Die neue Sklavenwirtschaft


Wie Immigration, Smartphone und Künstliche Intelligenz wirken


 Von Gerulf Stix

„Wir alle wollen Sklaven halten.“ – Diesen Satz schrieb ich schon 1978 nieder und begründete ihn ausführlich.[1] Offiziell ist die Sklaverei erfreulicherweise abgeschafft. Die diesbezügliche Geschichte der USA mit allen ihren Scheußlichkeiten ist bekannt. Weniger geläufig ist der Umstand, dass es auch in Europa Sklaverei gab. Nur trug die hier am weitesten verbreitete Form der Sklaverei einen anderen Namen: Leibeigenschaft. Sie wurde erst durch Kaiser Josef II. im Jahr 1781 in Österreich abgeschafft, in Preußen und Bayern erst später. Die Grunduntertänigkeit – eine Art von Halb-Sklaverei – wurde erst vom „Bauernbefreier“ Hans Kudlich – auf den sich die Freiheitlichen heute noch berufen – in Österreich 1848 beseitigt. Diese wenigen Geschichtsdaten mögen genügen, um in unser gegenwärtiges Bewusstsein die betrübliche Tatsache zu rücken, dass während des allergrößten Teils der Menschheitsgeschichte die Sklaverei ein normaler Bestandteil des Wirtschaftslebens war.

Hier nun eine provokante Frage: Hand aufs Herz, haben Sie sich nicht auch schon einmal dabei ertappt, heimlich von einem fügsamen Sklaven – natürlich gut gehalten – zu träumen? Vielleicht von einer fleißigen Hausgehilfin oder von einem Butler? Tatsache ist jedenfalls, dass praktisch jeder „besser Verdienende“ zumindest einmal in seinem Leben eine Putzkraft o. ä. gesucht hat. Natürlich gut bezahlt, wie man sich das eben einigermaßen leisten kann. Meist geht es um die Erledigung von schmutzigen, ungeliebten und in aller Regel „niedrigen“ Arbeiten. Auch die müssen getan werden, dürfen oder sollten aber möglichst wenig kosten. Seit Abschaffung der Sklaverei stehen dafür nur mehr bezahlte Kräfte zur Verfügung. Und mit dem Ausbau des Wohlfahrtsstaates sind auch die sogenannten Nebenkosten auf eine kaum mehr erschwingliche Höhe geklettert. Erschwerend kommt hinzu, dass mit steigendem Wohlstand immer weniger Leute bereit sind, für wenig Geld Schmutzarbeit zu verrichten. Die massenweise Immigration von „Wirtschaftsflüchtlingen“ kehrt diesen Trend nunmehr um. Nebenbei bemerkt sei daran erinnert, dass der in der einschlägigen Öffentlichkeit so heiß diskutierte „Facharbeiter-Mangel“ zu einem beträchtlichen Teil durch die verfehlte Bildungspolitik verursacht wird.

Anstatt höhere Löhne[2] zu erhalten, werden Einheimische der unteren Lohnstufen durch die deutlich billigeren Einwanderer schlicht und einfach verdrängt. Bevor wir uns aber dieser Teil-Wahrheit zuwenden, soll eine zweite und gleichfalls provokante These in den Raum gestellt werden: Ohne Sklaverei in irgendeiner Form würde die Wirtschaft nicht florieren!

Im ersten Moment wird diese schockierende These auf klare Ablehnung stoßen. Ob das wirklich dabei bleibt, werden nach und nach die hier folgenden Darlegungen zeigen. Die allmählich entstandene und sich in Zukunft noch ausweitende „technische Sklavenwirtschaft“ wird über die Wirtschaft hinaus unser ganzes Dasein bestimmen.

Was Karl Marx mit „Lohnsklaven“ meinte

Die absichtlich hart formulierte These, wonach die Wirtschaft ohne eine Art von Sklaverei nicht florieren würde, erinnert irgendwie an Karl Marx. Übrigens hatte er, der Halbgott aller Sozialisten, eine Haushälterin, genannt „Lenchen“, die er jahrelang eiskalt ausbeutete. Marx und seine Anhänger, die „Marxisten“, machen es sich insofern einfach, als sie die Gesellschaft bloß in die beiden Klassen der Bourgeoisie und der Proletarier einteilen. Die Proletarier sind die Habenichtse. Sie leben nur von ihrer Hände Arbeit, wofür sie aber von der Bourgeoisie ausgebeutet werden. Die Ausbeutung geschieht dadurch, dass die Arbeiterklasse nicht den Wert ihrer Arbeit bezahlt bekommt, sondern nur einen deutlich darunter liegenden Lohn. Der Proletarier ist zwar formal frei, weil er jedoch einzig und allein vom kargen Lohn seiner körperlichen Arbeit lebt, gilt er Karl Marx als „Lohnsklave“. Im Marxismus ist diese primitive Arbeitswert-Theorie zentral. Sie ist übrigens von der Österreichischen Schule der Nationalökonomie komplett widerlegt worden. Auch bezeichnet kein Geringerer als J. K. Galbraith – ein sehr sozial eingestellter Wissenschafter – den Umstand, dass „alle Arten von Arbeit – körperliche, geistige, künstlerische und unternehmerische – im Grunde genommen ein und dasselbe seien“, als eine „der ältesten und zugleich wirkungsvollsten Begriffsverwirrungen innerhalb der Sozialwissenschaften“.[3] Die Kommunisten setzen heute noch auf diese falsche Theorie vom Arbeitswert.

Der heutige Arbeitnehmer kann ja wirklich nicht mit dem Industrieproletarier von vor über 100 Jahren verglichen werden. Umfangreiche Arbeits- und Sozialrechte schützen heute den Arbeitnehmer. Das geht vom Kündigungsschutz über Arbeitszeiten-, Kranken- und Urlaubsregelungen bis zum Pensionsrecht und den Mindestlohnbestimmungen. Außerdem besitzen nicht wenige Arbeitnehmer sogar ein gewisses Vermögen, sei es ein Auto, eine Mieterschutzwohnung oder ein ererbtes Häuschen. Viel zu wenig wird beachtet, dass auch der gesetzliche Pensionsanspruch eine Art von Vermögen zur Versorgung im Alter darstellt!

Trotzdem gibt es einen Restbestand an Lohnsklaven im engeren Sinn. Leute, die wirklich nur von der Hand in den Mund leben. Fallen sie aus dem Erwerbsleben, so stehen sie arm da. Aber selbst in dieser menschlich ernsten Situation bleibt diesen wenigen Leuten das Arbeitslosengeld und verschiedene staatliche Zuwendungen. Es gibt also weit und breit nicht mehr die von Karl Marx als zahlenmächtig große Klasse bezeichneten Proletarier. Das gilt für alle, solange die Wirtschaft halbwegs floriert. Bei einer großen Wirtschaftskrise sieht das allerdings anders aus. Von einer solchen sind aber alle Menschen betroffen: Unselbstständige, Selbstständige und nicht zuletzt die Sparer als Besitzer von mehr oder weniger Finanzvermögen, das dann meist entwertet wird. Heute schon werden gerade die kleinen Sparer durch künstlich extrem niedrig gehaltene Zinsen in Verbindung mit der „normalen“ Inflation praktisch still enteignet. Die „Lohnsklaverei“ dürfte da das geringste Problem sein.

Immigration

Während Europa dank umfangreicher Sozialgesetzgebung die Lohnsklaverei praktisch beseitigt hat, kommt sie durch die Masseneinwanderung leider von außen wieder auf uns zu. Ausgerechnet die Rot-Grünen, die oft und gern auf die „Ungleichheit im Kapitalismus“ schimpfen, haben mit ihrer „Willkommenskultur“ für die Massen an Wirtschaftsflüchtlingen aus unterentwickelten, meist fremden Kulturkreisen sperrangelweit ein Tor für den Import neuer „Lohnsklaven“ geöffnet. Dieser innere Widerspruch in der rot-grünen Ideologie muss wohl als Treppenwitz der Geschichte betrachtet werden.

Man braucht sich in Mitteleuropa bloß umzuhören und umzuschauen:

Reinigungspersonal, Hilfsarbeiter am Bau, Taxifahrer usw. werden fast nur mehr von Immigranten gestellt. Ein besonders schlimmes Kapitel ist die Wiedereinführung der „Negersklaverei“ auf den italienischen und spanischen Gemüsefeldern. Die Berichte darüber lassen einem die Haare zu Berge stehen. Die Grenzen sind dabei durchaus fließend. Während z. B. auf den Feldern vieler Tiroler Gemüsebauern niedrig entlohnte Kräfte aus ost- und südosteuropäischen Ländern, d. h. aus EU-Mitgliedsstaaten, sowie Immigranten arbeiten, würde das Pflegesystem in Mitteleuropa ohne die vielen fleißigen und bescheidenen Pflegerinnen aus Osteuropa zusammen brechen. Ein weiterer Grund dafür, höhere Löhne zu bezahlen!

Wanderarbeiter hat es zu allen Zeiten gegeben. Das deutsche Wirtschaftswunder wäre ohne die Gastarbeiterwellen aus Portugal, Italien und dem ehemaligen Jugoslawien wohl kaum zustande gekommen. Aber die meisten dieser Leute sind früher oder später in ihre jeweilige Heimat zurück gekehrt. Geblieben sind nur kleine Gruppen oder gar nur Einzelne. Manchmal hat die Liebe zugeschlagen. Außerdem kamen bzw. kommen diese Leute aus dem europäischen Kulturkreis! Trotz sich ergebender Schwierigkeiten blieb deshalb die Verträglichkeit gewahrt, und es handelte sich auch nicht um eine Masseninvasion.

Anders sah und sieht dies bei den Türken aus. Anfänglich gezielt als Gastarbeiter angeworben, stellte sich später heraus, dass diese ganze Clans nach sich zogen, die mehrheitlich dableiben wollten und zudem aus einem islamischen Kulturkreis stammten. Delikat dabei ist die Wandlung der Türkei selbst vom ursprünglichen EU-Kandidaten – der in Europa besonders von freiheitlicher Seite stets abgelehnt wurde – zum selbstbewussten Nachfolgestaat des seinerzeitigen Osmanischen Reiches. Und Wien als Stadt hat damit eigene, blutige Erfahrungen gemacht. Die heutigen Probleme mit den türkischen und islamischen Gemeinschaften in Mitteleuropa sind bekannt.

Uns beschäftigt hier nur die wirtschaftliche Seite der Immigration. Denn ungeachtet dieser hat sich die Masseneinwanderung aus fremden Kulturkreisen längst zu einem weit über Wirtschaftsfragen hinausgehendem existenziellen Problem für ganz Europa ausgewachsen. Aber das ist nicht das Thema hier.

Die Explosion des technischen Könnens

Während Wander- und Gastarbeiter in allen neueren Epochen der Wirtschaftsgeschichte zu beobachten sind, ist die rasche Verlagerung ganzer Produktionszweige in ferne Billiglohnländer bei gleichzeitigem Behalt des Firmenhauptsitzes im (einheimischen) Stammland ein Phänomen der Neuzeit. Meist wird dabei an China gedacht. Doch begann auch diese Verlagerung schleichend schon in der Kolonialzeit. Heutzutage ist sie eine häufig in großem Stil angewandte Praxis. Eine Abschwächung erfährt diese nur dadurch, dass sich viele Firmen inzwischen dabei die Finger verbrannt haben, insbesondere in China. Grund dafür ist dessen respektloser Umgang mit westlichem Know-how. Aber auch das steht auf einem anderen Blatt.

In Wahrheit hat sich Europa und mit ihm der euro-amerikanisierte Teil der Welt erst durch die Explosion seines technischen Könnens in den letzten rund 200 Jahren wirtschaftlich zu seiner heutigen Größe entwickelt. Auf Grundlage der sich entfaltenden Naturwissenschaften samt dazupassender Philosophie hat unsere Technik in atemberaubendem Tempo zu einer bis dahin nicht vorstellbaren Wirtschaftsproduktivität geführt. Diese betrifft sämtliche Wirtschaftszweige, beileibe nicht nur die Industrie! Ein Beispiel aus der Landwirtschaft möge das veranschaulichen: Noch in meiner Kindheit waren bei Feldarbeiten in der Landwirtschaft 10, 20 und mehr Leute draußen zu sehen. Heute fährt ein Mann mit seinem (großen) Traktor mit angehängtem Maschinenteil aufs Feld und erledigt die anfallende Arbeit binnen weniger Stunden praktisch allein. Der Vergleich macht den Produktivitätsfortschritt durch Technik und Können hier überdeutlich. In der allgemein zugänglichen Statistik wird bei der erwerbstätigen Bevölkerung heute ausgewiesen, dass – je nach Jahr und westlichem Land – nur mehr 4–6 % in der Landwirtschaft tätig sind. Vor 200 bis 300 Jahren arbeiteten mehr als 50 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft! Aber was hat das mit Sklavenwirtschaft zu tun?

Die Technik ersetzt die Sklaven

Die Sklavenhaltung von Menschen wurde in Europa erst im 18. bzw. im 19. Jahrhundert abgeschafft. Die Versklavung bestimmter Tierarten hingegen gibt es bis heute. Die gesamte Viehwirtschaft baut darauf auf. Das sei nur als Anmerkung festgehalten. Parallel zur Abschaffung der Menschen-Sklaverei – und um diese geht es bei den Überlegungen hier – sind nach und nach technische Sklaven an die Stelle der Menschensklaven getreten. Anfänglich waren dies Dampfmaschinen aller Art. Bald kamen die Verbreitung der Elektrizitätswirtschaft, der Verbrennungsmotor und die Entwicklung vielseitiger Kommunikationsmittel hinzu. Nicht zu vergessen die Eroberung des Luftraums durch Fluggeräte aller Art. Die Einzelheiten der technischen Gesamtentwicklung sind allen Lesern bekannt.

Im Laufe mehrerer Generationen entwickelte sich eine bis dahin so nicht vorstellbar gewesene Wirtschaft mit Hilfe technischer Sklaven. Motorbetriebene Maschinen übernahmen immer mehr der schweren, schmutzigen und zeitraubenden Arbeiten. Noch war es nötig, insbesondere in der Industrie, die Maschinen durch Menschen bedienen zu lassen. Fließbänder zerlegten die Produktionen in kleine Teilschritte. Für das Bedienungspersonal blieben ein paar Handgriffe übrig. Als Zwischenstadium stellte sich „Lohnsklaverei“ ein. Doch diese Lohnsklaverei wurde schrittweise überwunden.

Das System aus vielfältigen Maschinen und Motoren in einem gesellschaftlichen Verbund steigerte in ungeahntem Ausmaß die Produktivität der Gesamtwirtschaft. Sogar die gewaltigen Zerstörungen, die die Weltkriege mit sich brachten, wurden dank der ungeheuren Produktivität dieser technischen Sklavenwirtschaft binnen weniger Jahrzehnte beseitigt. Wohlstand in einem allgemeinen Sinn wurde bei uns „im Westen“ zum Massenphänomen. Und alle Entwicklungsländer erstreben unsere Lebensverhältnisse!

Es ist wichtig, sich diese Auswirkungen als das Ergebnis einer technisierten Sklavenwirtschaft vor Augen zu halten. Mit „normaler“ Nationalökonomie aus vor- oder frühindustriellen Zeiten hat das kaum mehr etwas zu tun, obwohl damals schon die Grundlagen für unsere heutige Technik gelegt wurden.

Die Roboter auf dem Weg zur KI

Zwar befinden wir uns bereits inmitten einer technisierten Sklavenwirtschaft, aber bis zu ihrem Höhepunkt liegt doch noch ein längerer Weg vor uns. Den Höhepunkt wird der Einzug der KI (Künstlichen Intelligenz) in alle Wirtschafts- und Lebensbereiche bilden.

Man halte sich einmal vor Augen, was allein in den letzten Jahrzehnten und Jahren wissenschaftlich-technisch realisiert worden ist. Seit der Zeit, da ich gewissermaßen als „gemachter Mann“ in den Zenit meines Berufslebens eintrat, wurden die nachfolgend und hier nur beispielhaft erwähnten Errungenschaften Wirklichkeit:

Mondlandung – Satellitentechnik – GPS – Computer – Internet – E-Mail-Verkehr – Mobiltelefon (Smartphone) – Entschlüsselung des menschlichen Genoms.

Die wissenschaftlich-technischen Fortschritte, die dadurch ausgelöst wurden, berühren sämtliche Lebensbereiche und sind unüberschaubar geworden.

Dass die technische Globalisierung Massentourismus, von Autos verstopfte Straßen, Massen-Flugreisen und die Gleichzeitigkeit weltweiter Informationsfluten nach sich zog und weiterhin mit sich bringt, ist längst Allgemeinwissen. Weniger bekannt sind die Fortschritte der Gehirnforschung bis hin zum Gedankenlesen. Wir haben darüber in den Genius-Lesestücken laufend berichtet. Über die weltweiten Entwicklungen bei autonom fahrenden Autos usw. berichten die Tagesmedien ebenso wie über die von Pflegerobotern. Überhaupt lernen die Roboter in rascher Abfolge immer mehr dazu. Leider betrifft das auch und vermutlich sogar vorrangig das Kriegswesen.

Für alle diese Bestrebungen lautet das Schlüsselwort schlechthin KI, also Künstliche Intelligenz. Sie soll die Roboterisierung krönen. Das erhoffen sich jedenfalls ungezählte Wissenschafter und Techniker, die hoffnungsvoll an der Realisierung von KI arbeiten.

Inzwischen machen sich aber Politiker, Philosophen und Soziologen schon Gedanken, ob die KI nicht zu einer völlig neuartigen Versklavung des Menschen durch eine Technik führt, die sich zur Herrschaft über den Menschen aufschwingt? Diese Frage bleibt offen.

Die neue Sklavenwirtschaft

Man mag es drehen und wenden wie man will, wir leben inmitten einer neuartigen Sklavenwirtschaft. Und komplementär dazu wird derjenige, der eine roboterisierte Fabrik o. ä. organisiert bzw. beaufsichtigt, zu einer Art von modernem Sklavenhalter oder Sklavenaufseher. Wenn Sie, verehrte Leserinnen und Leser, diese schwer fassbare Feststellung gelesen haben, dann greifen Sie vielleicht zu Ihrem „Handy“ (ein technischer Sklave) oder gehen zu Ihrem Auto (ein technischer Sklave) oder schalten das Licht (ein technischer Sklave) aus. Halt, zuvor schalten Sie vielleicht noch Ihren Computer (ein technischer Sklave) ab, bevor Sie zum Fernsehgerät (ein technischer Sklave) gehen und es einschalten. Braucht es der Beispiele mehr?

Eine Versorgungsmaschinerie von einer in historischen Dimensionen betrachtet nie dagewesenen Produktivität hüllt uns Menschen ein. Während das Versorgungsproblem im Großen und Ganzen mehr als gelöst ist, schlagen wir uns politisch erbittert mit Detailproblemen in diesem Bereich herum. Ob das die Erhaltung der Arbeitsplätze, die Sicherung der Renten oder die Kosten der ausufernden Altenpflege sind, ist uns zwar wichtig, genau genommen aber nur von zweitrangiger Bedeutung, wenn man an die unvorstellbar angestiegene Produktivität der Gesamtwirtschaft denkt.

Hingegen fällt es uns besonders schwer, jene großen Gefahren zu erkennen und richtig zu bewerten, die als Folge dieser jahrhundertelangen Wirtschaftsentwicklung auf uns zukommen. Die größten dieser Gefahren sind Rohstoff- und Naturverbrauch sowie die wechselseitige Abhängigkeit von jedem und allem („Blackout“). Die gravierendste Folge ist wahrscheinlich der große Anteil des modernen Menschen am gegenwärtigen Klimawandel. Dieser erfordert zunehmend unsere spezielle Aufmerksamkeit.

Gesellschaftspolitisch droht zudem der „gläserne Mensch“, der Verlust generationenlang erfahrener Gemeinschaften (Identitäten) sowie das Ende der hart erkämpften demokratischen Selbstbestimmung der Völker.[4] Haben wir den wirtschaftlichen Wohlstand mit dem Verlust der Freiheit erkauft? Werden die Menschen allmählich spüren, dass intelligente Roboter drauf und dran sind, die Individuen und Völkerschaften neuerlich zu versklaven? Wurde die Versklavung von Menschen abgeschafft, um sie über den Umweg der Roboterisierung und KI am Ende für alle Menschen doch wieder einzuführen?

Fragen über Fragen, auf die gültige Antworten bislang fehlen. Einstweilen bleibt uns nach Prüfung aller Fakten nur der Befund, dass wir heute bereits in einer neuen, hoch technisierten Sklavenwirtschaft leben. Was sich hinter dem wirtschaftlichen Horizont an politischen Problemen neu zusammenbraut, wissen wir nicht.

Anmerkungen

[1] Vgl. Gerulf Stix, „Die arbeitslose Gesellschaft“, Orac-Verlag, Wien 1978, Seite 135 ff.

[2] Vgl. Gerulf Stix, „Kaufkraft ankurbeln!“, Genius-Brief 2011-9+10

[3] Vgl. J. K. Galbraith, „Gesellschaft im Überfluß“, deutsch München 1959, Seiten 296 ff.

[4] Vgl. Junius, „Wie gefährlich ist ‚Künstliche Intelligenz‘?“, Genius-Brief 2018-7+8

Wenn Ihnen dieser Artikel besonders gefallen hat, können Sie uns gern eine kleine Spende überweisen: An die Genius-Gesellschaft für freiheitliches Denken, Wien, IBAN: AT28 6000 0000 9207 5830 BIC: OPSKATWW. Auch über kleine Spenden wie € 5,– oder € 10,– freuen wir uns und sagen ein herzliches Dankeschön.

Bearbeitungsstand: Freitag, 27. September 2019

Mit Unterstützung von:

Verweis in neuem Fenster öffnen

Ja, senden Sie mir die GENIUS-Briefe gratis zum Kennenlernen an diese meine E-Mail-Adresse:

Mir ist bekannt, dass ich obige Zusendung jederzeit stornieren kann. Dazu muss ich nur auf die letzte Zeile in jedem GENIUS-Brief klicken.
Meine E-Mail-Adresse wird nur für Versandzwecke gespeichert.
 

 
Genius – Gesellschaft für freiheitliches Denken, Verein mit Sitz in Wien. ZVR 127778490
c/o Mag. Erich Wachernig, Hegergasse 3/7, 1030 Wien, Telefon +43/0/650 7982 151, EMail: verein@genius.co.at
Wiedergabe von Genius-Lesestücken nur mit Zustimmung der Genius-Gesellschaft