Zitaten-Truhe


Zum 185. Geburtstag von Felix Dahn

Vom Biegen und Brechen

Wenn sie zu dir sprechen: „Biegen oder Brechen!“ Ruf: „Brechen eh’ als biegen!“ – Gib acht, so wirst du siegen.

Von der Wahrheit

Wahrheit zog pilgernd durch das Land, Und weil sie auf Erden nicht Herberg fand, Hat sie die Schwingen aufgespannt Und flüchtete in der Dichtung Land.

An die Herren Amtsgenossen

Nur unter uns! – Ganz leise! Beileib’ verratet’s nicht: Es ist nicht alles weise, Was ein Professor spricht. Es bleibe diese Reimnis Gestrenges Amtsgeheimnis!

Kluger Tausch

Lang lebt’ ich nach der Leute Sagen, Da war ich elend Tag und Nacht Und hab’s doch keinem recht gemacht: Jetzt leb ich mir nur zum Behagen – Sie schelten: doch mein Herz, das lacht.

Das höchste Gut des Mannes

Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk, Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht. Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache. Dem Volk, dem Recht und unsrer Sprache treu Fand uns der Tag, wird jeder Tag uns finden.

Die beiden Vulkane

Im weißen Haar und Bart Hab’ ich die Glut bewahrt: Wie Gott der Herr erschuf In Welschland den Vesuv: Im Herzen Brand, am Haupte Schnee, zuweilen tut’s den beiden weh: Der eine bricht in Lava aus, Beim andern werden Verse draus.

Gehen und Bleiben

Wer gehen muss, wo gern er bliebe, Den trifft der Schmerz mit schwerem Hiebe; Doch auch der Schmerz ist nicht geringe, Wer bleiben muss, wo gern er ginge.

Philister und Minister

Die Philister waren arge Tyrannen: Die Genies, die jagten sie von dannen: Kaum waren die Genies Minister, Trieben sie’s ärger als die Philister.

Die Deutschen im Auslande

Ihr Deutschen unter fremden Sternen, In meergeschiedenen weiten Fernen, Ihr sollt die Sprache nie verlernen. Die wohllautreiche, starke, milde, Die schönheitvollen Klanggebilde, Die in des alten Lands Gefilde Dereinst zu euch die Mutter sprach; In euren Herzen tönt sie nach: Wer sie vergisst – dem Weh und Schmach! Die Sprache Shakespeares trägt der Brite Ich lob’ ihn drum – wie seine Sitte Getreu in fremder Landes Mitte: Und Schiller soll vergessen sein? Ihr deutschen Männer rufet: Nein! Ihr deutschen Frauen, stimmet ein, Und eure Mädchen soll’n und Knaben Als köstlichste von allen Gaben Das Kleinod deutscher Sprache haben!

Wagnis und Wonne

So sind bestimmt des Menschen Lose: Nur höchstem Mut wird höchster Preis: Am Abgrund blüht die Alpenrose
Und hart beim Tod das Edelweiß.

Alle Speise köstlich schmeckt, Wenn den Tisch die Liebe deckt.

Eigen Haus und Herd und Kind Machen auch das Leid gelind.

  • Felix Dahn, 1834–1912, war Professor für Rechtswissenschaften, Schriftsteller („Ein Kampf um Rom“) und Historiker („Die Könige der Germanen“)
Bearbeitungsstand: Freitag, 29. März 2019

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