Europaweiter Trend der Rebellen-Künstler?


Europaweiter Trend der Rebellen-Künstler?

 
Von Bernd Stracke

Die einst rebellischen „68er“ sind soeben ein halbes Jahrhundert – in buchstäblichem Sinn – alt geworden, haben sich etabliert und zum Teil sogar schon in die Pension verabschiedet. Inzwischen scheint uns die „politische Korrektheit“ zu dominieren. Wer vom „Mainstream“, den einige wenige vordefinieren, abweicht, muss mit Ausgrenzung, gesellschaftlicher Ächtung und sogar existentieller Vernichtung durch das „Establishment“ rechnen. Seltsam, dass in jüngster Zeit die Front der gutmenschlichen Gesinnungsterroristen ins Wanken zu geraten scheint, und dass es immer mehr Künstler wagen, gegen den Strom zu schwimmen. Nicht nur in Österreich und Deutschland (vgl. Teil 1 „Rebellion gegen die Meinungsdiktatur?“ im Genius-Lesestück Nr. 8 vom 1. April 2018)[1], sondern europaweit. 

„Wenn Du wissen willst, wer Dich beherrscht, musst Du nur herausfinden, wen Du nicht kritisieren darfst.“ Ob dieses dem französischen Dichter Voltaire (1694–1778) zugeschriebene Zitat nun wirklich von ihm stammt oder nicht, bleibt letztlich belanglos. Es steckt aber wohl mehr als ein Korn Wahrheit darin. Auch in Frankreich schwimmt die „Kulturschickeria“ derzeit weitgehend mit dem Strom und macht gar keine Anstrengungen, die wahren Herrscher zu outen. Viel einfacher ist es, die Obrigkeit nicht zu kritisieren und auf Schwächere hinzudreschen. Aber zum Glück ist, um mit Asterix zu sprechen, „ganz Gallien“ auch heute noch nicht „von den Römern besetzt“. 

„Rassistin“ Brigitte Bardot

Die heute 84-jährige französische Film- und Chanson-Ikone Brigitte Bardot war eine der Ersten, die als Tierschutzaktivistin und prominente Sympathisantin der französischen Rechten gegen den Meinungsstrom schwamm. Seit den 1990er-Jahren wird Bardot dem Umfeld des von Jean-Marie Le Pen gegründeten und heute von dessen Tochter Marine Le Pen geführten „Front National“ (die Partei bezeichnet sich übrigens selbst als „patriotisch“ und „souveränistisch“ sowie als „weder rechts noch links“) zugerechnet. Bardots Ehemann Bernard d’Ormale ist führendes Front-National-Mitglied. Immer wieder beklagt die Filmblondine öffentlich die „Überfremdung“ ihres Landes. Bereits 2003 warnte sie in ihrem Bestseller „Un cri dans le silence“ („Ein Ruf aus der Stille“) vor einer Islamisierung Frankreichs, kritisierte die Verweichlichung der Männer und zog gegen die Fast-Food-Unkultur zu Felde. Außerdem findet sie kein gutes Haar an der modernen Architektur und schwärmt allgemein von einem „Frankreich von einst, das noch menschliche Dimensionen gehabt“ habe. Während der Verriss der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ für Bardots Bestseller, übrigens das erfolgreichste französische Buch des Jahres 2004, relativ moderat ausfiel („… man erkennt die Sprache des Populismus …“), nannte die „Bewegung gegen Rassismus und für Völkerfreundschaft“ (MRAP) das Buch überhaupt eine „Lawine aus Schmutz und Hass“. Weltweites Echo und wenig Kritik löste Bardots Eintreten gegen das unmenschliche Robben-Abschlachten aus. Mehrmals stand Brigitte Bardot aber wegen „Anstiftung zum Rassenhass vor Gericht“. Sie wurde teils freigesprochen und teils rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt. Die Pönalen (u. a. wegen Äußerungen zum islamischen Schächten) von 9.000 DM, 5.000 Euro und 15.000 Euro dürfte sie als Trägerin unzähliger Preise und renommiertes Mitglied der französischen Ehrenlegion aber wohl eher locker weggesteckt haben.

Karl Lagerfeld und „Schwiegermutter Merkel“

Der heute ebenfalls 84-jährige Wahlpariser und weltberühmte Designer, Fotograf, Kostümbildner und Modeschöpfer Karl Lagerfeld konnte kürzlich nicht umhin, in einer Show beim Pariser Sender C8 gegen die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel loszulegen: „Man kann nicht, selbst wenn Jahrzehnte dazwischen liegen, Millionen Juden töten, um danach Millionen ihrer schlimmsten Feinde kommen zu lassen.“ Zuvor hatte Lagerfeld die Frage, ob Merkel einen großen Fehler gemacht habe, klipp und klar bejaht. Die deutsche Kanzlerin hätte „es nicht nötig gehabt, eine Million zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, um sich ein charmantes Image zu geben – nach dem Bild der Schwiegermutter, das sie sich in der Geschichte der Griechenland-Krise gegeben hat“. 

„Les Brigandes“ und „der große Austausch“

Eine erfolgreiche CD nach der anderen produziert die junge französische patriotische Frauenmusikgruppe „Les Brigandes“. Das Markenzeichen der sieben attraktiven Sängerinnen ist eine schwarze Augenbinde, wie sie einst die königstreuen Kämpfer in der Vendée trugen, als sie gegen den von der Französischen Revolution initiierten blutigen Terror aufstanden. Die damalige Republik rief daraufhin zur Ausrottung der Vendéer auf, welche sie als „les brigandes“ („die Banditen“) bezeichnete. Dieser Genozid, der aufgrund seiner egalitaristischen Motivation heute nicht als solcher anerkannt ist – zwang daraufhin die Vendée, um ihr Überleben zu kämpfen, sodass sich selbst verzweifelte Frauen, die nichts mehr zu verlieren hatten, in den Kampf warfen. Das von den modernen „Brigandes“ (den Begriff übersetzt man auch mit „Freiheitskämpferinnen“) produzierte erste Musikvideo bezog sich auf diese legendär gewordenen Heldinnen. Die Musikerinnen dürften aus der Region Béziers in Südfrankreich stammen, halten aber, wohl nicht ohne Grund, ihre Adresse geheim. Ihre bisher über 80 Chansons tragen Titel wie „En enfer“ („Zur Hölle“), „Quand j’étais Parisienne“ („Als ich Pariserin war“), „Antifa“, „L’heure de dire adieu“ („Die Zeit um Abschied zu nehmen“), „Au parlement“ („Im Parlament“), „Soldat de l’OTAN“ („Soldat der NATO“) , „Laissez vivre la Russie“ („Lasst Russland leben“) oder „Midi libre“ („Freies Südfrankreich“). Andere Lieder nehmen die Freimaurer, den Papst, die Jesuiten oder gar Merkel persönlich aufs Korn („Merkel dégage!“ – „Merkel muss weg“). Das hunderttausende Male aufgerufene Chanson „Le grand remplacement“ („Der große Austausch“) ist neuerdings im Internet zeitweise nicht oder nur eingeschränkt abrufbar, es taucht der Hinweis auf: „Der folgende Inhalt wurde von der YouTube-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft.“ Leser der „Genius-Lesestücke“ kennen den Text von „Der große Austausch“ und von „Ce geste“ („Diese Geste“) aus der „Zitatentruhe“ vom September 2017. Mittlerweile sind die meisten Videoclips der „Brigandes“ auch schon deutsch, italienisch und spanisch untertitelt. 

Französische Stimme für Deutschland: Isabelle Kusari

„Mein Name ist Isabelle Kusari, ich bin Französin und lebe in Meerbusch Büderich im Rheinland. Ich bin Mezzosopranistin und meine Programme sind eine Mischung aus französischer und deutscher Klassik. Ich singe gerne Chansons aus der Belle Époque, Chansons Musette, Operetten, Opernarien, Volkslieder, historische Lieder, christliche Lieder, Heimatlieder und Kunstlieder.“ So stellt sich eine der schönsten zeitgenössischen Stimmen Europas auf ihrer Homepage vor. Selbstredend singt sie sowohl die französische als auch die deutsche Nationalhymne. Weil sie den Rhein als „wunderschön“ ansieht, gehören zu ihrem Repertoire auch viele Lieder und Gedichte über diesen Fluss. Aus ihrer eigenen Sammlung kann die Kusari ein bis zu acht Stunden dauerndes Programm über die Kultur und die Geschichte ehemaliger deutscher Provinzen und Siedlungsgebiete inklusive Ostpreußen, Westpreußen, der Freien Stadt Danzig, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien, Böhmen, Mähren, Sudetenschlesien sowie den deutschen Siedlungsgebieten im Baltikum und in Südosteuropa, einschließlich des Donauraums (Bessarabien, Siebenbürgen, Wolga-Gebiete) mühelos bestreiten. Seit sie aber, oh Schreck, auf einem Adventempfang der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt – im Gedenken an die Berliner Terroropfer – deutsche Weihnachtslieder sang, pfeift ihr, so berichten ihre Anhänger, eisiger Gegenwind des „Establishments“ ins Gesicht. Sollte es den Hauptstrommedien gelingen, sie tatsächlich aus dem Musikgeschäft wegzumobben, würde sie sicher nicht, wie so manche „Staatskünstler“, brotlos: Immerhin war sie im kaufmännischen Bereich für nationale und internationale Konzerne in Frankreich, Irland und Deutschland tätig. Mehrere Jahre leitete sie als Sales Support Managerin in einem Mineralölkonzern eine Abteilung mit zwölf Mitarbeitern. Sie war zudem als Dolmetscherin für die Bundespolizei in Nordrhein-Westfalen und als Sprachcoach für die Robert Schumann Musikhochschule tätig. 2005 gewann sie eine Medaille beim Marathon in Düsseldorf. Sie ist außerdem Trägerin des „Prix du Maire aux collégiens méritants“, den die Stadt Paris an verdiente Schüler für vorbildliche Arbeit und für besondere Leistungen verleiht.

Ein Brite, der „will, dass Deutschland deutsch ist“

Kritische Aussagen zu Migration und Massenzuwanderung kommen aber auch von den Britischen Inseln: Der aus Davyhulme (Nordwestengland) stammende Rocksänger Steven Patrick Morrissey, früheres Mitglied der Band „The Smiths“, der mit „Low in High School“ gerade ein neues Soloalbum (dem an die hundert Studio- und Livealben sowie Dutzende Musikvideos vorangegangen waren) veröffentlicht hat, zeigt nicht nur volles Verständnis für das Brexit-Votum, sondern wirft auch Angela Merkel vor, mit ihrer Politik die EU dominieren zu wollen. Er sei traurig, dass „Berlin wegen der Massenzuwanderung die Vergewaltigungshauptstadt geworden ist“. Auf die Frage des „Spiegel“, ob er denn dagegen sei, „Flüchtlinge aufzunehmen“, antwortete Morrissey: „Okay, reden wir über den Multikulturalismus. Ich will, dass Deutschland deutsch ist. Ich will, dass Frankreich französisch ist. Wenn man versucht, alles multikulturell zu machen, hat man am Ende gar keine Kultur mehr. Alle europäischen Länder haben viele, viele Jahre für ihre Identität gekämpft. Und jetzt werfen sie sie einfach weg. Ich finde das traurig.“ Nach dem grauenhaften islamistischen Selbstmordattentat im Vorjahr in Manchester schrieb Morrissey auf seiner Facebook-Seite: „Theresa May sagt, solche Angriffe werden uns nicht brechen, aber ihr eigenes Leben findet in einer kugelsicheren Blase statt.“

Grüne gegen Konzert der Südtiroler Band Frei.Wild

Die Texte der aus Brixen stammenden patriotischen Rockgruppe „Frei.Wild“ handeln meist von Lebens- und Alltagserfahrungen. Es geht um Freundschaft, Geld, Alkohol, Freiheit, den Umgang mit Rückschlägen, aber auch um die Heimat. Die Musiker definieren sich als „eindeutige Südtiroler“. Dort habe „keiner ein Problem mit unseren Texten, die verstehen, um was es uns geht. Wenn dort ein Feiertag ist, dann wird die Tiroler Flagge vors Haus gehängt, und zwar überall. Die haben auch lauter Vereine, die das hegen und pflegen und diese Verbundenheit zu Südtirol erhalten wollen. Da muss man doch nicht andauernd Rücksicht darauf nehmen, dass man als Deutscher keinen Nationalstolz entwickeln oder zeigen darf, weil man sofort als Nazi beschimpft wird.“ Obwohl die Band politische Vereinnahmungsversuche strikt zurückweist und sich sowohl von Rechts- als auch von Linksextremismus distanziert, begann kürzlich die hanseatische Political-Correctness-Fraktion via Sat 1 sofort zu hyperventilieren, als „Frei.Wild“ für April 2018 in Bremen ein Konzert ankündigte. Ein die Stadthallenvermietung betreffender Unterbindungsversuch der Grünen – nach Ansicht der Bündnis-90-Abgeordneten Kai Wargalla, Nima Pirooznia und Dr. Maike Schäfer sei die Band ja „umstritten“ und würde „mit ihren Songtexten Grenzen überschreiten“ – löste allerdings bei den anderen Parteien Kopfschütteln aus und verlief ergebnislos. Eine von Links organisierte und vom „Weser-Kurier“ mitgetragene Demo mit Transparenten wie „Kein Bock auf Frei.Wild“ kam über Mini-Dimensionen nicht hinaus und tat dem Jubel der Anhänger keinen Abbruch. Ähnliche Erfahrungen hatte die Gruppe nach einem Konzert im Wiener „Gasometer“ gemacht: Der „Rechtsextremismus-Experte“ Johannes Radke versuchte in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ unter dem Titel „Die neue Reichskapelle“ die Band einmal mehr ins rechte Eck zu stellen. Denn: Die Bandmitglieder würden sich dazu bekennen, Südtiroler zu sein und in ihren Liedtexten das Unrecht ansprechen, das der deutschen und ladinischen Volksgruppe seit 1918 widerfahren ist. Doppelt verdächtig für die Gesinnungsjournalisten: Eines der Bandmitglieder engagierte sich vor Jahren bei den Südtiroler Freiheitlichen. 2013 wurde die Gruppe für ihr 100.000fach verkauftes Album „Feinde deiner Feinde“ für den Echo-Preis nominiert, dann aber von der Jury als „rechtslastig“ eingestuft und plötzlich gestrichen. Dass sich die Band seit Jahr und Tag von jeder Form des Extremismus distanziert und einfach nur guten Deutschrock spielt, der gesellschaftspolitisch relevante Themen anspricht, wurde und wird bewusst unterschlagen. Der „Donaufischer” postete kürzlich im Internet: „Die Nazi-Keule kann bei der Gruppe Frei.Wild gar nicht wirken, weil ja Südtirol bekanntlich von Hitler an Mussolini verraten wurde. Die Berufs-Antifaschisten kommen da mangels historischer Bildung ein wenig durcheinander. Ein Lichtblick in der Musik-Jugendkultur!“ Die Musikgruppe hatte übrigens auch schon eine kriminelle Attacke auf ihren Accessoire-Laden in Brixen erlitten: Die Fassade des Geschäfts wurde mit linksextremen Parolen sowie kommunistischen Symbolen besprüht.

Serena Lauren Ross, Kritikerin aus Italien 

Der Umstand, dass sich Frauen zunehmend in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sehen, nämlich dort, wo männliche „Schutzsuchende“ im Rudel auftreten, verärgert immer mehr Europäerinnen. Die Folgen einer unverantwortlichen Migrationspolitik sind neben Straßenraub oder Vergewaltigungen eben auch unangenehmes Anmachen, was den Frauen das Gefühl vermittelt, sie seien bloße Sexobjekte – oder gleich Prostituierte. Nachdem das bildhübsche italienische Model Serena Lauren Ross die Schattenseiten des Refugees-Welcome-Tsunamis am eigenen Leib erlebt hatte, platzte der 25-jährigen der Kragen. Unerschrocken meldete sie sich im italienischen Portal „voxnews.info“ zu Wort: „Seit einiger Zeit ist es unmöglich, auf der Straße zu wandern, ohne vielen Anlässen aller Art ausgesetzt zu sein.“ Besonders hätten, so Ross, „Menschen aus dem Nahen Osten/Afrika offensichtlich nicht die leiseste Ahnung davon, dass eine Frau nicht den Wert einer Ziege hat.“ Sich dem Mainstream mutig entgegenstellend, gibt sich Ross kämpferisch: „Frauen sind so viel wert wie Männer, und ich habe nicht die Absicht, das Diktat dieser Art von Zulus aus einer rückständigen Kultur erleiden zu müssen, die das Gesetz des Dschungels fördert. Sie importieren ihre ‚Kultur’ und abgründige Ignoranz von dort, wo der Mensch denkt, er könne die Frau benutzen, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen …“

Aufmüpfige Eidgenossen

Der beliebte Berner Mundart-Rocker Gölä alias Marco Pfeuti versetzte die Eidgenossenschaft in hellen Aufruhr, als er kürzlich im „Sonntagsblick“-Interview „politisch“ wurde. Gölä sei nicht der erste Prominente, der das linke Gutmenschen-Gewand durchsticht, das sich „die Reichen und Schönen“ gerne umhängen, analysierte Redakteur Anian Liebrand von der „Schweizerzeit“. Verorte Gölä doch die Schweiz offen als „zu links“, weiters sei es „eine Schweinerei, dass der Volkswille nicht umgesetzt“ werde. Mit seinen Ansagen habe Gölä zweifellos einen Nerv getroffen. Neben großem Zuspruch aus dem Volk habe sich Gölä aber auch den Zorn etlicher Medienschaffender und „Berufskollegen“ zugezogen, die ihn als „kleinkarierten Wutbürger“ verhöhnten. Das linke Journaille- und Kultur-Milieu sehe abweichende Meinungen nicht gerne. Wer aufmucke, werde auch in der Musterdemokratie gemaßregelt, ausgegrenzt und geschnitten.

Ähnlich erging es auch einem anderen Schweizer: Chris von Rohr, ehemaliger Frontmann der legendären Schweizer Rockband „Krokus“, wurde spätestens als Jury-Mitglied der SRF-Sendung „MusicStar“ Schweizern aller Altersschichten mit flotten Sprüchen („Meh Dräck“) und herzlichen Gefühlsausbrüchen bekannt. Seit Jahren äußert er offen seine Sympathien für rechtsbürgerliche Politik, kämpft gegen Bildungsbürokratie und den schleichenden EU-Beitritt und pflegt Kontakte zu Christoph Blocher.

Als einem weiteren Star, Andreas Thiel, einem liberalen Kultur-Querkopf, wegen seiner pointierten Islamkritik viele Auftritte gestrichen wurden, kritisierte von Rohr die gegen Thiel gerichteten Sanktionen als „Säuberung im linksdominierten Kulturbetrieb“. Schon vorher hatte Chris von Rohr in gewissen Medien- und Kulturkreisen als „Persona non grata“ gegolten. Man versuchte den „Abweichler“ mit medialer Ausgrenzung und Diffamierung zu bestrafen – ohne Erfolg. Über seine Kolumne in der „Schweizer Illustrierten“ und in (zuletzt leider seltener gewordenen Interviews) äußert von Rohr seine Meinung aber weiterhin unverblümt.

Mit ihrem Bekenntnis zu einer bürgerlichen, auf einem positiven Heimatbegriff fußenden Einstellung zur Schweiz – ohne ihren „Way of Life“ in irgendeiner Form zu überdecken – stehen Gölä und Chris von Rohr keineswegs alleine da, meint Liebrand. Schon vor 20 Jahren habe „die versammelte Schweizer Rockprominenz von Polo Hofer über Sens Unik bis Züri West gemeinsam gemeinsam gegen die Beschaffung eines neuen Armeeflugzeugs“ gesungen, blickt der Musikjournalist Dominic Dillier auf „Radio SRF 3“ wehmütig in die Vergangenheit zurück. Dillier beklagt, dass sich die heutigen Schweizer Musikgrößen „mit ihren GmbH’s und AG’s“ lieber als „kleine Unternehmer“ sähen, die Steuern und Löhne zahlen. Galt es vor 20 Jahren als rebellisch, das Konservative und die vermeintlich rückständige „kleinbürgerliche Schweiz“ zu verteufeln, zu kiffen und links zu sein – seien diese (Un-)Werte im Musikbusiness und in der Kulturszene längst Mainstream geworden. Heute dagegen errege Aufsehen, wer zur Schweiz steht.

DJ Antoine mit Sympathien für Blocher

Wie zum Beispiel DJ Antoine, international erfolgreicher Star-DJ, der offen mit der Blocher-Partei sympathisiert. DJ Antoine gab seinem Freund und SVP-Nationalrat Thomas Matter die Zustimmung, seinen Hit „Welcome to Saint-Tropez“ zur SVP-Wahlkampf-Hymne „Welcome to SVP“ umzumodeln. Auch DJ Bobo, schreiben Einheitsbrei-Journalisten vorwurfsvoll, verfüge über „Beziehungen ins rechtsbürgerliche Lager“, da sein langjähriger Geschäftspartner in seiner Firma Yes Music ein Luzerner SVP-Politiker sei. Was den Linken missfällt: DJ Bobo findet das politische Engagement seines Freundes lobenswert. Der linke Medienmainstream scheint sich ob des sich abzeichnenden, durchwegs gesunden Wertewandels derart in der Defensive zu wähnen, dass Künstlerkollegen ihre Zurückhaltung zum Vorwurf gemacht wird. Davon kann der „Volksrapper“ Bligg ein Lied singen. Er weigerte sich, sich von der SVP-Initiative zur Ausschaffung krimineller Ausländer zu distanzieren. Damit, und weil er in seinen Liedern gerne die Schönheit der Schweiz besingt, wird heute sogar er, der einst „Fuck Blocher“ trällerte, in den Dunstkreis von Konservativen gerückt: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns…“

„Laibach“ korrigiert Nordkorea-Bild

Einen absoluten Tabubruch beging die slowenische Rockgruppe „Laibach“[2], als sie 2015 bekanntgab, als erste westliche Musikgruppe überhaupt, unter dem Titel „Liberation Day Tour“ zwei Konzerte in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang (Anm.: nicht zu verwechseln mit dem südkoreanischen Landkreis Pyeongchang, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018) geben wolle. Nachdem zahlreiche Medien die Konzertankündigung als PR-Gag bzw. „Fake News“ eingestuft hatten, fanden die Konzerte tatsächlich statt, und zwar vor jeweils 1.500 Zuschauern im Ponghwa-Theater. Neben bekannten Stücken spielte „Laibach“ auch Neuinterpretationen nordkoreanischer Volkslieder sowie Stücke aus dem Musical „The Sound of Music“. Mittlerweile gibt es darüber eine Filmdokumentation. Während Internet und Systemmedien ständig das Bild eines unterdrückten nordkoreanischen Volkes zu vermitteln versuchen, bezeugten die Musiker aus eigenem Erleben: „Der schönste Schatz in diesem Land ist das Volk. Wir erlebten nur aufrichtige Bescheidenheit, Freundlichkeit, Stolz und Respekt. Die Wirklichkeit ist ganz anders, als man erzählt.“ Bei der Kommunikation ihres künstlerischen Konzeptes geht die Musikergruppe übrigens raffiniert vor: „Unsere Werke sollen die herrschenden Systeme und Ideologien nicht kritisieren oder anklagen, sondern durch Über-Affirmation vielmehr deren versteckte Mechanismen und Prämissen aufzeigen, die einer herkömmlichen Kritik nicht zugänglich sind.“ In diesem Sinne muss die Strategie von „Laibach“ wohl in einem neuen Licht erscheinen: Sie „frustriert“ das System (die herrschende Ideologie) genau insoweit, als sie nicht als seine ironische Nachahmung, sondern die Über-Identifizierung mit ihm fungiert: „Die Effizienz der Über-Identifizierung besteht darin, dass das obszöne Superego auf der Unterseite des Systems ans Tageslicht gelangt.“ 

US-Lorbeeren für Felix Baumgartner

Als „Living Legend of Aviation“ („Lebende Legende der Luftfahrt“) in die Hall of fame („Ruhmeshalle“) der Piloten und Astronauten in Los Angeles (USA) wurde kürzlich der aus Salzburg gebürtige „Stratosphärenbezwinger“ Felix Baumgartner aufgenommen. Der „schnellste Mann der Welt“ und Inhaber zahlreicher Weltrekorde überschritt bei seinem Sprung aus einer Höhe von 39.000 Metern 2012 als erste Einzelperson die Schallgeschwindigkeit und landete nach einem 1357 Stundenkilometer schnellen Flug wieder wohlbehalten auf der Erde. Aber auch irdischen Mut beweist er in Wort und Tat und lässt sich weder von Facebook noch vom Establishment einen Maulkorb verpassen. Eine kleine Zitate-Auswahl: 

  • „Die ewige Leier vom Rechtsruck in Österreich ist so alt wie die Dampflokomotive, und ob es Herrn Kern passt oder nicht, beide haben ausgedient.“
  • „Kern und seine Claqueure versuchen krampfhaft zu vermitteln, dass unter ihrer Politik alles besser gewesen wäre, nur war dem nicht so. Ich erinnere nur an die größten SPÖ-Pleiten wie Noricum, Konsum und Bawag.“
  • „Wenn wir uns die ersten Wochen seit Angelobung der neuen Bundesregierung (Anm.: Kurz-Strache) genauer ansehen, findet man dort sehr viel Vernünftiges. Umso wichtiger ist es, diesen Kurs beizubehalten und gegen Hetze der linken Presse, SOS Mitmensch und sonstigen Berufskritikern resistent zu werden.“
  • „Es sieht so aus, als hätten die Briten das sinkende Schiff noch rechtzeitig verlassen. Der klägliche Rest der EU-Länder ist, so sieht es zumindest aus, unaufhaltsam dem Untergang geweiht. Mit schuld daran ist Angela Merkel, gemeinsam mit Brüsseler Bürokraten trieb sie die Verwandlung der Eurozone in eine perverse Schuldenunion voran.“
  • „Ein Land, in dem Angeln ohne Angelschein rechtlich bestraft wird, und in dem gleichzeitig Menschen ohne Pass die Grenze überqueren, können nur Idioten regieren!“

Dass der patriotische Österreicher die dem Südtiroler Schützenbund gegebene Zusage auch eingehalten hat, im Februar in Meran die Gedenkrede zu Ehren des Volkshelden Andreas Hofer zu halten, scheint am allermeisten ausgerechnet die „Tiroler Tageszeitung“ zu stören. Das südtirolfeindliche Blatt geiferte denn auch: „Baumgartner hatte sich zuletzt wiederholt politisch geäußert und Kritik hervorgerufen.“ 

Anmerkungen

[1] Nachtrag zu Teil 1: Mittlerweile steht fest, dass der als „EU-Bauer“ beim Villacher Fasching bekannt gewordene Manfred Tisal kein „Hetzer“ ist. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre die Ermittlungen ein. Tisal hatte aber wegen der medialen Kampagne gegen ihn seinen Job beim ORF, wo er seine „Kuhmentare“ zum Besten gab, verloren.

[2] Die Gruppe „Laibach“ repräsentiert den musikalischen Teil des interdisziplinären Kunstkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK), das sie 1984 gemeinsam mit der Malergruppe IRWIN und der Theatergruppe Gledališce Sester Scipion Nasice (heute: NOORDUNG) begründete. Als Untergruppen von Laibach entstanden temporär die Projekte Germania, Strom und Klang, Kraftbach, Peter Paracelsus und 300.000 Verschiedene Krawalle. Mit dem Namen Laibach, dem deutschen, unter Tito unerwünschten Namen der Stadt Ljubljana, schufen die Musiker bewusst Reibungspunkte mit der Politik.

Bearbeitungsstand: Montag, 28. Mai 2018

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