Im Schoß der Frauen liegt unser Schicksal


Bewusste Elternschaft – eine Einstellung mit Zukunft

 

Von Gerulf Stix

Zwei Dinge bestimmen maßgeblich die Zukunft Europas und damit das Schicksal unserer Kinder und Kindeskinder: Das eine ist die Masseneinwanderung aus fremden Erd- und Kulturkreisen, das andere der Geburtenschwund bei der einheimischen Bevölkerung. Über die Masseneinwanderung wurde und wird viel gesprochen bzw. geschrieben. Zahlreiche Genius-Lesestücke dokumentieren das seit Jahrzehnten. In dieser Folge findet sich zum Thema Immigration der aufrüttelnde Beitrag von Schultze-Rhonhof über den am 10. und 11. Dezember ausgerechnet im marokkanischen Marrakesch zur Abstimmung gelangenden UNO-Pakt zur neuen Völkerwanderung. 

Obschon gleichfalls häufig erwähnt, wird der Geburtenschwund in Europa selbst dennoch weniger oft beklagt. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass man lieber zuerst auf andere mit dem Finger zeigt als auf sich selber. Im Brief des GATESTONE INSTITUTE schreibt G. Meotti jüngst erst am 30. Oktober 2018: „Angesichts dieser existentiellen Herausforderung, einer Abwärtsspirale, in der die Europäer durch mangelnde Fortpflanzung langsam auszusterben scheinen, scheint es, dass Europa auch das Vertrauen in seine hart erkämpften Werte der Aufklärung verloren hat … In Westdeutschland haben 42 % der Kinder unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund, so das Statistische Bundesamt …“. Allgemein zu diesem Themenkomplex sind als herausragend die Bücher von Thilo Sarrazin zu nennen.[1]

Hier soll nun dieser nur uns selbst zuzuschreibende Geburtenschwund eingehend unter die Lupe genommen werden. Immerhin geht es dabei um das künftige Schicksal Europas, welches wir direkt als Europäer uns selbst auferlegen. Nicht andere, von außen Kommende, tragen in dieser Frage Schuld, wenn die demographische Entwicklungskurve bei uns in den Abgrund weist, sondern wir selbst sind die Schuldigen. Das müssen wir uns schonungslos vor Augen halten.

Erschreckende Zahlen

In den 28 Mitgliedsstaaten der EU beträgt die Gesamtfertilitätsrate, d. h. die „zusammengefasste Geburtenziffer“, im Jahr 2003 nur 1,47 und liegt im Jahr 2014 nur etwas höher, nämlich bei 1,58.[2] In diesem Zusammenhang bedeutet die Fertilitätsrate, dass eine heute 15-jährige Frau bis zu ihrem 50. Geburtstag voraussichtlich 1,58 Kinder zur Welt bringen wird. Damit wird unsere Zukunft angesprochen! 

Noch deutlich schlechter sieht die Lage in den drei deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas aus: Fertilitätsrate in Deutschland 1,60 und in Österreich 1,53 Kinder je Frau (alle Werte bezogen auf das Jahr 2016). Von einer tragfähigen Zukunft kann da wirklich nicht mehr gesprochen werden. Denn allein um den Bestand einer Bevölkerung zu erhalten, sind rein rechnerisch 2,1 Kinder pro Frau erforderlich. Nimmt man, um leichter die relevante Größenordnung zu erfassen, als Bestandserfordernis durchschnittlich 2 Kinder je Frau an, so bedeutet eine Geburtenziffer um die 1,5 in Wahrheit, dass die Bevölkerung zahlenmäßig massiv zurückgehen wird. Mathematisch gesehen heißt das, dass die Bevölkerung binnen einer Generation auf 75 % schrumpfen wird. In nur zwei Generationen wird dieselbe Bevölkerung auf nur mehr wenig über die Hälfte (!) ihres ursprünglichen Bestandes (genau: 56,25 %) zusammenschmelzen. Die Konsequenzen liegen drastisch auf der Hand. 

Natürlich wird die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung weniger klar verlaufen. Die steigende Lebenserwartung wird dank der modernen Medizin die Veränderungen in der Anzahl verschleiern. Dafür wird von einer „Überalterung der Gesellschaft“ gesprochen. Für die Bevölkerungsstatistik zählt natürlich auch der (Ein-)Wanderungsüberschuss. 

Auf einem anderen Blatt stehen mögliche Veränderungen im Verhalten der gebärfähigen Frauen. So verschiebt sich beispielsweise das Alter für eine Erstgeburt durchschnittlich in Richtung 30 Jahre. Von der Biologie her betrachtet, kommt es auf die Frauen an. Zahlenmäßig spielen die Männer eine untergeordnete Rolle, da bekanntlich ein Mann zwar keine Kinder gebären, aber mehrere Frauen schwängern kann. Trotzdem ist es sehr wohl von Belang, ob und wie sich Männer zu ihrer Aufgabe als Väter bekennen und auch zu ihrer Verantwortung gegenüber der Partnerin. Letztlich sind hinsichtlich des Kinderkriegens und der Mutterrolle – wie überhaupt biologisch – aber die Frauen das „starke“ Geschlecht. Selbstredend wird es – wie zu allen Zeiten – Frauen geben, die aus medizinischen Gründen oder aufgrund widriger Lebensumstände auf Kinderwunsch verzichten bzw. verzichten müssen. Unbeschadet dessen sind diese Frauen oft wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Das gilt übrigens sinngemäß auch für betroffene Männer. Hier gilt das Dichterwort Friedrich Schillers „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil“ in ganz besonderer Weise. Dieser menschliche Respekt vor dem individuellen Schicksal darf uns freilich nicht davon abhalten, den allgemein beinharten Tatsachen der Bevölkerungsentwicklung auszuweichen. Im Interesse unseres Volkes ist hier die Politik gefordert, ihre Aufmerksamkeit ganz besonders der Bevölkerungspolitik zuzuwenden!

Masseneinwanderung gegen die Angestammten

Die rasche Antwort der Multi-Kulturalisten darauf, wie denn diese demographische Lücke zu schließen sei, lautet schlicht und einfach: durch Masseneinwanderung. Sie nehmen die dadurch bewirkte massive Änderung in der Zusammensetzung der Bevölkerung nicht nur hin, sondern sie begrüßen sie sogar ausdrücklich. Die Grün-Partei plakatierte z. B. schon vor Jahren: „Deutschland wird bunter!“ Diese Bevölkerungsveränderung wird von ihren Gegnern „Umvolkung“ genannt (so etwa vor Jahren von Andreas Mölzer verwendet), allgemeiner „Blutaustausch“ oder neutral, meistens von den Befürwortern, „Bevölkerungsaustausch“. Befürworter und Gegner der Umvolkung – ein präzises deutsches Wort zur Beschreibung eines Sachverhaltes – stehen einander in ihren Standpunkten unversöhnlich gegenüber. 

Wer sich in der Geschichte auskennt, weiß, dass es dabei um die Bildung von Identitäten geht.[3] Tatsächlich zeigen die Folgen der Masseneinwanderung in allen europäischen Ländern negative Auswirkungen. Jüngste Beispiele liefern die nordischen Staaten, die in der Vergangenheit Einwanderer mit offenen Armen aufnahmen. Sowohl Dänemark als auch Norwegen und vor allem das weltoffene, jahrzehntelang sozialdemokratisch geführte Schweden leiden mittlerweile derart unter der Masseneinwanderung, dass sie ihre diesbezügliche Politik jetzt markant restriktiv gestalten. Diese Tatsache wundert nur die naiven Befürworter einer „Willkommenskultur“ à la Merkel. Jeder Geschichtskundige weiß, dass organisch gewachsene Völker mit ähnlicher Kulturation eine unverzichtbare Rolle im Aufbau der Menschheit spielen. Dieses evolutionär-soziologische Gesetz kann keine nur theoretisch schön klingende Utopie von einem „Weltbürgertum mit unbegrenzter Freizügigkeit“ außer Kraft setzen. Nebenbei bemerkt: Die oft beschworenen Menschenrechte enthalten kein Recht auf Zuwanderung!

Afrika pocht an Europas Türen

Aus Afrika als einem Kontinent mit bald rund 2.000.000.000 Millionen Einwohnern wollen Hunderte von Millionen Menschen nach Europa auswandern. Und wieder geht es um Geburtenraten. Hier nur ein paar davon aus dem Jahr 2016: Niger 6,62, Burundi 6,04, Mali 5,95, Angola 5,31, Kamerun 4,7, Kongo 4,63 und Zentralafrikanische Republik 4,36. Auch Nordafrika liegt weit über der Bestandserhaltung von rund 2 Kindern pro Frau, so etwa Ägypten mit 3,53 und Algerien immer noch (trotz Abwanderungen nach Frankreich) mit 2,74.[4] Erst an 93. Stelle (!) dieser Länder-Liste taucht als erstes europäisches Land Frankreich mit einer Geburtenziffer von 2,07 (in 2016: 1,92) auf. Diese Rate sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus. Wenn man aber weiß, wie großzügig Frankreich die Vergabe von Staatsbürgerschaften an die unzähligen Einwanderer aus seinen früheren afrikanischen Kolonien handhabt, dann interpretiert man diese Zahl anders. 

Wer Paris besucht, wird erstaunt sein, wie viele dunkelhäutige Menschen ihm in der Innenstadt begegnen und wie wenige hellhäutige; von der Metro und den meisten Vorstädten ganz zu schweigen. Ob man das ablehnt oder befürwortet, ob einem das aufstößt oder zupass kommt: Afrika dehnt sich nach Europa aus.

Vor diesem Hintergrund muss man die niedrigen Geburtenraten bei den angestammten Europäerinnen sehen und beurteilen. Man muss hier ein Denken in Generationen anlegen. Wir alle neigen dazu, Situation und Entwicklungen vorerst kurzfristig zu betrachten. Das ist bei langfristigen Entwicklungen fatal. Im Schicksal der Völker sind zwei, drei Generationen bloß ein kurzer Moment, wenn man rechnerisch davon ausgeht, dass auf 100 Jahre gerade einmal drei bis vier Generationen gehen. Unsere ganze wirtschaftliche Hochzivilisation, wie wir sie tagtäglich erleben, ist nur rund 200 Jahre alt, d. h. ungefähr sieben Generationen, obschon sie eine lange technische Vorgeschichte aufweist. 

Was sagt „die Wirtschaft“ zur Masseneinwanderung?

Neben den Multi-Kulturalisten weiß auch „die Wirtschaft“ eine Antwort auf die Frage, wie die sich auftuende Lücke in der europäischen Demographie zu schließen sei: „natürlich“ durch Einwanderung! Obwohl die Lage in den vielen, sehr unterschiedlichen Branchen der Wirtschaft oft schwer vergleichbar ist, beklagen die Dachverbände ständig den so genannten Facharbeitermangel. Den gibt es vielfach tatsächlich. Aber kann er wirklich durch Einwanderung behoben werden? Thilo Sarrazin weist nach, dass die Masse der Einwanderer in keiner Weise die benötigten Qualifikationen erfüllt. Man kann das im Einzelnen in seinen Büchern nachlesen. Ein Blick auf den realen Alltag bestätigt diese mangelnde Qualifikation. 

Wenn man einen Facharbeitermangel erfolgreich beheben will, dann muss man sich etwas anderes als beliebige Massenzuwanderung einfallen lassen. Da gibt es einige Vorschläge.Wie wäre es zum Beispiel mit einer auf das Beschäftigungssystem abgestimmten Bildungspolitik? Wiederholt wurde nachgewiesen, dass hohe Jugendarbeitslosigkeit (!) mit einer von blinder Bildungspolitik hochgezüchteten Akademikerschwemme einhergehen.[5] Unbestreitbar klaffen Beschäftigungs- und Ausbildungssystem in vielen Ländern Europas auseinander.

Und im Blick auf die Zukunft der Wirtschaft sei noch eine andere Frage erlaubt: Wird nicht dank fortschreitender Roboterisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) künftig ein gravierender Abbau von Arbeitsplätzen befürchtet? Wie passt nun zu einer sinkenden Zahl von Arbeitsplätzen eine womöglich noch propagierte Masseneinwanderung? 

Und wie sieht im Zusammenhang mit der vorhergehenden Frage die ständig verlangte „Vollbeschäftigung“ möglichst vieler Frauen in der Wirtschaft entgegen deren klar erkennbarem Wunsch nach Teilzeitarbeit aus? Wie passt das mit der vorhergesagten technisch bedingten Freisetzung vieler Arbeitskräfte zusammen?

Weiters stellt sich ganz allgemein die Standortfrage. Viele Unternehmen arbeiten heute für den Weltmarkt, sind also global orientiert. Ist es angesichts dessen wirklich die richtige Werbung, die europäischen Länder einfach als „optimalen Standort“ anzupreisen? Heißt das nicht in der Konsequenz, dass ein von der globalisierten Wirtschaft verursachter steigender Bedarf an Arbeitskräften in Europa zur Einladung an die Arbeitsuchenden in aller Welt wird, doch einfach nach Europa zu kommen? Also Masseneinwanderung zur scheinbaren Behebung von Problemen in der Wirtschaft ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Konsequenzen?

Ergänzend dazu eine sozial wichtige Frage: Bedeutet Masseneinwanderung nicht auch ein künstliches Niedrighalten des Lohnniveaus? Folgen aus einer künstlichen Niedriglohnpolitik nicht gefährliche soziale Spannungen? 

Fragen über Fragen! Diese müssten vielen Sprechern „der Wirtschaft“ eigentlich nahelegen, sich bessere Antworten als bisher für die zweifellos gegebenen Probleme insbesondere in der Zukunft einfallen zu lassen. Denn eines ist schon klar, dass sich nämlich diese Probleme nicht auf dem Rücken der Völker und nicht durch Zerstörung eines heute noch einigermaßen stabilen Europas lösen lassen. 

Abschließend zum Thema Wirtschaft sei an den überall in Österreich zu vernehmenden Ruf nach „leistbarem Wohnen“ erinnert. Ohne Massenzuzug hätten wir vermutlich genügend erschwinglichen Wohnraum! Hinsichtlich der Ballungsräume sei zugegeben, dass bei ihnen noch andere Gründe mitspielen, zum Beispiel die wachsende Anzahl von Single-Haushalten. Aber die städtischen Ballungsräume verdienen eine eigene Abhandlung. 

Der Pillenknick 

So wichtig auch die Frage sein mag, wie denn die demographische Lücke, die sich in Europa auftut, geschlossen werden soll, noch wichtiger ist die Frage, wie sich diese demographische Lücke überhaupt erklärt? Um gleich mit der zutreffendsten Antwort zu beginnen: Die Pille hat das bewirkt. Freilich haben Verhütungsmöglichkeiten seit Menschengedenken die Leute beschäftigt. Aber erst seit der Erfindung der Pille steht ein verlässliches, leicht zu verwendendes Verhütungsmittel zur Verfügung. Und dieses zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es erstmals in der Geschichte die Entscheidung über möglichen Nachwuchs in die Hände der Frau legt. Wahrscheinlich hat die Pille entscheidend mehr zur so genannten Befreiung der Frau beigetragen als der Feminismus. Dessen Bedeutung soll hier nicht herabgewürdigt werden – darauf wird noch zurückzukommen sein –, aber praktisch entscheidend war und ist die Pille. Vor allem junge Frauen haben keine Angst mehr davor, beim Geschlechtsverkehr mit einem Mann von diesem geschwängert zu werden. Das verändert die Sitten. Persönliche Nachlässigkeit oder gar kriminelle Vorgehensweisen sollen hier außer Betracht bleiben. 

Trotzdem verdient das Thema der Nachlässigkeit zumindest eine Anmerkung.

Allein in Mitteleuropa werden erheblich mehr als 100.000 Abtreibungen jährlich vorgenommen. Ungeachtet der Meinungsverschiedenheiten, ob es sich dabei um Mord an Ungeborenen handelt oder nicht, bleibt die Frage nach dem Warum. Abtreibungen sind ungeachtet der medizinischen Fortschritte für alle Frauen ein medizinisches und ein ethisches, oft darüber hinaus ein psychologisches Problem. In den meisten westlichen Ländern sind Abtreibungen heute mehr oder weniger erlaubt. Oft konzentriert sich die Debatte nur mehr darauf, wo die Vornahme von Abtreibungen zulässig sein soll und ob Krankenkassen das bezahlen müssen. Dieser Befund stimmt traurig. Immerhin geht es um ungeborene Kinder, die einen Teil des Geburtendefizits schließen würden, wenn sie am Leben blieben. 

Der feministische Zeitgeist 

Damit ist der herrschende Zeitgeist angesprochen. Zur Pille gesellen sich nicht bloß geänderte Sitten, sondern als deren Teil auch neue Anschauungen. Diese sind derart komplex, dass sie weder in ein paar kurzen Sätzen beschrieben noch hinsichtlich ihrer Wurzeln erklärt werden können. Lässt man die hier oft behandelte politisch-ideologische Seite einmal außer Acht, so bleibt die ganz allgemein gesellschaftliche. Der wirtschaftliche Wohlstand einerseits und die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter andererseits haben auch die Verhaltensweisen geändert. Mobilität, lange Urlaube, Fernreisen und hoher Lebensstandard fördern eine individualistisch ausgerichtete „Selbstverwirklichung“, die vom Zeitgeist beklatscht wird. Nicht ganz unberechtigt wird allgemein von einer „Spaß-Gesellschaft“ gesprochen. 

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist zwar Teil dieser Entwicklung, geht aber in nicht zu unterschätzendem Teil auf das Wirken der Feministinnen zurück. Der Feminismus mit seinem ursprünglichen Ziel, die gesellschaftlich-rechtliche Gleichstellung der Frau zu erreichen, war grundsätzlich berechtigt. Die massive Unterordnung des Weiblichen – dem frühen Europa ursprünglich fremd – wurde erst durch das dem Europa nach dem Zusammenbruch des Imperium Romanum geistig übergestülpte orientalische Frauenbild bewirkt. In jüngster Zeit dokumentiert das der Islam aufs Neue und besonders drastisch. 

Doch der aktuelle Feminismus dreht sich, wie jede gute Sache, durch maßlose Übertreibung leider in das Gegenteil von gut. Die Behauptung, es gäbe neben den gesellschaftlich-rechtlichen überhaupt keine „wirklichen“ Unterschiede zwischen Frau und Mann, ist schlichtweg falsch. Da genügt es, auf die aktuellen Erkenntnisse von Biologie, Medizin, Pharmakologie und Psychologie zu verweisen. Die wenigen Ausnahmen bestätigen bloß die Regel. Doch zurück zum Zeitgeist. 

Mit einer gewissen Überspitzung lässt sich sagen, dass allgemein die jungen Frauen heute „wie die Männer“ leben wollen. Die wiederum überspitzt formulierte, nichtsdestoweniger ziemlich reale Konsequenz ist u. a. die, dass Kinder diesem Lebenswunsch im Wege stehen. Wenn dennoch der Wunsch nach einem Kind (vielleicht sogar nach mehreren Kindern) besteht, wird seine praktische Erfüllung zeitlich hinausgeschoben. Manchmal klappt das, oft aber wird es zu spät, weil eben auch die biologische Uhr tickt. 

Dieser Befund mündet zusammengefasst wiederum in die Tatsache, dass die europäischen Frauen und besonders die Frauen unseres Volkes zu wenige Kinder bekommen. 

Diese Besorgnis erregende Realität können auch die in Europa maßgeblichen Religionen nicht ändern. Die Masse der so genannten Kulturchristen beachtet die Sexualmoral ihrer Kirchen überhaupt nicht. Selbst viele katholische Gläubige kritisieren ihre Kirche in dieser Hinsicht. Stichworte dazu sind: Zölibat, Frauenweihe und Missbrauchsopfer. Wer sich wissenschaftlich mit diesen Fragen befassen will, sei auf eine Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung hingewiesen.[6] Hingegen wird dem Islam mit seiner Propagierung des Kinderreichtums von seinen Anhängerinnen sehr wohl Folge geleistet. Dazu sei nur angemerkt, dass der Islam sich in Europa praktisch nicht durch geistige Mission, sondern durch den Import seiner Anhänger ausgebreitet hat. 

Bewusste Elternschaft

Das Geburtendefizit in den deutschsprachigen Ländern Europas ist eine Tatsache. Lag dessen Anteil an der Weltbevölkerung noch vor wenigen Jahren bei rund 1,3 Prozent, so wird es bei wachsender Weltbevölkerung bald nur mehr rund 1 Prozent betragen. Denn die Weltbevölkerung wächst schier unaufhaltsam, allerdings nicht in Europa. Wenn also – und das mit vollem Recht – gegen eine Übervölkerung der Welt polemisiert wird, dann gilt das gewiss nicht für Europa und schon gar nicht für seine Mitte. Die deutschen Länder schrumpfen hinsichtlich ihrer angestammten Bevölkerung sogar besonders stark. Was also tun?

Die Technik lässt sich nicht rückgängig machen. Selbst wenn man das wollte, was von Ausnahmen abgesehen nicht der Fall ist, so ginge das einfach nicht. Und was ist mit dem Zeitgeist? Ist „der Geist einmal aus der Flasche“, wie es im Märchen heißt, dann bekommt man ihn ohne Zauberei auch nicht mehr in die Flasche zurück. Was wirklich helfen kann, ist ein geändertes Bewusstsein. Kennt man das Problem und macht man es sich bewusst, so liegt es danach einzig und allein an einem selbst, sich über die äußeren Umstände hinwegzusetzen. 

Mit anderen Worten: Den Problemen rund um das Geburtendefizit kann man nur mit bewusster Elternschaft begegnen. Bei den jungen Frauen und selbstverständlich auch bei den jungen Männern muss sich der lebhafte Wunsch, gesunde Kinder in die Welt zu setzen, wieder durchsetzen. Und das auf breiter Front. Kinder zu bekommen, erfordert persönliche Verzichte, da und dort auch so manches Opfer. Mit einem übersteigerten Egoismus, mit Selbstbespiegelung in der Manier eines ungehemmten Narzissmus ist da nichts zu machen. Individualismus an sich ist gut, nur darf das Augenmaß dabei nicht verloren gehen. Der Mensch braucht auch die Gemeinschaft (Wolfgang Caspart). Letztlich entscheidet ein ganzheitlicher Lebenswille. Wer im ersten Schritt ja zum Leben sagt, muss dann auch den zweiten Schritt tun und ja zur Fortsetzung des Lebens sagen. Die Natur hat bestimmt, dass diese zukunftsträchtige Einstellung in erster Linie die Frauen fordert. Sie haben heute die Möglichkeit, nein oder ja zur Weitergabe des Lebens zu sagen. Bewusste Mutterschaft sichert künftiges Leben. Und die Männer müssen lernen, dass bewusste Vaterschaft gebraucht wird und einfach dazu gehört. Kinder brauchen Mutter und Vater. Bewusste Elternschaft ist die maßgebliche Einstellung für die Erhaltung des Lebens auch in Zukunft. Unser Schicksal liegt im Schoß der Frauen. 

Anmerkungen

[1] Die wichtigsten Bücher von Thilo Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab“ (2010), „Der neue Tugendterror“ (2014), „Wunschdenken“ (2016), „Feindliche Übernahme“ (2018). Ähnlich: Jost Bauch, „Abschied von Deutschland“, Kopp–Verlag 2018. 

[3] Vgl. Gerulf Stix, „Deutsch als kollektive Identität“, Akademische Blätter 2001, Abdruck in „Die Fuxenstunde“ von Bernhard Grün e. a., Federsee-Verlag, Bad Buchau 2014.

[5] Stefan Fuchs, „Akademiker-Produktion und Jugendarbeitslosigkeit“, Nr. 4 in Genius-Lesestücke 7–8/2013.

[6] Studie Nr. 61/2007 von Christine Rille-Pfeiffer, Geburtenentwicklung und Kinderwunsch im europäischen Vergleich – Eine Analyse der Länder Österreich, Schweden und Spanien“, Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien. 

Bearbeitungsstand: Donnerstag, 29. November 2018

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