Zitaten-Truhe


Zum 100. Todestag von Peter Rosegger*

Ein Freund ging nach Amerika

Ein Freund ging nach Amerika Und schrieb mir vor einigen Lenzen: Schicke mir Rosen aus Steiermark, Ich hab‘ eine Braut zu bekränzen! Und als vergangen war ein Jahr, Da kam ein Brieflein gelaufen: Schicke mir Wasser aus Steiermark, Ich hab‘ ein Kindlein zu taufen! Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund, Ach, noch was anderes haben: Schicke mir Erde aus Steiermark, Muss Weib und Kind begraben! Und so ersehnte der arme Mann Auf fernsten, fremden Wegen Für höchste Freud‘, für tiefstes Leid Des Heimatlandes Segen.

Im Schlafzimmer des Pfarrers

Als der Bischof mit der Kirche fertig war, inspizierte er auch den Dorfpfarrhof. Im Schlafzimmer des Pfarrers sah er zwei Betten, dazwischen stand eine spanische Wand.

„Herr Pfarrer“, fragte der Bischof, „wer schläft da im zweiten Bett?“ „A, weiter nix, bischöfliche Gnaden“, sagte der Pfarrer, „nur meine Häuserin“.

Der Bischof zog die Brauen hoch: „Ihre Häuserin? Und was machen Sie, Herr Pfarrer, nachts, wenn die Versuchung kommt?“ – „Da tun mer die spanische Wand weg.“

***

Es kann die edelste Idee, wenn eine Partei sich ihrer bemächtigt, zu Tode gesündigt werden.

Die harte Nuss

Das Weib ist eine harte Nuss,
Die man aufbeißen muss,
Dem Mann von Gott gemacht,
Der keine Zähne mehr hat.

Ein bisschen mehr Freude

Ein bisschen mehr Freude und weniger Streit,
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass,
Ein bisschen mehr Wahrheit, das wär doch was!

Statt soviel Unrast ein bisschen Ruh,
Statt immer nur ich ein bisschen mehr du,
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

Kein Trübsal und Dunkel, ein bisschen mehr Licht,
Kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht,
Und viel Mehr Blumen, solange es geht,
Nicht erst auf Gräbern, da blüh’n sie zu spät. 

***

Alles Große, was Menschen je geleistet haben, geht aus der Einsamkeit, aus der Vertiefung geistigen Schauens, hervor.

***

Immer lernt der Kluge vom Dummen mehr als der Dumme vom Klugen.

 
* Peter Rosegger wurde 1843 in Alpl (Steiermark) als ältestes von sieben Kindern des Waldbauern Lorenz Roßegger und dessen Ehefrau Maria geboren. Er erfuhr nur einen beschränkten Schulunterricht. Ein Lehrer, der aufgrund seiner Sympathien für die Märzrevolution durch den konservativen Pfarrer von der Schule verwiesen worden war, wurde von den armen Bauern aufgenommen und unterrichtete einige Bauernkinder, darunter auch Peter Rosegger. Die Eltern wollten den Sohn Pfarrer werden lassen, doch das Studium erschien als zu kostspielig. Weil er für den Bauernberuf körperlich zu schwach war, begann Peter Rosegger als 17-Jähriger die Lehre bei einem Wanderschneider. Mit seinem dichterischen Talent erregte er bald Aufsehen. In seiner Zeitschrift „Heimgarten“ veröffentlichte er viele Beiträge zu gesellschaftlichen und sozialen Fragen. Zu seinem engeren Freundeskreis zählten Ludwig Anzengruber, Ottokar Kernstock und Robert Hamerling. Rosegger verstarb vor 100 Jahren – am 26. Juni 1918 – in Krieglach (Steiermark).

Bearbeitungsstand: Montag, 28. Mai 2018

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