auch die Widerstände der etablierten und herrschaftsbewussten Mächte waren enorm. Die Kirchen wetterten gegen diese „Freigeisterei“, die fanatischsten ihrer Vertreter schrieben: „Liberalismus ist Sünde“. (Vgl. Genius 1/07, S. 49). Trotzdem setzten sich schrittweise die vielfältigen Freiheitsbewegungen durch. In Österreich wurden unsere heute noch im Verfassungsrang geltenden Freiheitsrechte im Jahr 1867 Gesetz. In Artikel 14 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember 1867 heißt es wörtlich: „Die volle Glaubens- und Gewissenfreiheit ist Jedermann gewährleistet. Der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte ist von dem Religionsbekenntnisse unabhängig; doch darf den staatsbürgerlichen Pflichten durch das Religionsbekenntnis kein Abbruch geschehen.“ Es war also ein Jahrhunderte langer Weg bis zur Religionsfreiheit.

Parallel dazu kam es der Sachlogik folgend notwendigerweise nach und nach zur Trennung von Staat und Kirche. Heute für uns eine Selbstverständlichkeit, war das früher ganz und gar nicht so. Die Kirche(n) war(en) ein Machtfaktor und praktizierte(n) vielfach als Amtsträger. Zum Beispiel gab es keine Standesämter, geheiratet werden konnte nur kirchlich, weswegen das Personenstandswesen von den Pfarrämtern geführt wurde. Noch viel früher führten Kaiser und Päpste sogar Kriege um die Frage, wer über wem stünde (Investiturstreit). Von den sieben deutschen Kurfürsten waren drei zugleich Erzbischöfe. Dem geschichtskundigen Leser wird dazu noch Vieles einfallen. Kurz und gut, in Europa gab es durch weit über ein Jahrtausend nicht nur keine „Trennung von Kirche und Staat“, sondern im Gegenteil das enge „Bündnis von Thron und Altar“; anders formuliert: ein Kartell zwischen Königtum und Priestertum zwecks gemeinsamer Herrschaft. Einige fundamentalistische Kirchenanhänger trauern diesen verflossenen Zuständen heute noch nach, während die offiziellen Kirchvertreter ihnen längst abgesagt haben. Nicht so bei den Islamisten! Deren Ideal ist der „Gottesstaat“ – siehe Iran.

Dem Islam fehlt die Aufklärung

Damit befinden wir uns nun plötzlich inmitten der aktuellen Probleme mit dem Islamismus. Letzterer Begriff ist absichtlich gewählt. Man könnte ja auch einfach vom Islam sprechen, so wie vom Christentum. Aber das träfe nicht unser eigentliches Problem. Christentum und Islam könnten als Religionslehren gegenübergestellt und verglichen werden. Das wäre reizvoll und sogar leicht, weil beide aus dem Orient stammen und überdies gemeinsame Wurzeln aufweisen. Beide Religionen sind – wie die sie verbindende jüdische Religion – so genannte „abrahamitische Religionen“, weil sie sich bis auf Abraham zurückführen. Auch die Mohammedaner verehren Moses und Jesus, freilich nur als Vorläufer des Propheten. Daher ist nicht weg zu deuten, dass es sich beim Christentum und Islam trotz allen, auch wesentlichen Unterschieden um einander verwandte orientalische Religionen handelt (Jerusalem ist für beide eine heilige Stadt, für das Judentum sowieso). Aber es sei nochmals betont: Das macht nicht unsere Frage, nicht unser aktuell brennendes Problem aus. Der heute fordernd, auch gewalttätig in und gegen „unser“ Europa auftretende Islamismus ist der Ausfluss eines Islam, dem die Phase der Aufklärung, wie sie das moderne Europa durchlebt hat, noch fehlt. Verglichen mit den christlichen Kirchen steckt der Islam immer noch in der Zeit vor einer in seinen Lebensbereichen autonom entstandenen Aufklärung. (Der Sonderweg der Türkei sei hier ausgeklammert). In dieser Beurteilung sind sich alle Islamkenner einig, auch solche, die selbst dem Islam als Religionslehre anhängen. (Vgl. Genius Heft 1/06, S. 5, und Heft 3/06, S. 188). Mit anderen Worten gesagt: Der Islamismus ist heute ähnlich fundamentalistisch, wie es die christlichen Kirchen vor dem Sieg der Aufklärung, also vor rund 200 Jahren, ebenfalls waren.

Islamismus steht für Fundamentalismus

Es geht also in erster Linie um die Auseinandersetzung mit einem islamischen Fundamentalismus, wofür das Wort Islamismus steht. Die wirkliche Konfrontation heißt demnach Islamismus gegen Aufklärung oder umgekehrt aus europäischer Sicht: Aufklärung gegen Islamismus. Indem in manchen Diskussionen häufig von einer Konfrontation zwischen Christentum und Islam die Rede ist, wird dadurch der klare Blick auf den tatsächlichen Konflikt verschleiert, ja regelrecht verstellt. Die schwammige Beschwörung „abendländischer christlicher Werte“ gegen den andrängenden Islam verdrängt sogar die so wichtige Einsicht, dass es eben unser aufgeklärtes, modernes Europa gegen den Islamismus zu verteidigen gilt. In der pauschalen Beschwörung des „Abendlandes“ hingegen ist unvermeidlich ja auch die eigene fundamentalistische Vergangenheit (Schlagwort „Finsteres Mittelalter“) mit enthalten. Einem fundamentalistischen Islam ein neuerlich fundamentalistisches Christentum gegenüber zu stellen, wäre für Europa ein Rückschritt in Richtung Mittelalter. Dass auf christlicher Seite einige wenige Fundamentalisten genau damit liebäugeln, trägt nicht zur Beruhigung bei. Die Mehrzahl auch der christlichen Europäer will solchen Rückschritt ganz und gar nicht. Niemand wird leugnen, dass es einen Konkurrenzkampf zwischen Christentum und Islam als Religionslehren gibt, aber dieser kann und soll friedlich im Rahmen unserer Glaubens- und Meinungsfreiheit ablaufen. Das setzt natürlich voraus, dass beide Seiten auf dem Boden der Aufklärung und ihrer Grundrechte stehen. Eben diese Voraussetzung fehlt auf Seite der Islamisten. Deswegen ist es unbedingt notwendig, ganz deutlich zu machen, dass es hier nicht um einen Religionskonflikt geht, sondern um die Durchsetzung der Werte unserer Aufklärung gegenüber dem Islamismus. Nur diese Einsicht in die real gegebene Situation ermöglicht eine wirksame Verteidigung unserer heutigen europäischen Werte. Wer hingegen nur einen Religionskampf zwischen Christentum und Islam sieht und darauf seine Verteidigungsstrategie aufbaut, der wird eines Tages nolens volens in Religionskriegen enden, was kein vernünftiger Mensch will.

Strategien gegen den Islamismus

Bevor mögliche Strategien zur Durchsetzung der Aufklärung gegenüber dem Islam angedacht werden, ist eine realpolitische Vorfrage abzuhandeln, nämlich die Tatsache, dass das Vordringen des Islam als Religion in Europa nicht etwa das Ergebnis erfolgreicher Missionstätigkeit ist, sondern in erster Linie auf der Massenzuwanderung von Menschen aus dem islamischen Kulturkreis fußt. Es kommen einfach fremde Menschen, die ihre angestammte Kultur und praktizierte Religion eben mitbringen und nicht davon ablassen wollen. Solange das nur wenige waren, entstanden keine nennenswerten Probleme. Mit steigender Anzahl kam es zur Bildung islamischer Kolonien in den europäischen Ländern. Die Zugewanderten wollten und wollen immer deutlicher „unter sich bleiben“. Die viel beredete „Integration“ findet deswegen kaum mehr statt, weil durch die Menge der Einwanderer bei diesen selbst das Gefühl wächst, Anpassung an die neue Umgebung und das Einfügen in die europäische Gesellschaft nicht unbedingt nötig zu haben. Die eigene „Parallelgesellschaft“ sei bereits groß und tragfähig genug, um die mitgebrachte Lebensart und Kultur weiterhin zu praktizieren. Durch die Menge wird der Zuzug einiger Zehntausender zur Masseneinwanderung von Hunderttausenden, ja Millionen, und das führt quasi automatisch zu friedlicher Landnahme. Es handelt sich also im Kern um das politische Problem einer neuen Völkerwanderung, nicht aber primär um ein Religionsproblem. Dass dieser Befund stimmig ist, zeigt eine vergleichende Hilfsüberlegung: Wären die Einwanderer in ihrer Masse z.B. Buddhisten, so wäre der Islam heute kein großes Problem in und für Europa. Diese Klarstellung, dass nicht Missionierung sondern die Masseneinwanderung von Menschen mit islamischem Hintergrund der Hauptgrund für die entstandenen Probleme ist, zwingt zu dem logischen Schluss, dass eben diese Masseneinwanderung gestoppt werden muss. Solche Abwehrhaltung ist auch insofern legitim, als die geltenden Menschenrechte kein Recht auf Zuwanderung beinhalten! Wenn die Europäer ihre heutige Kultur und ethnische Zusammensetzung behalten wollen, müssen sie die friedliche Landnahme durch fremdkulturelle Völkerschaften unterbinden. Das ist eine politische Aufgabe und nicht eine Frage der Religion. Tatsächlich handelt es sich für ganz Europa um eine nationale Frage.

Parallelgesellschaft als Operationsbasis

Der weltweit operierende Islamismus, also die fundamentalistisch gespeiste islamische Kampfbewegung, ist auch in Europa tätig geworden. Verübte Terroraktionen wie auch geplante sind nur die gewalttätigste Spitze aller politischen Aktionen des Islamismus. Kämen terroristische Gruppen nur von außen, dann wäre das Feindbild klar konturiert. Selbstverständlich ist jeder Terrorismus ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Das galt für den Terror der Roten Armeefraktion (RAF), das gilt nun für den islamistischen Terror. Hier bedarf es keiner weiteren Worte. Das besondere Problem für den Abwehrkampf gegen den Islamismus liegt darin, dass sich fanatische Islamisten aller Abstufungen im Umfeld der friedlichen islamischen Einwanderung eingenistet haben. Die Islamisten benützen dieses Umfeld der entstehenden Parallelgesellschaft teils als Versteck und teils als Operationsbasis. Jüngst erst schrieb G. A. Rusznak vom Islamischen Informationszentrum Österreich: „Es gab und gibt große Probleme mit der Integration muslimischer Mitbürger, es gab und gibt Probleme mit terroristischen Aktivitäten, mit den von der Islamischen Glaubensgemeinschaft bestellten Religionslehrern, den Imamen, mit dem Umfeld des Präsidenten (Anm: Anas Schakfeh), in dem sich immer wieder verdächtige Personen befanden und befinden.“ („Die Presse“, 19. Oktober 2007, S. 41) Diese Vermengung von friedlichen eingewanderten Muslimen und politisch hochaktiven Islamisten erschwert den Abwehrkampf gegen den Islamismus enorm.

Es braucht eine Doppelstrategie

Umso wichtiger ist für uns Europäer eine Strategie, die nicht alle Muslime in einen Topf wirft, sondern die unterscheidet zwischen Muslimen, die in unsere säkulare Gesellschaft friedlich integriert werden sollen und wollen, und den nicht integrierbaren Islamisten. Gewiss bleibt eine solche Differenzierung schwierig, die Abgrenzung unscharf und von Irrtümern bedroht. Aber langfristig gesehen, wird diese Unterscheidung wichtig werden, weil sie gewalttätige Religionskriege vermeiden hilft. Ohne eine derartige Unterscheidung würden nämlich mehr oder weniger alle Muslime den Islamisten in die Hände getrieben werden und deren Kampfpotenzial stark ausweiten. Das ist der Punkt, wo die europäische Aufklärung ins Spiel gebracht werden muss. Der Fundamentalismus ist zu bekämpfen, nicht der Islam als Religion. Unter den Muslimen gibt es genügend Menschen, die durchaus bereit sind, ihre religiösen Anschauungen für unsere europäischen Vorstellungen zu öffnen und nach und nach mit unserem Freiheits- und Toleranzdenken in Einklang zu bringen. Von dieser Bereitschaft zeugen viele Stimmen moderner namhafter islamischer Intellektueller. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Weiterentwicklung des islamischen Religionsverständnisses durch die Aufnahme der Erkenntnisse der europäischen Aufklärung. Ein Vorgang, den ja die christlichen Kirchen ebenfalls durchmachen mussten und letztlich auch vollzogen haben.

Wir müssen also in einem offenen Dialog jenen Muslimen helfen, die selbst einen modernen, an westlichem Denken positiv orientierten Islam anstreben. Sie liegen eben deswegen häufig in heftigen Auseinandersetzungen innerhalb ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft mit den Fundamentalisten, mit den fanatischen Islamisten. Am besten können wir ihnen helfen, indem wir die erwähnte Unterscheidung selbst im Auge behalten und konsequent eben nicht „dem Islam“ entgegentreten sondern den Anmaßungen der Islamisten: also keine Zugeständnisse an die Scharia, wo überall diese mit unseren Rechtsnormen unvereinbar ist; keine Zugeständnisse hinsichtlich der gesellschaftlichen Stellung der Frau, wie Islamisten die Rolle der Frau sehen und beibehalten wollen; keine Zugeständnisse hinsichtlich der Trennung der Geschlechter in Schule und Öffentlichkeit in einem größeren Ausmaß als auch bei uns üblich. Besonders wichtig ist, dass jeglicher Zuzug, der nach einigen Jahren zu irgendeiner Art von Bleiberecht oder gar Einbürgerung führt, ausdrücklich an die Anerkennung der europäischen Grund- und Freiheitsrechte und unseres Rechtssystems in markanter Form verpflichtend gebunden wird. Da wird es auch Sanktionen bei erkennbaren Verstößen geben müssen.

Ausländer ist nicht gleich Ausländer

Damit kein Missverständnis entsteht, sei nochmals gesagt, dass unabhängig von der geschilderten Strategie zur Integration aufgeschlossener Muslime eine entschlossene Politik zur Verhinderung fortgesetzter Masseneinwanderung aus fremden Kulturkreisen unabdingbar ist, wenn sich Europa selbst bewahren will. Die Strategie einer bewussten Heranführung an unsere Werte der Aufklärung zielt hauptsächlich auf jene Einwanderer, die längst in unseren Landen so sesshaft geworden sind, dass eine Abschiebung oder anderweitig überlegte Rückführung in ihre Ursprungsländer aus vielerlei Gründen praktisch unmöglich geworden ist. Das betrifft vor allem auch die Nachkommen von Einwanderern der zweiten und dritten Generation, überwiegend schon hier geboren und meist bereits Staatsbürger. Besonders bei diesen ist der Hebel anzusetzen, wenn man ausufernde Parallelgesellschaften rechtzeitig friedlich eindämmen will. Mit religionskämpferischen Parolen wird das bestimmt nicht gelingen.

Zum Abschluss eine mir wichtig erscheinende Anmerkung zum gängigen Begriff „Ausländer“. Dieses Wort verwischt völlig die Herkunft des oder der mit diesem Begriff bezeichneten Menschen aus Kulturkreis und Ethnie. Die bloße Orientierung an der Staatszugehörigkeit verdeckt den Kern des Problems und hilft mit dieser Unschärfe nur jenen Ideologen, die von einer unbegrenzten multikulturellen Gesellschaft schwärmen. Ein Schweizer oder Österreicher oder Deutscher (Bundesrepublikaner!) ist zwar staatsrechtlich im jeweils anderen Land ein „Ausländer“, er ist jedoch ganz und gar nicht im Sinne der Zugehörigkeit zum gleichen Kulturkreis. Das gilt übrigens in einem abgestuften und zugleich erweiterten Sinn für alle Europäer – auch wenn sie verschiedene Sprachen sprechen. Immerhin stammen die germanischen, romanischen und slawischen Sprachen aus der gleichen Wurzel, um nur ein Kriterium zu erwähnen. Wir sollten daher lernen, bewusst zwischen „Ausländern“ europäischer Herkunft und „Ausländern“ aus anderen Erdteilen zu differenzieren. Das muss auch in der praktischen Politik seinen Niederschlag finden. Dann würde sich auch das dümmliche Schlagwort von der „Ausländerfeindlichkeit“ von selbst erledigen. Nicht „die Ausländer“ sind unser Problem sondern die massenhaft(!) Einwandernden aus fremden Kulturkreisen.

 
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