Klimawandel – zu ernst für Hysterie


Klimawandel – zu ernst für Hysterie

 
Von Gerulf Stix

Klimawandel hat es zu allen Zeiten unserer Erdgeschichte gegeben. Und selbstverständlich haben die Klimaänderungen die Politik ihrer Zeit und insbesondere die Geopolitik beeinflusst. Ein gutes Beispiel dafür bietet das Buch von Philipp Blom, worin er die „Kleine Eiszeit von 1570 bis 1700“ beschreibt[1]. Jahrzehnte hindurch gab es Missernten, Hungersnöte und bedrohliche Wetterkapriolen in ganz Europa. Mitten drin der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) auf deutschem Boden. Damals ging die Bevölkerung in Mitteleuropa um beinahe zwei Drittel zurück! Heute ist das bei den meisten Europäern längst vergessen. Wir leben in einer Überflussgesellschaft.

Umso ernster sollte man die eingehenden Schilderungen von Jared Diamond über die Ursachen für den – heute ebenfalls vergessenen – Untergang frühgeschichtlicher Hochkulturen nehmen[2]. Wir könnten daraus viel lernen. Unsere gegenwärtige Situation erfordert eine gründliche Analyse ohne die Scheuklappen von Vorurteilen, seien diese nun „konservativ“ formuliert oder „progressiv“ mit ungeheurem Medien-Tamtam inszeniert. Die ökosoziale Lage ist ernst genug, als dass mit Panikmache irgendwie zu helfen wäre.

Der gebotene Ernst sollte auch nicht zu einer „Politshow“ (O-Ton Reinhard Kloucek) für eine Klimapolitik à la Greta Thunberg pervertiert werden. Diese 16-jährige Schülerin aus Schweden wurde mit ihren Schulstreiks und Tourneen von Wien bis Brüssel als „Stimme der Jugend“ zu einem von den Medien orchestrierten Massenrummel aufgebauscht. Bei großem Wohlwollen könnte man noch die gesellschaftliche „Bewusstseinsbildung“ zur Verteidigung dieser von offizieller Seite mitgetragenen Massenhysterie anführen. Aber in der Sache selbst ist diese künstlich gemachte Hysterie eher schädlich. Abgesehen von dem nicht näher zu erklären nötigen Umstand, dass sechzehnjährige Schüler (und jünger!) sowie deren erlaubtes Schulschwänzen kein bisschen zur nachhaltigen Lösung äußerst komplexer Probleme beitragen können, besteht sogar die Gefahr, dass die dadurch ausgelösten Emotionen in eine falsche Richtung gelenkt werden. Falsch wäre es, sich rasche Lösungen zu erhoffen. Das würde letztlich nur dazu führen, notwendige Umbauarbeiten unserer gesamten Lebensweise zu unterlassen, die mit positiven Auswirkungen nur in langen Zeiträumen aufwarten können.

Ein bedenkliches Beispiel für die gefährliche Erwartung kurzfristig eintretender Erfolge durch Ad-hoc-Maßnahmen lieferte im Juni dieses Jahres eine im Fernsehen von 3-Sat ausgestrahlte Wissenschaftssendung von nano. Darin wurde ausführlich eine Familie dargestellt, die durch Konsumverzichte und bedachte Auswahl bei Einkäufen konkret benannte Einsparungen erzielte. So weit, so gut. Unerwähnt blieben dabei die volkswirtschaftlichen Auswirkungen, wenn nämlich von heute auf morgen ein paar hunderttausend Familien sich so verhalten würden: Rückgang von Produktionen, Freisetzung von Beschäftigten in den betroffenen Branchen, zunehmende Arbeitslosigkeit und dadurch ausgelöst unvorhersehbare Erschütterungen in der Gesellschaft. Glaubt man, auf diese Weise die anstehenden Probleme des Klimawandels und der Ausbeutung vorhandener, doch endlicher Ressourcen lösen zu können?

Klimawandel als „Supergau für das menschliche Hirn“

Kurzfristiges Erfolgsdenken ist oft deswegen besonders gefährlich, weil es einen nachhaltig langfristigen Erfolg sogar gefährdet. Das zeigt sich z. B. bei der Gier nach dem „schnellen Geld“ und einem hektischen Schielen bloß auf die Aktienkurse gemäß der Ideologie des Shareholder Value. Viel wichtiger als schwankende Käufe/Verkäufe ist die künftige Marktposition von nachhaltig und meist unspektakulär geführten Unternehmungen.

In noch erheblich größerer Dimension gilt das für Umweltschutz und Klimapolitik. Daher ist Daniel Kahnemann recht zu geben, wenn er mit den Worten zitiert wird, „… in Sachen Problemstellung sei der Klimawandel der Supergau für den Menschen bzw. das menschliche Hirn. Er ist hochkomplex, negative Auswirkungen werden tendenziell nicht von denen wahrgenommen, die am meisten dazu beitragen. Änderungen haben zudem lange Zyklen und es dauert lange, bis positive Effekte überhaupt spürbar werden.“[3] Damit ist der Ernst der Zwickmühle, in der wir alle uns befinden, treffend charakterisiert.

Dass Klimawandel stattfindet, ist heute von einer Mehrheit der Bevölkerung und der Wissenschafter weitgehend unbestritten. Gestritten wird hingegen heftig darüber, ob dieser Klimawandel vom Menschen gemacht wurde oder eben unabhängig vom Menschen naturgesetzlich passiert. Beide Seiten haben ihre Argumente. Nachdenkliche Beobachter fragen sich aber schon, ob die natürlichen Klimaänderungen nicht gerade durch unsere moderne Lebens- und Wirtschaftsweise auf gefährliche Weise rasant beschleunigt werden? Könnte es sein, dass der Mensch am konkreten Klimawandel eine Art von enormer Mitschuld trägt? Die Beantwortung dieser heiklen Frage verlangt nach einer unvoreingenommenen Betrachtung und Beurteilung der Faktenlage.

Die globalen Tatsachen geben eindringlich zu denken

Erst in den Jahren um 1800 wurde global die Zahl von 1 Milliarde menschlicher Erdbewohner erreicht und überschritten. Gegenwärtig zählen wir rund 8 Milliarden Menschen. Das Ende dieser Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Während also viele Jahrtausende hindurch deutlich weniger als 1 Milliarde Menschen gleichzeitig lebte – meist nur einige hundert Millionen –, so hat sich diese Zahl allein in den letzten ungefähr 220 Jahren verachtfacht, und der Anstieg geht weiter! Wie war das überhaupt möglich?

Die Fortschritte der Medizin, das Aufblühen der Naturwissenschaften, die atemberaubenden Leistungen der Technik, die darauf fußende industrielle Wirtschaftsweise und Abertausende Erfindungen sowie Pionierleistungen aller Art haben unsere Produktivkraft in bis dato ungeahnte Höhen getrieben. Hand in Hand damit wuchs ein Massenwohlstand, der noch vor wenigen Jahrhunderten buchstäblich unvorstellbar war. Jedem Leser werden dazu noch und noch Beispiele sonder Zahl einfallen. Deshalb sei die extrem verkürzte Aufzählung hier abgebrochen. Fest steht allerdings, dass wir Menschen für dieses großartige Ergebnis intelligenter Anstrengungen vieler, vieler Generationen einen hohen Preis zahlen mussten: die Plünderung der Rohstoffe des Planeten Erde und die Vergewaltigung seiner Natur. Einerseits erschlossen wir neue Lebensräume und verdichteten die menschlichen Siedlungen (Verstädterung), andererseits beuteten wir alle nur irgendwie erreichbaren Rohstoffe aus. Länder und Meere wurden und werden fast bis zum letzten Fleck vom Menschen benutzt. Auf allen Kontinenten wurden und werden riesige Flächen natürlicher Bewaldung gerodet, um Nutzpflanzungen Platz zu machen. Artensterben inbegriffen. Sogar die Tiefsee wird vom Menschen „genutzt“.

Die Atmosphäre und das CO2 als Rohstoffquelle

Allzu leicht vergessen wird, dass die dünne Lufthülle rund um den Planeten Erde erst seit rund 200 Jahren vom Menschen überhaupt in vollem Umfang erschlossen wurde. Eine geschichtlich äußerst kurze Zeitspanne von den ersten Ballonfahrten bis zum heutigen Massenflugverkehr! Noch kürzer ist die Zeitspanne, seit Zehntausende von Großraketen zusätzlich die Atmosphäre quasi durchbohren und ihre Verbrennungsgase – zumindest deren Wärme – in der Lufthülle deponieren. Den erdnahen Weltraum nützen wir überhaupt erst seit gut 50 Jahren – und schon bekommen wir als neues, zunehmendes Problem den „Weltraum-Müll“ beschert.

Auch die gasförmige Zusammensetzung der Lufthülle haben wir im Zeitalter von Industrie und Verkehr verändert und tun das nach wie vor. Nur die FCKW haben wir verboten, während die Verbrennungs(ab)gase aller fossilen Brennstoffe nach wie vor debattiert werden, ebenso die verschiedenen Treibhausgase. Das Aus für die Kohle und die umstrittenen Diesel-Verbote in vielen Städten beherrschen die einschlägigen Tagesgespräche.

Von den Treibhausgasen ist die Zunahme des Kohlendioxyds (CO2) das gegenwärtig wohl am meisten in Diskussion stehende Problem. Die so gefürchtete Erderwärmung um 2–4 Grad Celsius wird hauptsächlich dem steigenden Anteil des CO2 in der Atmosphäre angelastet. Nach meinem Dafürhalten freilich muss der mediale Wirbel, der um diese Tatsache inszeniert wird, in seiner Penetranz als Hysterie bezeichnet werden. Warum?

Handfeste Forschungsberichte besagen, dass die Filterung von CO2 aus der Luft und die Verwendung dieses zurückgewonnenen CO2 als Rohstoff demnächst die Wirtschaftlichkeit erreichen wird. Gleich mehrere Verfahren in verschiedenen Ländern, auch in Europa, stehen vor dieser Schwelle. Pionierprojekte größer als Laborvorrichtungen werden bereits betrieben. Die Entwicklung schreitet deutlich schneller voran, als von Pessimisten früher eingeschätzt wurde. Wenn es richtig ist, was der Weltklimarat (IPCC) behauptet, dass nämlich der rasch steigende Anteil des CO2 in der Luft die Hauptverantwortung für die Erderwärmung von 2–4 Grad Celsius trägt, dann wäre die technische Rückgewinnung von CO2 mittels Großanlagen auch bei nur knapp gegebener Wirtschaftlichkeit sozusagen das Ei des Kolumbus. Auch diese Entwicklung belegt die These, dass Klimahysterie nicht angebracht ist.

Wenn einige der Befürworter der Atomkraftwerke zurecht darauf hinweisen, dass diese ja kein CO2 ausstoßen, so verschweigen sie auf der anderen Seite die gewaltige Menge an kaum beherrschbaren radioaktiven Stoffen, welche von den Atomkraftwerken ausgestoßen bzw. als Abfallstoffe produziert werden. Soll der Teufel also mit dem Beelzebub ausgetrieben werden?

Ein ungelöstes Problem stellt die bislang wenig beachtete Freisetzung unvorstellbar großer Mengen von Methangas infolge des Auftauens des Permafrostes speziell in Sibirien und Kanada dar. Die Anfänge dieser Freisetzung machen betroffen und mehr als nachdenklich. Aber vielleicht gibt es auch dafür in Zukunft eine machbare Lösung.

Die Welt als Müllhalde

Die beginnende Vermüllung des erdnahen Weltraums wurde schon erwähnt. Ein anderes Kapitel betrifft die Ausbreitung z. B. des Plastikabfalls sogar bis in die Meerestiefen (Mikroplastik). Die ersten gesetzlichen Verbote „nur“ von Plastikbeuteln sind bereits unterwegs. Die Industrie wiederum stellt sich unter den zahlreichen chemischen Varianten, die es gibt, auf die Erzeugung von Plastik aus abbaubaren Materialien ein. Davon wird auch die Beschickung der 3-D-Drucker berührt werden. Aber während sich die mediale Welt auf den Plastikmüll stürzt, wird viel weniger über jene anderen Berge von Müll geredet, die sich tagtäglich teils vor unseren Haustüren türmen, teils recycelt, verbrannt oder vergraben oder zu einem Großteil ins Ausland auf ein vermeintliches Nimmerwiedersehen exportiert werden. Pech für uns, dass nicht nur unterentwickelte Länder unter diesen Müllexporten leiden, sondern dass in einer – leider – nicht endlosen Welt alles wieder auf irgendeine unvorhergesehene Weise bei uns landen wird. Ein Teufelskreis! Nur folgt aus dieser, zugegebenerweise tristen Sicht der Dinge eine ernste und letztlich sehr wichtige Schlussfolgerung:

Wir müssen unsere gesamte Wirtschaft systematisch auf eine Kreislaufwirtschaft ohne unverwertbare Müllberge umbauen! Das geht. Allerdings darf niemand nachhaltige Erfolge binnen kurzer Zeit erwarten. Für große und äußerst komplexe Umstellungen braucht es einen sehr, sehr langen Atem. Jeder Politiker, der – vielleicht im Wahlkampfmodus – schnelle Lösungen verspricht, ist in Wahrheit ein Scharlatan. Das gilt – leider – in besonderem Maße für viele der Grünpolitiker und Grünpolitikerinnen. Anfänglich waren die Grünen bürgerliche Naturschützer. Heute sind sie dank der erfolgreichen Unterwanderung durch Kommunisten und Linkssozialisten betont gesellschaftspolitisch „rot“ ausgerichtet. Der Natur- bzw. Umweltschutz spielt bei der heutigen Grün-Partei nur mehr als Mäntelchen für den beabsichtigten Umbau der Gesellschaft eine tragende Rolle. Viele der nichtsozialistischen Grün-Wähler haben diese Manipulation noch nicht durchschaut.

Die Freiheitlichen waren die ersten Umweltschützer

Ganz anders, als es derzeit führende Medien mehr oder weniger breit ausmalen, waren keineswegs die Grünen die erste Partei, die sich um Umweltschutz und Klima bemühte. Die allererste Partei, die sich in Österreich systematisch um diese Bereiche kümmerte, war die FPÖ! Das ist leicht zu beweisen.

Lange bevor es überhaupt eine Grünpartei gab, betonte die FPÖ in ihren Programmen, in Sonderpublikationen und zusätzlich laufend im Parlament die Notwendigkeit, Natur und Umwelt zu schützen sowie auf erneuerbare Energien (z. B. Sonnenenergie) zu setzen. Diese freiheitliche Umweltpolitik beschrieb Siegfried Dillersberger in dem Buch „Mensch und Umwelt“ in gestraffter Darstellung[4]:

  • „Raum- und Lebensordnung“ im Bad Ischler Parteiprogramm 1998.
  • „Der Mensch und seine Umwelt“ im Freiheitlichen Manifest zur Gesellschaftspolitik aus dem Jahr 1973.
  • „Freiheitliches Energiekonzept“ als erstes Energiekonzept einer österreichischen Partei überhaupt in 1973.

Im „Parteiprogramm der FPÖ 1985“ umfassen die Kapitel „Rohstoffe und Energie“ sowie „Umweltpolitik“ 16 Druckseiten. Darin enthalten das klare Nein zur „energiewirtschaftlichen Nutzung der Atomkraft auf Basis der Kernspaltung beim gegenwärtigen Stand der Technik“, aber auch ein Ja „zur (weiteren) Atomforschung“.

Dillersberger bezeichnet in diesem Buch den Naturschutz als „eine Domäne des Dritten Lagers“ und unterstreicht die „ökologische Verantwortung der Nationalliberalen“. Diese umweltpolitische Linie der FPÖ setzt sich unbeschadet aller Umbrüche bis in die Gegenwart fort. Im „Handbuch freiheitlicher Politik“ (Wien, neuere Auflage) heißt es lakonisch: „Umweltschutz ist Heimatschutz“. Sämtliche Umweltschutzfragen (einschließlich Landwirtschaft und Tierschutz!) werden dort auf 22 großformatigen Druckseiten behandelt.

Angesichts dieser Beweiskette zeugt es zumindest von völliger Unwissenheit, wenn die jüngste Ankündigung von Norbert Hofer, die FPÖ werde im kommenden Wahlkampf mit dem Thema Klimawandel einen Schwerpunkt setzen, von nicht wenigen Zeitungen als eine Art Kuscheln vor einem Grün-Thema ins Lächerliche gezogen wurde. Damit niemand mehr mit dieser Lüge, Klimawandel sei nur ein Thema der Grünen, hausieren gehen kann, sei nochmals betont: Umweltschutz und Klimawandel sind seit gut 50 Jahren blaue Themen.

Energiepolitik als Teil der Klimapolitik

Der Nachruf auf die für die Öffentlichkeit unerwartet zerbrochene türkis-blaue Bundesregierung in Österreich unter AUFGEBLENDET im Genius-Brief Mai/Juni 2019 war übertitelt mit den Worten: „Schade um die Reform-Regierung!“ Eines dieser Reform-Vorhaben war die Klimapolitik. Sie war nicht zuletzt auf Drängen des freiheitlichen Koalitionspartners ein wichtiger Schwerpunkt im Arbeitsprogramm dieser nunmehr gewesenen Bundesregierung. Das Lesestück Nr. 3 im Genius-Brief vom Mai–Juni 2018 (d. h. von vor einem Jahr) befasste sich mit der Klimapolitik und besonders ausführlich mit der Energiepolitik der Koalitionsregierung. Darin bescheinigte der Verfasser den Türkis-Blauen: „Mit ihrem Energieprogramm ist die Koalitionsregierung auf der Höhe der Zeit.“ Alles, was dazu ausgeführt wurde, gehört in Wahrheit 1:1 zum Thema Klimawandel. Aus diesem Grund bitte ich die Leserinnen und Leser des Artikel „Klimawandel – zu ernst für Hysterie“, sich nochmals auch den seinerzeitigen Artikel „Energiepolitik in stürmischem Wandel“ in aller Ruhe zu Gemüte zu führen[5]. Darin finden sich auf immerhin 7 Genius-Druckseiten, schwerpunktmäßig gerafft, alle wichtigen energiewirtschaftlichen Entwicklungen und viele der energiepolitischen Maßnahmen von Politik und Wirtschaft, welche die künftige Klimapolitik massiv beeinflussen müssen. Denn selbstverständlich ist es eine Binsenwahrheit, dass ohne wirksame Energiepolitik eine effektive Klimapolitik unmöglich wäre.

Wie soll dem Klimawandel begegnet werden?

Klimawandel wird es immer geben. Die Fähigkeit des Menschen, sich den Umweltkapriolen auf dem Planeten Erde anzupassen, um dadurch überleben zu können, ist enorm. Nur dieser Fähigkeit verdanken wir es, zur beherrschenden Spezies auf der Welt aufgestiegen zu sein. Doch wir stoßen jetzt an unsere Grenzen. Grenzenlos ist nur der Drang des Menschen, bis an die jeweiligen Grenzen zu gehen. Grenzenlos erscheint uns auch das Weltall, dessen Eroberung wir jetzt beginnen. Doch unser Planet Erde und seine dünne Atmosphäre begrenzen unser Streben. Das müssen wir beachten.

Erst mit der Industrialisierung und der Wissensexplosion ist die Menschheit wirklich in das so genannte Anthropozän eingetreten. Dieses jüngste Erdzeitalter mit seinem Anwachsen der Menschenzahl von einst wenigen hundert Millionen auf derzeit achttausend Millionen konfrontiert uns mit der Begrenztheit des Planeten Erde. Angesichts dessen können und dürfen wir nicht einfach so weitermachen wie bisher. Machtvoll zu sein heißt, Verantwortung zu übernehmen. Dass manche Städte jetzt den „Klimanotstand“ ausrufen, ist als zeitgeistige Modeerscheinung in erster Linie der jeweiligen Marketing-Strategie zuzuordnen, aber besser als nichts. Diesem PR-Gag müssten in systematischer Reihenfolge nachhaltig wirksame Taten folgen, aber das wird leider oft und oft nicht geschehen. Vielmehr werden plakativ leicht zu bewerbende Schnellschüsse erfolgen. Wir werden es bedauerlicherweise erleben.

Da wir unseren gewohnten Lebensstandard nicht so ohne weiteres aufgeben wollen (oder auch können), müssen wir nolens volens unseren Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise nach und nach und vor allem systematisch komplett umkrempeln. Das wird uns nicht von heute auf morgen gelingen. Besonders muss der Überblick über den Gesamtzusammenhang gewahrt bleiben. Angesichts der komplexen Problemlage wird das die größten Schwierigkeiten mit sich bringen. Druckknopf-Lösungen dafür gibt es nicht.

Fernziel kann nur sein, vollständig auf nachhaltige Kreislaufwirtschaft umzustellen.

Dafür wird es unzählige Einzelmaßnahmen und die Änderung gewohnter Verhaltensweisen auf vielfältige Weise brauchen. Ob wir diesen Wettlauf gegen die Zeit, die uns der vom Menschen mitverursachte Klimawandel noch lässt, gewinnen werden oder nicht, kann niemand vorhersehen, geschweige denn zeitlich fixieren.

Umweltkatastrophen und unerwartet zuschlagende Naturgewalten werden Millionen von Menschenleben kosten. Das einzige, was wir dagegen tun können, ist jene Fülle an gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen in Gang zu setzen, die uns in Summe dem Ziel einer Kreislaufwirtschaft näher bringen. Freiheitliche Umweltpolitik mit Augenmaß wird dazu beitragen.

Anmerkungen

[1] Philipp Blom, „Die Welt aus den Angeln“, Carl Hanser Verlag, München 2017, Taschenbuchausgabe dtv, 302 Seiten.

[2] Jared Diamond, „Kollaps – Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“, S. Fischer Verlag, Frankfurt 2005, Fischer Taschenbuchausgabe, 704 Seiten.

[3] Zitiert aus „eco.nova“, Innsbruck, Ausgabe 06/2019, Seite 44.

[4] Vgl. „Mensch und Umwelt – grüne Fragen – blaue Antworten“, Freiheitliches Bildungswerk, Wien 1994, 37 Autoren, 408 Seiten.

[5] Vgl. Gerulf Stix, „Energiepolitik in stürmischem Wandel“, Genius-Brief Mai–Juni 2018.

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Bearbeitungsstand: Sonntag, 28. Juli 2019

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